Geister gewinnen: Zochs Kinderspiel „Ab durch die Mauer“ von Jürgen Adams erhält „innoSPIEL“

Lesezeit: 3 Minuten

Auf der SPIEL in Essen wird nicht nur der Deutsche Spielepreis vergeben, sondern Spiele auch für besonders innovative Spielerlebnisse prämiert. Die Vergabe des „innoSPIEL“ folgte auch auf der SPIEL19 im Rahmen der Pressekonferenz. Gewonnen hat das Kinderspiel „Ab durch die Mauer“ von Jürgen Adams. Überraschend, denn der Titel aus dem Hause Zoch setzte sich gegen starke Konkurrenten durch.


Erneuernd und neuartig, aber auch fantasievoll oder originell: all das sind Synonyme, die man anstelle von „innovativ“ verwenden könnte. Tatsächlich kommen im jedem Jahr Gesellschaftsspiele auf den Markt, die durch Originalität und Neuartigkeit aus der Masse der Brett- und Kartenspiele hervorstechen. Gemeinsam mit der Stadt Essen vergibt der Friedhelm Merz Verlag seit 2017 eine Auszeichnung, die auf genau diese besonderen Kniffe in Gesellschaftsspielen hinweisen will: den „innoSPIEL“.

Starke Konkurrenz: Am Ende gewinnen die Geister

Auf den Internationalen Spieltagen wird damit nicht nur der Publikumspreis „Deutscher Spielepreis“ vergeben (die Sieger des Jahres 2019 gibt es hier), sondern mit der Innovations-Auszeichnung auch ein Jury-Preis.

Auf die Auswahlliste haben es „Ab durch die Mauer“ von Jürgen Adams, erschienen im Verlag Zoch, „Detective“ von Ignacy Trzewiczek, erschienen bei Portal Games und Pegasus Spiele sowie „Keyforge“ von Richard Garfield, erschienen bei Asmodee Deutschland, geschafft.

Detective von Portal Games und Pegasus Spieler richtet sich an Krimi-Fans, die im Rahmen eines von einer Story angetriebenen Spielerlebnisses, ermitteln und Verbrechen aufklären wollen. Keyforge von Asmodee Deutschland ist ein Kartenspiel mit erkennbaren Einflüssen von Richard Garfield. Der Clou: Keyforge ist ein sogenanntes Unique-Game, also ein Spiel, dessen Materialzusammenstellung für jeden Spieler einzigartig ist. Obwohl jedes gekaufte Kartendeck sich von anderen unterscheidet, kann jeder gegen jeden in die Partie gehen: die Fähigkeit, Karten geschickt einzusetzen, ist wesentlich für den Erfolg und nicht etwa das „bessere Deck“.

Magnete plus Rotation: Die bunten Geister können durch Mauern wandern. Foto: André Volkmann

Magnete plus Rotation: Die bunten Geister können durch Mauern wandern. Foto: André Volkmann

Sich durchsetzen konnte am Ende das Kinderspiel von Jürgen Adams, bei dem Gespenster sich verkleiden möchten und dazu Zubehör einsammeln sollen. Der Clou: die Geister wandern tatsächlich durch Mauern – zumindest ist das Spielmaterial derart clever gestaltet, dass dieser Eindruck erweckt wird. „Ab durch die Mauer“ erschafft die perfekte Illusion durch den Einsatz von Magneten und einem rotierenden Spielbrett.

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Zwei bis vier Spieler ab sieben Jahren begeben sich bei diesem Brettspiel auf Geisterkostüm-Jagd. Eine Partie dauert rund 20 Minuten. Die Idee geht auf: Tatsächlich ist das Material derart durchdacht gestaltet und mit den Spielmechaniken verknüpft, dass Spieler – insbesondere Kinder – in das Geschehen hineingezogen werden. „Ab durch die Mauer“ ist dennoch keine reine „Materialschlacht“ und überzeugt durch spielerische Kniffe. Dass genau dieses Spiel sich gegen die starken Konkurrenten durchsetzen konnte, ist weniger überraschend, als es zunächst scheint.

Ja, auch Detective und Keyforge sind auf eine jeweils besondere Weise kreativ, der Fokus bei der Originalität des Kinderspiels von Jürgen Adams liegt jedoch im Ursprünglichen von Brettspielen. Es brauchte weder technisches Zubehör, noch eine – auch als Marketing-Kniff verstandene – Einzigartigkeit, um innovativ zu sein. Das Neue entstand förmlich aus sich selbst heraus.

Ohnehin werden völlig unterschiedliche Zielgruppen angesprochen, sodass die Preisverleihung insgesamt der typische „Äpfel und Birnen“-Vergleich ist – reduziert auf Material, Mechaniken und Grundidee, ist die Prämierung von „Ab durch die Mauer“ ein nachvollziehbare Jury-Entscheidung. Gut und empfehlenswert sind am Ende alle drei Titel.


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