Die Corona-Pandemie betrifft alle und trifft einige ganz besonders, so etwa die Spielwarenhändler. Ob großer Store oder kleiner Laden: In den vergangenen drei Monaten herrschte völliger Stillstand in den Geschäften. Einige hielten sich – mal mal, mal weniger erfolgreich – mit Lieferservices oder Click-and-collect-Angeboten über Wasser. Nun gilt ist den meisten Bundesländern ein an den Inzidenzwert geknüpftes Shopping-System. Dem Spielwarenhandel geht das nicht weit genug, der Bundesverband des Spielwareneinzelhandels ist „fassungslos über die Corona-Beschlüsse.


Wenn nichts mehr hilft, hilft vielleicht noch trauriger Humor: „Zahlreiche Spielwarenhändler gehen vor die Hunde“, mahnt Wieland Sulzer, Vorsitzender des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels (BVS). Das Drama dabei sei, dass die Zwangsschließung nicht einmal Leben rettet. Sicheres Einkaufen sei tagtäglich möglich und noch nie gefährlich gewesen. „Wenn der Lockdown – wie geplant – bis nach Ostern verlängert wird, weitet sich das Sterben in den Innenstädten aus. Aber immerhin kann der Einzelhändler ‚in Würde sterben‘, da er ja einen Termin beim Friseur bekommen kann.“

Bis zum 28. März gilt vorerst der Lockdown. Das hatten Bund und Länder auf dem vergangenen Corona-Gipfel beschlossen. Immerhin flackert ein Licht am Ende des Tunnels: Shopping ist grundsätzlich auch in Läden vor Ort möglich. Allerdings unter besonderen Bedingungen, die die Inzidenzwerte vorgeben. Einerseits darf der Kundschaft per Termin Einlass gewährt werden, sinkt die Inzidenz gar unter 50, sind sogar geregelte Mini-Kundenströme erlaubt.

Drei Monate Lockdown – und noch keine Ende in Sicht

Für die kleinsten der kleinen Spielwarenläden ist die Bemessung nach der Quadratmeterzahl praktisch kaum anders als das Termin-Shopping. Mehr als einer, maximal vielleicht zwei Kunden, können sich in jenen Bundesländern vor den Regalen tummeln, in denen die Sieben-Tages-Inzidenz bereits unter 50 liegt. Allenfalls die großen Läden könnten profitieren – sofern die Kunden sich zum Shopping trauen.

Die Öffnung der Geschäften haben Bund und Ländern nicht beschlossen, stattdessen gibt es das inzwischen berühmt Din-A4-Regelblatt, das den kleinschrittigen Weg aus dem Lockdown vorgibt. Dem Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels geht das nicht weit genug. Dort spricht man von einer „nicht nachvollziehbaren Verwirr-Matrix“ und einer Verzögerung der „längst überfälligen Öffnung“. Allein aus wirtschaftlicher Sicht mag das bereits stimmen: Der BVS gibt an, die vergangenen drei Monate des Lockdowns hätten die rund 3.000 stationären Spielwarenhändler zusammen über 300 Millionen Euro gekostet, gemeint sind die Einnahmenverluste.

Aber auch bei der Hygienesicherheit gibt es nach Ausführungen des Bundesverbandes keine Probleme: „Während andere europäische Länder ihren Einzelhandel trotz deutlich höherer Inzidenzzahlen schon längst wieder geöffnet haben, ignorieren Bundeskanzlerin, Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten weiterhin die Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts, Berufsgenossenschaft für Handel und Warenlogistik (BGHW), Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) und Hygieneexperten, wonach vom Einkaufen im Einzelhandel keine erhöhte Infektionsgefahr durch das SARS-CoV-2-Virus ausgeht“, so der BVS.

Bis vor Ort wieder "grenzenloses" Shopping möglich ist, könnten noch Monate vergehen - je nach Entwicklung der Pandemie-Lage. Foto: Volkmann
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Bis vor Ort wieder „grenzenloses“ Shopping möglich ist, könnten noch Monate vergehen – je nach Entwicklung der Pandemie-Lage. Foto: Volkmann

Studien und Stellungnahmen zur Sicherheit hätte die Politik ignoriert, kritisiert BVS-Geschäftsführer Steffen Kahnt. „Den Preis hierfür zahlen nicht nur die geschlossenen Unternehmen vor Ort, sondern auch jeder Bürger. Wenn Unternehmen verschwinden, müssen Kommunen demnächst mit weniger Steuereinnahmen auskommen. Künftig wird es wegen den verheerenden Zwangsschließungen zu weiteren Kürzungen bei Schulen, Kindergärten und Schwimmbädern kommen.“

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In einem offenen Brief hatten sich mehrere Spielwarenhändler, darunter Rofu, Vedes, Galerie Karstadt-Kaufhof sowie Smyths Toys an die Bundeskanzlerin sowie die Länderchefs gewandt. Angeführt wurden die genannten Gründe: Vorhandene Sicherheit beim Einkaufen auch vor Erreichen einer Inzidenz von 50, keine erhöhte Infektionsgefahr, Einnahmenverluste in Millionenhöhe und Kosten, die der Allgemeinheit entstehen.

Der stationäre Spielwarenhandel leidet doppelt in Corona-Zeiten, vielleicht drei- oder vierfach: Aufgrund des harten Lockdown in den vergangenen Monaten und nun wegen der Öffnungsregelungen, die vor allem den kleinen Läden vermutlich wenig Laufkundschaft bescheren werden. Und dann durch das Erstarken des Online-Handels, der weitere Kunden auch in Zukunft von einem Ladenbesuch abhalten könnte. Wer jetzt nicht mitzieht beim Web-Shopping, dafür keine Kapazitäten hat oder die Kosten scheut, könnte langfristig ein Nachsehen haben.

Die indirekten, langfristigen Folgen der Corona-Pandemie sind längst nicht vollumfänglich vorhersehbar. Ebenso wenig wie die Infektionsentwicklung voraussagbar erscheint: Derzeit stagnieren die Fallzahlen, nicht selten mit Ausschlägen nach oben. Der R-Wert hält sich hartnäckig um 1, was auf steigende Zahlen hindeutet. Bei den Impfungen geht es schleppend voran, ebenso bei den Tests. Überstanden ist noch lange nichts – eine dritte Welle schwebt dabei wie ein Damoklesschwert auch über den stationären Spielwarenhändlern. Hoffnung macht nun allenfalls die angekündigte Impf-Kampagne über die niedergelassenen Ärzte. Ab April geht es los, voraussichtlich zumindest. Bis August könnten dann knapp 70 Millionen Bundesbürger geimpft sein, rechnet die Kassenärztliche Bundesvereinigung vor.

Für den Spielwarenhandel bedeutet das erneut: Durchhalten.

Quelle: BVS


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