Seit inzwischen 8 Jahren gibt es die Reihe Unlock! und es ist kein Ende in Sicht. 2023 gab es den mehr als verdienten Sonderpreis beim Spiel des Jahres für die 10. Box Game Adventures. Inzwischen sind wir bei der 14. Box angelangt (wobei die Risky Adventures, die die 13. Box ist, bisher noch nicht auf deutsch veröffentlicht wurden) und es scheint nicht als würden die Ideen für gute Escapespiele ausgehen. Ich habe mich durch die drei neuesten Abenteuer gerätselt.
Mit Ausnahme der neuesten Short Adventures und der Star-Wars-Abenteuer habe ich alle Unlock!-Fälle gespielt. Viele Fälle gefallen mir gut bis sehr gut. Meine persönliche Topliste nach Veröffentlichung der Game Adventures habe ich hier vor zwei Jahren zusammengestellt. Aus der 11. Box hätten alle Abenteuer eine Chance, in dieser Top 10 zu stehen. „Restart“ ist großartig, „Hollywood Confidential“ eine der besten Krimigeschichten der Reihe und „W.U.F.F.s Odysee im Bellraum“ wäre mein liebster Fall der schwierigsten Kategorie, wenn sich am Ende nicht das gleiche Rätsel mehrmals wiederholen würde.
Der Nachfolger „Supernatural Adventures“ war dagegen eher enttäuschend. Nova City war noch kreativ umgesetzt und unterhaltsam, Día de los Muertos war nur unterer Durchschnitt und Ragnarök ist das bisher einzige Abenteuer, das ich abgebrochen habe.
So war ich sehr gespannt, in welche Richtung sich die Unlock!-Reihe weiterentwickeln würde. Gibt es mit den Enchanted Adventures wieder großartige Escapefälle oder geht den Machern die Kreativität doch langsam aus?
Kileas Zorn: Der einfachste und schwächste Fall der Box
Die Hoffnung, dass die Enchanted Adventures besser als der Vorgänger sein würden, erhielt mit dem ersten Fall schon einen Dämpfer. Wir müssen als Bewohner einer Vulkaninsel einen Weg finden, wie sich die Gottheit Kilea besänftigen lässt, bevor ihr namensgebender Zorn einen Vulkanausbruch auslöst.
Hierfür entdecken wir Stück für Stück die Insel, bauen eine Karte der Insel auf und lösen natürlich immer wieder Rätsel. Der Funke des Vulkans will aber nie wirklich überspringen. Die Fälle der einfachsten Schwierigkeit können für mich besonders dann überzeugen, wenn sie eine kreative Story und ausgefallene Rätsel bieten. Beides sucht man in Kileas Zorn leider vergeblich.
Die Story ist ziemlich banal und bietet nichts Überraschendes, Lustiges oder sonstige Elemente, die sie herausstechen lassen könnten. Die Rätsel (insbesondere die mit der Landkarte, die sehr oft vorkommen und von ihrer Art gar nicht meinen Geschmack treffen) sind auch eher nervig als unterhaltsam. Die App wird stark vernachlässigt, so dass man im Endeffekt nur einen mittelmäßigen Fall zum Start der Box hat.

Chaos auf der Kirmes: Einfach spaßig
Alles, was mir in Kileas Zorn noch gefehlt hat, gibt es zum Glück beim Chaos auf der Kirmes. Getragen vom großartigen Artwork von Apolline Etienne (Living Forest, Power Plants) erlebt man hier das bunte Treiben auf der Kirmes. Das ursprüngliche Ziel, vier Abzeichen zu sammeln, um sich den Hauptpreis zu sichern, wandelt sich im Laufe der sehr schönen Geschichte – nicht wirklich überraschend, aber trotzdem sehr unterhaltsam.
Das Gimmick mit dem Blasrohr und der App wird toll eingebunden. Die Rätsel sind abwechslungsreich und man sucht immer wieder nach einer kreativen Lösung. Es ist einer dieser Fälle, durch den man einfach im Wohlfühltempo durchkommt und immer wieder schmunzeln muss, wenn man mit einer eigentlich absurden, aber dennoch logischen Lösung ein weiteres Rätsel löst.
Wie so oft ist der mittelschwere Fall der beste der Box.

Der Fluch von Camelot: Herausfordernd und trotzdem immer leicht nachzuvollziehen
Nach einem sehr guten und einem mäßigen Fall lag es nun am schwersten Fall der Box, zu entscheiden, wie der Gesamteindruck über alle drei Abenteuer sein würde.
Normalerweise können mich die auf bestehenden Erzählungen und Geschichten basierenden Unlock!-Abenteuer überzeugen. Das Bekannte erneut aus einem anderen Blickwinkel zu erleben, funktioniert einfach immer wieder sehr gut und auch deutlich immersiver als zum Beispiel in einem EXIT Herr der Ringe.
So erlebt man zwar in der Story keine wirklichen Überraschungen, aber das macht Der Fluch von Camelot an anderer Stelle mehr als wett. Die Rätsel sind wieder sehr abwechslungsreich und die App-Einbindung ist in diesem Abenteuer hervorragend umgesetzt. Man nutzt die App hier mit Abstand am meisten von allen drei Abenteuern und hat dabei viele unterschiedliche Einsatzgebiete. So bleiben die Rätsel digital und analog wunderbar abwechslungsreich und haben dabei eine sehr angenehme Schwierigkeit. Für einen Fall der schwierigen Kategorie bewegt sich dieses Abenteuer eher noch an der Grenze zur mittleren Kategorie.

Insgesamt bekommt man mit den Enchanted Adventures also ein sehr gelungenes Gesamtpaket. Personen, die mit der Art Rätsel, wie sie in Kileas Zorn vorkommen, mehr anfangen können als ich, finden vielleicht auch diesen Fall noch etwas besser, so dass Unlock! Enchanted Adventures nach einem kurzen Durchhänger von den Supernatural Adventures das Niveau wieder auf das gewohnt hohe Maß anheben kann.
Leider finden sich auf der in der Anleitung angegebenen Seite keine Lösungen zu den drei Fällen und auch die Vorgängerbox findet sich dort immer noch nicht. Diese Website sollte mal wieder aktualisiert werden.
Infos zu Unlock! Enchanted Adventures
| Personenzahl: 1 bis 4 Personen Alter: ab 10 Jahren Spielzeit: 60 bis 75 Minuten Schwierigkeit: Escapespiel Spielidee: Arnaud Cebollada, Jeremy Koch, Arn De Rhoaz Illustrationen: Adrien Cantone, Apolline Etienne, Quentin Regnes Verlag: Space Cowboys; dt. Ausgabe: Asmodee Offizielle Website: Unlock! Enchanted Adventures Erscheinungsjahr: 2025 Sprache: deutsch Kosten: 30 Euro |
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