Cascadia folgt auf Calico – und wieder ein Kickstarter-Erfolg für Flatout Games

Lesezeit: 7 Minuten

Nach Calico hat Flatout Games mit Cascadia erneut ein Brettspiel als Crowdfunding über Kickstarter zur Finanzierung laufen – und die Kampagne ist mindestens genauso erfolgreich. Statt Katzen geht es nun um die kanadische Tierwelt; erneut hat die Illustratorin Beth Sobel ihre Feder im Spiel. Der Erfolg beim Debüt war demnach kein Zufall, irgendetwas scheinen Molly Johnson, Robert Melvin und Shawn Stankewich genau richtig zu machen, um mit ihren Projekten zu begeistern. Wir haben nachgefragt, was Flatout Games ausmacht. 


Betrachtet man die Crowdfunding-Kampagne zu Cascadia, dann sind derzeit knapp 6.000 Fans, die bereits ihre Unterstützung zugesagt und einen Betrag von rund 25 Euro investiert haben. Dafür bekommen die “Backer” ein strategisches Brettspiel für bis zu vier Spieler, Solo-Modus inklusive, das das Ökosystem der kanadischen provinz British Columbia als Thema aufgreift. Erneut stehen dabei Tiere im Mittelpunkt und das funktioniert als Antreiber der Kampagne: Statt auf Katzen wie bei Calico – dem überaus erfolgreichen Kickstarter-Debüt von Flatout Games – sind es diesmal unter anderem Hirsche, Bären oder Greifvögel, die die Illustratorin Beth Sobel in Szene gesetzt hat.

Flatout Games trifft Trends zielgenau

Während Calico rückblickend rund 6.700 Unterstützer motivieren konnte, sind es bei Cascadia derzeit knapp 6.000. Die Ausgeglichenheit bei den Unterstützerzahlen ist vermutlich kein Zufall: Flatout Games scheint mit seinen beiden Titeln eine kleine Fangemeinde um sich geschart zu haben. Im Jahr 2017 haben Molly Johnson, Robert Melvin und Shawn Stankewich Flatout Games gegründet. Mit ihrem Debüt-Kickstarter Calico sammelten sie über 200.000 US-Dollar, das Spiel schafft es nun sogar in den Handel, hierzulande über Pegasus Spiele. Wie also fühlt es sich an, wenn schon die ersten Brettspiel-Ideen bei Fans so gut angekommen?

“Das Schönste ist, wie sehr die Leute die Spiele genießen”, freut sich Molly Johnson. “Wir wollten Spiele entwickeln, die für viele Menschen leicht zu erlernen sind und Spaß machen.” Wenn die Leute die Spiele genießen, sei das das beste Feedback. “Es ist wahrscheinlich auch ein großartiger Motivator!” Shawn Stankewich sieht das ähnlich: “Es war eine Bestätigung für uns! Wir wollten uns auf Spiele konzentrieren, die eine Vielzahl von Menschen mögen, und bisher hat es ganz gut funktioniert!”

Die kreativen Köpfe haben ihre Ideen und Fähigkeiten bereits bei mehreren Projekten eingebracht. Bildrechte: Flatout games

Es gibt immer viel zu tun: Die kreativen Köpfe haben ihre Ideen und Fähigkeiten bereits bei mehreren Projekten eingebracht. Bildrechte: Flatout games

Selbst Brettspiele designen zu wollen, dieser Wunsch entsprang auch aufgrund von Einflüssen durch den europäischen Brettspielmarkt. Molly Johnson erzählt: “Wir alle haben Brettspiele immer geliebt. Als zwei von uns – Shawn und ich – nach Seattle zogen, entdeckten wir unseren örtlichen Spieleladen Blue Highway Games. Der Laden brachte Lieferungen von Spielen aus Europa und veranstaltete viele großartige Sonderveranstaltungen. Wir haben viele tolle Leute getroffen und viele Spiele gespielt. Wir haben ein paar Reviews für Spiele gemacht und dann beschlossen, sie mit unserem Freund Robb zu entwerfen.” Die frühen Entwürfe haben die Macher dann zur Gen Con gebracht und dort getestet.

“Die Spiele haben ein gutes Feedback bekommen, also haben wir weiter gearbeitet und die Projekte beworben”, meint Molly Johnson. “Wir mögen es, Dinge zu erschaffen, Probleme zu lösen und etwas über die Branche selbst zu lernen.” Es scheint, also habe sich eine Eigendynamik entwickelt, das bestätigt dann auch Shawn Stankewich: “Eins scheint zum anderen und dann wieder zum anderen zu führen. Wir waren aufgeregt, zu sehen was uns als nächstes erwarten würde.”

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Cascadia setzt Mini-Erfolgsserie fort

Das angepeilte Finanzierungsziel von knapp 7.000 Euro hat Flatout Games mit dem Brettspiel Cascadia längst gesprengt – und wie. Über 150.000 Euro haben Fans bereits im Rahmen der Kickstarter-Kampagne investiert, das entspricht rund dem 22-fachen der gesteckten Marke. Und das Crowdfunding läuft noch ganze zwei Wochen: genügend Zeit also, damit unentschlossene Fans sich eine Beteiligung überlegen können.

Die Macher sind mehr als angetan von ihrem Erfolg, den Molly Johnson so kommentiert: “Natürlich freuen wir uns, dass die Leute von Cascadia begeistert sind! Es ist ein großartiges Spiel und wir hatten bei der Erstellung dieses Kickstarter-Projekts eine großartige Zeit mit Randy Flynn, dem Designer des Brettspiels, und mit der Illustratorin Beth Sobel.”

Shawn Stankewich bestätigt, dass die Unterstützer von Cascadia sich vielfach auch bereits an Calico beteiligt haben: “Es war sehr toll zu sehen, dass viele Leute, die uns beim ersten Spiel vertraut haben, für das zweite zurück sind”. Das fühle sich wie ein gutes Zeichen an. “Wir haben die besten Unterstützer!”

Bei Cascadia stehen erneut Tiere im Mittelpunkt, diesmal aus dem nordwestlichen Ökosystem. Bildrechte: Flatout Games

Das aktuelle Projekt: Bei Cascadia stehen erneut Tiere im Mittelpunkt, diesmal aus dem nordwestlichen Ökosystem. Bildrechte: Flatout Games

Auch Kickstarter als Plattform hat zu dem Erfolg beigetragen, lassen uns die Macher wissen. Insbesondere das Konzept der “Schwarmfinanzierung” heben sie als ideal hervor, um kreative Projekte überhaupt umsetzen zu können – und zwar nicht ausschließlich bezogen auf Spiele. “Kickstarter ist so cool”, meint Molly Johnson. Die Plattform bietet Gelegenheiten für Schöpfer, potenziellen Unterstützern Projekte vorzustellen, nicht nur Spiele.” Insbesondere die Öffentlichkeitsarbeit wäre viel schwieriger gewesen, wenn man keine Crowdfunding-Plattform gehabt hätte. “Wir lieben es, die Auswahl an Projekten auf Kickstarter zu prüfen und die Community zu sehen, die sich um diese Projekte dreht”. Zudem sei es interessant, darüber nachzudenken, wie sich ein Projekt verändern wird oder bereits hat.

Shawn ergänzt: “Es ist eine wunderbare Plattform für uns, um unsere Ideen zu testen und mitzugestalten, wie sich unsere Spiele verändern!” Man habe tolle Rückmeldungen und Ideen von den Unterstützern erhalten. “Wir lieben den Community-Aspekt”, macht Stankewich deutlich.

Die Magie hinter dem Erfolg? Harte Arbeit, ein Netzwerk – und Glück

Wer zwei Brettspiel-Projekte hintereinander via “Schwarmfinanzierung” so gut laufen, dann muss sich dahinter mehr verbergen als bloßer Zufall. Die Frage nach den Geheimnissen ihres Erfolgs beantwortet Molly Johnson nüchtern: “Ich glaube nicht, dass wir Geheimnisse oder Magie haben. Wir lieben Spiele und wollen versuchen, großartige Produkte herzustellen. Wir sind zudem Teil einer großartigen Community. In den frühen Tagen verbanden sich Joseph Chen und Justin Faulkner (Fantastic Factories), Emma Larkins (Abandon All Artichokes), Nicole Jekich und alle bei Playtest Northwest, die Leute eines dienstäglichen Spieldesign-Treffs (einschließlich Cody Thompson, Rob Newton), Scott Cooper (Inhaber bei Blue Highway Games) und seine hervorragenden Mitarbeiter (Amanda Erven und Tom Rorem). Genau das habe insbesondere zu Beginn den kleinen, aber feinen Unterschied ausgemacht, wenn es darum ging, ein ambitionierten Projekt überhaupt anzustoßen.

“Wir haben vielen Menschen viele Fragen gestellt”, mein Johnson. “Wir haben alles über Crowdfunding gelesen, Menschen über ihre Erfahrungen befragt, uns mit sehr spezifischen Details befasst, viele Podcasts angehört und versucht, mit so vielen Menschen wie möglich in Kontakt zu treten.” Ebenfalls hilfreich: Im Team unterschiedliche Fähigkeiten zu vereinen. Molly Johnson dazu: “Ich denke, intern haben wir ein interessantes Gleichgewicht an Fähigkeiten und Persönlichkeiten. Robb ist sehr besonnen und ein sehr guter Verkäufer, Shawn ist motiviert und unerbittlich und hat einen zielstrebigen Fokus, und ich bin skeptisch und vorsichtig.” So bringe jeder auch seine individuellen Perspektiven direkt in das Spieldesign ein. Shawn Stankewich sieht das ähnlich, auch für ihn sind die unterschiedlichen “Skills” eines Teams ein ausschlaggebender Faktor. Molly Johnson besäße zum Beispiel erstaunliche Fähigkeiten, wenn es darum geht, ein Spiel zu beurteilen: “Sie versteht, was es braucht, um ein Hit-Spiel zu machen, das einem breiten Publikum zugänglich sein wird. Sie hat auch ein unglaubliches Auge für Details.”

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Molly beschreibe sich selbst als die größte Unterhalterin und gleichzeitig als Spaßbremse, “was wahrscheinlich wahr ist”, scherzt Shawn, aber sie bringe so viel mehr als das auf den Tisch. “Ich denke, dass unsere einzigartige Mischung aus Fähigkeiten und Perspektiven einen großen Teil dazu beiträgt, dass wir erfolgreich sein können. Das und, wie Molly sagte, die erstaunliche Gemeinschaft von Menschen in der lokalen Szene hier in Seattle.”

Calico war das Kickstarter-Debüt von Flatout Games - und kam bei Fans überaus gut an. Foto: AMC Volkmann

Calico war das Kickstarter-Debüt von Flatout Games – und kam bei Fans überaus gut an. Foto: AMC Volkmann

Manchmal muss man die ausgetreten Pfade verlassen, meint Shawn: “Wir haben auch keine Angst, die Dinge ein bisschen anders zu machen. Wir stehen Prozessen kritisch gegenüber und versuchen immer, darüber nachzudenken, wie wir zusammenarbeiten können, um die Dinge besser zu machen. Unser CoLab-Modell entstand aus der Frage heraus: Warum sind Verlage so eingerichtet, wie sie sind, und können wir die Dinge nur ein bisschen anders machen?”

Dieses Co-Lab-Modell – gegründet haben die drei es im Jahr 2019 – soll ein mehrere Größer der Branche für gemeinsame Projekte an einen Tisch bringen. Wie gut das funktionieren kann, haben die kreativen Köpfe bereits mit Calico unter Beweis gestellt. Um das Brettspiel auf die Kickstarter-Plattform zu bringen, habe man das “CoLab” genutzt und sich mit Kevin Russ, David Iezzi, Dylan Mangini, and Beth Sobel zusammengesetzt. Auch das ist also eines der “nicht so geheimen Geheimnisse” von Flatout Games.

Molly Johnson erklärt dazu: “Wir hatten eine wunderbare Kerngruppe im Co-Lab, mit der wir zusammenarbeiten konnten. Kevin Russ, Dylan Mangini, David Iezzi und Randy Flynn sind alle sehr leidenschaftlich in Bezug auf Spiele und bringen so viel Talent und Können mit. Wir haben sowohl bei unseren Spielen (Point Salad und Truffle Shuffle) als auch durch die gemeinsame Veröffentlichung von Calico eine großartige Zusammenarbeit mit der Alderac Entertainment Group aufgebaut und konnten aus den Erfahrungen aller dort viel Wissen gewinnen.” Nun wird Cascadia nicht das letzte Projekt bleiben, das ist sicher. Um was es in Zukunft genau geht, wollten Molly und Shawn zwar nicht verraten, allerdings seien bereits neue Projekte in Arbeit.

“Wir entwerfen und denken immer darüber nach, Mechanik und Themen zu kombinieren”, meint Molly Johnson. “Wir arbeiten sowohl an unseren Designprojekten als auch an unseren Verlagsprojekten. Es befinden sich also viele Ideen auf dem Weg!” Shawn unterstreicht: “Wir sind sehr beschäftigt und bei uns ist kein Ende in Sicht!” Wir haben einige Spielprojekte, auf die wir uns sehr freuen. Haltet also in den kommenden Monaten Ausschau!”

Derzeit läuft die Crowdfunding-Kampagne zu Cascadia auf Kickstarter: Spielerinnen und Spieler haben bis zum 22. Oktober Zeit für ihren “Pledge”: Rund 25 Euro kostet das, hinzu kommen Versandkosten von knapp 13 Euro. Ausgeliefert werden soll Cascadia dann im August 2021.


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Alderac Entertainment Group (AEG) Calico Alderac Entertainment Group (AEG) Calico * Aktuell keine Bewertungen 31,10 EUR

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