Im Mai 2025 finanzierten 4.891 Menschen eine überarbeitete Version des 2015 erschienenen Nippon. Mit dem neuen Namen Nippon: Zaibatsu übernahm CrowD Games die Verantwortung für das Spiel und startete – nach dem Crowdfunding-Erfolg, sowie der Auslieferung der Spiele Anfang des Jahres – vor kurzem eine neue Kampagne mit einer Erweiterung namens Nippon: Genro. Grund genug, um sich das Spiel als absoluter Nippon-Neuling mal genauer anzuschauen. Dank des deutschen Verlages Boardgame Atelier, schaffte es Nippon: Zaibatsu nämlich auch auf den detuschen Spielemarkt. Meine Meinung zum Spiel findet ihr in dieser Rezension.
Wir finden uns bei Nippon: Zaibatsu in Japan, Mitte des 19. Jahrhunderts wieder. Wirtschaftlich und technologisch fiel Japan weit hinter den Westen zurück. Mit der Meiji-Restauration kam es zu einem politischen und industriellen Umbau. Industriell wurde dieser Umbau durch sogenannte Zaibatsu – große Firmenkonglomerate im Familienbesitz – getrieben. Als Besitzer eines solchen Zaibatsu bauen und modernisieren wir Fabriken, verwalten das Einkommen, sowie Logistik und erfüllen Aufträge, um den Bedarf der Bevölkerung Japans zu decken. Unser Ziel ist es den erfolgreichsten Zaibatsu aufzubauen und so die Gunst des japanischen Kaisers zu gewinnen.
Eine Partie Nippon: Zaibatsu geht über 3 Abschnitte. Jeder Abschnitt geht über mehrere Runden, die aus mehreren Zügen bestehen. Am Ende eines Abschnittes kommt es jeweils zu einer Abschlusswertung, in der man die Mehrheiten in Regionen wertet. Im Grunde kann man in seinem Zug eine von zwei Dingen machen: Eine Aktion ausführen oder Konsolidieren.
Ausbau unseres Zaibatsus
Um eine Aktion auszuführen wählt man eine von neun Aktionen und eine der Arbeitskräfte aus dem Einstellungsfeld über den jeweiligen Aktionen aus. Die Arbeitskraft stellt man anschließend in den Arbeitsbereich auf dem persönlichen Tableau. Die Farbe der Arbeitskraft spielt dabei eine Rolle für das Konsolidieren zu einem späteren Zeitpunkt. Anschließend zahlt man die Kosten zur Aktivierung der Aktion und führt diese aus. Am Ende des Zuges wird kontrolliert, ob neue Arbeitskräfte dem Feld über der Aktion hinzugefügt werden müssen oder es keine Arbeitskräfte zum ausfüllen mehr gibt. Gibt es keine Arbeitskräfte, so endet die aktuelle Runde.

Mit unseren Aktionen versuchen wir Schritt für Schritt unser Zaibatsu auszubauen. Das meiste kostet uns Geld. Wir können beispielsweise unser Geld in die Forschung & Entwicklung investieren, um mit einer weiteren Aktion bessere Fabriken bauen zu können. Um in diesen Fabriken Waren produzieren zu können, benötigen wir Kohle. Wir erhalten mehr Kohle beim Konsolidieren, wenn wir in den Bergbau investieren. Die Aktionen sind also eng miteinander vernetzt. Letztendlich ist es unser Ziel unser Zaibatsu bzw. unser persönliches Tableau so gut wie möglich ausgebaut zu haben, um ggf. später Siegpunkte generieren zu können.

Außerdem versuchen wir unseren Einfluss in Area Majority Manier auf dem Spielfeld auszubauen. Insgesamt ist die Japankarte in 4 Einflussfelder bzw. Regionen unterteilt. Jede Region besitzt 2 Marktplättchen. Mit produzierten Waren können wir unseren Einfluss in den jeweiligen Regionen beeinflussen. Dazu beliefern wir die Marktplättchen. Je nach Stufe der Ware und Anzahl der ausgelieferten Ware, können wir einen Einflussmarker mit den Rängen 1 – 9 platzieren. Weiteren Einfluss erlangen wir durch das Platzieren von Eisenbahnen, die wir mit einer anderen Aktion platzieren können. Für diese benötigen wir jedoch mindestens einen Einflussmarker in der entsprechenden Region.

Arbeiter geben Boni, kosten aber auch
Beim Konsolidieren, räumen wir unsere gesammelten Arbeitskräfte von unserem Spieltableau, Je nachdem wie viele Arbeitskräfte wir gesammelt haben, können wir eine der diversen Siegpunktbedingungen für das Ende der Partie aktivieren. Haben wir 4 Arbeitskräfte gesammelt, so dürfen wir das kleinste Siegpunktplättchen nehmen und einer Siegpunktbedingung zuordnen. Haben wir 5 oder 6 Arbeitskräfte gesammelt, so können wir uns alternativ auch an den jeweils höheren Plättchen bedienen. Je nach Platzierung des Siegpunktplättchens, dürfen wir am Ende des Spiels die jeweilige Zeile werten. Je nach Rang des Plättchens, die jeweilige Punktzahl. Je besser das Plättchen, desto mehr Punkte erhält man also.

Zusätzlich erhalten wir beim Konsolidieren noch zusätzliche Ressourcen-Boni. Je nach Farbe der untersten und obersten Arbeitskraft erhalten wir einen Bonus der Leiste links von unseren gesammelten Arbeitskräften. Auch erhalten wir je nach Aufwertung unseres eigenen Spieltableaus Geld sowie Kohle, die wir für die diverse Aktionen benötigen. Abschließend müssen wir unsere Arbeitskräfte bezahlen. Für jede Arbeitskraft einer anderen Farbe zahlen wir 3 Geld. Es muss also geschickt Arbeiter gesammelt werden, damit wir am Ende nicht mit zu wenig Geld in die nächsten Züge gehen.
Punkte für Ruhm und… geschicktes Managen
Eine Runde endet, wenn keine Arbeitskräfte mehr nachgefüllt werden können. Hier werden neue Arbeiter bereit gemacht und der Rundenmarker weiterbewegt. Befindet sich der Rundenmarker zuvor am Ende eines Abschnittes, so kommt es zu einer Abschnittswertung. Bei drei Abschnitten kommt es also zu drei Wertungen. Hier wird der Einfluss in allen vier Regionen gewertet. Dazu addiert man die Werte der Einflussmarker und Eisenbahnen (2 Einfluss) zusammen. Die Person mit dem höchsten Einfluss erhält die meisten Punkte. Die Person mit den zweithöchsten, die zweitmeisten etc.. Die Anzahl der Punkte wird durch den aktuellen Abschnitt bestimmt. Erhält der Erstplatzierte im ersten Abschnitt noch 10 Punkte, so erhält er am Ende ganze 26! Es ist also unabdingbar, dass man hier darauf achtet, Einfluss in den jeweiligen Regionen zu nehmen.
Am Ende des Spiels erhält man zudem zusätzliche Punkte für Siegpunktplättchen, die man auf seinem eigenem Spieltableau verteilt hat. Hier hat man die Möglichkeit bis zu 8 Reihen auf seinem Spieltableau zu werten, wenn man die Plättchen gut genug verteilt und die Reihen bespielt hat. Zusätzliche Siegpunkte erhält man für übrig gebliebene Ressourcen. Wer am Ende die meisten Siegpunkte gesammelt hat, gewinnt.

Infos zu Nippon: Zaibatsu
| Spielerzahl: 1 – 4 Alter: ab 12 Jahren Spielzeit: 60 – 120 Minuten Schwierigkeit: Kennerspiel Klassifikation: Area Majority Autor: Nuno Bizarro Sentieiro, Paulo Soledade Illustrationen: Maya Kurkhuli Verlag: Boardgame Atelier, CrowD Games Offizielle Website: Link Erscheinungsjahr: 2026 Sprache: Deutsch Kosten: 95 € |
Fazit
Als Nippon-Neuling bin ich vollkommen begeistert von Nippon: Zaibatsu. Der Mix aus Area Majority und dem quasi Ausbauen des eigenen Tableaus macht Spaß. Immer wieder muss man seine Züge gut planen, um die größtmögliche Punktzahl aus seinen verteilten Siegpunktplättchen rauszuholen, aber dabei auch präsent auf dem Spielbrett selbst zu sein. Das Ganze macht Nippon: Zaibatsu richtig spannend. Der einfache Gameplay-Loop ist schnell verinnerlicht und verspricht sinnvolle Entscheidungen innerhalb weniger Züge. Spätestens nach dem ersten Konsolidieren hat man auch als Anfänger eine Art Ziel vor dem Auge, da man mit den Siegpunktplättchen gute Leitlinien schaffen kann.
Gefallen hat mir auch, dass alles gut miteinander verzahnt ist. Die eine Aktion benötigt man, um die eine Ressource zu bekommen. Die eine Ressource benötige ich, um diese Aktion auszuführen. Alles in Nippon: Zaibatsu hat irgendeinen Sinn und Zweck und das fühlt man auch. Jede Aktion bringt einen irgendwie weiter. Das macht Spaß. Auch das kleine, aber feine Farbenpuzzle mit den Arbeitern ist super und ein kleiner Ärgerfaktor im Spiel. Man muss beim Aktionen auswählen stets abwägen, ob man eine zusätzliche Farbe seinen Arbeitern hinzufügt, da jede Farbe weniger Geld in der nächsten Runde bedeutet. Manchmal kann ein Gegenspielender sich genau die Figur schnappen, die man hätte brauchen können. Hier muss man dann Lösungen finden oder in den sauren Apfel beißen. Alles ist hier theoretisch möglich und macht Nippon: Zaibatsu so spannend. Gleichzeitig versucht man aber auch die Oberhand auf dem Spielfeld zu haben und andere vom Markt zu verdrängen. Die Interaktion ist in Nippon: Zaibatsu irgendwie einfach perfekt abgestimmt. Obwohl vieles sehr solitär auf dem eigenen Tableau abläuft, geben eben dieser Kampf um den Markt und die Arbeiter viel her.
Rein qualitativ ist das Material von Nippon: Zaibatsu auch hervorragend. Alle Tokens bestehen aus Holz und fühlen sich einfach hervorragend in der Hand an. Die persönlichen Tableaus sind doppellagig, sodass keine der Tokens verrutschen kann. Der Beutel zum Ziehen der Arbeiter ist aus einem super tollen Stoff und es gibt ein super sortiertes Inlay in der Box mit genug Platz für alle Spielmaterialen. Dies ist für den Preis von 95 € jedoch auch das erwartbare. Einziges Minus: Die doppellagigen Spielertableaus biegen sich nach einer Zeit ein wenig. Dieses Problem haben jedoch viele Spiele mit großen doppellagigen Tableaus.

Als Person, die auch sehr gerne mal Solo spielt, war ich jedoch etwas enttäuscht über den Solo-Modus des Spiels. Hier spielen wir gegen Takatoshi, der nicht wie wir um Punkte kämpft, sondern uns nur dabei stört Ziele zu erreichen. Wir müssen nämlich je nach Schwierigkeitsgrad 1 – 3 Ziele erfüllen, um siegreich aus der Partie zu gehen. Das war etwas schade. Gerne hätten ich um Siegpunkte gekämpft, stattdessen wird man am Ende wieder mit der klassischen Tabelle abgefrühstückt. Versteht mich nicht falsch – es gibt Spiele, da macht die Highscore Jagd definitiv Spaß, aber Nippon: Zaibatsu hat dies leider bei mir nicht geschafft. Dennoch, um das Spiel eingangs zu erlernen war der Solo-Modus durchaus geeignet. Und diese Option ist dann wieder doch sehr nett.
Zusammenfassend kann ich Nippon: Zaibatsu als Nippon Neuling durchaus empfehlen. Es macht viel Spaß und bringt genügend Tiefe mit, ohne zu anstrengend zu sein. Der Gameloop ist motivierend und macht viel Spaß. Schon mit zwei Personen ist Nippon herausragend. Mit mehr Personen wird es deutlich konfrontativer, aber auch spaßiger. Auch wenn der Preis recht hoch ist, für das Spiel lohnt es sich.


