Brettspiel-Rezension: Star Wars: Outer Rim im Test – Mehr Star Wars geht nicht

Google+ Pinterest LinkedIn Tumblr +
Lesezeit: 11 Minuten

Während Besitzer der englischen Version schon seit Juni im Äußeren Rand unterwegs sind, mussten Spieler hierzulande länger auf die lokalisierte Edition zu, Brettspiel Star Wars: Outer Rim von Asmodee warten. Verantwortlich für die verlängerte Wartezeit war ein verspäteter See-Container. Nun ist das strategische Brettspiel jedenfalls auch im deutschen Handel erhältlich und Star-Wars-Fans dürfen in die Fußstapfen berühmter und berüchtigter Schmuggler, Schurken und Kopfgeldjäger treten, um im „Outer Rim“ nach Ruhm, Einfluss und Credits zu kämpfen. Wir haben uns den neuen Titel aus dem Hause Asmodee angeschaut und verraten in der nachfolgenden Rezension, ob sich das Warten auf Star Wars: Outer Rim gelohnt hat.


Dass die englischsprachigen Originale und die lokalisierten Versionen zu Spielen von Fantasy Flight Games zeitgleich erscheinen, war für Fans von Lizenzspielen ein toller Bonus. Aufgrund von Lieferproblemen wurden zumindest bei Star Wars: Outer Rim daraus nichts. Über zwei Monate länger mussten Brettspieler sich gedulden, dann endlich stand das ersehnte Star Wars Brettspiel auch hierzulande in den Verkaufsregalen.

Statt sich in der Galaxis die Zeit als Held oder Schurke zu verdingen, schlüpfen Spieler bei Star Wars: Outer Rim in Rollen, die irgendwo dazwischen liegen. Es handelt sich um den Abschaum der Galaxis: Schmuggler, Kriminelle, Kopfgeldjäger – auch wenn einige davon im Laufe ihrer Geschichte zu Helden aufgestiegen sind. Bei Star Wars: Outer Rim geht es zur Abwechslung nicht darum, eine Welt oder gar das Universum zu retten, sondern sich persönlich zu bereichern. Ruhm, Ehre und Credits sind die Dinge, um die im neuen Star Wars Brettspiel geht – oder wie es die Anleitung sagt: Wer zuerst zehn Prestige-Punkte gesammelt hat, gewinnt!

Star Wars: Outer Rim ist „bring and buy“, aber mit viel Flair

Die Spielidee hinter Star Wars: Outer Rim ist nicht neu, das war schon lange vor Veröffentlichung des Brettspiels klar. Spieler kaufen Aufträge, die sie zu erfüllen hoffen, um sich dann Belohnungen zu sichern. Das klingt spielerisch simpel und ist es auch. Dennoch: Star Wars: Outer Rim funktioniert von Beginn an, quasi mit dem Öffnen der Schachtel. Das Material, die Anleitung, der Aufbau des Äußeren Randes, die Sichtung der ersten Spielkarten: jedes Detail fühlt sich – zumindest für Star-Wars-Fans – an wie eine Reise in die Kindheit. In sein eigenes Raumschiff zu springen, das war einer der großen Träume, die man als Kind hatte nachdem man Star Wars zum ersten Mal über die Matscheibe hat flimmern sehen.

Es gab Videospiele wie X-Wing vs. Tie-Fighter oder Wing Commander, in denen Spieler sich die Zeit als Pilot vertreiben konnten, niemals wurden dabei jedoch tiefgreifende strategische Entscheidungen verlangt. Star Wars: Outer Rim macht das anders – und noch viel mehr. Statt strahlender Helden, steht der Abschaum der Galaxis im Mittelpunkt des Spiels. Schon der Titel verrät wohin es 1 bis 4 Spieler führt. In den äußeren Rand der Galaxie. Dorthin, wo sonst kaum jemand sein will, wenn er es nicht muss. Star Wars: Outer Rim erzählt keine Heldengeschichte, sondern von einem schmutzigen Kampf ums Überleben in unwirtlichen Welten – gegen unerbittliche Gegner.

Fehlt selten in einem Star-Wars-Spiel - auch in Outer Rim nicht: Boba Fett. Foto: André Volkmann

Fehlt selten in einem Star-Wars-Spiel – auch in Outer Rim nicht: Boba Fett. Foto: André Volkmann

Bevor es losgeht, wählt jeder Spieler einen Charakter, viel eher „seinen“ Charakter – denn ihn zu hegen und zu pflegen ist wesentlicher Bestandteil des Spiels. Klassische Figuren wie Lando Calrissian, Boba Fett oder Han Solo sind ebenso enthalten wie moderne Figuren, darunter Jyn Erso (Rogue One) oder Ketsu Onyo (Rebels), aber auch Exoten wie den trandoshanischen Kopfgeldjäger Bossk oder Doctor Aphra. Statt plump auf die populärsten Figuren zu setzen, haben die Autoren Corey Konieczka und Tony Fanchi ein intergalaktisches Sammelsurium aus Charaktere zusammengestellt, um eine Verbindung zwischen den verschiedenen parallelen Handlungssträngen zu schaffen.

Ersichtlich wird das auch anhand von Details: So sieht man zwar Harrison Fords altbekanntes Gesicht auf dem Aufsteller von Han Solo, dieser trägt jedoch jene braune Jacke, die Alden Ehrenreich im Film Solo: A Star Wars Story trug. Nur eine Kleinigkeit, allerdings eine atmosphärische. Atmosphäre kann Star Wars: Outer Rim ohnehin: Das Material zieht Spieler förmlich hinein in den Äußeren Rand.

Alter Kopf, neue Jacke, selber Typ: Han Solo. Foto: André Volkmann

Alter Kopf, neue Jacke, selber Typ: Han Solo. Foto: André Volkmann

Jeder der insgesamt acht wählbaren Charaktere hat individuelle Aktionsfähigkeiten sowie persönliche Ziele, deren Erfüllung einen weiteren mächtigen Charakterbonus freischaltet – darunter Credit-Boni oder die Fähigkeit, Würfel neu rollen zu dürfen. Sogar regelmäßige Duelle gegen Mitspieler sind dann möglich, als reguläre Handlung vorgesehen ist das nämlich nur in Ausnahmenfällen – nämlich, wenn eine Karte es bestimmt. Anhand der persönlichen Ziele lässt sich auch die Grundtaktik der Charaktere ablesen, an die man sich halten kann, aber nicht muss. Die unterschiedlichen Charaktere spielen sich tatsächlich auch anders. Star Wars: Outer Rim lässt Spielern die Freiheit, zu experimentieren.

Sammle Prestige, gewinne das Spiel

Die Gewinnregel hinter Star Wars: Outer Rim ist simpel: Der Spieler, der als erstes zehn Prestige gesammelt hat, gewinnt. Nicht mehr, nicht weniger. Wie Spieler an ihr Ziel kommen, entscheiden sie im Laufe der Partie allerdings selbst: Illegale Frachten befördern, Kämpfen, Kopfgeldaufträge einstreichen – alles ist möglich. Nicht alles führt jedoch zu jedem Zeitpunkt an zum erwünschten Ergebnis. Es ist erforderlich, seine Strategien zu überdenken und anzupassen. Ein Spieler muss nicht in den Millenium Falken steigen, nur, weil er Han Solo spielt. Genauso ist es möglich sich eine Firespray-31 auf dem Markt zu kaufen, diese in Boba Fetts Sklave 1 umzuwandeln (auch hier gibt es wieder „persönliche Schiffsziele“) und sich aufs kämpfen zu fokussieren.

Bis es allerdings soweit ist, vergehen einige Spielrunden. Alle starten in einer fliegenden Schrottmühle, einem Standardfrachter, der alles ein bisschen, aber nichts so richtig gut kann. Die ersten Aufträge sind leicht, aber nicht lukrativ. Schrittweise erfüllen Spieler dann die ersten Missionen, bessern ihr Credit-Konto auf und gelangen so an wertvolle Fracht, Crew-Mitglieder – vor allem aber an Ausrüstungen für Schiff und Charakter.

Das bekämpfen der Dickschiffe lohnt sich: dafür gibt es Prestige. Foto: André Volkmann

Das bekämpfen der Dickschiffe lohnt sich: dafür gibt es Prestige. Foto: André Volkmann

Wie wichtig die persönliche Ausstattung und die des Raumschiffes sind, wird bei den epischen Missionen deutlich. Statt nur ein bisschen Bacta von Tatooine nach Naboo zu transportieren, geht es bei den legendären Aufträgen vom Quest-Deck (das sind nummerierte Karten, die nur dann zum Einsatz kommen, wenn andere Karten das verlangen) darum, umfassende Missionen zu meistern, die dann auch eine eigene Geschichte erzählen. Der Lohn für die Mühen: Viele Credits und meistens auch mehr Prestige als bei handelsüblichen Jobs.

Ganz nebenbei verbessert man seinen Ruf bei vier Fraktionen: den Hutten, dem Syndikat sowie den Rebellen und dem Imperium. Oder man verscherzt es sich mit den Parteien. Egal was man als Spieler tut, Konsequenzen sind gewiss. Mal gibt es Boni, mal umgeht man Kämpfe. Ein „schlechtes Standing“ hat dagegen negative Folgen: Missionen werden schwieriger, einzelne Aufträge weniger lukrativ. Vieles in Star Wars: Outer Rim greift ineinander – und es ist eine Freude, zu sehen, dass diese Idee funktioniert.

Und wenn die Motivation nach einigen Partien mit dem Standardaufbau leidet, können die Spielplanteile auch individuell zusammengesetzt werden. Das Resultat ist dann eine weniger ausbalancierte Galaxis und ein teilweise leicht erhöhter Schwierigkeitsgrad. Zudem kann die Prestige-Leiste auch bis 12 Punkte bespielt werden, um Partien zu verlängern.

Glücksspiel und Sabacc um Credits ausdrücklich erlaubt

Bei Star Wars: Outer Rim werden die Spieler immer wieder zu Handlungen abseits ihrer eigenen Strategie motiviert. Das Brettspiel ist getrieben von wiederkehrenden Events, die über Planeten- oder Navigationskarten freigeschaltet werden. Die Mechanik funktioniert: Bleiben Spieler auf einem Planeten stehen oder pausieren sich auf einem der Navigationspunkte im All, so schließen sie ihren Zug mit dem Ziehen einer Event-Karte ab. Mal betrifft ein Event nur den aktiven Spieler, mal werden anderen animiert, mitzuwirken – etwa bei einem Casinobesuch in der Stadt Canto Bight.

Mit vier Fraktionen können Spieler sich gutstellen - oder auch nicht. Foto: André Volkmann

Mit vier Fraktionen können Spieler sich gutstellen – oder auch nicht. Foto: André Volkmann

Der aktive Spieler sammelt dann Wettbeträge ein, würfelt – und das Glück entscheidet über Gewinn oder Verlust der Mitspieler. Derartige Spiele im Spiel kommen häufiger vor und lockern das Geschehen deutlich auf. Mehr noch: alle Events werden Teil der Story, die Spieler für sich und gemeinsam erzählen.

Keine Partie spielt sich exakt gleich, immer wieder gibt es Variationen. Was Spieler zu welchem Zeitpunkt tun, entscheiden sie selbst. Sogar Mitspieler können bewusst in Kämpfe verwickelt werden, wenn man daraus einen Vorteil ziehen will. Star Wars: Outer Rim lässt Brettspieler gewähren. Und das funktioniert über weite Strecken hervorragend und auf taktisch hohem Niveau. Geht eine Strategie nicht auf, ist es Aufgabe des Spielers, passende Gegenmaßnahmen zu erwägen. Wer aufgrund einer simplen Handelsstrategie den Anschluss zu verlieren scheint, sollte zügig nach Alternativen suchen, um sein Prestige-Konto aufzubessern.

Auch in „Outer Rim“ gibt es diese Momente

Bei allem Lob für den variablen Spielablauf: Auch in Star Wars: Outer Rim gibt es diese Momente, die sich unrund anfühlen. Nicht immer ist dann allerdings die Spielmechanik schuld. Besonders als Frachtpilot läuft man Gefahr, sich zu sehr auf reine Logistik zu versteifen. Spieler dürfen nicht vergessen, dass der „Markt“ der Dreh- und Angelpunkt des Geschehens ist. Wie erfolgreich eine gewählte Strategie ist, hängt auch von der Kartenauslage ab. Kommen lukrative Frachtaufträge nicht oder nur selten zum Vorschein – gerät man schnell in Zugzwang. Vorausschauende Strategien funktionieren auch bei Star Wars: Outer Rim jedoch meist besser. Vor allem, weil Gegenspieler Karten des Marktes auch ablehnen und dafür neue aufdecken dürfen, verändert sich die Auslage stetig.

Immer wieder Entscheidungen: Job annehmen oder ablehnen? Foto: André Volkmann

Wer hofft, in der nächsten Runde genügend Credits gesammelt zu haben, um den Millennium Falken zu kaufen, muss damit nicht erfolgreich sein, denn was gerade noch auf de Markt auslag, kann nach dem nächsten gegnerischen Zug bereits unter dem Nachziehstapel verschwunden sein. Immer wieder gibt es diese kleinen Frustmomente, die im Grunde keine sind, sich dennoch anfühlen wie Nadelstiche.

Das Thema ist der Star des Brettspiels

Weder die grundlegende Spielmechanik noch die strategische Komponente ist der Star des Brettspiels, sondern das Thema. Star Wars: Outer Rim ist einfach Star Wars pur. Angefangen bei den eigenen Charakteren, über die entwickelbaren Raumschiffe, die unzähligen Ausrüstungsgegenstände: der Spieltisch liegt voll damit. Auch andere einzigartige Figuren aus George Lucas‘ Sci-Fantasy-Universum finden den Weg in jede einzelne Partie: Lobot, Chewbacca, Saw Gerrera, Greedo. Alle können Kopfgeldziele sein oder Teil der eigenen Schiffscrew werden.

Es ist unsagbar cool, mit einem vollausgestatteten Schiff und einer Crew voller namhafter Figuren – und mit enorm nützlichen Fähigkeiten – durch den Äußeren Rand und auf die insgesamt elf Planeten zu fliegen. Und wer ganz mutig ist, umfliegt den Mahlstrom vor Kessel nicht, sondern begibt sich mitten hinein.
Kaum ein Star-Wars-Brettspiel erzählt so viele Geschichten wie Star Wars: Outer Rim es tut. Nicht zuletzt liegt das auch an den Spielkarten, auf denen immer wieder Zitate oder kleine Handlungsstränge abgebildet sind, die Spieler unbedingt laut vorlesen sollten.

Weite Wege: Aufgrund der zahllosen Events kann ein Trip von einem Ende des Äußeren Randes zum anderen lang werden. Foto: André Volkmann

Weite Wege: Aufgrund der zahllosen Events kann ein Trip von einem Ende des Äußeren Randes zum anderen lang werden. Foto: André Volkmann

Zur Atmosphäre trägt das enorm bei. Es gibt viele Situationen, in denen man als Spieler in die Galaxis hineingesaugt wird – dadurch ergeben sich viele persönliche Highlights, die spielerisch zwar nüchtern, thematisch aber unheimlich fesseln sind. Du sammelst über mehrere Runde Credits, weißt eigentlich gar nicht so recht, was du damit anfangen sollst – und dann kommt diese eine Runde Sabacc, in der du quasi den Jackpot einfährst und abschließend hemmungslose auf dem Markt shoppen gehen kannst, um damit viele, eigentlich verschwendet geglaubte Runden, auszugleichen. Bei Star Wars: Outer Rim passiert viel auf dem Tisch.

Selbst während der gegnerischen Züge bleibt man stets aufmerksam, analysiert die Kartenauslage, legt sich eigene Handlungen zurecht. Auch die Gemeinheiten kommen dabei nicht zu kurz. Wer etwa weiß, dass Boba Fett auf der Jagd nach Chewie ist, kann dem Kopfgeldjäger zuvorkommen und sich den Wookie selbst schnappen – als Crew-Mitglieder oder Bantha-Futter. 

Das war noch was: Das Solo-Spiel

Star Wars: Outer Rim lässt sich mit bis zu drei weiteren Mitspielern spielen, jedoch auch allein. Der Solo-Modus arbeitet dann mit einer durch Karten getriebenen KI. Ein spezielles Kartendeck gibt dann die gegnerischen Handlungen vor. Das funktioniert, sogar ausgesprochen gut. Das Gefühl mit anderen menschlichen Spielern am Tisch zu sitzen, die Story zu genießen und sich auch mal zu nerven, ist allerdings um Längen besser.

Im Solospiel geht die interaktive Komponente etwas unter. Das spielerische Konzept wird auf das Wesentliche reduziert. Star Wars: Outer Rim fühlt sich dann eher mechanisch an, nicht langweilig, aber durchaus gleichförmig über viele Runden. Nicht zuletzt liegt das daran, dass in einer „großen Runde“ immer wieder Spieler gegeneinander antreten und sich duellieren.

Der Roboter-Mensch-Kontakter macht einen auf knallhart: Im Solomodus werden die gegnerischen Züge durch KI-Karten bestimmt. Foto: André Volkmann

Der Roboter-Mensch-Kontakter macht einen auf knallhart: Im Solomodus werden die gegnerischen Züge durch KI-Karten bestimmt. Foto: André Volkmann

Im Solo-Modus wirkt Star Wars: Outer Rim völlig anders, nicht unbedingt schlecht, aber emotionslos – und irgendwie scheint insbesondere dieses Brettspiel von Emotionen zu leben. Als Kopfgeldjäger oder Schmuggler will, nein muss (!), man auch gemeinsam sein – gegen einen imaginären Gegner kommt dabei allerdings viel weniger Freude auf.

Dennoch funktioniert Star Wars: Outer Rim auch allein, es ist allerdings Geschmackssache, ob das Brettspiel dann gefällt. Ziel in diesem Spiel sollte sein, sich möglichst mit einer vollen Vier-Spieler-Runde an den Tisch zu setzen – dann entfaltet der Titel sein volles Potenzial. Auch mit drei oder gar zwei Spielern laufen die Partien ähnlich spannend ab, Hauptsache es sitzt ein weiterer menschlicher Spieler am Tisch.

Bilder zu Star Wars: Outer Rim

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Infobox

Spielerzahl: 1 bis 4 
Alter: ab 14 Jahren
Spieldauer: 120 bis 180 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: hoch

Verlag: Asmodee Deutschland
Autor: Corey Konieczka, Tony Fanchi
Grafik: Marco Reinartz, Florian Eck (Lokalisation)
Erscheinungsjahr: 2019
Sprache: deutsch
Kosten: 60 Euro

Fazit

Star Wars: Outer Rim ist ein Brettspiel mit eher einfachen Mechaniken, aber einer enorm dichten Atmosphäre. Letztere ist der eigentlich Star des Spiels. Das Material trägt direkt und maßgeblich zum Flair des Star-Wars-Brettspiel bei. Die Verarbeitung von Karten, Tokens, Würfeln und Spielplanteilen bewegt sich dabei, typisch für Fantasy Flight Games, auf einem hohen Niveau. Ein kleines Manko stellen die Steckverbindungen der Einzelteile des Äußeren Randes dar: die Pappe neigt an den empfindlichen Ecken zu Beschädigungen.

Rein spielerisch gleich keine Partie der anderen. Star Wars: Outer Rim haut Spielern die volle Dröhnung Star Wars um die Ohren, setzt ikonische Figuren und Anekdoten aus dem beliebten Sci-Fantasy-Universum geschickt ein, um bei Spielern eine Art Sogwirkung zu erzielen. Man wartet förmlich auf seinen nächsten Zug, beobachtet die Handlungen des Gegners – vielleicht, um ihm im richtigen Moment den Blasterschuss in den Rücken zu verpassen.

Star Wars: Outer Rim lebt von den unzähligen Events: in jeder Runde spielen sich Ereignisse ab. Manche davon lockern das Spielgeschehen deutlich auf und sorgen für etwas Entspannung. Die Mechaniken hinter dem Brettspiel funktionieren einwandfrei. Leerläufe gibt es selten. Und wenn es sie gibt, dann sind meistens ungünstige strategische Entscheidung dafür verantwortliche. Die Vielzahl an Möglichkeiten greifen fast immer ineinander, manchmal unmittelbar, manchmal erst mit einem zeitlichen Abstand. Selten fühlen Aktionen sich jedoch sinnlos aus. Was Spieler tun, wie sie agieren, ist stets Teil eines großen Plans.

Was allerdings in nahezu jeder Spielsituarion gilt: Man sollte glückslastige Mechaniken mögen. Die goldenen Würfel kommen bei Outer Rim regelmäßig zum Einsatz.

Nun kann man sich darüber streiten, ob simple Frachttransporte und aufwendigere Kopfgeldjagden spielerisch zusammen funktionieren: alles in Star Wars: Outer Rim passt jedenfalls zur „Lore“. Egal wofür Spieler sich entscheiden, sie verfolgen dabei ihre Taktik, verbessern ihren Charakter und erfüllen Missionen innerhalb eines Systems, das sich streckenweise sogar anfühlt wie ein Rollenspiel. Star Wars: Outer Rim ist eine abwechslungsreiche Brettspiel-Sandbox, die Spieler viele Freiheiten lässt.

Eingeschränkt unterhaltsam ist Star Wars: Outer Rim dagegen in der Solo-Variante. Das Spiel wirkt dann mechanisch, teilweise etwas aufgesetzt und repetitiv. Das ist nicht unbedingt schlecht. Wer diese Art der Solospiele mag, wird auch daran Freude haben, wir empfehlen Outer Rim allerdings mit menschlichen Mitspielern, dann jedoch gibt es die volle Portion Star Wars.

Was Star Wars: Outer Rim gut kann – sogar besser als vergleichbare Brettspiele – ist, eine Story voranzutreiben, Spannung zu erzeugen, Erwartungen zu schüren: Das Spiel bleibt immer bei seinem Thema, folgt einem Plot. Alles eingebettet in das große Ganze des Star-Wars-Universums. Mit einer Ausnahme: Jedi sucht man in Star Wars: Outer Rim vergebens. Die polierten Helden passen einfach nicht zu einem Brettspiel, in dem es um den Abschaum der Galaxis geht: Kriminelle, Schmuggler, Piraten. Star Wars: Outer Rim steht damit allein – der Verzicht auf Bewährtes macht dieses Spiel besonders.

Star Wars: Outer Rim

59,95 Euro
8.5

Spielidee

7.5/10

Spielmaterial

8.5/10

Regelwerk

8.5/10

Spielablauf

9.0/10

Wiederspielwert

9.0/10

Pro

  • Gute Spielanleitung
  • Tolle Optik
  • Rollenspiel-Elemente
  • Hochgradig interaktiv
  • Spielerische Freiheiten

Con

  • Nur acht Charaktere
  • Solomodus statisch
  • Eher einfache Grundmechaniken
Share.

About Author

André Volkmann ist Journalist mit Schwerpunkten in den Bereichen Lokalnachrichten und Spiele-Journalismus.

Leave A Reply

Du möchtest aktuelle Entertainment-News erhalten und auf dem Laufenden bleiben? 

 

Dann tritt unserer kostenlosen E-Mail-Community bei und wir informieren dich über aktuelle Meldungen, spannende Beiträge und ausführliche Testberichte. 

Abmeldung jederzeit möglich. Die Einwilligung umfasst Hinweise zum Widerruf, Versanddienstleister und Statistik entsprechend unserer Datenschutzerklärung. Wir senden dir ca. 1 bis 3 E-Mails monatlich.