Donnerstag, Januar 24

Die Geschichte der Würfel- und Kartenspiele im Überblick

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Würfel- und Kartenspiele sind fast so alt wie die Menschheitsgeschichte selbst. Heute verschaffen wir uns einen geschichtlichen Überblick über diese zwei alten Formen der Unterhaltung, die über Jahrtausende in allen Schichten der Gesellschaft Anklang fanden und bis heute ein Teil der Freizeitgestaltung sind.


Kartenspiele – von China nach Europa

Die chronologische Verfolgung des Werdegangs der Kartenspiele ist relativ schwierig, da viele Nachweise der Zeit zum Opfer gefallen sind. Die frühesten Beispiele für Spielekarten findet man in China und Korea. Vom Fernen Osten gelangten die Karten nach Vorderasien und Europa. Es ist bewiesen, dass Kartenspiele eine beliebte Freizeitbeschäftigung im Orient waren. Deshalb vermutet man, dass sie durch den regelmäßigen wirtschaftlichen und kulturellen Austausch nach Europa gelangten. Eine weitere Theorie besagt zudem, dass der italienische Händler und Reisende Marco Polo nach einer Reise die Spielkarten nach Venedig brachte. Von dort aus expandierten sie nach ganz Europa. Doch es sind nicht genügend geschichtliche Beweise vorhanden, die diese Theorien bestätigen können. Sicher ist jedoch, dass die Karten beginnend mit dem 14.Jahrhundert in Windeseile sich von Süden nach Norden in Europa ausbreiteten.

Das Florentiner Verbot von „Naibbe“ sowie der Traktat des Johannes von Rheinfelden über die Karten gelten dabei als die ersten offiziellen Beweise für das Kartenspielen im Abendland. Wie auch beim Würfelspiel versuchte man das Kartenspiel mit Geldeinsatz zu unterbinden. Doch mit der Zeit lockerten sich die Gesetze, wodurch die Vielfalt der Kartenspiele zunahm. Erstens entstanden regional unterschiedliche Decks, von denen sich das französische Blatt mit Treff oder Kreuz, Herz, Pik und Karo, das spanisch-italienische Blatt mit Stäben, Münzen, Kelchen und Schwertern sowie das deutsche Blatt mit Eichel, Herz, Schellen und Laub durchsetzten. Zweitens wurde Frankreich das europäische Zentrum des Kartenspiels. Viele Varianten wurden hier entwickelt und im 17. Jahrhundert in andere Länder eingeführt, die bis heute originalgetreu oder in abgewandelter Form existieren. Im 20. Jahrhundert entstanden durch die zunehmende Popularität der Brettspiele neue Formen, die Karten und das Brettspiel miteinander kombinierten.

Würfelspiele – eine uralte Form der Unterhaltung

Die ältesten gefundenen Würfel stammen aus Ägypten und Mesopotamien aus dem dritten Jahrtausend vor Christus. Zudem wurde in den archäologischen Stätten der sumerischen Stadt Ur, die im Irak liegt, ein Brettspiel mit Spielsteinen und Würfeln entdeckt. Genannt wurde es „Das Königliche Spiel von Ur“, das in groben Zügen an „Mensch ärgere Dich nicht“ erinnert. In Ägypten wurden die Überreste eines ähnlichen Spieles namens „Senet“ gefunden. Wie auch „Das Königliche Spiel von Ur“ konnte seine Beliebtheit in den oberen Schichten der Gesellschaft nachgewiesen werden. Neben geometrischen Würfeln war die Verwendung von sogenannten Astragali, die Sprunggelenkknöchelchen von Herdentieren als Würfel, weit verbreitet.

Im antiken Griechenland wurden Geschicklichkeits- und Würfelspiele mit diesen Knöchelchen unter dem Begriff Astragaloi zusammengefasst. Noch heute findet man sie in einigen Dörfern Frankreichs, Griechenlands und des Vorderen Orients wieder. Die Verbreitung der Würfelspiele in allen Schichten der Gesellschaft konnte man deutlich im antiken Rom nachweisen. Grundsätzlich spielte man für den Zeitvertreib. Nur während der Saturnalien, welche ein Fest zu Ehren des Gottes Saturn um die Wintersonnenwende war, erlaubte man das Spielen um Geld und Geschenke. Jenseits der römischen Grenzen waren Partien um materielle Güter jedoch keine Seltenheit.

Die Geschichte der Würfel- und Kartenspiele im Überblick
Würfel gehören zu den ältesten Spielelementen der Geschichte und wurden bereits im dritten Jahrtausend vor Christus eingesetzt.

Die germanischen Völker liebten die Herausforderung und setzten gerne ihre Habseligkeiten ein. Im Mittelalter und in der Neuzeit waren Würfelspiele in allen gesellschaftlichen Schichten Europas verbreitet, aber auch verpönt. Durch strenge Regeln versuchten die Kirche und die städtischen Behörden lange Zeit das Spielen um Geld und Sachwerte zu unterbinden. Doch die Bemühungen waren vergebens. So war „Hazard“ bis zum 19. Jahrhundert eines der Lieblingsspiele der europäischen Bevölkerung, das sogar in vielen künstlerischen und literarischen Werken der damaligen Zeit, wie im Gemälde „Der Würfelspieler“ von Simó Gómez, thematisiert wurde. Obwohl Würfelspiele äußerst beliebt waren, spielte die Kombination aus Brett, Würfel und Spielsteinen in Europa lange Zeit eine untergeordnete Rolle. Eine Ausnahme war das beliebtes „Gänsespiel“ aus dem 15. Jahrhundert, das als Urmodell für viele Laufspiele gedient hat, sowie Roulette, das in den 1790ern in Pariser Casinos an Popularität gewann. Erst im 20. Jahrhundert waren Brettspiele mit Würfeln vermehrt im Aufkommen.

Heute werden sowohl die traditionellen Formen der Würfel- und Kartenspiele als auch neuere Varianten gerne gespielt, fallen jedoch der zunehmenden Digitalisierung in der Unterhaltungsindustrie zum Opfer. Die Zukunft wird uns zeigen, ob diese traditionellen Spiele, die sich Jahrtausende lang verändert und weiterentwickelt haben, weiterhin in Gesellschaft gespielt oder durch Tablets und Co. zur Einzelspielerunterhaltung werden.

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About Author

André Volkmann ist freier Journalist mit Schwerpunkten in den Bereichen Lokalnachrichten und Spiele-Journalismus.

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