Brettspiel-Rezension zu Pictures: Preisverdächtiges Machwerk mit Hirnzwirbler-Faktor

Lesezeit: 5 Minuten

Pictures (PD Verlag) von Daniela und Christian Stöhr ist eines der drei nominierten Spiele zum Spiel des Jahres 2020. Der PD-Verlag aus Heidenau veröffentlich seit 2005 neben Lehrbüchern auch Brettspiele. Bereits 2006 erreichte das erste veröffentlichte Spiel „Antike“ des Verlags beim Deutschen Spielepreis den dritten Platz. Der Verlag hat sich auf Strategiespiele spezialisiert, die leichte oder gar keine Zufallsfaktoren haben. 2019 hat Pictures den Spieleerfinder Preis des Spielwerk Hamburg e.V. erhalten. Kriterium für diesen Preis war ein asymmetrisches Spiel mit unterschiedlichen Startbedingungen.


Pictures ist ein enorm kreatives Spiel mit einfachen und kurzen Regeln. Die kompletten Regeln passen auf eine Seite. Das Besondere an diesem Spiel ist, jeder Spieler bekommt ein eigenes Materialset von fünf verschiedenen Sets zugewiesen. Es wird eine Auslage mit 16 verschiedenen Fotos gebildet. Die Spalten und Reihen werden mit Buchstaben- und Zahlenplättchen markiert. Jeder Spieler zieht nun ein Fotoauswahlplättchen aus einem Stoffsäckchen. Dieses Plättchen weist jedem Spieler eines der 16 Fotos der Auslage zu. Doch Achtung, es kann auch vorkommen, dass zwei Spieler das gleiche Foto zugewiesen bekommen.

Die Idee hinter dem Spiel hat unter anderem die Jury des Siel des Jahres e.V. überzeugt, die Pictures von Daniela und Christian Stöhr, neben Uwe Rosenbergs Nova Luna und Reiner Knizias My City auf die Nominierungsliste für das Spiel des Jahres 2020 gesetzt hat.

Pictures: Und schon beginnt das große Rätseln

Die Aufgabe der Spieler ist es nun, mit dem eigenen Materialset das Foto so nachzulegen, dass die anderen Spieler erkennen, um welches Foto es sich handelt. Das ist teilweise ganz schön schwierig. Da alle Spieler immer gleichzeitig beschäftigt sind, gibt es nur wenig Wartezeiten.

Sind alle Spieler mit dem Nachlegen der Fotos fertig, beginnt das große Raten. Alle Spieler müssen jetzt auf einem Block notieren, welcher Spieler welches Foto nachgelegt hat. Klingt einfach? Ist es aber nicht. Das Legematerial besteht aus Steinen und Stöckchen, Schnürsenkeln, Bauklötzen, Symbolkarten und farbigen Holzwürfeln. Wie kann man sich das nun vorstellen? Mit Schnürsenkeln kann man z.B. Konturen nachlegen, mit den farbigen Holzwürfeln kann man markante Farbdifferenzen eines Bildes darstellen.

Das Spielmaterial ist ein wahres Sammelsurium - und der eigentlich Star des Brettspiels. Foto: Nicole Zeller

Das Spielmaterial ist ein wahres Sammelsurium – und der eigentlich Star des Brettspiels. Foto: Nicole Zeller

Die Bauklötze, Steine und Stöckchen eignen sich z.B., um markante Punkte eines Bildes zu markieren. Oftmals muss sich der Spieler entscheiden, welche Merkmale oder Eigenschaften eines Bildes er hervorheben möchte, da der Umfang des Materials sehr begrenzt ist. Auch gestaltet sich das Handling der Materialen manchmal schwierig. Die Schnürsenkel sind sehr störrisch und passen sich oftmals nicht den Formen an, die man damit gerne legen möchte. Die Symbolkarten machen zunächst den einfachsten Eindruck. Doch immer wieder passen die vorhandenen Symbole nicht zum Foto. Hinzu kommt, dass man mindestens zwei und höchstens fünf Symbolkarten legen muss. Auch wenn kein passendes Symbol dabei ist.

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Pictures: Brettspiel für Spiel des Jahres 2020 nominiert

Eine Zuordnung ist oft gar nicht so einfach. Was hat sich der Spieler dabei gedacht, als er sein Material positioniert hat? Welche Merkmale des Fotos waren ihm wichtig? Oft gibt es auch ähnliche Fotos. Nur welches davon war gemeint? In den Ratephasen kommt es am Tisch häufig zu Diskussionen. Der ein oder andere Spieler ist am Zweifeln, andere sind sehr optimistisch die richtige Zuordnung gefunden zu haben.

Der Clou an dem Spiel ist, dass am Ende der Runde das Material im Uhrzeigersinn an den nächsten Spieler weitergegeben wird. Somit muss sich jeder Spieler einmal mit jedem Material arrangieren. Jeder Spieler kommt mit den vorgegebenen Materialien unterschiedlich gut zurecht. Die Fotoauswahlmarker der Vorrunde werden aus dem Spiel genommen. Jeder Spieler zieht einen neuen Fotoauswahlmarker, mit dem die Fotos den Spielern zugewiesen werden. Dies kann nun ein neues Bild sein oder auch wieder das Bild aus der Vorrunde. Hier entscheidet der Zufall. Und die Spieler wissen nie, ob ein Foto wieder mehrfach zugeordnet wurde.

Rätselspiele kommen insbesondere in Familien gut an. Foto: Nicole Zeller

Rätselspiele kommen insbesondere in Familien gut an. Foto: Nicole Zeller

Punkte gibt es jede Runde für richtige erratene Zuordnungen, aber auch dafür, dass die Mitspieler das nachgelegte Foto erraten haben. Pro richtig erratenem Foto erhält der Spieler einen Punkt und pro Mitspieler, der die eigene Materialauslage zuordnen konnte, gibt es einen Punkt. Bei fünf Spielern, lassen sich so acht Punkte pro Runde ergattern. Gewinner ist der Spieler, der nach fünf Runden am Meisten Punkte erreichen konnte.

Pictures überrascht als Brettspiel auf mehreren Ebenen. Einfache Regeln stehen durchaus komplexen Gedankengängen gegenüber. Pictures holt Spieler auf eine besondere Art ab: Unterhaltsam wird es durch die völlige Überforderung, die der Titel von Daniela und Christian Stöhr zu hervorzurufen weiß. Dafür sorgt unter anderem die treffsichere Auswahl der Bildkarten.

Was auf den ersten Blick wie ein Sammelsurium auf beliebigen Fotos aussieht, entpuppt sich als enorm durchdacht. Bereits in dieser Hinsicht landet das Brettspiel Pictures 91 Treffer, denn so viele Bildkarten sind enthalten. Notwendig ist das für den Spielablauf nicht, aber es sorgt für einen durchaus hohen Widerspielwert. Motivation ist ohnehin vorhanden – wer Pictures einmal gespielt hat, wird weitere Partien anhängen, als Familienspieler ganz sicher, als Einsteiger ebenfalls. Vielspieler profitieren von der guten Stimmung, für die der Titel am Tisch schnell sorgen kann. 

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Der Material-Mix spricht Fans haptisch eindrucksvoller Brettspiele an, entfaltet jedoch auch spielerisch zu jeder Zeit Sinn. Weil Material, Regelwerk und Unterhaltungsfaktor gut miteinander verwoben sind, erweist Pictures sich als flüssig spielbares Machwerk, das seinen Platz irgendwo zwischen Familienspiel und Party-Titel finden wird.  

Infobox

Spielerzahl: 5 Spieler
Alter: ab 8 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: gut

Verlag: PD Verlag
Autor: Daniela & Christian Stöhr
Grafik: Dominik Mayer
Erscheinungsjahr: 2019
Sprache: deutsch
Kosten:  40 Euro

Fazit zu Pictures

Pictures macht in großen Runden von fünf Personen viel Spaß. Dabei kommt es dann doch zu Wartezeiten, da manche Mitspieler lange über die Zuordnung der Bilder grübeln. Hier könnte unter Umständen eine Sanduhr Abhilfe schaffen.

Das Spiel macht nach dem Lesen der Anleitung zunächst einen sehr einfachen Eindruck, während des Spieles rauchen aber dann doch die Köpfe. Zum einen besteht die Herausforderung darin, wie lege ich das Motiv so nach, dass es die anderen auch erkennen können. Zum anderen muss man sich immer wieder in die Denkweise der Mitspieler hineinversetzen. Das Spiel spricht viele verschiedene Ebenen an z.B. Haptik, Kreativität und Logik.

Der erste Anschein des Spiels trügt also. Pictures ist ein Spiel, dass sicherlich öfter auf den Tisch kommt. Das Spiel beinhaltet 91 Fotokarten. Somit stehen für weitere Spielpartien jede Menge unterschiedliche Motive zur Verfügung. Die Idee des Spiels ist innovativ und der Ablauf funktioniert reibungslos. Ein Spiel nicht nur für Familien. Die Altersangabe ab 8 Jahren ist angemessen.

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Pictures

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7.8

Spielidee

7.0/10

Spielmaterial

8.0/10

Regelwerk

9.0/10

Spielablauf

7.0/10

Wiederspielwert

8.0/10

Pro

  • Regeln einfach
  • Für Familien geeignet
  • Als Einsteiger-Brettspiel geeignet
  • Hoher Wiederspielwert

Con

  • Design eher zweckmäßig

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