Brettspiel-Test zu Medici – The Dice Game: Reiner Knizia widmet sich erneut der italienischen Familie

Lesezeit: 5 Minuten

Die Medici waren zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert eine der einflussreichsten Familien in Italien. Zu ihrer Familie gehörten unter anderem drei Päpste und zwei Königinnen. Autor Reiner Knizia hat sich in der Vergangenheit bereits zweimal der bekannten Familie in den Spielen Medici und Medici: The Card Game gewidmet – nun setzt die Autorenlegende erneut an der Thematik an und bringt mit Medici: The Dice Game den dritten Ableger der Reihe. Ob das unterhaltsam ist? Lest selbst.


Nach drei Jahren Pause nach der Veröffentlichung des Kartenspiels wurde im vergangenen Jahr im November das Würfelspiel der Reihe über Kickstarter im Rahmen eines Crowdfunding finanziert und dieses Jahr ausgeliefert. Grail Games ist mit einem Kampagnenziel von umgerechnet rund 6.000 Euro in den Kickstart gegangen, am Ende haben genau 666 Unterstützer knapp das Dreieinhalbfache in das Würfelspiel gepumpt. Auf dem Papier ist das Roll-and-Write also durchaus erfolgreich gewesen. Ob der Titel auch spielerisch mithalten kann, erfahrt ihr in der nachfolgenden Rezension zu Medici: The Dice Game.

Ziemlich knifflige Angelegenheit

Roll-and-Write-Spiele sind neben Exit-Spielen einer der großen Trends der Branche. Mit Medici The Dice Game präsentiert Autor Reiner Knizia nach Kriss Kross sein zweites Roll-and-Write. Wie viele Vertreter des Genres ist auch Medici The Dice Game sehr zugänglich und eignet sich dadurch sehr gut für Familien oder als Absacker nach einem ausufernden Spieleabend.

Medici: The Dice Game ist ein Roll-and-Write - Würfel sind als ebenso wesentliche Elemente des Materials wie Stifte und Papier. Foto: Johannes Grashorn

Medici: The Dice Game ist ein Roll-and-Write – Würfel sind also ebenso wesentliche Elemente des Materials wie Stifte und Papier. Foto: Johannes Grashorn

Im Spiel übernehmen die Spielerinnen und Spieler die Rolle von Händlerinnen und Händlern in Florenz. Ihre Aufgabe ist es, drei Schiffe möglichst effizient mit exotischen Waren auf fernen Ländern zu befüllen und den Ruhm der Familie Medici zu mehren. In jeder der drei Runden befüllen sie ihre Schiffe, indem die erfüllten Zahlen und Warenarten eingetragen und führen anschließend eine Zwischenwertung durch. Der oder die Star-SpielerIn  würfelt die fünf Würfel und dann wählt ein bis drei Würfel aus. Anschließend werden die Zahlen ins Schiff eingetragen und gegebenenfalls entsprechenden Waren auf den passenden Leisten angekreuzt.

Die Warenseite der Würfel haben die Werte null bis vier. Einen Wert von fünf gibt es nur ohne Ware. Es gilt also abzuwägen, die höchste Zahl zu wählen, um möglichst viele Punkte im Schiff einzutragen oder eine bestimmte Ware zu nehmen, um sich die Mehrheit und damit Bonuspunkte zu sichern. Wer nach den drei Runden die meisten Punkte durch die beladenen Schiffe und Warenmehrheiten erhält, gewinnt das Spiel.

Die Grundausstattung für jeden, der was werden will innerhalb der Medici-Familie. Foto: Johannes Grashorn

Die Grundausstattung für jeden, der was werden will innerhalb der Medici-Familie. Foto: Johannes Grashorn

Medici The Dice Game bietet sehr hochwertiges Material für so ein kleines Spiel. Die Schachtel und der Wertungsblock sind sehr schön thematisch von Vincent Dutrait illustriert. Das Schachtelinnere ist ebenfalls bedruckt und kann wunderbar als Würfelschachtel benutzt werden. Die Würfel sind bunt bedruckt und fühlen sich gut an. Als zusätzliche Dreingabe sind ein schöner Startspielermarker und ein bedruckter Würfelbeutel dabei. Außerdem enthält der Wertungsblock 200 Blätter und damit womöglich mehr als jedes andere Roll-and-Write.

Die Regeln von Medici The Dice Game sind schnell gelernt und verinnerlicht. Der Reiz des Spieles entsteht im Auswählen der Würfel und den wechselnden Mehrheiten der fünf Waren. Wähle ich die höhere Zahl, um die meisten Punkte im Schiff zu haben, oder lieber eine bestimmte Ware, um die Mehrheit zu gewinnen. Im Spiel zu Zweit ist der Druck besonders hoch. Für das Schiff mit der höchsten Punktzahl gibt es 20 Punkte, die andere Person geht leer aus und muss null Punkte für die Runde eintragen. Im Spiel mit drei oder vier Spielerinnen und Spielern erhalten auch die Zweit- und Drittplatzierten Punkte. In der Solovariante muss mindestens ein Wert von 20 erreicht werden, um überhaupt Punkte zu erhalten. Bei 30 oder mehr gibt es einen Punktebonus. Alleine ist das Ziel den eigenen Highscore zu schlagen.

Fünf Würfel und die Wahl: 1, 2 oder 3 behalten? Foto: Johannes Grashorn

Fünf Würfel und die Wahl: 1, 2 oder 3 behalten? Foto: Johannes Grashorn

Einen Innovationspreis gewinnt Reiner Knizia mit seiner Interpretation des Trends „Roll and write“ nicht. Muss er das ist diesem mittlerweile etablierten Sub-Genre? Nein, vor allem nicht, wenn ein Spiel auch ohne einen Wust aus neuartigen konzeptionellen Kniffen Spaß macht und unterhält. Eigenständig genug ist Medici: The Dice Games jedenfalls – und es fällt unter den aktuell erhältlichen Roll-and-Write-Spielen. Nicht spielerisch, aber bezüglich Material und Thema. Insbesondere letztes weiß zu gefallen, weil Knizia durch seinen Rückgriff auf den Klassiker, den man heute als charmant gealtert bezeichnen kann.  

Ansonsten hält sich das Konzept an die bekannten Grundgerüste moderner Roll-and-Write-Brettspiele. Spieler werden ständig vor neue Entscheidungen gestellt, allerdings ohne zu überfordern. Die Downtime ist gering bis hin zu nicht vorhanden, immerhin ist das „decision making“ auch im eigenen Spielzug präsent. Insgesamt sprechen alle Spiele der Medici-Reihe unterschiedliche Spielertypen an, das neuesten Werk richtet sich dabei vornehmlich an Gelegenheitsspieler, allerdings nicht ausschließlich. Fans den Genres freue sich über Alternativen, zumal der Solomodus mehr als brauchbar ist. 

Infobox

Spielerzahl: 2 bis 6 Spieler; Solovariante 
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten
Schwierigkeit: einfach
Langzeitmotivation: mittel

Verlag: Grail Games
Erscheinungsjahr: 2020 
Autor: Reiner Knizia 
Illustrationen: Vicent Dutrait
Sprache: englisch
Kosten: 18 Euro

Fazit

Medici: The Dice Game ist ein unterhaltsames Roll-and-Write für zwischendurch. Die Regeln sind schnell erklärt und Abläufe klar strukturiert. So eignet sich das Spiel sehr gut nach einem ausufernden Spielemarathon ein paar Würfel zu werfen und Felder abzukreuzen. Reiner Knizia mag keinen Innovationspreis gewinnen, dafür ist ihm ein zugängliches und gleichzeitig herausforderndes Spiel gelungen. Auch Nicht- oder Wenigspielerinnen und -spieler werden schnell ins Spiel rein kommen. Gleichzeitig kann die Spannung sicher auch erfahrene Spielerinnen und Spieler begeistern. Welche Würfel möchte ich als Startspieler nehmen und damit den anderen vorenthalten. Wähle ich den Würfel mit der höheren Zahl, um mir die Schiffsmehrheit zu sichern oder wähle ich doch lieber den anderen Würfel, weil ich so mehr Waren erhalte. 

So ist das Würfelspiel eine gelungene Umsetzung des Klassikers Medici aus dem Jahr 1995. Das erste Medici Spiel erreichte damals Platz fünf beim deutschen Spielepreis und schaffte es auf die Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres. In Medici müssen die Spielerinnen und Spieler ebenfalls geschickt ihre Schiffe beladen. Anstatt sich die Waren einfach zu nehmen, nutzt das Spiel einen Auktionsmechanismus. Nachdem die vollen Schiffe in See gestochen sind, werden die Punkte ausgewertet und wer nach drei Tagen die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel. 2007 erschien eine Neuauflage des Spieles von Rio Grande Games und Abacus Spiele. Über Kickstarter wurden 2016 von Grail Games ein überarbeitetes Grundspiel sowie ein Kartenspiel finanziert.

Medici: The Dice Game geht in der Roll-and-Write-Welle nicht unter, sondern bietet genug Unterhaltungswert, um Fans des Genres zu begeistern. Besonders das Material und die Illustrationen von Vincent Dutrait werten das Spiel nochmal deutlich auf. Ich hole Medici immer wieder gerne aus dem Regal, egal ob in großer Gruppe oder allein.

Medici: The Dice Game

18 Euro
7.4

Spielidee

7.0/10

Spielmaterial

8.0/10

Regelwerk

7.2/10

Spielablauf

7.0/10

Wiederspielwert

7.8/10

Pro

  • Zugängliche Spielidee
  • Gutes Material
  • Konfrontativ
  • Solo-Variante vorhanden

Con

  • Glücksfaktor muss man mögen
  • Bisher nur in englischer Sprache erhältlich
  • Konfrontativ

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