Im April 2024 konnte die Crowdfunding-Kampagne zu Snowcrest über 500 Personen ansprechen. Noch vor dem Jahreswechsel konnten dann die ersten Spiele ausgeliefert werden. Bei Asmodee gibt es seit dem Frühsommer nun die deutsche Retailausgabe des Spiels. Wie sich der kleine Tableau-Builder schlägt, konnte ich im Test herausfinden.
Im Spiel führen die Spielenden ihr verschneites, von anthropomorphen Wesen bevölkertes Bergdorf durch den Winter. Sie versuchen, seit Jahrhunderten vergessenes Wissen wiederzuentdecken. Durch Meditation, Gaben und unermüdliche Arbeit versuchen die Spielenden, ihr Dorf in eine friedliche und blühende Zukunft zu führen. Sobald das gesamte alte Wissen in Form der Siegpunkt-Schriftrollen entdeckt wurde, endet das Spiel.
3 gewinnt (die Pause)
Die einzelnen Züge in Snowcrest sind super übersichtlich, bieten aber trotz ihrer Einfachheit ordentlich Entscheidungsfreiheit. Hat man drei umgedrehte Dorfbewohner in einer Reihe (horizontal, vertikal, diagonal) muss man rasten. Man erhält alle Ressourcen, die auf allen Karten oben rechts zu sehen sind. Bei den vier Startkarten in den Ecken gibt es beim Rasten Ressourcen, wenn man sie genutzt hat. Bei allen anderen Karten nur, wenn man diese nicht genutzt hat. Anschließend dreht man alle Karten zurück auf die aktive Seite.

Bevor man allerdings rastet, muss man erst einmal Karten umdrehen und sie aktivieren. Hierfür stehen zwei (sehr ähnliche) Aktionen zur Verfügung. Entweder aktiviert man eine Karte, die bereits im Dorf liegt, oder man spielt eine Karte aus und aktiviert sie. Zum Ausspielen müssen die Kosten der Karte in Form von Gerste bezahlt werden. Diese kann über Farmen, Ressourcentoken, Dorfbewohner oder Handkarten gezahlt werden. Die Karten werden umgedreht bzw. von der Hand abgeworfen für die oben links aufgedruckten Ressourcen.
Beim Aktivieren nutzt man einen der meist mehrere Effekte des Dorfbewohners. So erhält man neue Ressourcen oder Handkarten, kann mit Wacholder neue Gebäude bauen, Meditieren oder die Wächter verehren.
Beim Meditieren wählt eine beliebige Anzahl Gebetsglocken aus und nennt diesen Wert. Nun werden die Mitspielenden reihum abgefragt, ob sie mehr bieten möchten. Wenn nein, erhält die aktive Person einen Siegpunkt, andernfalls die Person, die höher geboten hat.
Bei der Verehrung gibt man die von der Aktion geforderte Anzahl Opferschalen aus und deckt die oberste Karte des Wächterstapels um. Diese Karte gibt vor, welche Opfer man erbringen muss. Kann oder möchte man eine bestimmte Sache nicht bezahlen, kann man auch immer Unheil nehmen und den eigenen Unheilmarker nach rechts bewegen. Auch die Mitspielenden müssen bei dieser Aktion Opfer bringen. Diese sind nicht so teuer wie die Opfer, die die aktive Person bezahlt. Dafür erhält die aktive Person nach Abhandlung der Kosten der Karte aber alleine die unten aufgedruckte Belohnung.

Einen ähnlichen Ablauf gibt es bei den Karten des Waldstapels. Diese werden abgehandelt, wenn der letzte Wacholder vom Stapel genommen wurde. Auch hier müssen von allen Kosten gezahlt werden und nur die aktive Person erhält eine Belohnung. Sowohl die Kosten als auch die Belohnung sind hier allerdings etwas geringer.
In jeder Partie gibt es Herausforderungen, die zu einem beliebigen Zeitpunkt im eigenen Zug erfüllt werden können. Die Herausforderung wird umgedreht und die Person erhält zwei Siegpunkte.
Die Partie endet, sobald der von der Personenzahl abhängige Siegpunktevorrat leer ist. In der Schlusswertung erhält man nun zu den gesammelten Siegpunkten weitere Punkte bei 6, 7 oder 8 gebauten Gebäuden, Plus- oder Minuspunkte für den Unheilsmarker und Punkte für die Mehrheit bei den einzelnen Ressourcen. Die Person mit den meisten Siegpunkten gewinnt.
In einer Solopartie gelten alle Regeln des normalen Spiels und man versucht, bevor man viermal geruht hat, den Vorrat aus 10 Siegpunkten zu leeren. Anschließend wird die Partie anhand einer Wertungstabelle mit einem Titel versehen.
Infos zu Snowcrest
| Personenzahl: 1 bis 4 Personen Alter: ab 12 Jahren Spielzeit: 45 Minuten Schwierigkeit: Kennerspiel Langzeitmotivation: gut Mechaniken: Tableau/Engine Builder, Multi-use-cards Spielidee: Philip DuBarry Illustrationen: Kerri Aitken Verlag: Grail Games; dt. Ausgabe Asmodee Offizielle Website: Snowcrest Erscheinungsjahr: 2025 Sprache: deutsch Kosten: 39 Euro |
Fazit
Der grundlegende Spielablauf in Snowcrest ist überraschend simpel. Vermittelt es für mich den Eindruck (natürlich auch wegen des Artworks), von der Komplexität irgendwo bei Everdell zu liegen, zeigt das Spiel schnell, dass es doch deutlich weniger Tiefgang bietet. Wenn das Spiel gut ist, ist dies allerdings natürlich auch kein Ausschlusskriterium.
Die Züge sind mit Ausnahme der Abhandlung von Wächter- und Waldkarten schön kurz und es entsteht ein angenehmer Spielfluss. Werden zu dritt oder viert mehrere dieser Karten in kurzer Zeit ausgelöst, leidet sowohl der Spielfluss als auch der Spielspaß. Diese dann doch recht extreme negative Interaktion (das Aufzwingen der negativen Effekte) ist in Summe einfach nicht mehr so richtig passend zum sonstigen Spielgefühl.
Der Aufbau des eigenen Dorfes und die unterschiedlichen Möglichkeiten, mit den eigenen Karten zu wirtschaften, machen aber viel Spaß.

Das Material ist fast ohne Ausnahme hervorragend. Die Spielertableaus aus Stoff gefallen mir sehr gut. Sie sind zwar nicht von höchster Qualität, aber absolut zufriedenstellend verarbeitet. An den Karten und den Ressourcen gibt es nichts auszusetzen, was die Qualität angeht. Hier liegen Probleme eher im Optischen, das ansonsten allerdings großartig ist. Gerste und Wacholder haben fast die gleichen Braun- und Gelbtöne und auch die Jokerressource Gold ist vor allem braun. Das macht die Übersicht nicht ganz so einfach.
Warum das Symbol für die Opferaktion grün ist, sich aber auf einen gelben Kartenstapel bezieht, während daneben ein grüner Kartenstapel liegt, erschließt sich auch nicht so richtig. Auch die Wahl der Icons auf den Wald- und Wächterkarten ist nur eingeschränkt gelungen. Symbole, die eigentlich etwas Positives bedeuten (z. B. Karten ziehen), bedeuten hier dann das Gegenteil, einfach nur aus dem Kontext heraus, obwohl es für diese Effekte auch Icons gibt (z. B. das Abwerfen von Karten).

Die Regeln sind ganz gut strukturiert, aber durch ihre sehr sterile Aufmachung gerade zum schnellen Nachschlagen nicht so gut geeignet. Etwas mehr Farbe und Beispiele wären an dieser Stelle schön gewesen.
Die ideale Besetzung liegt bei Snowcrest für mich bei zwei oder drei Personen. Der Solomodus ist einfach nur belanglos und zu viert kommen die oben genannten Probleme für mich zu stark zum Tragen.
Dank des variablen Aufbaus und der variablen Kartenauslage spielt sich jede Partie immer etwas anders, so dass auch langfristig genug Abwechslung geboten wird, wenn auch der Kern gleich bleibt.
Insgesamt bekommt man mit Snowcrest ein leichtes Kennerspiel, das trotz mehrerer kleiner Kritikpunkte als Gesamtpaket dann voll überzeugen kann.
Eternitium*
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Eternitium

