Die Entstehungsgeschichte von Sweet Mess lief nicht wirklich reibungslos. Nach einem erfolgreichen Kickstarter konnte das Spiel erst geliefert werden, nachdem Fantasia Games das Projekt übernommen hatten. Es folgten Überarbeitungen, bis das Spiel 2024 dann endlich auch auf Deutsch bei Skellig Games erscheinen konnte. Ich habe mir die Deluxe-Ausgabe des Spiels angeschaut.
In Sweet Mess stellen wir uns in einem etwas chaotischen Backwettbewerb der Konkurrenz. Wir sammeln Zutaten aus verschiedenen Schalen und kleckern auf Grund der großen Hektik dabei auch etwas in andere Schalen. Es gilt, schnellstmöglich verschiedene Rezepte fertigzustellen. Durch Rezepte einer Art lassen sich Auszeichnungen sammeln und sobald eine Person drei dieser Auszeichnungen hat, wird das Spielende eingeläutet.
Kleine und große Regeln
Im Grunde ist Sweet Mess ein einfaches Ressourcensammeln, um damit Rezepte zu erfüllen. Gesteuert wird alles über einen Aktionsmarker, der in jedem Zug in ein anderes von drei möglichen Feldern bewegt wird. Jedes dieser Felder zeigt zwei Aktionen. Eine darf man immer ausführen. Möchte man auch die zweite ausführen, muss man eine Münze zahlen.
Alle drei Felder bieten eine Aktion, um Ressourcen zu erhalten. Hierbei wählt man eine Schale und nimmt alle Zutaten heraus. Leert man die Schale, „kleckert“ etwas von der Zutat in benachbarte Schalen und auf die Tischkanten. Von diesen kann man ebenfalls Zutaten nehmen.

Die Zutaten müssen anschließend auf dem eigenen Tableau platziert werden. Hierfür stehen unterschiedliche Bereiche zur Verfügung, für die jeweils unterschiedliche Regeln gelten, welche Zutaten dort platziert werden dürfen (vier unterschiedliche einzelne, vier gleiche, zwei unterschiedliche Paare).
Weitere Möglichkeiten sind das Nehmen einer neuen Küchenmaschinenkarte (wertvolle Einmaleffekte), das Weiterschieben vorbereiteter Rezepte oder das Vorbereiten von bis zu zwei Rezepten.
Um Rezepte vorzubereiten, muss man die geforderten Zutaten der Rezeptkarte abgeben. Die Rezepte fordern immer drei unterschiedliche Zutaten (teils spezifische, teils beliebige) in Anzahlen zwischen eins und vier. Vorbereitete Rezepte werden unter dem eigenen Tableau in einem der vier Bereiche platziert und aktivieren den Effekt des entsprechenden Bereichs.
Hat man die Aktionen des eigenen Zugs beendet, folgen noch drei weitere Schritte. Zunächst kann man durch Abgeben einer Küchenmaschine ein Rezept reservieren oder ein bereits reserviertes Rezept vorbereiten. Das Reservieren hat den Vorteil, dass man sofort den Effekt des Bereichs unterhalb des eigenen Tableaus bekommt.
Nun wandern noch alle Rezepte einen Bereich weiter, ohne dabei die Effekte zu aktivieren. Rutschen Rezepte aus dem Bereich 0 heraus, sind sie fertiggestellt. Gehören die Rezepte zur Stufe I, erhält man jetzt einen Eimaleffekt.
Fertiggestellte Rezepte kann man als letzten Schritt für Auszeichnungen nutzen. Die Rezepte gibt es in drei Typen. Für zwei oder drei Symbole eines Rezepttyps kann man sich eine Auszeichnung nehmen. Zwei beliebige Rezeptsymbole können hierbei als Joker eingesetzt werden. Für die Auszeichnungen erhält man entweder einen Soforteffekt (2 gleiche) oder am Spielende fünf zusätzliche Siegpunkte (3 gleiche).
Sobald eine Person drei Auszeichnungen erhalten hat, endet das Spiel nach der nächsten Runde.
Sweet Mess lässt sich auch solo spielen. Hier tritt man gegen den Chef-o-tron an. Dieser hat zwei „Arme“, die links und rechts am Tisch entlang wandern, und aus der größten Schale der Reihe, neben der sie sich befinden, alle Zutaten nehmen. Das Solodeck gibt vor, welcher Arm aktiviert wird und welche weiteren Aktionen der Bot ausführen wird.

Infos zu Sweet Mess
| Personenzahl: 1 bis 4 Personen Alter: ab 10 Jahren Spielzeit: 45 bis 90 Minuten Schwierigkeit: Kennerspiel Langzeitmotivation: gut Mechaniken: Drafting, Set Collection Spielidee: Jonny Pac, Yoma, Antonio Zax Illustrationen: James Churchill, Yoma Verlag: PIKA Games (Fantasia Games); dt. Ausgabe Skellig Games Offizielle Website: Sweet Mess Erscheinungsjahr: 2024 Sprache: deutsch Kosten: 20 Euro (Deluxe 50 Euro) |
Fazit
Haptisch und optisch kann Sweet Mess voll überzeugen. Die Zutatenchips aus Plastik auf den großen Schalen in der Tischmitte zu handhaben, macht einfach richtig was her. Auch die Tableaus, die aus Pappteilen und einem Plastikteil zusammengesetzt werden, machen ihren Job super und halten alle Chips an ihrem Platz. Mit dem Inlay wird auch der Spielaufbau ganz einfach. Das farbenfrohe Artwork, das in Teilen (leider) auch appetitanregend ist, rundet den tollen Materialeindruck ab.
Auch das Spielgefühl und die Spielentwicklung über eine Partie sind super. Am Anfang fragt man sich noch, wie man die angegebene Spielzeit auch nur ansatzweise einhalten soll, weil alles so langsam erscheint, doch je mehr Zutaten man einlagert, mit den 2er-Abzeichen starke Effekte freischaltet, die Küchenmaschinen verstärkt einsetzt und mit den Münzen zwei Aktionen pro Zug macht, umso schneller läuft das Spiel ab. Die Züge bleiben trotz allem angenehm kurz. Das Spielende kommt viel schneller, als einem das lieb ist. Das Rennen um die Abzeichen erzeugt tolle Spannung.

Auch die zentrale Mechanik des Zutatennehmens und Kleckerns ist toll. So bauen sich mit der Zeit volle und bunt gemischte Schalen auf, die einen weit voranbringen können. Durch die Einschränkungen, welche Zutaten man haben kann, ist aber nicht immer gleich die größte Schale die beste Wahl. Auch sollte man im Blick behalten, was die anderen gebrauchen könnten, um nicht alles durchs Kleckern in einer Schale zusammenzustellen. Dank der Küchenmaschinen und der Einmaleffekte durch die Rezepte kann man auch den einen wichtigen Schritt schneller beim Zutatensammeln sein als die Mitspielenden.
Wo das Spiel (wie bei Fantasia Games für mich leider Standard) hakt, sind die Regeln. Das Spiel ist durch die vielen kleinen, wenig intuitiven Regeln viel schwieriger zu erklären, als es sein müsste. Dabei bringen diese Regeln kaum spielerischen Mehrwert mit. Bei Endless Winter oder Unconscious Mind geht dieses Problem durch die Komplexität des Spiels etwas unter, ist für mich aber trotzdem dort ein Argument gegen die beiden Spiele. Bei Sweet Mess sind die Regeln zum Beispiel durch die Zutatenbeschränkungen auf dem eigenen Tableau oder den Feinheiten beim Aktivieren von Effekten bei vorbereiteten, reservierten oder fertigen Rezepten unnötig aufgebläht. Hier fehlt es bei Fantasia Games wieder einmal am nötigen Fokus aufs Wesentliche.

Davon abgesehen kann Sweet Mess aber voll überzeugen. Die Mechanik rund um die Zutaten und Rezepte ist gut genug, um das Spiel langfristig auch über die holprigen Regeln hinweg zu tragen. Bei der Gruppengröße sollte man sich aber bewusst sein, dass die ideale Besetzung hier eher kleiner ist. Je mehr Personen mitspielen, umso chaotischer wird alles. Für die ein oder andere Gruppe mag das passend sein, aber den größten Spielspaß könnte das Spiel bei uns zu zweit und solo hervorrufen.
Der Solomodus ist super einfach zu steuern und lenkt kaum vom eigenen Zug ab. Eine vernünftige Spielhilfe/Zugübersicht für den Bot wäre aber wirklich nötig, da doch immer ein paar Schritte zu beachten sind, die gerade in den ersten Runden einfach nicht ohne Nachlesen machbar sind.
Mit seinen zwei Schwierigkeitsstufen und möglichen Varianten bietet der Bot sowohl für erfahrene Spielende als auch für Anfänger eine spannende Herausforderung.
Eternitium*
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