Flow war Anfang des Jahres einer der Überraschungserfolge im Kino. Bei den Oscars konnte er Titel wie „Alles steht Kopf 2“ ausstechen und sich die begehrte Trophäe als bester Animationsfilm sichern. Nun kommt ebenfalls aus Lettland die Brettspielumsetzung des Films. Asmodee übernimmt den Vertrieb in Deutschland.
Ob das Spiel an den Film herankommt, habe ich getestet.
Im Film wird die namenlose Katze von einer Flut überrascht und muss sich auf ein zufällig vorbeikommendes Boot retten. Dort trifft sie auf verschiedene weitere Tiere – unter anderem einen Hund, ein Wasserschwein und einen Affen. Im Brettspiel Flow geht es genau darum. Die vier Tiere müssen kooperativ vor den Wassermassen gerettet werden und aus den vier Ecken des Spielbretts auf das zentrale Boot gelangen.
Ziehen, spielen, ziehen spielen und auch mal würfeln
Damit die Tiere zum Boot gelangen können, spielen die Spielenden Plättchen mit Wegabschnitten aus. Beim Anlegen gelten übliche Regeln, wie dass die Plättchen mindestens an ein bereits liegendes Plättchen angrenzen müssen, dass neue Plättchen mit einem der Tiere verbunden sein müssen und dass keine Sackgassen entstehen. Das anzulegende Plättchen zieht man aus einer verdeckten Auslage. Will man es nicht ausspielen, kann man es abwerfen, um sich dafür eine verdeckte Aktionskarte zu nehmen. Möchte man gar kein Plättchen ziehen, kann man eine der Aktionskarten von der eigenen Hand für ihren Effekt ausspielen.
Diese Züge gehen solange reihum, bis der einminütige Timer abgelaufen ist. Nun würfelt man die beiden Würfel. Diese geben vor, aus welcher Zeile und Spalte Plättchen durch die „Große Welle“ entfernt werden. Diese kommen in einen offenen Ablagebereich.

Das Spiel endet erfolgreich, wenn alle Tiere mit dem Boot verbunden sind. Gelingt dies nicht und alle Plättchen und Handkarten sind gespielt, verliert die Gruppe das Spiel.
Für eine größere Herausforderung können noch 1 bis 6 Szenariokarten verwendet werden, die die Regeln leicht verändern.
Infos zu Flow
| Personenzahl: 1 bis 6 Personen Alter: ab 8 Jahren Spielzeit: 15 Minuten Schwierigkeit: Familienspiel Langzeitmotivation: schlecht Mechaniken: Plättchenlegen, Echtzeitspiel Spielidee: Dmitrijus Babičius, Tadas Kastanauskas, Marijus Lapinskas, Justina Lapinskienė Illustrationen: Reinis Pētersons Verlag: Brain Games; dt. Ausgabe Asmodee Offizielle Website: Flow Erscheinungsjahr: 2025 Sprache: deutsch Kosten: 28 Euro |
Fazit
Als Film konnte mich Flow absolut überzeugen. Visuell beeindruckend, ruhig, nachdenklich und einfach sehr einzigartig. Entsprechend gespannt war ich auf die Brettspielumsetzung, auch wenn mich der bereits vorab bekannte Echtzeitaspekt etwas verwunderte, da es so gar nicht zum Gefühl des Films passen wollte.

Optisch macht das Spiel auch alles richtig (auch wenn es dafür nicht so viel leisten musste). Bis auf die Plättchen zeigen die Komponenten Szenen und Artwork aus dem Film, was auch im Brettspiel einfach schön anzusehen ist. Doch leider hört hier auch das Gute bereits auf, was ich über das Spiel sagen kann.
Die Stanzbögen und Plättchen sind von mäßiger Qualität und durch die Art wie die Plättchen noch mit den Bögen verbunden sind, ist das beschädigungsfreie Herauslösen nicht sehr einfach. Auch das Board und die Karten fühlen sich einfach billig an. Bei dem veranschlagten Preis könnte man schon Besseres erwarten (zum Vergleich Captain Flip ist mit mehr Inhalt etwa 20 % günstiger und von besserer Qualität).
Das wäre aber gar nicht so schlimm, wenn das Spiel an sich gut wäre. Doch hier geht jegliches Gefühl vom Film verloren. Der Echtzeitaspekt war hierfür eine denkbar schlechte Idee.
Spielmechanisch bewegt sich das Spiel vom Anspruch auf sehr niedrigem Niveau. Es bietet eigentlich nur das absolute Minimum, um auch wirklich als „fertiges“ Spiel durchzugehen. Alles wirkt schnell, schnell zusammengeworfen, um möglichst früh an den Erfolg des Films anknüpfen zu können.
Gerade bei niedriger Personenzahl ist das Spiel nicht selten schon nach zwei bis drei Runden gewonnen. Die Welle ist durch die Würfel komplett beliebig und wirkt wie eine erzwungene Verlängerung des Spiels, da das einfache Plättchenlegen sonst zu schnell vorbei gewesen wäre.

Durch die Szenarien wird das Spiel zwar irgendwann mit vier bis sechs Szenarien etwas herausfordernder, aber abwechslungsreiches Spielgefühl können auch die Szenarien nicht bieten. Dafür ist die Kernmechanik rund ums Plättchenlegen und Würfeln einfach viel zu schwach.
Vielleicht kann das Spiel einigermaßen funktionieren, wenn die Gruppe vor allem aus Kindern besteht und es für diese einen Einstieg in kooperative oder Echtzeitspiele darstellt. Aber der Kooperationsaspekt ist auch dafür eigentlich zu schwach, da niemand weiß, welches Plättchen im nächsten Zug zur Verfügung steht und der Timer für längere Absprachen dann doch zu kurz ist.
Insgesamt wirkt Flow einfach nur wie ein unter Zeitdruck schnell und billig zusammengeworfenes Spiel, das nichts vom Film überzeugend auf den Brettspieltisch bringen kann.
Eternitium*
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