Bald erscheint mit Helsinki der Nachfolger zu Copenhagen. Dieser soll komplexer sein. Copenhagen selbst ist ein bunter Puzzlespaß, der leicht zugänglich ist. Karten sammeln und für Fassadenplättchen ausgeben – viel mehr gibt es nicht zu beachten. Die Regeln sind simpel gehalten. Ob und wie viel Spielspaß beim Spielen aufkommt, zeigen wir in dieser Rezension.

Die dänische Hauptstadt Kopenhagen ist durchzogen von Kanälen und Häfen. Nyhavn ist berühmt für seine bunten Giebelhäuser am Wasser. Die Spielenden müssen in diesen kurzweiligen Familienspiel nun selbst Häuserfassaden gestalten. Ziel ist es, dass die Fassaden sich nahtlos in die Hafenkulisse einfügen. Für das Ausfüllen von Zeilen und Spalten gibt es Punkte. Wer am Ende die meisten Punkte gesammelt oder zuerst 12 Punkte erreicht, gewinnt das Spiel.

Das bunte Cover zeigt worum es im Spiel geht. Bild: Jonas Dahmen

Viele bunte Plättchen in Copenhagen

Alle Mitspielenden erhalten in Copenhagen ihr eigenes Haus, das es zu gestalten gilt. Weitere Tableaus gibt es in Form des Punktetableaus und des Hafens, auf und an dem die Karten platziert werden. Diese Karten sind wie die Polyomoino-Fassadenplättchen in fünf Farben verfügbar. Zusammen bilden sie das Herzstück des Spiels. Ergänzt werden die Fassadenplättchen durch 1er Spezialplättchen. Durch geschicktes Platzieren kann man die Fähigkeitenplättchen erhalten. Zusätzlich gibt es noch für alle einen Punktemarker in der eigenen Farbe.

Der Spielaufbau ist schnell erledigt. Nachdem alle ihr Haus erhalten haben und die eigene Spielfigur auf dem Punktetableau platziert haben, fehlen nicht mehr viele weitere Schritte. Der Hafen wird mit sieben offenen Karten bestückt. Der Nachziehstapel wird dort ebenfalls platziert. Die Spielenden erhalten zwischen zwei und vier Starthandkarten. Je nach Personenanzahl werden manche Polyominos aus dem Spiel genommen und die Endkarte im Nachziehstapel platziert oder vorerst zur Seite gelegt. Haben alle das Fähigkeitenplättchen “Beliebige Karten” erhalten, kann das Spiel auch schon starten.

Am Hafen gibt es bunte Karten. Bild: Jonas Dahmen

Das Puzzle beginnt

Im Spielverlauf werden die Fassaden der Häuser nach und nach mit den Plättchen verziert. Wer am Zug ist, kann entweder zwei nebeneinander liegende Karten vom Hafen nehmen oder die Fassade ausbauen. Wurde die erste Option gewählt, werden anschließend die freien Plätze wieder aufgefüllt. Das Handkartenlimit beträgt sieben Karten.

Die andere Option ist das Ausbauen der Fassade. Hierzu werden von der Hand entsprechend der Größe des gewählten Plättchens Karten einer Farbe abgeworfen. Baut man ein Plättchen angrenzend an ein weiteres der gleichen Farbe, so sind die Kosten um eine Karte geringer. Das so bezahlte Plättchen kann anschließend auf dem eigenen Haustableau platziert werden. Vervollständigt man so eine Zeile oder eine Spalte, gibt es einen oder zwei Punkte. Bestehen diese nur aus Fenstern gibt es die doppelte Punktzahl.
Hat man eine der drei Wappenreihen vervollständigt oder eines der Wappen mit einem Plättchen verdeckt, darf man aus drei Optionen wählen. Man kann sich ein Spezialplättchen der Größe eins nehmen. Alternativ kann man ein neues Fähigkeitenplättchen auswählen oder alle genutzten Fähigkeitenplättchen wieder nutzbar machen. Diese Fähigkeitenplättchen bieten verschiedene Sonderaktionen. So darf man statt nebeneinander liegenden Karten beliebige wählen, beide Aktionsmöglichkeiten in einem Zug ausführen, eine dritte Karte ziehen, die Baukosten um eins reduzieren oder zwei Farben als eine ausspielen. Alle Effekte sind einmalig und erst nach dem auffrischen durch das Erfüllen von Wappen wieder verfügbar.

Das Spiel endet sobald eine Person 12 Punkte erreicht hat oder die Spielendekarte aufgedeckt wird. In diesem Fall gewinnt die Person mit den meisten Punkten. Bei einem Gleichstand geht der Sieg an die Person, die die wenigsten leeren Felder in der Hausfassade hat.

Infobox

Spielerzahl: 2 bis 4
Alter: ab 8 Jahren
Spielzeit: 20 – 40 Minuten
Schwierigkeit: leicht
Langzeitmotivation: gut
Genre: Familienspiel
Kernmechanismen: Set collection, Puzzle, offenes Drafting

Autoren: Daniel S. Pedersen und Asger H. Granerud
Illustrationen: Markus Erdt
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2019
Sprache: deutsch
Kosten: 45 Euro

Fazit

Mit Copenhagen gibt es bei Queen Games in schönes Familienspiel, das es schafft auch für Vielspieler interessant zu sein. Große Tiefe findet man hier natürlich nicht. Dafür aber ein entspannt spielbares Puzzlespiel, das trotz dem benötigten Kartenglück nie als wirklich zu stark glückslastig empfunden wird.

Das Thema ist gut gewählt. Wirklich benötigt wird es nicht. Im Kern steckt hier ein abstraktes Puzzlespiel, dessen Setting aber vor allem optisch gut umgesetzt ist. Die Mechanik, mit der die Fassadenplättchen bezahlt werden, erinnert an Zug um Zug. Durch das Handkartenlimit und die “kleinen Ziele” in Form der Plättchen hat man hier aber nie ein ewig langes Ziehen von Karten, bis erste Karten gespielt werden. Die einzelnen Züge laufen schnell ab. Große Wartezeiten hat man hier nicht.

Während des Spiels wird das eigene Haus zu einem bunten Kunstwerks. Bild: Jonas Dahmen

Das Spielmaterial ist sehr gut. Die Regeln lassen keine Fragen offen. Nur als “Buch” anstelle des doppelseitigen, faltbaren Blattes wären sie etwas einfacher zu handhaben. Die Polyominos und die Fähigkeitenplättchen sind aus dicker, stabiler Pappe. Beim puzzeln passen die Fassadenplättchen gut an- und ineinander. Auch bei den Karten lassen sich keine Abnutzungserscheinungen feststellen. Ein netter Zusatz auf den Karten sind die Abbildungen der verschiedenen Formen der Fassadenplättchen der entsprechenden Farbe. Die Optik ist ebenfalls sehr gelungen. Die Symbole auf den Fähigkeitenplättchen sind eindeutig.

Nun kommt der größte Negativpunkt am Spielablauf. Das Spielende kann recht abrupt kommen, wenn die Spielendekarte sehr weit oben in den untersten zehn Karten liegt, in die sie hineingemischt wird. So kann es leicht passieren, dass ein lukrativer nächster Zug nicht mehr ausgeführt werden kann. Bei den knappen Punktzahlen ist das dann häufig spielentscheidend.

Der Langzeitspaß bei diesem Spiel ist gut. Die immer andere Zusammenstellung in der Auslage erfordert das immer neue Planen der Züge. Spielmechanisch kann es durch sehr häufiges Spielen aber einige Abnutzungserscheinungen geben, da es eben doch nur zwei Möglichkeiten pro Zug gibt, deren Ablauf immer sehr ähnlich ist. Für Familien- und Gelegenheitsspieler dürfte das aber kein Problem darstellen und auch Vielspieler werden bei gelegentlichen Partien stets ihren Spaß haben.