Everdell begeistert Brettspielende seit inzwischen 7 Jahren. Nach inzwischen 5 Erweiterungen, einer Duellvariante, einer Junior-Variante und dem ersten „Edge of the Map“-Titel Farshore führt uns Silverfrost nun in einen weiteren Bereich am Rande der Welt von Everdell. Nun finden wir uns nicht mehr am sonnigen Meer, sondern in den eisigen Höhen des Gebirges. Südlich des Spirecrest-Gebietes findet sich die verschneite Welt von Silverfrost.
Als Farshore im Sommer 2023 angekündigt wurde, hat es mich als großen Everdell-Fan trotzdem nicht wirklich angesprochen. Zum einen gab es die fast schon absurd wirkende UVP von 100 € und auch mechanisch bringt es nichts Spannendes Neues, was nicht schon die Erweiterungen des normalen Everdell eingebracht hätten. Verbunden mit der Tatsache, dass das Meer-Setting und der neue Artstyle ebenfalls keine Begeisterung hervorriefen, habe ich Farshore bis auf wenige Partien mit Ausgaben von Freunden gänzlich ignoriert.
Silverfrost ist auch wieder „teurer“ als das normale Everdell, da die sonst so schönen Ressourcen hier bei gleichem Preis nur aus Pappe sind. Das verschneite Setting hat mich als Winterfreund dann doch deutlich mehr angesprochen. Auch der Artstyle von Lukas Siegmon, der hier die Illustrationen übernommen hat, gefällt mir deutlich besser als die Optik von Farshore.

Änderungen im Vergleich zu Everdell
Das Grundprinzip von Everdell, das aus Worker Placement und dem Tableau Building rund um die Gebäude und Wesen besteht, gibt es natürlich auch wieder in Silverfrost. Auf diese Kernmechanismen werde ich an dieser Stelle aber nicht detailliert eingehen, sondern nur die Unterschiede zu den Vorgängern beschreiben.
Die größte Neuerung und die Neuerung, die auch perfekt zum winterlichen Setting passt, ist der Schnee. Im Laufe der Partie fällt er auf die Aktionsplätze der Arbeiter, die Karten im Tal und in den Städten der Spielenden. Schnee blockiert alle Effekte und Interaktionsmöglichkeiten, die die von ihm verschneiten Elemente sonst hätten. Um die Karten/Orte wieder nutzen zu können, benötigt man Feuer. Es kostet anfangs noch ein Feuer, um Schnee zu entfernen, doch ab der Spielhälfte verdoppeln sich diese Kosten.
Orte (oder Karten mit Plätzen für Arbeiter) kann man nur vom Schnee befreien, wenn man im selben Zug dort auch einen eigenen Arbeiter einsetzt. Karten im Tal, auf denen Schnee liegt, können nur von diesem befreit werden, wenn man sie anschließend in die eigene Stadt ausspielt. Zusätzlich darf man ein Mal pro Zug von einer Karte in der eigenen Stadt Schnee entfernen (wenn man zusätzlich einen Arbeiter in der eigenen Stadt einsetzt, also maximal 2 Schnee pro Zug aus der eigenen Stadt). Am Ende gibt es Punkte für entfernten Schnee.
Alle starten das Spiel mit einem normalen Arbeiter und einer Silberwache, die mit ihren Schneeschuhen mehr Möglichkeiten hat. Man kann sie an einem bereits besetzten Ort einsetzen, wenn dort nicht bereits ein eigener Arbeiter oder eine gegnerische Silberwache steht, oder man erhält sofort ein Feuer, wenn man sie an einem unbesetzten Ort einsetzt.

Es gibt natürlich auch wieder eine (wie immer eher unpraktische) zentrale Pappkonstruktion mit dem Berg. Hier wird zum einen der Schneevorrat gelagert, aber vor allem gibt es dort die Leuchtfeuer und die Riesenwesen. Die Leuchtfeuer sind Orte, die ein Feuer kosten, um sie zu aktivieren, und erlauben, die mächtigen Effekte der Riesenwesen zu nutzen.
Wesen können nun nicht mehr kostenlos ausgespielt werden, wenn man ein passendes Bauwerk hat. Bereitet man sich auf die zweite bzw. dritte Runde vor, erhält man je einen Schornstein, der mit einem Feuer entfacht werden muss, um ein Wesen so (fast) kostenlos auszuspielen.
Es gibt auf den ganzen neuen Bauwerken und Wesen eine Vielfalt an neuen Effekten. Neu ist, dass nun die Person links von der aktiven Person ebenfalls Dinge erhalten kann oder man sich mit dieser Person beim Erfüllen von Aufträgen vergleichen muss.
Alle Spielenden besitzen nun nämlich geheime Auftragskarten, die sie bei der Gilde erfüllen können. Es gibt auch Personenzahl plus eins gemeinsame Aufträge. Diese sind aber, wie schon in den Erweiterungen, deutlich offener gehalten, als es noch im Grundspiel von Everdell der Fall war.
Ansonsten läuft die Partie dann nach dem bekannten Muster ab und endet, sobald alle die letzte Jahreszeit (Frühling) abgeschlossen haben.
Infos zu Silverfrost
| Personenzahl: 1 bis 4 Personen Alter: ab 10 Jahren Spielzeit: 30 bis 120 Minuten Schwierigkeit: Kennerspiel Langzeitmotivation: sehr gut Mechaniken: Worker Placement, Ressourcenmanagement Spielidee: James A. Wilson, Clarissa A. Wilson Illustrationen: Enggar Adirasa, Lukas Siegmon Verlag: Starling Games; dt. Ausgabe: Pegasus Spiele Offizielle Website: Silverfrost Erscheinungsjahr: 2025 Sprache: deutsch Kosten: 60 Euro |
Fazit
Silverfrost ist unverkennbar ein Everdell-Spiel. Wer mit dem Grundkonzept der Spiele bisher nichts anfangen konnte, wird auch hier nichts finden, was vom Gegenteil überzeugen könnte. Alle, denen Everdell gefällt, können hier ein etwas komplexeres Spielerlebnis finden, das eine etwas größere Herausforderung bietet als Standard-Everdell.
Viele der Änderungen gefallen mir sehr gut, wobei einige den Gesamteindruck wieder senken. Silverfrost macht alles etwas knapper. Tatsächlich so knapp, dass die erste Runde aufgrund der fehlenden Schornsteine sehr stark von den zur Verfügung stehenden Karten abhängig ist. Fehlen dann auch die grünen Produktionskarten, wird der Start sehr zäh. Mit der Zeit schafft man es aber trotzdem, eine volle Stadt aufzubauen – es erfordert einfach nur noch etwas genauere Planung und Anpassungsfähigkeit, um mit dem ständig fallenden Schnee und den knappen Ressourcen umzugehen.

Vom Spielgefühl ist die erste Runde aber der einzige Kritikpunkt, da es mit guter Planung trotzdem möglich ist, eine erfolgreiche Stadt aufzubauen. Einzig der Wechsel der Jahreszeiten vom Herbst in den Winter kann, wenn eine Person sehr schnell durch die Jahreszeiten spielt, störend sein, da sich die Kosten für die Schneeentfernung verdoppeln, sobald die erste Person in den Winter gewechselt hat.
Preislich finde ich Silverfrost (wie eigentlich alle Spiele aus dem Everdell-Universum) für den gebotenen Inhalt recht teuer. Es kostet fast genau so viel wie das normale Everdell, ist aber nicht so gut ausgestattet. Neben den Ressourcen, die es nur als Pappplättchen gibt, fehlt auch ein Wertungsblock und Tütchen, um alle Ressourcen getrennt unterzubringen, gibt es auch nicht (auch wenn Vielspielende wahrscheinlich ein paar rumliegen haben). Das Inlay hält die Karten und Leuchtfeuer an ihrem Platz, ist für die Unterbringung des restlichen Spielmaterials aber nicht wirklich gut geeignet. Bei den Ressourcen finde ich auch die Farbgebung der Plättchen etwas unglücklich. Alle vier Ressourcen sind grün/braun und wenn sie vor einem liegen, muss man aufpassen, dass man die Arten nicht verwechselt.
Die Regeln sind leider nicht so klar, wie sie sein könnten. Insbesondere ein Glossar, das alle Kartenfähigkeiten nochmal detailliert erklärt und Unklarheiten vorbeugt, fehlt.

Der Berg ist als Kartenhalter bei mehr als zwei Personen maximal unpraktisch, da die Karten eh schon sehr klein sind und nie von allen richtig gelesen werden können. Ich mag ihn trotzdem sehr. Als Alternative gibt es auch eine platzsparende 2D-Variante. Optisch macht die 3D-Variante natürlich Eindruck und erzeugt zusammen mit dem wirklich großartigen Artwork von Lukas Siegmon einen tollen Gesamteindruck.
Die Aufteilung der Aufträge zwischen offenen und privaten gefällt mir gut und ist für diese Mechanik bisher die beste Umsetzung im Everdell-Universum. Die privaten Aufträge sind etwas leichter zu erfüllen und um die offenen Aufträge kann dann zur dritten Runde hin ein knappes Rennen entstehen, wer sie sich zuerst schnappen kann.

Die größte und auch beste Änderung ist allerdings der Mechanismus rund um Schnee und Feuer. Arbeitet man im Herbst noch eher nach Möglichkeit um die verschneiten Felder und Karten auf dem Spielplan herum, so fängt man spätestens im Winter an, diesen möglichst aus dem Weg zu räumen, um sich am Ende so auch Punkte zu sichern. Bei der Schlusswertung würde ich allerdings nie mit der „Schneesturm“-Seite des Wertungsplättchens spielen. Die andere Variante, wo es 1 Punkt pro entfernten Schnee und 5 Punkte, wenn man den meisten Schnee entfernt hat, gibt, ist die deutlich bessere Variante.
Die Silberwache als etwas stärkerer Arbeiter funktioniert hier im Kontext auch sehr gut und hält genug Optionen offen. Auch die neuen Karteneffekte, die man in ähnlicher Form zum Teil schon kennt, die aber alle auf Silverfrost angepasst sind, gefallen mir ausnahmslos sehr gut und lassen sich wieder zu großartigen Combo-Effekten aufbauen.
Endlich ein guter Solomodus
Mein größter Kritikpunkt an Everdell war immer der enttäuschende Solomodus, der einfach keinen Spaß aufkommen lassen wollte. In Silverfrost ist das nun – endlich – anders. Man spielt hier gegen Klaue Hammerschlag – einen Banditen, der in die Stadt kommt und Unheil anrichten möchte.
Seine Aktionen werden über zwei Kartendecks gesteuert. Die Handlungskarte (bzw. die aktuelle Ecke) gibt vor, welche Aktion (Tier platzieren, Karte ausspielen) ausgeführt wird. Die Handlungskarte gibt vor, (von) wo die Aktion ausgeführt wird. Die genauen Abläufe der jeweiligen Aktion sind dabei sehr elegant und schlank gehalten, so dass man kaum vom eigenen Spiel abgelenkt wird.
Im Laufe einer Jahreszeit platziert Klaue auch einige Klauentoken auf Karten im Tal, die er einsammelt, wenn er sich auf die nächste Jahreszeit vorbereitet, und für die er ab der zweiten Schwierigkeitsstufe Punkte erhält. Auch die Wertung der Aufträge gegen Klaue ist sehr clever gelöst.
Auf der niedrigsten Schwierigkeit ist er kein wirklich starker Gegner (55 Punkte zu meinen 110 im Test), aber ab der dritten Stufe wird er dann zu einem gleichwertigen Gegner.

Eternitium*
*Affiliate-Link: Bestellst Du über den Link, erhalten wir eine kleine Provision.
Eternitium
