Familiengeheimnisse sind echte Klassiker, wenn es um die Themenwahl für eine Mystery- oder Krimigeschichte geht. Abgedroschen und langweilig sind derartige Settings dabei noch lange nicht: Das bestätigt nun der französische Verlag Argyx Games der sein neues narratives Escape-Spiel bereits erfolgreich finanzieren konnte. Die Kampagne zu „Legacy – Quest for a Family Treasure“ läuft noch bis zum 2. August. 


Escape-Spiele gehen immer, scheint es. Nach dem Erfolg von „Apocalypse“ im Jahr 2018, legen Johanna Pernot und Mathias Daval nun nach und bringen eine Escape-Box heraus, bei der besagte Familiengeheimnisse im Mittelpunkt stehen. Alles beginnt mit einer schwarzen Box und einem mysteriösen Brief…

Immersives Koop-Abenteuer mit Mystery-Touch

Die Schatzsuche kann beginnen, das wird einem klar, sobald man die Materialbox geöffnet hat. Uns stand dabei für das Kickstarter-Preview eine Demo der Episode „Hellas 2019“ zur Verfügung. Zunächst regiert das Chaos, ein Wust von möglichen Hinweisen liegt auf dem Tisch. Dann, ganz typisch für den Start in Escape-Games, hieß es: Ruhig bleiben. Tue zunächst das Offensichtliche, lies den Brief!

Von das an entspinnt sich die Story und das narrative Element der Legacy-Box nimmt Fahrt auf. Die grundlegende  Idee ist nicht neu und entspricht dem, was man von Rätsel- oder Escape-Spielen kennt. Der Fokus liegt bei der Neuheit von Argyx Games jedoch eindeutig darauf, selbst den berühmten roten Faden zu entdecken anstatt sich linear durch die Rätselkette leiten zu lassen. Und so gilt es – und genau das erweist sich als besonders spannend – Ordnung ins Chaos zu bringen. Ein erster Brief nordet Spieler ein, bringt sie auf Linie für die Story. Ein weiteres Papier gibt Aufschluss über die Reihenfolge der Aufgaben. Von da an sind Kenner in ihrem Element, Einsteigern rauchen die Köpfe.

Typisch Detektivarbeit: Alles beginnt mit einem Materialhaufen. Foto: André Volkmann

Typisch Detektivarbeit: Alles beginnt mit einem Materialhaufen. Foto: André Volkmann

Auf eine Anleitung verzichtet Argyx Games und zwar ganz bewusst, auch bei dem finalen Kickstarter wird das nicht anders sein. Man soll sich anstrengen müssen, Spaß nicht nur am Rätseln, sondern auch der grundlegenden Entdeckerarbeit haben, kurzum: Detektiv spielen.

Was man dafür an die Hand bekommt, ist ein Konglomerat aus unterschiedlichen Materialien: Briefe, Fotos, Reise-Flyer, aber auch haptisch ansprechende Komponenten, etwa zwei „Anhängern“ oder den Klassiker unter den Schatzsucher-Materialien, die ominöse Flaschenpost. Dann der Clou: Auch das Internet spielt eine Rolle. Das ist bei dem Konzept von Argyx Games eine jene Komponenten, die Spieler ganz tief in das Geschehen hineinzieht. Das ist nicht optional, sondern essenziell. Sowohl eine Internetanbindung als auch eine E-Mail-Adresse werden zum Spielen zwingend benötigt. Das lohnt sich, weil sich die Recherchen dadurch so „echt“ anfühlen.

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Zusammenhänge erfolgreich hergestellt zu haben, wird so in doppelter Hinsicht befriedigend: auf spielerischer Ebene und in der erweiterten Realität ein wenig abseits vom Spieltisch, der jedoch immer im Mittelpunkt des Geschehens bleibt. Damit ist klar: Auch die Legacy-Aufgaben sind Tischspiele. Es gibt keine Herumrennen, keine wilde Schnitzeljagd – das einzige, was sich bewegt, sind die Hirnwindungen der Spieler.

"Hellas": Der Titel der Story kommt nicht von ungefähr. Foto: André Volkmann

„Hellas“: Der Titel der Story kommt nicht von ungefähr. Foto: André Volkmann

Wer sich im Genre auskennt, bekommt lösbare, aber mitunter anspruchsvolle Rätsel präsentiert. Einsteiger dürfen auch ran, werden dann auf Wunsch nicht allein gelassen: die Webseite verteilt Hinweise, wenn man in einer kombinatorischen Sackgasse steckt. Auch im Solo-Modus funktioniert das Rätselspiel, dann allerdings ohne das für Detektivspiele so wichtige soziale Element.

In der Gruppe ist der Spaß vielfach höher, nicht nur bei  Legacy: Quest for a Family Treasure, sondern bei nahezu allen Rätsel-Titeln. Allzu groß sollte die Gruppe dennoch nicht sein: Das Material muss angefasst, begutachtet werden, das dauert – weiter reichen in der Menschenkette geht, ist aber umständlich und nicht besonders förderlich. Drei bis vier Spieler werden gut zurechtkommen, weitere verkommen womöglich eher zu Zuschauern. Argyx Games selbst gibt 1 bis 5 Spieler an, zudem eine Spielzeit von rund vier Stunden. Letzteres passt ziemlich genau.

Der Materialmix aus Text, Bild und Zusatzkomponenten ist gelungen. Foto: André Volkmann

Der Materialmix aus Text, Bild und Zusatzkomponenten ist gelungen. Foto: André Volkmann

Zwei Geschichten enthält die Aufgaben-Box Legacy: Quest for a Family Treasure, beide sind dabei völlig eigenständig, sollen jedoch miteinander verknüpft sein.

Über 230 Fans scheinen angetan zu sein von dem Konzept, das Argyx Games ihnen vorstellt. Das angepeilte Finanzierungsziel von 13.000 Euro hat der französische Verlag längst erreicht. Wer sich für den Kickstarter entscheidet, erhält auch bei dieser Crowdfunding-Kampagne ein exklusives Goodie – in diesem Fall ein weitere Puzzle-Rätsel, denn Spielzeit bei rund 30 bis 45 Minuten liegen soll. Zeit bleibt „Backern“ noch bis zum 2. August, um ihre Unterstützung zu signalisieren, monetär dann mit Beträgen zwischen 49 und 104 Euro. Fertig sein und geliefert werden soll Legacy: Quest for a Family Treasure dann im Februar 2021.

Wer mehr über die anderen Rätsel-Titel von Argy Games erfahren möchte, wird auf deren Webseite fündig unter www.argyxgames.com.


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