Sencha im Test: Es gibt Brettspiele zu fast jedem Thema. So gibt es auch für alle Tee-Liebhaber eine spannende Auswahl. Ob mit bekannten Titeln wie Formosa Tee, bei dem Spieler in die Fußstapfen von Teeplantagen-Besitzer schlüpfen, oder Chai, das die perfekte Teemischungen fordert. In diese Reihe der Spiele mit Aufguss-Erlebnis gliederte sich im Jahr 2020 das Brettspiel Sencha von Last Level Games ein, das in der deutschsprachigen Lokalisierung bei Taverna Ludica erschienen ist. Im Mittelpunkt steht hier der Teemarkt zu Zeiten der japanischen Edo-Periode. Ob das ein spannendes Erlebnis bietet? Lest selbst.

In Sencha gilt es die größte Teeproduktion Japans, während der Edo-Zeit, zu errichten. Eine Epoche zwischen 1603 und 1868, die als längste Friedensära Japans gilt. Um Herrscher über den Genussmarkt zu werden, müssen die Spieler Teeblätter sammeln und sie anschließend auf dem Markt verkaufen und dem Tempel anbieten. Gespielt werden kann das Spiel von dem Spielautor Paco Yanez mit zwei bis vier Spielern. Die abwechselnd eine von fünf Aktionen ausführen. Denn in Sencha gibt es weder bestimmte Phasen noch Runden.

Brettspiel nicht nur für Teeliebhaber

Es wird reihum gespielt, bis eine von zwei vorbestimmten Gegebenheiten eintritt. So endet die Partie wenn sämtliche Nachfragen der Teemarktkarten erfüllt wurden oder wenn ein Spieler sieben Siegpunkte erreicht hat. Derjenige Spieler, der zum Spielende die höchste Anzahl an gesammelten Siegpunkten besitzt, wird erfolgreichster Teeproduzent Japans und entscheidet die Partie Sencha für sich. Gespielt wird mit hochwertig verarbeiteten Materialien. Die dank des Illustrator Francisco Arenas ansprechend und detailreich gestaltet wurden.

Bei Sencha geht es – wenig überraschend – um Tee und dessen Handel im alten Japan. Foto: Volkmann

Die Bebilderung von Sencha lässt sich am besten als naturfarben, realistisch und asiatisch beschreiben. Die Farben der vorhandenen Teesorten, Sencha (grün), Sakura (rosa) und Schwarzer Tee (schwarz), ziehen sich ansprechend durch den gesamten Inhalt. Das gefällt den Augen und bringt schon beim Aufbau des Handels- und Worker Placement- Spiels Vorfreude auf die Partie.

Schaut man sich das Spielmaterial genauer an, erkennt man das alle Teile sorgfältig gearbeitet, gefärbt und bedruckt wurden. Daneben fällt sofort die praktische, kleine Spielbox positiv auf, die in jede Handtasche passen sollte und das Brettspiel Sencha somit zum Idealen Spielbegleiter für Unterwegs macht. In ihr ist ein Organizer aus dünnem, weißen Pappkarton enthalten. Der zwei Fächer besitzt um das Spielmaterial ordentlich zu verstauen. An einzelnen Komponenten, befinden sich 39 große Holzwürfel, 9 grüne, 15 rosafarbebe und 15 schwarze, von denen jede Farbe eine der Teesorten repräsentiert, 8 kleine graue Würfel, die Punkte und Geld anzeigen, 20 Häuser in 4 Farben (grün, rot, blau und gelb), 36 Spielkarten, davon 4 Tempel, 4 Plantagen, 16 Arbeiter, 10 Teemärkte, 1 Gebiet und 1 Reserve für Häuser, 1 schwarzer Samtstoffbeutel für die Teewürfel und zwei Regelhefte, wovon eins deutschsprachig und eins ins englische verfasst worden ist.

Das Thema ist aufgesetzt, aber stimmig umgesetzt. Foto: Volkmann
Das Thema ist aufgesetzt, aber stimmig umgesetzt. Foto: Volkmann

Zunächst besteht der allgemeine Aufbau nur aus dem Vorbereiten des Beutels mit Teewürfeln, dem Auslegen der Plantagekarten und der Stapel der Arbeitervorräte, der Reserve für Häuser sowie des Teemarktstapels und der Gebietskarte. Was Sencha ausmacht, ist, dass jeder Spieler einen eigenen Spielbereich hat, der zum Spielstart aus einer Tempelkarte, einem Haus in der Farbe seiner Wahl, einer Startarbeiterkarte und einem Bereich der sein aktuelles Einkommen und die Siegpunkte anzeigt, besteht. Gespielt wird abwechselnd und jeder spielt für sich. Ein Spieler kann dabei eine von fünf möglichen Aktionen wählen. Entweder kauft er ein Haus, er baut ein Haus, er stellt einen Arbeiter ein, er produziert Tee und sammelt ihn ein oder verkauft Tee auf dem Markt.

Brettspiel Rezension Sencha
Die Illustrationen überzeugen. Foto: Volkmann

Sencha vereint Geschichte und Handel

  • Ein Haus kaufen: Häuser dienen der Tee-Produktion. Steht auf einer Plantage ein Haus, kann dort gegen Yen Tee angebaut und gesammelt werden. Möchte der Spieler ein weiteres Haus aus seiner Reserve dazu nutzen, kann er das mit dieser Aktion umsetzen.
  • Ein Haus bauen: Um ein gekauftes Haus auf einer Plantage zu errichten, muss der Spieler eine bestimmte Menge Yen zahlen und darf es dann auf eine Plantage oder ein Gebiet setzen. Als Belohnung dürfen anschließend fünf Teesorten auf die Plantage gelegt werden. Im weiteren Verlauf kann pro Haus nur noch eine Teesorte gesammelt werden. Bei drei Häusern pro Karte herrscht für diese Plantage Baustopp. Wird auf einem Gebiet gebaut, erhält der Spieler pro ausgeführten Verkauf auf dem Teemarkt einen zusätzlichen Yen pro Haus und am Ende des Spiels einen Siegpunkt. Achtung! Häuser kosten Steuern für die immer genug Yen im Spielervorrat vorhanden sein sollten.
  • Einen Arbeiter einstellen: Mit dieser Aktion können Arbeiter gegen unterschiedlich viele Yen eingestellt werden. Es dürfen maximal drei pro Spieler vorhanden sein und diese im Verlauf ausgetauscht werden. Mit Ausnahme des Startarbeiters. Jeder Arbeiter bietet dabei andere Vorteile. So bietet der Esel dem Spieler beispielsweise das Sammeln von zwei Teewürfeln, außer der Sorte Sencha, und der Bauer einen beliebigen Teewürfel jeder möglichen Sorte. Insgesamt stehen hier der Bauer, der Esel, der Sammler und der Karren mit steigenden Preisen und unterschiedlichen Vorteilen zur Auswahl.
  • Tee produzieren und sammeln: Für jede Plantage auf der man ein Haus besitzt, kann man in dieser Phase Yen zahlen um zufällige Teewürfel zu produzieren. Anschließend kann eine der Teesorten pro eigenem Haus auf der Plantage gesammelt werden. Dazu muss ein Arbeiter ausgesandt werden, der nur die auf seiner Karte angegebene Anzahl und Sorten ernten kann.
  • Auf dem Teemarkt verkaufen: Entweder verkauft der Spieler eine beliebige Menge seines Tees auf dem Markt, um genügend Yen für seine folgenden Aktionen zu sammeln oder er bietet dem Herrscher seinen Tee gegen Siegpunkte an. Auf dem Teemarkt bestimmen die verschiedene Teesorten die Höhe des Einkommens. Im Tempel bevorzugt der Herrscher immer Sencha-Tee, um durch die anderen Sorten einen Siegpunkt zu erhalten, müssen die Spieler die Sorten wie vorgegeben kombinieren. Die Verkaufsplätze auf dem Teemarkt sind je Sorte begrenzt. Deshalb ist bei dieser Aktion vorausschauendes Spielen wichtig. Sobald eine der Regalspalten gefüllt ist, wird eine neue Marktkarte aufgedeckt. Dadurch werden so manches mal geplante Spielzüge unterbrochen. Doch wenn der Markt geschlossen ist, können diejenigen Teesorten aus dem eigenen Vorrat, die bereits auf den Teemarkt gefüllt waren, noch zusätzlich dem Herrscher angeboten werden.

Ist eine der zwei Endbegebenheiten eingetreten, wird die Wertungsphase eingeläutet. Dazu werden die Siegpunkte anhand der Wertungskarten ausgezählt. Arbeiter und Karren, eine bestimmte Anzahl an Yen, jedes Haus und die Mehrheit an Teesorten in den Tempeln bringen hierbei zusätzliche Punkte. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Sencha Brettspiel-Test
Euro-Brettspiel: Bei Sencha geht es um bunte Würfelchen und Punkte. Foto: Volkmann

Infobox

Spielerzahl: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spielzeit: etwa 45 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: mittel
Genre: Strategisches Brettspiel
Kernmechanismen: Workerplacement, Punkte

Autoren: Paco Yanez
Illustrationen: Francisco Arenas
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2020
Sprache: deutsch
Kosten: ca. 20 Euro

Fazit

Sencha macht nicht nur Genießern des heißen Aufguss-Getränkes Spaß, auch Kaffee-Junkies und Kakao-Schlürfer können es mit Begeisterung auf den Tisch bringen. Viel spielerische Zusammenarbeit zwischen den Mitspielern sollte während der Partie nicht erwartet werden. Vielmehr spielt jeder vor sich hin. Jedoch bietet Sencha ein paar Gelegenheiten den Mitspielern taktisch dazwischenzugrätschen. Beispielsweise durch den Hausbau oder das Handeln auf dem Teemarkt. Es ist durch seinen geringen Schachtelumfang ein ideales Reisespiel. Sencha eignet sich besonders als anspruchsvolles Familienspiel oder als Absacker für Kenner. Dabei überzeugt Sencha mit seinem ansprechenden Artwork und kurzem Regelwerk, das leicht verständlich ist und trotzdem einen etwas anspruchsvolleren Spielverlauf bietet.

Die passende asiatische Aufmachung und die hochwertigen Verarbeitung fallen zusätzlich positiv auf. Das Grundthema ist austauschbar. Ob man nun Kaffee- oder Kakaobohnen sammelt und mit ihnen handelt, ist für den Spielverlauf unwichtig. Doch zum Gesamtbild passen die geschichtlichen Hintergründe der Edo-Periode, Japan und das Thema Tee perfekt zusammen. Auch trainierte Expertenspieler können Spaß an Sencha finden. Nicht als Hauptspiel des Spieleabends, aber zum lockeren Eingrooven, als Absacker oder für Unterwegs. Denn Handelsspiele wie Sencha bieten die richtige Mischung aus schnell erklärten Regeln und nicht zu simplen Spielverlauf

Der Titel kann zu zweit oder mit bis zu vier Mitspielern gleichermaßen gut gespielt werden, da es durch die kurzen Aktionsphasen nur zu geringer Downtime kommt. Wer mag, kann lange grübeln, jedoch reicht in der Regel die Wartezeit bis zum eigenen Zug zur Planung aus. Denn die taktischen Möglichkeiten halten sich in Grenzen, so dass man in erster Linie auf seinen eigenen Spielvorteil bedacht ist. Was dem Spaß am Spielverlauf aber keinesfalls schadet. Jüngere Kinder werden an Sencha nur wenig Spaß haben, vielmehr spricht es Jugendliche und Erwachsene an. Vorerfahrungen wird dann nicht benötigt, lediglich ein ein kurzes, aber gründliches Regellesen und der Aufbau. Zusammengefasst, ist Sencha mit kurzer Vorbereitung spielbar und bietet viel Spaß für ältere Spieler. Wenn man sich auf den Worker Placement- und Handels-Mechanismus einlässt, ohne ein Expertenspiel zu erwarten, wird man viel Freude an dem Brett- und Kartenspiel Sencha finden.

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