Spieletest zu Men of War: Assault Squad 2 – Cold War

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Lesezeit: 6 Minuten

Das bereits im Jahr 2014 erschienene Echtzeit-Strategiespiel Men of War: Assault Squad 2 wurde am 12. September um ein Standalone-AddOn mit dem Zusatz „Cold War“ erweitert. Wie man dem Namen bereits entnehmen kann, geht es in diesem Setting nicht mehr um den Zweiten Weltkrieg, sondern um den Kalten Krieg zwischen der Nato und der Sowjetunion. Aber was bekommt man nun für das knapp 20 Euro teure Spiel? Nachdem unser Videospiele-Redakteur Kay an den Frontlinien unterwegs gewesen ist, erfahrt ihr das und noch mehr ihr in unserem nachfolgenden Review zu  Men of War: Assault Squad 2 – Cold War.


Kampagne ohne Story und ohne Tutorial

Da ich die Vorgängerspiele nie selber Gespielt habe, musste ich zu meinem Bedauern feststellen, dass es kein Tutorial gibt. Nun gut, dann wird eben die Kampagne gespielt und die wird mir das Spiel sicher etwas erklären – Fehlanzeige. Nach etwa drei Stunden Spielzeit und allerhand selbst ausprobieren und Matches neustarten kannte ich dann aber die wichtigsten Mechaniken, es ist also nicht allzu kompliziert es sich selbst beizubringen, aber erstmal wieder zurück zur Kampagne.

Die Kampagne kann man auf Seiten der USA oder der Sowjetunion bestreiten, die USA steht hierbei stellvertretend für alle Nato-Länder. Kurz noch den Schwierigkeitsgrad, Ressourcenvorkommen und Dauer der Kampagne eingestellt und schon kann es los gehen. Moment, die Dauer der Kampagne? Ja, die Kampagne verfügt leider über keine Story, sie besteht lediglich aus einzelnen Partien die man gegen die KI bestreitet und je nach Sieg oder Niederlage gewinnt oder verliert man an Fortschritt auf der Gesamtkarte. Die „Kampagnenkarte“ hat dabei leider überhaupt keine Funktion und dient nur als Indikator wie weit man den Feind schon zurückgedrängt hat oder zurückgedrängt wurde.

Die Maps sind durchaus detailliert, nur nicht besonders hübsch. Bild: 1C Publishing

Die Maps sind durchaus detailliert, nur nicht besonders hübsch. Bild: 1C Publishing

Vor jedem Match kauft man mit seinen Ressourcen die gewünschte Streitmacht zusammen und schaltet nach und nach neue Einheiten frei. Das Spiel bietet einem alles an, was man sich als Einheiten auf einem Schlachtfeld des kalten Krieges vorstellen würde. Von üblicher Infanterie über Panzerabwehr-Infanterie, Scharfschützen, Transport LKWs, Schützenpanzer, Panzer und Hubschrauber ist alles dabei was man sich vorstellen kann. Beendet man einen Kampf, kann man verbleibende Truppen aufstocken und neue dazukaufen, danach kann man direkt ins nächste Gefecht starten.

Nach etwa drei Stunden (inklusive herausfinden wie das Spiel funktioniert) habe ich eine kurze Kampagne gegen einen mittelschweren KI-Gegner beendet, danach kann man in eine endlose Kampagne übergehen oder von vorn beginnen. Die Schlachten gegen die KI waren für mich als Anfänger anspruchsvoll und auf höheren Schwierigkeitsgraden hatte ich keine Chance, die Schwierigkeitsgrade sind also gut ausbalanciert.

Taktische Geplänkel statt epischer Schlachten

Wer große Schlachten wie bei den Total War spielen sucht ist hier fehl am Platze. Das Spiel setzt eher auf kleinere Gefechte, bei denen jeder einzelne Soldat wichtig ist und den Unterschied ausmachen kann. Beispiel gefällig? Ich habe mit ca. 20 Soldaten und einem Panzer einen Stützpunkt eingenommen. Nach dem ich meine Krieger gut hinter verschiedenen Deckungsmöglichkeiten wie Sandsäcke, Mauern, Erdlöcher oder Fahrzeugwracks in Schutz gebracht habe, wurde der Panzer kurzer Hand an die nächste Front geschickt. Natürlich kam keine zwei Minuten später ein starker Gegenangriff worunter auch, zu meinem Bedauern, ein gegnerischer Panzer war. Nach einem spannenden Gefecht waren sowohl die Infanterie der Gegner als auch meine am Ende, nur ein einzelner Soldat auf meiner Seite mit einem Raketenwerfer hatte es rechtzeitig in ein sicheres Haus geschafft. Dieser konnte den stark angeschlagenen Panzer zerstören und die Stellung halten bis Verstärkung eintraf – puh, das war knapp.

Dürfen in einem Echtzeit-Strategiespiel nicht fehlen: dicke Panzer. Bild: 1C Publishing

Dürfen in einem Echtzeit-Strategiespiel nicht fehlen: dicke Panzer. Bild: 1C Publishing

Und genau diese kleine Dimension macht den Reiz des Spiels aus. Das geht sogar soweit, dass jeder Soldat ein eigenes Inventar hat, wo man einzelne Ausrüstungsgegenstände austauschen kann und diese Soldaten sogar Namen haben. Mann kann und muss – um erfolgreich zu sein – genau überlegen wo man seine Männer positioniert. Lieber in einem Schützen graben? Oder doch lieber in einem Haus? Das kann von entscheidender Bedeutung sein, da Häuser beispielsweise auch zusammenbrechen können bei Explosionen. Ein weiteres ungewöhnliches Feature für dieses Genre ist, dass man die Möglichkeit hat direkt zu zielen. Das heißt, man steuert seinen Soldaten oder Panzer wie in einem klassischen 2D-Rollenspiel und kann zum Beispiel beim gegnerischen Panzer direkt auf den Turm schießen, um ihn kampfuntauglich zu machen. Dieses Feature habe ich durchaus oft genutzt, da es sehr hilft Dinge umzusetzen, die meine KI gesteuerte Einheit nicht unbedingt machen würde.

Glück gehabt: Der Einschlag ging knapp daneben, die Panzer-Besatzung freut sich. Bild: 1C Publishing

Glück gehabt: Der Einschlag ging knapp daneben, die Panzer-Besatzung freut sich. Bild: 1C Publishing

Bei Multiplayer-Partien sieht das System etwas anders aus als in der Kampagne. Dort startet man direkt in das laufende Spiel mit einem Startbudget und kauft sich davon seine ersten Truppe. Dann verdient man nach und nach mehr Geld und kann sich laufend von dem Geld Verstärkung dazu ordern. Auch hier werden vor Beginn die Siegbedingungen eingestellt und dann geht es auch schon los. Ein Matchmaking-System oder ähnliches gibt es in dem Spiel nicht. Man schaut in den Serverbrowser und tritt einer offenen Partie bei – ganz altmodisch. Das Problem an der Sache mit dem Multiplayer, meist waren nur rund 100 Spieler online und ein Großteil der offenen Server waren private Spiele. Bis ich mein erstes Online-Match gefunden habe, wartete ich eine gute Stunde! Wer also öfter online spielen möchte, sollte sich hier in Foren oder anderen Community-Bereich umschauen.

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Grafik von 2014: Nicht schlecht, geht aber deutlich besser

Die Grafik ist, dafür dass sie auf einem Stand von 2014 ist und nicht von einem AAA-Studio entwickelt wurde, wirklich ansehnlich. Explosionseffekte, Mündungsfeuer und Animationen hat man natürlich schon besser gesehen, aber auch schon deutlich schlechter.

Es raucht und qualmt - aber alles wie anno 2014. Bild 1C Publishing

Es raucht und qualmt – aber alles wie anno 2014. Bild 1C Publishing

Besonders die Details wie Spuren von Fahrzeugen auf matschigen Boden oder im Schnee sehen schick aus. Aber auch Beschädigungen sind schön anzusehen, wenn ein Besatzungsmitglied aus seinem Panzer klettert, um die auseinandergefallene Kette wieder anzubringen und dann schnell wieder in den Panzer zurück huscht während ihm die Kugeln um die Ohren fliegen hat schon was. Dazu gibt es abwechslungsreiche Maps wie urbane Schauplätze mit engen Straßen, vielen Häusern, die teils intakt, teils zerstört sind, eher weitläufige Landschaften mit und ohne Schnee, Ruinen, also eigentlich alles was man sich in einem mittel bzw osteuropäischen Landstrich so vorstellen kann.

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Infobox

Spielerzahl: Solo-Modus und Mehrspieler
Alter: USK nicht vorhanden
Spieldauer: 50+ Spielstunden
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: mittel

Publisher: 1C Publishing
Entwickler: Digitalmindsoft
Erscheinungsjahr: 2019 
Plattformen: PC (Steam)
Sprache: Deutsch
Kosten: 21,99 Euro

Fazit

Ich bin sehr zwiegespalten bei diesem Spiel. Zum einen bieten mir die Schlachten durch ihre vielen Feinheiten wie das Deckungssystem, das direkte Zielen, verschiedene Bewaffnungen inkl. Munitionstypen und Ausrüstung der Soldaten eine große taktische Tiefe und lassen mich viel ausprobieren. Vor allem gegen menschliche Spieler und stärkerer KI hat man hier an mehreren Fronten alle Hände voll zu tun.

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Solltet ihr euch allerdings ein umfangreiches Strategiespiel à la Company of Heroes 2 oder ähnliches erhoffen, werdet ihr trotzdem enttäuscht werden, dafür motiviert dem Komplettumfang des Spiels einfach nicht lang genug. Die Grafik aus dem Jahre 2014 sieht immer noch passabel aus und ich kann auch nicht behaupten, dass ich keinen Spaß mit dem Spiel gehabt hätte, allerdings bleibt ein bitterer Beigeschmack über einige fehlende Features wie das Tutorial, eine „richtige“ Kampagne oder Tooltipps, die mir zeigen worin sich Panzer X von Panzer Y unterscheidet.

Men of War: Assault Squad 2 – Cold War würde ich bedingt zum Kauf empfehlen. Wenn ihr ein paar Freunde habt,mit denen ihr ein paar schnelle, cool inszenierte Schlachten schlagen wollt, würde ich es zum Kaum empfehlen, wobei knapp 20 Euro viel Geld ist für den geringen Umfang des Spiels. Vielleicht lohnt es sich hier bis zum nächsten Steam-Sale zu warten, vermutlich wird es schnell um einige Euro günstiger werden.

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Assault Squad 2 - Cold War

21,99 Euro
5.1

Spieldesign

6.0/10

Story

5.0/10

Präsentation

5.0/10

Umfang

3.5/10

Gameplay/Steuerung

6.0/10

Pro

  • Taktische Tiefe
  • Ungewöhnliche Gamefeatures
  • Wenige Bugs
  • Schöne grafische Details

Con

  • Nicht besonders einsteigerfreundlich
  • Keine richtige Kampagne
  • Keine ausreichende Erklärung der Einheiten
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