„Der Corona-Impfstoff wurde gestohlen“, so lautet die Prämisse in einem digitalen Exit-Spiel, das Mathematik-Lehramtsstudierende der Universität Duisburg-Essen als Wettbewerb für Schüler entworfen haben. Den Impfstoff müssen Teilnehmende finden, bevor die Kühlung versagt. Dieses Horrorszenario ist Thema in einem von vier Exit Games.


„Der Corona-Impfstoff wurde gestohlen, findet ihn wieder, bevor die Kühlung versagt!“ Das ist der per Videobotschaft vermittelte Auftrag eines von insgesamt vier spannenden Exit Games. So umschreiben Lehramtsstudieren das Szenario für ein Exit-Spiel, bei dem Schüler aus dem Ruhrgebiet Rätsel beziehungsweise Mathe-Aufgaben lösen müssen. Nah an der Realität ist das Thema somit. Die in eine Geschichte eingebetteten mathematischen Knobeleien verlangen den Jugendlichen Kreativität ab, ebenso den Studierenden. Letztere lernen nämlich auf diese Weise das Handwerkszeug für verschiedene digitale und analoge Unterrichtsformate kennen.

Exit-Spiele: Richtige Lösungen treiben Aufgabenreihe voran

Insgesamt 25 Mathe-Asse von zwei Gymnasien im Ruhrgebiet – dem Max-Planck-Gymnasium in Duisburg sowie dem Otto-Hahn-Gymnasium in Herne  – knobeln einmal wöchentlich um die Wette – aufgrund der Corona-Lage virtuell. Der Ablauf orientiert sich dabei an dem, was man von klassischen Escape- oder Rätselspielen kennt: Im Team stellen die Schüler sich den Aufgaben, lösen so etwa mathematische Kreuzworträtsel der entschlüsseln geheime Botschaften oder Tonaufnahmen.

Die Teilnehmenden müssen dabei stets ihr mathematisches Wissen nutzen, um der Lösung auf die Spur zu kommen. Darauf liegt nämlich der Fokus des Studierendenprojekts: Master-Lehramtsstudierende der Mathematik sind direkt eingebunden in die Spielsessionen – sie moderieren die per Videokonferenz durchgeführten Partien live. Wenn es mal hakt, geben sie Tipps.

Über eine Verkettung von Einzelaufgaben nähern die Schüler zweier Gymnasien sich während der Online-Sessions den Lösungen.
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Über eine Verkettung von Einzelaufgaben nähern die Schüler zweier Gymnasien sich während der Online-Sessions den Lösungen.

Für die Ausgestaltung der Rätsel- und Knobelaufgaben haben die Studierenden in den dunkelsten Ecken der mathematischen Methoden gesucht: Arithmetik, Algebra, Stochastik, Geometrie sowie Funktionen – jede Woche steht ein anderer Bereich im Vordergrund. Der Lohn für die Mühen: Wer die Rätsel am schnellsten löst, gewinnt einen Pokal sowie Exit-Games für zu Hause.

Kreativität und Mathe?! Und ob!

Die Projektierenden haben Kreativität bewiesen, um das mathematische Exit-Spiel möglichst spannend zu gestalten. Die Aufgaben sind dabei meist verzahnt und verkettet. So müssen beispielsweise Gleichungen gelöst werden und die Ergebnisse als Koordinaten in einen Online-Kartendienst eingegeben werden. Und dann: Der Name der nächstgelegenen Bäckerei ist das Passwort für den nächsten Schritt.

Anhand eines Fahrplans die schnellste Verbindung errechnen oder Symbolrätsel lösen – die Aufgaben sind zum Teil richtig knifflig: „Bei einem Rätsel habe ich auch etwas gebraucht“, bekennt Dr. Daniel Thurm von der Mathematik-Didaktik der Uni Essen-Duisburg. Er betreut das Projekt. „Aber es ist gewollt, dass die Schülerinnen und Schüler auch mal ihre Grenzen ausloten.“ Thurm leitet das Studierendenprojekt und hat es gemeinsam mit Lehrkräften der kooperierenden Gymnasien entwickelt.

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„Für die Jugendlichen ist es gerade in der momentanen Situation ein spannendes Angebot, bei dem sie ganz nebenbei etwas lernen“, meint Thurm. Die Studierenden würden unglaubliche Kompetenzen in der Online-Lehre auf, da sie verschiedene digitale Formate in die Spiele integrieren. Am Ende profitieren alle – Schüler, Studierende, Lehrstühle, und falls der Corona-Impfstoff tatsächlich gestohlen würde, vermutlich auch jene, die ihn wiederfinden müssten.

Das Projekt ist langfristig ausgerichtet, heißt es von der Universität Duisburg-Essen und soll auch nach Ende der Corona-Pandemie weitergeführt werden. Übrigens: Wer angesichts der mathematischen Themen dachte, man würde Rechen-Asse kurz vor dem Abi zum Rätsellösen animieren. Das ist mitnichten so: an dem Wettbewerb nehmen Schüler der neunten Jahrgangsstufen teil.


Letzte Aktualisierung am 25.02.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API