Nach den erfolgreichen Umsetzungen der Spiele Brazil Imperial, Paper Dungeons und Wunder der Welt wurde zuletzt das Würfeleinsetz-Spiel Marajoara des brasilianischen Spieleverlages Glyptodon von Giant Roc auf den deutschen Markt gebracht. Beworben als Kennerspiel, welches wenig Platz einnimmt, wurde das Spiel Mitte 2024 erfolgreich in der Spieleschmiede finanziert. Ob Marajoara uns gefallen hat, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.
Simples, kreatives Spielprinzip
Marajoara ist der Name der brasilianischen indigenen Zivilisation, die auf der Insel Marajó an der Mündung des Amazonas in der präkolumbianischen Zeit ihren Ursprung hatte. Die Marajó-Kultur ist insbesondere für ihre charakteristische Töpferware bekannt. Als Gelehrte graben wir nach diesen Keramiken, restaurieren sie und stellen sie in unserem Museum aus. Wer nach 14 Runden die meisten Siegpunkte gesammelt und sein Museum am erfolgreichsten geführt hat, gewinnt.
Eine Runde läuft nach einem simplen Schema ab. Wir suchen uns einen Würfel vom Spielbrett aus und hüpfen mit diesem über einen angrenzenden Würfel. Der ausgesuchte Würfel verbessert durch den Sprung seinen Würfelwert um 1, der übersprungene Würfel wandert ohne eine Wertveränderung in unseren Besitz. Die gesammelten Würfel fundieren als Ressource mit denen wir im Anschluss beliebig viele Aktionen auszuführen können. Welche Aktionen wir ausführen können und welche Bedeutung ihre Werte haben, bestimmt dabei die Farbe des Würfels. Pro Farbe bzw. Ressource können wir bis zu drei gesammelte Würfel (mit Ausnahme des grauen Würfels, der eine sofortige Aktion auslöst) auf unserem Tableau für spätere Runden speichern, um ggf. Aktionen mit besseren Würfelwerten ausführen zu können.

Vasen restaurieren und ausstellen
Insgesamt gibt es zwei Aktionen, die uns am Ende Punkte bescheren. Mit den blauen Würfeln können wir eine Vase restaurieren. Jede Vasenscherbe besitzt eine bestimmte Anforderung, welche mit den blauen Würfeln erfüllt werden muss. Je schwerer die Anforderung, desto mehr Punkte bringt sie am Ende ein. Zusätzlich erhält man Punkte für jede Scherbe, die man mit einer anderen Scherbe kombiniert.

Die roten Würfel (Vasen) kann man in Kombination mit den gelben Würfeln (Geld) dazu nutzen, Vasen im Museum auszustellen. Je höher der Würfelwert der roten Würfel, desto wertvoller ist die Vase und desto mehr Geld müssen wir ausgeben, um die Vase auszustellen. Stellen wir eine Vase aus, so erhalten wir Siegpunkte doppelt dem (Würfel-)Wert der Vase. Zusätzlich erhalten wir Siegpunkte für die Säule, auf der wir die Vase ausstellen. Insgesamt gibt es 5 Säulen, die mit steigender Anzahl der Vasen immer mehr Siegpunkte generieren.

Gelbe Würfel können, neben dem Bezahlen der Vasen (roten Würfel), dazu genutzt werden, den Wert der blauen Würfel zu verändern oder Würfel auf dem Spielfeld um ein Feld zu verschieben, um so das potentielle Sammeln dieses Würfels durch einen Gegenspielenden zu verhindern. Beide Aktionen bringen aktiv keine Siegpunkte ein, können aber taktisch genutzt werden, um anderen Punkte zu verwehren oder um die Restaurations-Aktion für einen selbst vorzubereiten.
Graue Würfel werden sofort genutzt, sobald wir einen erhalten. Mit ihnen schreitet man auf den sogenannten Ausgrabungsleisten voran. Der Würfelwert gibt dabei an, wie viele Schritte wir auf einer von drei Leisten voranschreiten dürfen. Das Feld, auf dem unser Plättchen landet, wird anschließend aktiviert. In der Regel erhalten wir einen netten Bonus in Form von Wertverbesserungen der Würfel, Lupenfelder oder Siegpunkten. Erreichen wir das Ende einer Leiste, so erwarten uns Siegpunkte für bestimmte Bedingungen.
Nutzt man Würfel, so werden diese in die sogenannte Schubkarre gelegt. Passen keine Würfel mehr in die Schubkarre, so fallen die vordersten zwei Würfel aus dieser heraus und werden für das Ende der Runde aufgehoben. Am Ende der Runde können wir nämlich die rausgefallenen Würfel wieder neu auf dem Spielbrett verteilen. Die Verteilung der Würfel ist, mit ein paar Vorgaben, dabei komplett uns überlassen. Auch mit diesem Schritt können wir Einfluss darauf nehmen, wie Züge unserer Kontrahenten aussehen könnten.

Das Spiel endet mit der 14. Runde. Anschließend werden auf die bereits erhaltenen Siegpunkte, weitere Punkte für die meisten Vasen, sowie meisten restaurierten Scherben zugerechnet. Wer anschließend die meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt das Spiel.
Infos zu Marajoara
| Spielerzahl: 1 – 4 Alter: ab 14 Jahren Spielzeit: 60 Minuten Schwierigkeit: Höheres Familienspiel, leichtes Kennerspiel Klassifikation: Abstraktes Würfel einsetzen Autor: Daniel de Lucca Illustrationen: Carmen Ferreira Martinez Verlag: Giant Roc, Glyptodon, MeepleBR Offizielle Website: Link Erscheinungsjahr: 2025 Sprache: Deutsch Kosten: 39,99 € |
Fazit
Marajoara ließ mich gespalten zurück. An sich spielte sich jede einzelne Partie in Marajoara recht entspannt runter. Wirklich viel muss man in seinem Zug nicht machen und man behält recht gut die Übersicht über alle Möglichkeiten Siegpunkte zu erlangen. Die erste Partie machte auch richtig Laune. Es war schon ein schönes Spieleerlebnis, welches einem in der Art und Weise irgendwie bekannt vorkommt, aber doch irgendwie neue Ideen beinhaltet. Ich suche mir einen Würfel aus, überspringe einen anderen und mache „Dinge“ mit dem Würfel den ich übersprungen habe. Simpel, aber interessant genug.
Doch von Partie zu Partie wurde das Spiel immer weniger interessant. Das lag bei mir einfach daran, dass ich gefühlt nur dasselbe mache. Die Anzahl an „Dingen“ die man mit den Würfeln macht, ist letztendlich nicht sonderlich groß. Das macht bei einer Partie von etwa 45 – 60 Minuten echt viel Spaß, ist spätestens nach der zweiten oder dritten Partie jedoch recht dröge.
Dazu kommt, dass Marajoara auch thematisch nicht wirklich ins Schwarze trifft. Das Thema ist eine nette Idee, aber mechanisch passt da nichts zusammen. Was das Überspringen von Würfeln mit dem Ausgraben einer Vase zu tun hat, sehe ich hier einfach nicht. Außerdem sind mit den gelben Würfeln anscheinend überall noch Münzen auf der Ausgrabungsfläche verteilt, mit denen wir ja das Ausstellen unserer gefundenen Vasen bezahlen müssen. Das passt einfach nicht zusammen.
Was mich persönlich aber angesprochen hat, ist die allgemeine Aufmachung und Qualität von Marajoara. Die Box, die gleichzeitig als Spielbrett fungiert, funktioniert super und fühlt sich haptisch hervorragend an. Besonders durch das doppellagige Spieltableau und dem magnetischen Schließmechanismus. Für 40 € ist Marajoara rein qualitativ auf jedenfall in Ordnung.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich Marajoara nicht als schlechtes Spiel in Erinnerung habe, sondern einfach nur als Spiel, welches mich nach ein paar Partien gelangweilt hat. Ich lasse jetzt ein paar Wochen oder Monate ins Land streichen, bis ich wieder für eine Partie bereit bin. Spielen würde ich es irgendwann definitiv nochmal, wenn ich gefragt werde. Die Partien waren so schön zwanglos und entspannend.
| Vorschau | Produkt | Bewertung | Preis | |
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Brasilien: Imperial* | 79,24 EUR |
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