Ende September erscheint mit Der Fall des Bergkönigs das eigenständige Prequel zu In der Halle des Bergkönigs. Zeitgleich erscheint bei Skellig Games auch die Neuauflage zu In der Halle des Bergkönigs. In diesem herausfordernden Kennerspiel kehren die Trolle in ihren Berg zurück. Die Spielenden übernehmen die Rolle eines Anführers und streben danach, der Bergkönig zu werden. Ressourcen sind knapp und werden über einen einzigartigen Mechanismus generiert. Wie viel Spaß in den dunklen Tunneln des Berges steckt, zeigen wir in unserem Test.

In der Halle des Bergkönigs war ursprünglich ein Kickstarterprojekt von Burnt Island Games. Über 4.300 Unterstützer trugen mit knapp 400.000 kanadische Dollar beinahe das 10-fache des ursprünglichen Finanzierungsziels bei. Für die deutsche Lokalisierung hat sich Skellig Games die Rechte gesichert. Nun erscheint in wenigen Wochen die nächste Auflage des Erfolgsspiels zusammen mit dem Prequel Der Fall des Bergkönigs. Im Spiel werden Polyominos zu einem Tunnelnetzwerk verbunden, Statuen verschoben und Große Hallen errichtet. 

Vor Generationen wurden die Trolle im Kampf gegen die Gnome aus ihrem Heimatberg vertrieben. Nun ist der Berg zusammengebrochen, hat viele der Gnome und sich begraben und den Rest in die Flucht geschlagen. Endlich können die Trolle zurückkehren. Sie graben die Tunnel aus, errichten Große Hallen und schieben die Statuen ihrer Vorfahren auf ihre angestammten Plätze im Herz des Berges. Nur ein Trollanführer kann am Ende der Bergkönig werden. Die Spielenden befinden sich im Wettstreit um diesen Titel und versuchen die meiste Ehre zu sammeln. 

Der Berg ruft

Betritt man den Berg (öffnet die Spielschachtel), begrüßt einen dort das wunderschön gestaltete Spielmaterial. Den Anfang macht hier der doppelseitige Spielplan mit einer Herbstseite für 2 oder 3 Personen und einer Winterseite für 2, 4 oder 5 Personen. In jeder der fünf Farben gibt es ein Spielertableau, Wertungsmarker, Torplättchen und Starttrolle. Weitere Trolle sind in drei Stufen aufgeteilt ebenfalls in Kartenform enthalten. Deutliche größer sind die Karten für die Zaubersprüche. Insgesamt sieben unterschiedliche Ressourcen gibt es im Spiel, die größtenteils aus Holz bestehen. Die Komponenten, die auf dem Spielfeld platziert werden runden den Inhalt ab. Dies sind die Statuen und Sockel, die Tunnel in verschiedenen Größen und Formen und die Großen Hallen. 

Schön aufgeräumt sind die Ressourcen und Tunnel im Inlay der Kickstarterausgabe. Bild: Jonas Dahmen

Beim Spielaufbau werden die Statuen zufällig auf den entsprechenden Feldern platziert und alle platzieren ihr Torplättchen auf einem der verfügbaren Startfelder. Ressourcen, Tunnel und große Hallen werden neben den Spielplan bereit gelegt. Die Trolle werden in drei Reihen pyramidenförmig platziert. Fünf Stufe 1 Trolle, vier Stufe 2 Trolle und drei Stufe 3 Trolle bilden hier die Auslage. Auf den Stufe 2 Trollen werden zufällig gezogene Sockel platziert. Drei Zaubersprüche werden ebenfalls offen platziert und stehen allen zur Verfügung. Nun werden noch Werkstätten in Abhängigkeit der Personenzahl bereit gelegt und die Sockel-Wertungsmarker zufällig im entsprechenden Bereich platziert. 

Bevor es losgehen kann, müssen die Spielenden nur noch ihr “Troll-Thing” bilden. Hierfür draften sie ihre Starttrollkarten und wählen immer eine von zwei Handkarten aus, die sie ihrem Troll-Thing hinzufügen. Sie erhalten die auf diesen Trollen unten abgebildeten Ressourcen. Während des Spiels erhalten sie bei Aktivierung der Trolle die Ressourcen aus der oberen Hälfte.

Verhelft dem Berg zu altem Glanz

Die Regeln des Spiels sind leicht verständlich und schnell erklärt. Ein Zug besteht aus vier Schritten, von denen einer als Hauptaktion bezeichnet werden kann. Vor dieser kann man einen Zauberspruch und eine Werkstatt aktivieren. Für die Aktivierung eines Zauberspruchs muss eine Rune von einem der eigene Trolle oder dem persönlichen Vorrat auf diesen gelegt werden. Wurden Zaubersprüche drei Mal aktiviert, werden sie ausgetauscht. Um eine Werkstatt zu aktivieren, muss diese an das eigene Tunnelnetzwerk angrenzen. Der Effekt darf so oft genutzt werden, wie Tunnelabschnitte an die Werkstatt angrenzen. Zaubersprüche und Werkstätten zu nutzen ist optional. 

Als Nächstes kommt die “Hauptaktion”. Hier muss man entweder einen Troll rekrutieren oder einen neuen Tunnelabschnitt graben. 
Um einen Troll zu rekrutieren, wählt man einen der zwölf ausliegenden Trolle aus. Wählt man einen Troll der Stufe 2 oder 3, muss man die darunter liegenden Trolle bestechen. So “kostet” ein Troll der Stufe 2 zwei Bestechungsgelder und ein Troll der Stufe 3 fünf Bestechungsgelder. Von einem Troll der Stufe 2 erhält man das auf ihm liegende Podest und Stufe 3 Trolle erlauben es, dass man ein beliebiges Podest wählt. Den neuen Troll legt man nun so an sein Troll-Thing an, dass er in der Mitte über zwei anderen Trollen liegt. Anschließend gibt es neue Ressourcen. Diese werden auf den neuen Troll und alle darunter angrenzenden Trolle gelegt, solange diese nicht bereits ihre Ressourcen halten. Ressourcen, die auf den Trollen liegen, sollten daher immer zuerst ausgegeben werden, um sie bei Aktivierung neu befüllen zu können.

Wurde der letzte Troll dem Troll-Thing hinzugefügt, stehen für die letzten Züge viele Ressourcen zur Verfügung. Bild: Jonas Dahmen

Hat man genügend Exemplare einer Sorte Mineralien (Stein, Eisen, Herzstein) gesammelt, kann man einen Tunnel graben. Je nach Größe und verwendetem Material gibt es Ehre, was im Spiel Siegpunkten entspricht. Verläuft der Tunnel über Trümmerfelder müssen Hämmer ausgegeben werden. Schließt man durch das Graben einen leeren Werkstattplatz an das Tunnelnetzwerk an, darf man dort eines der verfügbaren Werkstattplättchen platzieren. Durch das Platzieren des Tunnels kann außerdem eine Statue ausgegraben werden, die dann auf dem Tunnelabschnitt platziert wird. Der Zug, in dem Tunnel gegraben wird, ist außerdem die einzige Möglichkeit einen Sockel auf dem “Loch” des gerade platzierten Tunnelplättchens zu platzieren. Pro Bereich des Berges darf jede Art Sockel nur einmal platziert werden. Dafür erhält man den entsprechenden Sockel-Wertungsmarker.

Nach dem man eine der beiden Hauptaktionen ausgeführt hat darf man eine Große Halle einweihen. Hierfür muss das eigene Tunnelnetzwerk der Form der gewählten Großen Halle vollständig entsprechen. Statuen werden einfach auf dem gleichen Platz in der Halle platziert. Sockel kommen aus dem Spiel, da die Großen Hallen Altäre besitzen, die ähnlich funktionieren. Als letztes Aktion darf man noch Loren ausgeben, um Statuen zu bewegen. Pro Lore darf die Statue auf ein beliebiges Feld im aktuellen oder einem angrenzenden Tunnel bewegt werden. 

Wer wird zum Bergkönig gekrönt?

Reihum läuft dieses Zugschema weiter, bis die zweite Person den zehnten Troll in ihrem Troll-Thing hinzufügt. Die beiden, die das zuerst geschafft haben erhalten die Krönungsmarker, die 5 beziehungsweise 3 Punkte wert sind. Nach Abschluss der aktuellen Runde haben alle noch zwei weitere Züge, bevor das Spiel endet.

Anschließend geht es in die Endauswertung. Neben den Punkten, die man für den Tunnelbau gesammelt hat, gibt es noch fünf weitere Punktequellen. Die Krönungsmarker und die Sockel-Wertungsmarker geben die auf ihnen abgebildeten Punkte. Jedes Set aus drei gleichen Ressourcen bringt einem weitere Punkte. Große Hallen bringen ebenfalls Punkte. Deutlich mehr gibt es durch sie, wenn eine Statue auf dem Altar platziert wurde. Zum Abschluss der Wertung gibt es noch Punkte für Statuen in Abhängigkeit davon, ob sie auf einem Sockel stehen und in welchem Bereich des Berges sie sich befinden. Wer nun die meisten Ehrepunkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel und wird der neue Bergkönig. 

Für diese Rezension haben wir uns nicht genauer mit den beiden (Mini-)Erweiterungen “Verfluchter Berg” und “Champions” befasst, die in der deutschen Ausgabe direkt enthalten sind. Mit “Verfluchter Berg” wird das Spiel kooperativ und so auch solo spielbar. Die “Champions” sind mächtige Trolle, die am Anfang einer Partie gedraftet werden und mächtige Effekte bieten. 

Infobox

Spielerzahl: 2-5 Personen (kooperativ/solo möglich mit enthaltener “Verfluchter Berg” Erweiterung)
Alter: ab 12 Jahren
Spielzeit: 90 Minuten
Schwierigkeit: mittel bis hoch
Langzeitmotivation: gut
Genre: Kennerspiel
Kernmechanismen: Netzwerkbau, Plättchenlegen, Polyominos

Autor: Jay Cormier und Graeme Jahns
Illustrationen: Kwanchai Moriya
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2019
Sprache: deutsch
Kosten: 60€

Fazit

Es ist eine Kunst, ein herausforderndes Spiel zu entwickeln, das trotz einfacher Regeln eine faszinierende Spieltiefe besitzt. Genau das schafft In der Halle des Bergkönigs. Die Ressourcen sind knapp und Timing, insbesondere in Richtung Spielende, ist alles. 
Das Thema ist erfrischend und in allen Belangen schön umgesetzt. Optisch ist das Spiel absolut gelungen. 

Die Regeln des Spiels sind gut verständlich und selbst nach längeren Pausen schnell wieder vollständig präsent, ohne dass man sich wieder ausführlich mit den Regeln auseinandersetzen muss. Auch an die thematische Umsetzung wurde in die Regeln gedacht und kleine Nebensätze sorgen dafür, dass das Thema auch hier lebendig wird. Fragen bleiben nach dem Regelstudium keine offen. Alles Wichtige für den Rundenablauf steht auch noch einmal extra in aller Kürze auf den einzelnen Spielertableaus. 

Das Spielmaterial ist hervorragend. Nicht nur die Deluxe-Komponenten des Kickstarters sind von tadelloser Qualität. Die Tunnelplättchen passen sauber aneinander und lassen sich auf dem großzügigen Spielplan problemlos platzieren. Die Qualität der Karten ist ebenfalls sehr gut. Alle Symbole im Spiel, von denen es nicht zu viele gibt, sind eindeutig. Alles notwendige wird über Text ergänzt und nicht krampfhaft versucht mit wirren Symbolen darzustellen. 

Vom Eingang zieht sich das eigene Tunnelnetzwerk durch den Berg. Bild: Jonas Dahmen

Wirklich glänzen kann In der Halle des Bergkönigs vor allem mit seinem einzigartigen Ressourcenmechanismus. Gefühlt fehlen Ressourcen eigentlich immer und die richtigen Trolle zur richtigen Zeit zu aktivieren oder ihre Ressourcen zu nutzen ist eine echte Herausforderung. Die Züge laufen gut nacheinander ab. Durch die Knappheit der Ressourcen und der Wichtigkeit des Timings ist die Denkleistung pro Zug aber hoch und kann zu längeren Leerphasen zwischen den eigenen Zügen führen. Zu fünft kann sich das Spiel so doch spürbar ziehen. Bis auf die Möglichkeit Tunnel zu graben, um andere zu blockieren und ihnen gegebenenfalls Trolle wegzukaufen, ist die Interaktion zwischen den Spielenden eher gering. Da ein echter Zweispielerspielplan fehlt, passiert es hier leider zu selten, dass man sich beim Tunnelbau in die Quere kommt. Ideal spielt sich das Spiel so zu dritt oder viert, aber bis auf die fehlende Blockadegefahr, gibt es auch zu zweit nichts auszusetzen.

Bis auf die neu aufgedeckten Trolle und Zaubersprüche gibt es in diesem Spiel nach dem Aufbau kein Zufallselement. Der strategische Anspruch ist hoch. Der Widerspielreiz ist durch die variable Zusammensetzung dieser Elemente trotzdem mehr als ausreichend vorhanden. Liegen andere Ressourcen mit den Trollen aus, muss man zwangsläufig anders spielen. 
Auch die Punkteverteilung ist sehr ausgeglichen. Je nach Tunnelbau hat man zwischen einem Drittel und der Hälfte Punkte durch die Tunnel gesammelt. Alle weiteren “kleinen” Punktequellen sind ebenfalls wunderbar ausbalanciert. Der Fokus muss hier natürlich auf den Statuen liegen. In Großen Hallen oder auf Sockeln sind ihre Punkte unverzichtbar für den Sieg. 

Als reines Solospiel ist es zumindest mit der kooperativen Erweiterung nicht zu empfehlen. Diese funktioniert deutlich ansprechender mit mehreren Mitspielenden. Hierfür gibt es aber auf BoardGameGeek einen hervorragenden inoffiziellen Solomodus, der nur Spielmaterialien nutzt, die im Grundspiel enthalten sind und den Zweiköpfigen Troll als Gegner einführt. So wird auch elegant das Zweispieler”problem” umgangen, dass (zu) viel Platz im Berg ist. Dieser automatisierte Gegner wird über Trollkarten gesteuert und baut von zwei Toren aus sein Tunnelnetzwerk auf. Man kann zwischen vier Schwierigkeitsstufen auswählen. Diese inofizielle Variante bietet sogar die Möglichkeit, einen dritten “Spieler” im Zweipersonenspiel hinzuzufügen.

Mit diesem gehobenen Kennerspiel gibt es bei Skellig Games ein weiteres hervorragendes Polyominospiel, das zwar nicht ganz so süß wie Insel der Katzen ist, aber in puncto Anspruch ein perfekter nächster Schritt in die Welt der komplexen Brettspiele ist. 


Letzte Aktualisierung am 5.10.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API