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Im schwedischen Verlag Ion Game Design finden sich vor allem Spiele mit historischen Bezügen in jeglicher Variation und naturwissenschaftlichen Themen. In verschiedenen Spielen verschwimmen auch die Grenzen der beiden Themenfelder, wenn es zum Beispiel um die biologische Entwicklung der Arten geht.

Schweden als Sitz von Brettspielverlagen dürfte wahrscheinlich jedem bereits ein Begriff sein. Ein gewisses Terraforming Mars ist ebenfalls von einem schwedischen Verlag. Auch bringen viele ihre Spiele in einem schwedischen Produkt unter. Doch darum geht es nicht.

Dieser Artikel ist der zweite Teil in unserer Reihe von Verlagsvorstellungen. Hier stellen wir Verlage vor, die sich einem bestimmten Thema verschrieben haben oder ein anderes Alleinstellungsmerkmal besitzen. Heute geht es um Ion Game Design (ION). ION ist ein schwedischer Brettspielverlag und Herausgeber. Zusätzlich bieten sie ihr Wissen und ihre Erfahrung im Spieldesign auch Unternehmen an, denen Spiele und Spieldesign von Nutzen sein können, um Probleme und Aufgaben zu lösen.
Bei ION werden Brettspiele als Kunstform verstanden. Sie sind ein gemeinschaftliches Erlebnis, das Menschen zusammenbringt, lehrreich sind und bieten Möglichkeiten sich kreativ auszuleben. Der Name ION basiert auf den geladenen Atomen oder Molekülen, den Ionen, die besonders bindungsfreudig sind. Jeder der Salz (Natriumchlorid) kennt, hat schon mit Ionen gearbeitet.

Bei ION gibt es Spiele zu diversen Themen mit historischen Bezügen. So gibt es zum Beispiel Spiele zur Urgeschichte, überlieferten Geschichte, Naturgeschichte oder zur Geschichte, die noch geschaffen werden muss. Daneben sind auch naturwissenschaftliche Themen, wie Astronomie oder Biologie vertreten.

Vom Hobby zum Beruf

Die Geschichte von ION beginnt im Jahr 2014. Ende des Jahres gründet Jon Manker den Verlag. Er selbst designt bereits seit seinem neunten Lebensjahr ab Ende der 1970er Jahre aktiv Spiele. Seit 2007 ist Game Design sein Hauptberuf. Hier lag der Fokus zeitweise auch auf digitalen Spielen. So hat er beispielsweise an der Södertörn Universität in Stockholm, an der er seit 1997 arbeitet und bis heute Vorträge hält, einen eigenen Kurs für Game Design ins Leben gerufen. Mit ION hat er dann seine Liebe zu Brettspielen zum Beruf gemacht.

Knapp neun Monate nach Gründung von ION kam Besime Uyanik zu ION. Bis heute ist sie CEO und hat mit Sammu-rammat im letzten Jahr auch ihr erstes eigenes Brettspiel ins Crowdfunding gebracht. Zu diesem aber etwas später mehr.
Das erste Spiel, das bei ION erschien, war HIRÞ (gesprochen am Ende, wie ein englisches “th”). Auf dieses abstrakte 2-Personen-Spiel, das von seiner Optik auch ein archäologischer Fund aus der Wikingerzeit sein könnte, folgte Expedition Zetta. Bereits an der Geschichte der Entwicklung dieses Spiels zeigt sich die Liebe zum wissenschaftlichen Detail. Das Spielsystem erlaubt zu Spielbeginn die “Erschaffung” von so vielen verschiedenen Sternensystemen, wie es im bekannten Universum gibt. Da sich diese Zahl während der Entwicklung des Spiels vergrößert hat, wurde als Reaktion darauf auch der Spielmechanismus angepasst, um die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse abbilden zu können.

HIRÞ war das erste Spiel, das bei ION erschienen ist. Bild: ION Game Design

In den folgenden Jahren wuchs das Team von ION stetig weiter. Beispielsweise kam 2018 Pål Keller Carlqvist als COO zum Team. Heute gehören zum Team von ION Games insgesamt elf Personen und zwei Katzen.

Ebenfalls im Jahr 2018 begann die Zusammenarbeit von ION mit Sierra Madre Games. Kopf hinter Sierra Madre Games ist Phil Eklund, der unter anderem die Spiele der BIOS-Reihe oder der Pax-Reihe designt hat. Für die Spiele übernimmt ION den Vertrieb, während Sierra Madre Games an sich selbständig bleibt.

Heute besteht das Angebot von ION aus etwa 20 Spielen. Zählt man alle Erweiterungen und weiteren Spielmaterialien dazu, gibt es über 40 verschiedene Produkte.

Was gibt es bei ION?

Um einen kleinen Einblick in die verschiedenen Spiele zu gewinnen müssen natürlich nicht alle Spiele des Verlags detailliert vorgestellt werden. Das würde auch den Rahmen sprengen. Für einen guten Eindruck reicht der folgende grobe Überblick über die verschiedenen Titel.

Lässt man sich auf BGG die Spiele des Verlags nach Rang sortieren, so stehen ganz oben zwei Titel der Pax-Reihe. Mit dem neuesten Mitglied Pax Viking gibt es inzwischen fünf Titel in dieser Reihe (Pax Pamir gehört nicht dazu). Was diese Spiele verbindet ist ein Kartenmarkt, auf dem es diese wichtigen Bausteine der eigenen Strategie gibt. Thematisch sind die Spiele in unterschiedlichen Epochen angesiedelt. So spielt Pax Viking im 10. Jahrhundert, Pax Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert, Pax Porfiriana und Pax Emancipation spielen im 18., 19. und 20. Jahrhundert und Pax Transhumanity spielt in der Zukunft. Bei allen Spielen der Reihe handelt es sich um komplexe bis hochkomplexe Spiele. Pax Viking wird auf BGG durchschnittlich als “einfachstes” bewertet und Pax Emancipation wird mit 4.58 von 5 möglichen Punkten bewertet.

Noch komplexer wird es beim Spiel mit den meisten Erweiterungen bei ION. High Frontier wird im Durchschnitt mit 4.82 Punkten in der Komplexität bewertet. Insgesamt vier Erweiterungsmodule und eine Erweiterung für sechs Personen gibt es für dieses Spiel. Basierend auf einem Design von 1979, in dem die Spielenden die Rolle von Raumfahrtsunternehmen im Jahr 2020 übernehmen konnten, ist High Frontier heute ein modulares Weltraum-Entdeckungsspiel. Ziel ist es unter anderem mittels eines Engine-Builder-Mechanismus die Person zu werden, die das Sonnensystem am stärksten industrialisiert. Übergangsregeln erlauben High Frontier als vierten, unabhängigen Teil der BIOS-Reihe zu nutzen.

Bei dieser handelt es sich ebenfalls wieder um hochkomplexe Spiele. Wie schon durch High Frontier angedeutet handelt es sich hierbei um eine aufeinander aufbauenden Reihe. Das Ende eines Spiels kann als Startaufstellung für das folgende genutzt werden. BIOS: Genesis deckt den Zeitraum bis zur kambrischen Explosion vor circa 541 Millionen Jahren ab. Die Spielenden starten als organische Verbindungen und müssen sich langsam entwickeln. In BIOS: Megafauna geht die Entwicklung der Arten weiter und zieht sich bis in die Zeit der Entwicklung des ersten sprachbasierten Bewusstseins, das in dem Spiel nicht unbedingt den Menschen treffen muss.

Etwa 200.000 Jahre vor dem heutigen Tag übernimmt dann BIOS: Origins. Hier gilt es dann eine menschliche Zivilisation aufzubauen, die sich in Kultur, Politik oder Industrie spezialisiert. Thematisch ähnlich angelegt, aber zeitlich in einem etwas kleineren Rahmen spielen die beiden Spiele Neanderthal und Greenland. Auch diese lassen sich in dieser Reihenfolge kombinieren und sind ebenfalls Zivilisationsaufbauspiele beziehungsweise Simulationen.

Neben den genannten Spielen gibt es noch weitere eigenständigere Titel wie die beiden bereits erwähnten HIRÞ oder Expedition Zetta.

Die verschiedenen Spiele von ION auf einen Blick. Bild: ION Game Design

Was bringt die Zukunft bei ION?

In den Spielen bewegt sich ION thematisch gerne in der Zukunft. Natürlich gibt es auch für die Zukunft des Verlags konkrete Pläne.

Der zentrale Bildungsaspekt der Spiele wird in der Zusammenarbeit mit dem “amerikanischen Brockhaus” World Book betont. Immer wieder bekommt ION Rückmeldungen von Pädagogen, die mit den Spielen Interesse an den jeweiligen Themen wecken. World Book ist auf ION zugekommen, um eine Lizenzpartnerschaft zu beginnen und Spiele in Zusammenarbeit zu veröffentlichen. Das erste Produkt dieser Zusammenarbeit ist das Prequel zu Pax Viking, das den Titel Vendel to Viking trägt. Diese Zusammenarbeit ist langfristig angelegt und wird noch weitere Titel umfassen, von denen bislang aber noch keiner offiziell bestätigt ist.

Im Bildungsbereich möchte ION in Zukunft außerdem verstärkt “Add-Ons” anbieten, die es erlauben, die zum Teil sehr komplexen und zeitintensiven Spiele gezielt für den Unterricht einzusetzen. Der “Bildungsbereich” soll eines der drei Hauptfelder von ION sein. Daneben sollen selbstverständlich die komplexen und wissenschaftlichen Spiele nicht vergessen werden. Darüber hinaus soll es aber auch leichtere und zugänglichere Spiele geben, um das Wissen, das in den Spielen steckt weiter zu verbreiten.

Für beide Komplexitätsstufen sind bereits diverse Titel angekündigt. Auf Freunde komplexer Spiele wartet beispielsweise das Weltraumkolonialisierungs- und Terraformingspiel Interstellar. In diesem semi-kooperativen Worker-Placement-Spiel müssen die Spielenden zusammenarbeiten, um die Ziele zu erreichen. Trotzdem gilt es am Ende mehr Siegpunkte als die anderen zu besitzen. Auch die BIOS-Reihe erhält Nachschub. Hier kommt die zweite Edition des alternativen zweiten Spiels der vier Spiele umfassenden Reihe. Im Gegensatz zu BIOS: Megafauna ist die Neuheit BIOS: Mesofauna kompakter bei den Regeln. Viele Grundmechaniken und Abläufe werden übernommen. Nur die Spezies, die man aufbaut sind kleiner.
Eine weitere komplexe Neuheit wird das Worker-Placement-Spiel Galenus sein. Hier versuchen die Spielenden sich im alten Rom im medizinischen Wettbewerb zu beweisen und die Anerkennung von Galenus zu erhalten. Dieser gilt als einer der bedeutendsten Ärzte des Altertums.

Auf der Seite der leichteren Spielen warten Titel wie Smarter than a Monkey, Fluffy Frontiers oder Dawn on Titan. Smarter than a Monkey stellt das Wissen in den Mittelpunkt. Hierbei handelt es sich um ein Quizspiel. Dawn on Titan ist wie Fluffy Fontiers im Weltall angesiedelt. Die Mechaniken der beiden Spiele sind aber grundverschieden. Bei Dawn on Titan müssen die Spielenden ihre jeweiligen asymmetrischen Siegbedingungen durch das Entdecken und Nutzbarmachen von Ressourcen auf Monden und Asteroiden im äußeren Sonnensystem erfüllen. Fluffy Frontiers bietet neben einem süßen Setting mit Petsonauten (Haustier-Astronauten) das verdeckte Auswählen von Aktionen und das Durchführen von Experimenten auf dem Halleyeschen Komet. Weitere Neuheiten sind das Roll&Write StegegetS oder das Kartenspiel DerrocAr

Von der Komplexität zwischen den beiden Bereichen mit einer starken Tendenz zu den komplexeren Titeln liegt die Neuheit Sammu-ramat, die CEO Besime Uyanik selbst entwickelt hat. Ein vollständige Review zu dem Spiel findet sich hier.

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