Gloomhaven ist ein echtes Schwergewicht bei Brettspielfans. Das Spiel wiegt fast zehn Kilogramm, bietet 95 Szenarien und hat dementsprechend einige Fans. Wer nicht so viel schleppen möchte, für den gibt es Gloomhaven auch als digitales Brettspiel.

“Ob es dich nun wegen der Abenteuer nach Gloomhaven zieht oder dich der Schimmer von Gold im Dunkeln anlockt, dein Schicksal wird sicher dasselbe sein”, so steht es geschrieben zu dem Dungeon-Crawler auf  Valves Plattform Steam. Dick aufgetragen, aber das digitale Brettspiel ist spielerisch auch ein echter Brocken. Ob Autor Isaac Childres und Cephalofair Games diesen Erfolg anno 2017 erwartet haben? Vermutlich nicht. Denn: auch der Hype um die später für die Realisierung des Nachfolgers angeschlossene Frosthaven-Kampagne überraschte die Macher

Offensichtlich – und wenig überraschend angesichts der Qualität des Brettspiels – ist, dass man sich für die Umsetzung eng am Original entlanghangelt. Ob man daher überhaupt das Tischspiel und die Adaption haben muss? Kommt drauf an. Nicht wenige Gloomhaven-Fans werden das Brettspiel inzwischen ohnehin bereits beendet haben, sie könnten mit der Videospielspiel-Variante einfach einen Anreiz schaffen, um sich erneut in (bekannte) Abenteuer zu stürzen – die Sichtweise ist durch die grafische Aufbereitung ohnehin eine andere. 

Andere Dungeon-Crawler-Fans können von beiden Formaten profitieren: das schnelle Spiel am PC mit niedrigen Einstiegshürden und guten Erklärung steht dem klassischen Brettspiel-Erlebnis mit einer Gruppenerfahrung am Tisch gegenüber. Beides ist relevant bei einem Spiel mit derart epischem Umfang wie Gloomhaven es ist. 

Worum geht es bei Gloomhaven überhaupt?

Gloomhaven ist ein rundenbasierter Dungeon-Crawler und Taktikrollenspiel. Das heißt ihr und eure Gegner führt abwechselnd Aktionen durch und ihr erkundet dabei unter anderem Verliese, Dungeon oder Wälder. Überall lauern Monster, die ihr besiegen müsst, um eure Belohnung zu bekommen. Spielen könnt ihr das Spiel alleine oder mit bis zu drei weiteren Personen kooperativ im Online-Modus. 

Die Stadt Gloomhaven. Screenshot: Spielpunkt

Das Setting von Gloomhaven ist im einem mittelalterlichen Fantasy-Universum einzuordnen. Gloomhaven ist hierbei nicht nur der Namensgeber für das Spiel, sondern auch die Metropole, in der und um die sich die Missionen drehen. Euch stehen insgesamt 17 Charaktere zur Auswahl. Von diesen wählt ihr für jedes Abenteuer zwei bis vier aus und könnt auf deren zahlreiche Fähigkeiten zurückgreifen.

Zentral beim Gloomhaven sind die Fähigkeitskarten, die euer Deck bilden. Pro Person könnt ihr in jedem Zug zwei Karten spielen. Die Karten haben eine obere und untere Hälfte und ihr kombiniert immer eine obere mit einer unteren Hälfte. Jede Karte hat einen Initativwert mit denen bestimmt wird, wer wann am Zug ist. Ihr müsst also durchaus etwas planen, welche Karten ihr wie verwenden wollt. Die Taktik steht hier im Vordergrund ihr lauft nicht einfach durch die verschiedenen Missionen durch sondern arbeitet euch Stück für Stück voran.

Im Laufe des Spiel könnt ihr eure Charaktere verbessern und mit neuer Ausrüstung verstärken. 

Gloomhaven digital: Wie läuft das Spiel ab?

Gloomhaven bietet euch sechs verschiedene Schwierigkeitsgrade, zwischen denen wählen könnt. Zu Beginn des Spiels müsst ihr mindestens zwei Charaktere (Söldner) auswählen, mit denen ihr spielen wollt. Dafür stehen euch anfangs sechs Klassen zur Auswahl, weitere können nach und nach freigespielt werden. Jede Klasse kommt hierbei mit einem ganz eigenen Kartensatz und dementsprechend auch eigenen Fähigkeiten. Für jeden Charakter wählt ihr außerdem noch eine persönliche Quest aus. Aber Achtung: Hat er diese erfüllt, zieht sich der Charakter zurück und kann nicht mehr eingesetzt werden. Das motiviert euch auch mit den anderen Klassen zu spielen. 

Die jeweiligen Runden laufen wie folgt ab: Wählt zwei Karten aus euerer Hand, die ihr spielen wollt. Jede Karte besitzt einen Initiativewert, sodass die Summe eure Karten bestimmt, wann ihr an der Reihe seid. Es ist also nicht immer klug die stärksten Karten zu wählen, wenn ihr dafür erst am Ende – also nach den Gegnern – am Zug seid. Außerdem müsst ihr beachten, dass ihr bei den Karten nur eine der beiden Hälften spielen könnt und jede nur einmal; anders formuliert bei einer Karte nutzt ihr die obere Hälfte, bei der anderen die untere. Alternativ könnt ihr euch auch für eine Bewegung oder einen Angriff entscheiden.

Gespielte Karten kommen auf den Ablagestapel (außer sie werden verbrannt, dann sind sie komplett aus dem Spiel). Solltet ihr alle Karten gespielt haben, müsst ihr eine kurze oder lange Rast einlegen, um Karten wiederherzustellen (außer sie wurden verbrannt). Bei einer kurzen Rast, wird eine der Karten zufällig verbrannt, ihr seid danach aber noch am Zug. Bei einer langen Rast, verfällt euer Zug, ihr dürft aber eine Karte wählen, die verbrannt werden soll.

Generell müsst ihr eure Karten und Charakter taktisch klug einsetzen und dabei auch ihre jeweilige Stärken und Schwächen, sowie Nah- bzw. Fernkampf-Skills berücksichtigen. Neben reinen Kampfaktionen gibt es auch Fallen und Schätze zu berücksichtigen. 

Wer mit der Welt und dem Spielprinzip nicht vertraut ist, kann vorab auch ein Tutorial spielen, bei dem die einzelnen Schritte und Möglichkeiten ausführlich erklärt werden.

Wer mit der Welt und dem Spielprinzip nicht vertraut ist, kann vorab auch ein Tutorial spielen, bei dem die einzelnen Schritte und Möglichkeiten ausführlich erklärt werden. Screenshot: Spielpunkt

Pranken des Löwen

Im Vergleich zum Brettspiel ist die digitale Version von Pranken des Löwen kein eigenständiges Spiel, sondern als DLC nur mit dem Grundspiel spielbar. Mit Pranken des Löwen bekommt ihr unter anderem vier neue spielbare Charaktere, 25 neue Missionen mit über 30 Stunden Spieldauer und 10 neue Monster. Darüber hinaus kommen auch neue Events, Items und Kampfziele ins Spiel. Damit ihr die Missionen von Pranken des Löwen spielen könnt, müsst ihr bei dem Grundspiel die ersten beiden Szenarien gespielt haben. Die neuen Charaktere und Items könnt ihr aber auch direkt beim Grundspiel nutzen.

Gloomhaven: Digital ein echtes Schnäppchen

Ein Vorteil der digitalen Version ist der Preis. Statt fast 200 Euro kostet euch das Spiel regulär 35 Euro oder 53 Euro, letzteres inklusive des DLC Pranken des Löwen. Wollt ihr das Spiel kooperativ spielen, benötigt allerdings jede Person das Spiel, sodass die Kosten, je nach Personenanzahl dann doch noch steigen können. Die Veröffentlichung des Nachfolgers Frosthaven macht die Situation übrigens nicht besser. Wie Feuerland Spiele jüngst ankündigt, liegen die Kosten im Vergleich zu Gloomhaven nochmals höher – auch hier wäre dann eine digitale Umsetzung eine echte Alternative, nicht nur spielerisch. 

Wer das Brettspiel bereits hat und auf neue Mission hofft, wird hier teilweise enttäuscht. Teilweise, denn die offiziellen Missionen decken sich mit denen des Brettspiels. Dennoch gibt es eine Vielzahl an Community-Missionen, denen ihr euch stellen könnt. Zudem hatte Twin Sails Interactive, so der neue Name von Asmodee Digital, bereits mit “Gloomhaven – Solo Scenarios: Mercenary Challenge” erneut einen DLC angekündigt.

Wer Gloomhaven spielen möchte, sollte sich vorab etwas über das Spiel informieren, denn es ist kein 0815 Dungeon Crawler und der Fokus liegt stark auf der Taktik und Strategie. Wem die Spielmechanik zusagt, findet hier aber definitiv ein spannendes digitales Brettspiel.

Fazit

Am Ende ist mein Eindruck von der digitalen Version von Gloomhaven – trotz aller Vorschusslorbeeren – etwas gemischt. Auf der einen Seite ist das Spiel grafisch sehr schön umgesetzt und bietet auch eine Vielzahl an Missionen. Preislich ist die digitale Version auch deutlich günstiger als das physische Original. Wenn ihr Koop spielen wollt, benötigt jede Person ein Exemplar. Dadurch ist es am Ende deutlich teurer als andere digitale Brettspielumsetzungen, aber hier ist das Ursprungsspiel eben auch deutlich teurer. 
Durch ein ausführliches Tutorial lernt ihr die Spielregeln spielend kennen und könnt euch anschließend, gut gerüstet, direkt ins Abenteuer stoßen. 

Nach ein paar Missionen ist der Funke bei mir allerdings nicht wirklich übergesprungen. Das muss aber nicht unbedingt am Spiel liegen – ich glaube mir gefällt die Spielmechanik einfach nicht so sehr. Ich muss dazu aber auch sagen, dass ich das Spiel bisher nur solo gespielt habe, vielleicht macht es Koop deutlich mehr Spaß. 

Da die generelle Umsetzung meiner Meinung nach aber gut gelungen ist, ist mein Rat: Guckt euch die Spielmechanik an. Wenn die euch zusagt und ihr gerne solche Spiele spielt, dann könnt ihr mit Gloomhaven vermutlich auch sehr viel Spaß haben.

Letzte Aktualisierung am 1.12.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API