Rezension zu Robinson Crusoe: Abenteuer auf der verfluchten Insel

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Lesezeit: 8 Minuten

Robinson Crusoe: Abenteuer auf der verfluchten Insel ist ein kooperativ spielbares Spiel, in dem wir auf einer unbekannten Insel stranden, fernab der Zivilisation. Ein Kampf ums nackte Überleben steht uns bevor.


Um überleben zu können, müssen wir uns schnell aufmachen, die Insel zu erforschen, Nahrung zu sammeln und Ausrüstung sowie einen Unterschlupf zu bauen. Da uns allerhand Gefahren auflauern, müssen wir auf der Hut sein, aber dennoch Risiken eingehen. Das Spiel Robinson Crusoe ist von Autor Ignacy Trzewiczek, den wir bereits von Spielen wie 51st State, Imperial Settlers und Detective kennen. Seine Spiele werden vom polnischen Verlag Portal Games herausgegeben und von Pegasus lokalisiert.

„Eine Insel voller Abenteuer und Geheimnisse erwartet euch!

Ihr seid auf einer einsamen Insel gestrandet und hofft auf Rettung. Doch zunächst müsst ihr euer nacktes Überleben sichern. Erforscht dazu die Insel, sucht nach Nahrung und baut euch einen Unterschlupf, um vor Regen, Kälte und Wind geschützt zu sein. Fertigt Gegenstände, um euer Leben zu erleichtern, und baut Waffen, um den Gefahren der Insel zu trotzen.

Und seid immer auf alles vorbereitet, denn die Ereignisse werden sich überstürzen…“

Teaser zu Robinson Crusoe – Abenteuer auf der verfluchten Insel

Ein Spiel mit Szenarien und Story

Aktuell stehe ich sehr auf Spiele, die Geschichten während des Spielens erzählt, also so etwas wie Szenarien enthält. Robinson Crusoe ist ein bekannter Vertreter solcher Spiele, ein Klassiker, der oft von anderen Brettspielern empfohlen wird.

Foto: Melanie Dürbeck

Es ist nicht nur kooperativ spielbar, sondern auch alleine, was mit einer der Hauptgründe für meine Kaufentscheidung war. Als ich dann auch endlich ein passendes Inlay gekauft und gebaut hatte, welches das viele Spielmaterial in Zaum hält, konnte ich endlich anfangen.

Inselleben auf einem übersichtlichen Spielbrett

Das Spielbrett ist übersichtlich und grafisch thematisch gestaltet. Man hat all das, was auf der Insel passiert, auf einem Blick.

Durch die Gestaltung weiß der Spieler leicht, wo was genau passiert. Foto: Melanie Dürbeck
Hier werden die Inselteile abgelegt. Zu Beginn von Szenario 1 kennen die Abenteurer erst einen kleinen Teil der Insel. Foto: Melanie Dürbeck
Oben befinden sich die Kiste für das Inventar und die Skalen für den Unterschlupf mit Stärke von Dach und Palisaden, ebenso die Waffenstärke. Darunter ist viel Platz für die verfügbaren Ausrüstungsgegenstände und Waffen. Foto: Melanie Dürbeck
Das andere benötigte Material, die Szenatiobeschreibung und die Playerboards, werden neben das Spielbrett platziert. Foto: Melanie Dürbeck
Alles in allem wird viel Platz auf dem Tisch benötigt. Foto: Melanie Dürbeck

Umständliches Regelwerk

Der Spielaufbau ist noch nachvollziehbar und einfach. Aber danach fällt es beim Lesen der Anleitung schwer, einen roten Faden zu erkennen. Gefühlt werden kreuz und quer Teilaspekte des Spiels alleine erklärt, allerdings nicht in einem Zusammenhang mit den Phasen oder Aktionen. Das macht es schwer, die Regeln im Kopf zu behalten oder es dauert, bis man etwas nachschlagen konnte. Man fühlt sich leicht erschlagen. Empfehlenswert ist die Nutzung von Regelvideos und Playthroughs auf Youtube, um ein gutes erstes Gefühl für den Spielabflauf zu erhalten.

Zügiger Ablauf der Phasen

Der Spielablauf an sich geht, sobald man es kennt, einigermaßen flüssig. Eine Leiste oben auf dem Spielbrett zeigt an, wie die Reihenfolge der Phasen einer Runde ist.

Wir befinden uns aktuell in Phase 1 der Runde. Das bedeutet, wir ziehen eine Ereigniskarte. Foto: Melanie Dürbeck

Eine Spielerhilfe unterstützt beim Ablauf. In den Stellen auf dem Brett, die für die einzelnen Phasen genutzt werden, finden sich die Icons wieder, so dass man sich bequem an der Phasenleiste entlanghangeln kann. Das ist gut gelöst worden.

Nachdem in Phase 1 die Ereigniskarte abgehandelt wurde, wird die Moralleiste überprüft und entsprechend Entschlossenheitsplättchen genommen oder weggelegt. Anschließend werden sich Ressourcen genommen von dem Inselkartenteil, auf dem wir uns befinden.

Die Aktionen

Der Abschnitt für das Kernstück des Spiels, die Aktionen, befindet sich am unteren Ende des Spielbretts. Zuerst werden alle Spielsteine zugeordnet, die Ressourcen beigelegt, und dann in einer festen Reihenfolge von links nach rechts abgehandelt.

Wir haben als erstes die Möglichkeit, drohendes Unheil frühzeitig unschädlich zu machen, bevor dieses in einer der nächsten Ereignisphasen eintritt. Jede Runde kommt eine neue Karte hinzu und schiebt die vorherigen Karten weiter. Sobald eine Karte auf diese Weise vom Spielbrett fliegt, tritt sofort ein Ereignis in Kraft.

Die erste Karte im Spiel bewirkt zum Glück kein Unheil, allerdings würden wir Nahrung erhalten, wenn wir einen unserer Abenteurer für die Aufgabe abstellen. Foto: Melanie Dürbeck
Sobald hier eine Karte liegt, dürfen wir mit zwei Aktionssteinen auf die Jagd gehen und können bei Erfolg Nahrung und Fell erhalten. Foto: Melanie Dürbeck
Bauen, Ressourcen sammeln oder Erkunden: Sobald eine Aktion nicht mit zwei Aktionsscheiben getätigt wird, müssen die Würfel rollen. Diese zeigen, ob der Abenteurer eine Wunde erleidet, bei der Aktion erfolgreich war und ob etwas Besonderes passiert ist, weswegen wir eine Karte ziehen müssten. Foto: Melanie Dürbeck
Abenteurer dürfen auch an ihrer Motivation arbeiten oder sich um eine Gesundheit heilen. Foto: Melanie Dürbeck

Worauf man dringend achten muss, dass alle in der Aktionsphase erhaltenen Ressourcen und Werkzeuge erst nach der Phase zur Verfügung stehen. Ebenso sind Kleinigkeiten bei bestimmten Plättchen zu beachten, ebenso bei gezogenen Karten. Bestimmte Kartentypen oder Plättchen haben in jedem Szenario andere Eigenschaften.

Am Tagesende kann noch viel passieren

Die letzten beiden Phasen in der Runde, die Wetter- und die Nachtphase, stellen unsere Abenteurer vor weiteren echten Schwierigkeiten. Sollten neben Wetterplättchen noch Wetterwürfel auf dem entsprechenden Feld liegen, müssen diese geworfen werden. Dadurch wird unter anderem ermittelt, ob es in unseren Unterschlupf reinregnet, oder ob wir Holz abgegeben müssen, um bei der Kälte heizen zu können. In der Nachtphase muss meistens Nahrung abgegeben werden. Jedes Mal, wenn wir nicht gut genug geschützt sind oder nichts abgeben können, erleiden alle Abenteurer schaden! Diese beiden Phasen dürfen also während der Aktionsplanung nicht außer acht gelassen werden.

Laut Szenario müssen in der Phase leider drei Würfel gewürfelt werden, die uns einiges abverlangen können. Foto: Melanie Dürbeck

Verwirrende Ikonographie

Die ersten Partien können dann trotz des einfachen Rundenablaufs wegen der nicht immer ganz eindeutigen und verwirrenden Iconografie ins Stocken geraten. Es bleibt also nicht aus, dennoch immer wieder in das Heft zu gucken, das zwar im Anhang auch einige Karten und Plättchen erklärt, aber nicht alle und auch nicht vollständig, was zum Beispiel die Voraussetzungen zur Nutzung betrifft.

Zum Beispiel werden auf den Inselplättchen als Ressourcenquelle zwei Grafiken verwendet, die eigentlich für die ein und dieselbe Ressource gelten. Sowohl ein Fisch als auch ein Papagei zeigen an, dass man eine Nahrung erhält. Die Bedeutungen weiterer Icons variieren je nach Spielmedium, Ausrüstungskarte oder Erkungsplättchen, oder je nachdem wo ein Plättchen liegt.

Der Marker für die Waffenstärke liegt auf Stufe 0. Allerdings verwirrt das Icon für 1 Holz. Dieses soll bedeuten, dass bei einer Bauaktion für die Waffenstärke 1 Holz benötigt wird, um eine Stufe zu steigen. Foto: Melanie Dürbeck

Hoher Glücksfaktor, aber thematisch passend

Das Spiel besitzt durch Würfel, das Ziehen von Ereignis- Abenteuer- und Jagdkarten sowie von Insel- und Erkundungsplättchen einen hohen Glücksfaktor. Das könnte mitunter, wenn es schlecht läuft, zu Frust führen. Allerdings passt dies thematisch gut in das Spiel. Denn wir befinden uns auf einer unbekannten Insel, dessen Landschaft und Natur wir noch gar nicht kennen, wir besitzen noch keinen Unterschlupf, eventuell keine Nahrung und sind dem Wetter ausgeliefert. Wir kämpfen um das nackte Überleben und daher müssen wir klug mit unserer Kraft umgehen und durchdacht entscheiden, welche Züge wir als nächstes machen. Die Texte auf den Ereignis- und Abenteuerkarten sind thematisch gewählt.

Die Kartentexte sind stimmig geschrieben. Normalerweise birgen Schatzkarten Vorteile. Hier aber ausnahmsweise aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Foto: Melanie Dürbeck

Dass jeder neue Tag Überraschungen birgt und auch unsere Aktionen Konsequenzen mit sich bringen können, hält die Spannung aufrecht. Was die Aktionen betrifft, können wir den Ausgang auch bessern, ohne die Würfel zu verwenden, da wir mit zwei Aktionsscheiben bestimmen können, dass diese Aktion sofort erfolgreich ist.

Sechs Szenarien mit unterschiedlichen Zielen und Voraussetzungen

Die Szenarien bieten jeder eine Hintergrundgeschichte, eigene Voraussetzungen, Fähigkeiten von Elementen und Siegbedingungen. Ebenso enthält jedes Szenario eigene Gegenstände, die man bauen kann. Positiv ist, dass die Szenarien auf einzelnen Karten aufgedruckt sind. So dass man sich eines aussuchen und dann neben das Spielbrett platzieren kann, um alles Spezifische und Wissenswerte im Blick zu haben. Auch Marker können dann einfach darauf platziert werden.

Damit bietet das Spiel ausreichend Abwechslung. Darüber hinaus können die Szenarien echt schwer lösbar sein, bedingt auch durch das Zufallsprinzip mit den gezogenen Inselteilen, Plättchen und Karten. Daher sollte jeder Zug gut durchdacht werden und man sich im kooperativen Spiel gut miteinander absprechen. Das macht aber auch den Reiz am Spiel aus, denn wäre es zu einfach, könnte man schnell die Lust am Spiel verlieren.

Alles, was man zum Szenario wissen muss, ist auf einer Karte aufgedruckt. Foto: Melanie Dürbeck

Das Grundspiel selbst enthält sechs Szenarien, ein siebtes Szenario kann bei Pegasus heruntergeladen werden. Wer Nachschub braucht, es gibt eine Erweiterung namens Die Fahrt der Beagle. Da die Schatzkiste-Erweiterung nicht verfügbar ist und nicht mehr neu aufgelegt wird, werden dessen Szenarien auf der Pegasus Digital-Webseite als „Pay what you want“-Artikel zum Download angeboten.

Die sechs im Grundspiel enthaltenen Szenarien sind beidseitig auf drei Karten bedruckt. Foto: Melanie Dürbeck

Bilder zu Robinson Crusoe: Abenteuer auf der verfluchten Insel

Infobox

Spielerzahl: 1 bis 4 Spieler
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 60 bis 120 Minuten
Schwierigkeit: hoch
Langzeitmotivation: mittel

Verlag: Portal Games / Pegasus Spiele
Autor: Ignacy Trzewiczek
Grafik: Vincent Dutrait u. a.
Erscheinungsjahr: 2012
Sprache: deutsch
Kosten: 39,95 Euro

Fazit

Das Spiel bietet durch unterschiedliche Szenarien und Zielvorgaben genug Abwechslung. Der Rundenablauf an sich geht leicht vonstatten und wird unterstützt durch eine Spielerhilfe und eine grafische Unterstützung auf dem Spielbrett. Die Regeln und die Ikonografie sind dagegen verwirrend, weshalb das Spiel keineswegs einsteigerfreundlich ist und erst einige Partien benötigt, um einen leichten Spielfluss zu gewährleisten. Ist diese Hürde erst einmal bewältigt, kann man hohen Spielspaß erwarten. Es läuft vielleicht bei dem einen oder anderen Spieler Gefahr, durch den hohen Glücksfaktor weniger zu werden, aber rein thematisch hat es durchaus seinen Sinn. Außerdem wird der kooperative Aspekt dadurch gut in Anspruch genommen, da jeder Zug gut durchdacht und ausdiskutiert werden muss.

Robinson Crusoe: Abenteuer auf der verfluchten Insel

39,95 Euro
7.5

Spielidee

8.5/10

Spielmaterial

6.5/10

Regelwerk

5.8/10

Spielablauf

9.0/10

Wiederspielwert

7.5/10

Pro

  • Thematisch passend umgesetzt
  • Abwechslungsreich
  • Kooperativ und Solo spielbar
  • Ausgezeichnetes Design

Con

  • Konfuse Regeln
  • Nicht einstiegsfreundlich
  • Hoher Glücksfaktor
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