[Anzeige] „Jahre des Jägers“ von Don Winslow: Trilogie schließt mit furiosem Finale

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Lesezeit: 5 Minuten

Nach „Die Tage der Toten“ aus dem Jahr 2010 und „Das Kartell“ aus 2015, findet Don Winslows Trilogie über den Drogenkrieg zwischen Mexiko und den USA ihr Ende. Auf über 980 Seiten in der Hardcover-Version beweist Winslow, welche Schreckensszenarien er „bildgewältig“ auf einfache Buchseiten bringen kann. „Die Jahre des Jägers“ ist erneut mehr als nur ein Drogenkrimi, es ist eine Reise durch eine brutale Welt in einer skrupellosen Zeit – eindringlicher, exzessiver und unberechenbarer als in den Bänden zuvor. Dieser Roman ist nichts für schwache Nerven, lesen sollten ihn aber auch zartbesaitete Gemüter: Literarisch hat Winslow viel zu bieten.


Winslow macht ernst

Es gibt Schriftsteller, die schaffen es auf eindrucksvolle Weise, ihre Geschichten in die Köpfe der Leser zu hämmern: Don Winslow ist einer von ihnen – und er beherrscht die Fähigkeit meisterhaft. Wie „Tage der Toten“ und „Das Kartell“ ist auch der neue Roman „Jahre des Jägers“, in deutscher Sprache erschienen im Verlag Droemer-Knaur, eine Tour de Force durch den mexikanischen Drogensumpf.

Erneut kreist die Handlung um den vermeintlichen Helden des Drogenkriegs Art Keller. Erneut geht es um den ewigen Krieg gegen Drogenboss Adán Barrera als das personifizierte Böse, das mit nahezu magischer Anziehungskraft für Faszination beim Leser sorgt. Art Keller hätte schwören können, dass er Barrera am Ende von „Das Kartell“ endgültig besiegt hat. Statt der finalen, alles entscheidenden Schlacht, hat Keller allerdings nur ein weiteres Scharmützel für sich entschieden. Das große Finale folgt nun in „Jahre des Jägers“ – und alles läuft anders als jemals zu vor.

Art gerät mitten zwischen die Fronten“

Klappentext

Politik spielte bereits in den vorangegangenen Büchern eine maßgebliche Rolle. Im finalen Band der Drogenkrimi-Trilogie offenbaren sich die hässlichen Fratzen der korrupten politischen Landschaften von Mexiko und den USA. Korruption ist nicht mehr nur ein existierendes Übel, sie ist die stärkste Waffe der kriminellen Organisationen.

Der Klappentext sagt alles: "Unfassbar. Grausam. Real". Foto: André Volkmann
Der Klappentext sagt alles: „Unfassbar. Grausam. Real“. Foto: André Volkmann

Über Jahre haben die Kartelle die US-amerikanischen Regierung unterwandert, an deren Spitze nun ein neuer Präsident steht. „Die Jahre des Jägers“ ist eine „erschütternde Geschichte über Rache, Korruption und Gerechtigkeit und ein schonungsloses Portrait des modernen Amerika“, heißt es auf dem Buchrücken. Tatsächlich.   

Grenzüberschreitend

Was im deutschsprachigen Raum „Jahre des Jägers“ heißt, nennt sich im Original schlicht „The Border“, die Grenze. Und mit Grenzen hat dieser Roman viel zu tun, vor allem mit denen im eigenen Kopf. Don Winslow überwindet mit seinem aktuellen Werk fast alle Grenzen: die der Gedanken an eine gute Welt, die des guten Geschmacks, die des Gefühls von Sicherheit. Auf fast 1.000 Seiten entspinnt Winslow eine Handlung, von der man eigentlich gar nichts wissen will, aber wissen muss. Weil die moderne Welt auch auf diese Weise funktioniert.

Die Handlung überwindet Grenzen. Foto: André Volkmann
Die Handlung überwindet Grenzen. Foto: André Volkmann

Grenzen überwindet Don Winslow in „Jahre des Jägers“ auch geografisch, denn die Handlung spielt sich zu einem wesentlichen Teil auch in den Vereinigten Staaten ab. Auf den Drogenkrieg zwischen Mexiko und den USA blicken Leser daher aus einem völlig neuen Winkel. Der Grad der Spannung ist enorm, teilweise unaushaltbar. Zu gern würde man als Leser Passagen überspringen, nur um einzelne Szenen schneller aufzulösen. Wirklich tun sollte man das nicht, denn es sind mitunter Details, die die Krimigeschichte ausmachen. 

„Adán Barrera wurde im Tod, was er im Leben niemals war. Ein Rockstar.“

aus „Jahre des Jägers“

Mitverantwortlich für den Erfolg der Trilogie sind die Figuren, die Don Winslow – teilweise basierend auf real existierenden Personen – erschaffen hat. Vor allem Adán Barrera begeistert Leser mit seiner Gratwanderung zwischen charmant und scheußlich. „Barrera war ein Phantom, eine Schimäre, die rätselhaft unsichtbare Macht hinter der weltweit größten Terrororganisation, ein Genie, das sich weder fasse noch aufspüren ließ.“ Die Geschehnisse um Adán Barrera sind eine Geschichte in der Geschichte, fein verwoben mit dem großen Ganzen.  

"Vegas, Baby." Foto: André Volkmann
„Vegas, Baby.“ Foto: André Volkmann

Auf wundersame Weise ist „Jahre des Jägers“ ein Familientreffen des Grauens – und der Leser freut sich beschämt darüber. Auf alte Bekannte trifft man in „Jahre des Jägers“ oft. Mit einem Lächeln erinnert man sich dann an all jene Schandtaten, für die Haupt- und Nebencharaktere der Drogenkrimi-Trilogie bekannt sind – und zwar auf allen Seiten des Kämpfenden. Wie ausladend der neue Roman mit den Figuren umgeht, beweist bereits die Tatsache, dass das Personenverzeichnis insgesamt 57 Einträge enthält. Und jede einzelne hat Relevanz. Nicht immer ist das übersichtlich, weil viel passiert. Manchmal in rascher Folge.

„Wortgewaltätigkeiten“

Bei all den Schrecken, die auch in „Jahre des Jägers“ wortgewaltig beschrieben werden, fühlt man sich als Leser schuldig, weil man Gefallen an der Ausgestaltung der Handlung findet. Don Winslow gelingt es erneut, Fakten und Fiktion derart zu vermischen, dass daraus eine glaubwürdige Geschichte entsteht, die den mexikanischen Drogenkrieg thematisch greifbar macht – in all seiner brutalen Absurdität. Mit „Jahre des Jägers“ hat Winslow erneut einen beachtenswerten Roman geschrieben, der unbestreitbar zu den besten des Jahres gehören wird, vielleicht sogar Krimi des Jahres ist, obwohl das Jahr erst begonnen hat.

Vielleicht der beste Krimi des Jahres. Foto: André Volkmann
Vielleicht der beste Krimi des Jahres. Foto: André Volkmann

Das schonungslose Abenteuer zeichnet auch ein Abbild der realen Welt. Winslow spart nicht mit Kritik als politischen Systemen und überbordender Macht. Viele der todbringenden Konflikte hält Don Winslow für vermeidbar. Winslow ist kein Politiker, aber er ist ein politischer Mensch. „Jahre des Jägers“ legt nicht selten den Finger in eine von vielen Wunden der US-amerikanischen Polit-Landschaft. Seine Erzählungen wirken düster, verzweifelt, meist aussichtslos – und die Bürokratie trägt ihren Teil dazu bei, damit an einen Frieden nicht zu denken ist.

"Aber es gibt Hoffnung." Foto: André Volkmann
„Aber es gibt Hoffnung.“ Foto: André Volkmann

Und dann ist da noch diese Grenze, „The Border“, der Plan einer Mauer zwischen den USA und Mexiko. „Jahre des Jägers“ fühlt sich an wie ein Angriff auf die aktuelle US-amerikanische Präsidentschaft, vielleicht zurecht. In einer kargen Landschaft einfach eine Mauer hochzuziehen, kann keine Lösung für ein Problem sein, für das keine Grenzen zu existieren scheinen. In seinem Roman macht Winslow das Drogenproblem erneut für Jedermann greifbar, mal subtil – mal mit der bluttriefenden Brechstange, immer jedoch nachvollziehbar eingebettet in einen Handlungsrahmen. „Jahre des Jägers“ von Don Winslow, erschienen im Verlag Droemer-Knaur, ist ein Meisterstück.  


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About Author

André Volkmann ist Journalist mit Schwerpunkten in den Bereichen Lokalnachrichten und Spiele-Journalismus.

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