Brettspiele auf Basis von Videospielen: Diesem Trend folgen Lizenzgeber und Spieleautoren immer häufiger. Es gibt mehrere Games-Publisher, die haben die Tür zu analogen Spielwelten längst aufgestoßen: Ubisoft hat es gewagt, Konami und Capcom ebenfalls, Paradox Interactive mehrfach, Blizzard hat den Trend schon vor vielen Jahren erkannt. Eine Frage bleibt jedoch: Wo ist Nintendo?

Es gibt Merchandise von Nintendo, Spielwaren – jüngst hat der japanische Publisher und Kult-Entwickler die verschwimmende Grenze zwischen Games und Toys mit Lego Super Mario und Mario Kart Live: Home Circuit überschritten -und auch einige Brettspiele gibt es. Dabei handelt es sich allerdings um Ableger zu Monopoly, Vier gewinnt und Co. Die ernsthafteren Vertreter unter den Brettspielen mit Nintendo-Lizenz sind Ravensburgers Das verrückte Labyrinth oder Level 8 – das ist ein deutliches Zeichen. „Echte“ Brettspiele mit Nintendos Heldinnen und Helden gibt es nicht, dabei ist die Zeit eigentlich reif. Andere Publisher haben das bereits vorgemacht.

Puerto Rico: Animal Crossing oder Blood Rage: Hyrule?

Publisher-Giganten wie Ubisoft, Konami oder Capcom haben längst erkannt, dass die Welt der Videospiele sich perfekt mit der Brettspielwelt verschmelzen lässt. Jüngst hatte die Umsetzung des Taktik-Shooters Tom Clancy’s Rainbow Six: Siege in der Brettspielversion „6:Siege – The Board Game“ über anderthalb Millionen US-Dollar über Crowdfunding über Kickstarter generiert. Verantwortlich war die populäre Spieleschmiede Mythic Games.

Noch erfolgreicher war Capcom als Lizenzgeber für das Street Fighter: Miniatures Game, mit dem Jasco Games gar rund zwei Millionen US-Dollar von den Unterstützern sammelte. Auch die Brettspiele zu Resident Evil waren ähnlich erfolgreich – Ableger zu Teil 2 und 3 spülten ebenfalls jeweils über eine Million US-Dollar in die Kassen von Steamforged Games. Mit einer Brettspielversion zu Capcoms Monster Hunter World schafften die Brite es sogar auf rund 4,7 Millionen US-Dollar. Und auch Horizon – Zero Dawn: The Board Game war als Crowdfunding überaus erfolgreich.

Dark Souls, Doom, Fallout, Bloodborne, God of War – die Liste ließe sich nahezu endlos fortsetzen. Paradox Interactive lässt seine strategischen Videospiele umsetzen, inzwischen gibt es sogar Stardew Valley als Tischspiel-Variante. Kaum vorstellbar, was zukünftig noch alles folgen könnte. Von Nintendo hört man allerdings nichts: Haben die Japaner kein Interesse an Brettspielen? Finden sich die richtigen Partner für eine Umsetzung nicht? Will man die Lizenzen hüten? Oder hat man insgeheim bereits Pläne erarbeitet, für die die Brettspielwelt nur noch nicht bereit ist?

Zelda sieht so traurig aus, dabei möchte sie doch nur Star eines Brettspiels werden. Bild: Nintendo

Zelda sieht so traurig aus, dabei möchte sie doch nur Star eines Brettspiels werden. Bild: Nintendo

Dabei wären es doch gerade die Nintendo-Helden, um die sich Brettspiele entwerfen ließen. Mario, Zelda, Link, Samus Aran, Bowser und Co – sie alle könnten in dem einen oder anderen analogen Spiel einen Platz finden. Auch Nintendo täte der Ausflug in neue Welten gut: Mit Familienbrettspielen könnte der Publisher seinen Fokus auf familiengerechte Unterhaltung stärken, mit komplexen Brettspielen hingegen neue Zielgruppen ansprechen.

Vorstellbar wäre vieles: Ein Area-Control-Brettspiel mit Zelda-Lizenz? In Hyrule Gebiete erobern, Truppen verschieben, Armeen mit Helden wie Link und Schurken wie Ganondorf zum Sieg führen – all das wäre denkbar und vermutlich unterhaltsam.  Eine Art Rajas of The Ganges oder Puerto Rico auf Basis von Animal Crossing? Super! Rallyman GT: Mario Kart? Spieler würden dafür vermutlich Unsummen bezahlen. Selbst Hybrid-Brettspiele wären wohl machbar. Man denke als Asmodees Descent: Legenden der Finsternis mit App-Unterstützung – dieses Brettspiel in der Welt der Pokémon? Würde man kaufen!

Angst vor Misserfolgen haben müsste Nintendo dabei nicht: Die Brettspiel-Studios sind inzwischen so erfahren bei der Umsetzung von Lizenzen, dass nur noch in seltenen Fällen ein Projekt wirklich schiefgeht. Auf der anderen Seite gehen Spieler großzügig mit ihrem Geld um, wenn es darum geht, Lizenzspiele zu unterstützen.

Der Markt ist da, die Produktionstechnik ebenfalls – und auch optisch ließen sich die Brettspiele mittlerweile mindestens auf Nintendo-Switch-Niveau gestalten. Also: Nintendo, worauf wartet ihr?

Ansätze für Nintendo-Brettspiele gäbe es jedenfalls mehr als genug. Wer noch Ideen hat, kann die ja unter dem Beitrag als Kommentar hinterlassen. Vielleicht braucht Nintendo ja nur einen Schubs in die richtige Richtung?

Letzte Aktualisierung am 22.09.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API