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News und Tests zu Brettspielen, Games und Unterhaltung > Artikel > Brett- und Kartenspiele > La Cosa Nostra: Ein Interview mit dem Schöpfer Johannes Sich
Brett- und Kartenspiele

La Cosa Nostra: Ein Interview mit dem Schöpfer Johannes Sich

André Volkmann
Last updated: 13. November 2018 15:02
André Volkmann
9 Min Read
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La Cosa Nostra: Ein Interview mit dem Schöpfer Johannes Sich
La Cosa Nostra: Ein Interview mit dem Schöpfer Johannes Sich
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Die Antwort auf meine Interviewanfrage bei Johannes Sich, dem Autor des neuen Mafia-Kartenspiels La Cosa Nostra, erreichte mich um 0:40 Uhr in der Nacht. Schon diese Zeitmarke zeigt, wie lang die Arbeitstage eines Kartenspielerfinders werden können, wenn die populärste Spielemesse der Welt, die Internationalen Spieltage in Essen, bevorsteht. Auf der Spiel’14 wird La Cosa Nostra dem breiten Publikum zugänglich gemacht und an diesen vier Tagen wird sich zeigen, ob das Spielkonzept auch bei den Freizeitspielern gut ankommt.


Faszination für Papiergeld

Im nachfolgenden Interview gibt Johannes Sich einige Einblicke in den Entwicklungsprozess von La Cosa Nostra, berichtet über die Entstehung der Idee zu seinem Mafia-Kartenspiel und verdeutlicht, dass der ernste Hintergrund eine persönliche moralische Hürde gewesen ist.

La Cosa Nostra: Ein Interview mit dem Schöpfer Johannes Sich

Johannes Sich: „Das erste bewusste Erlebnis, was mir in den Sinn kommt, ist dass ich bei einer Kindergartenfreundin vom „Spiel des Wissens“ und vom „Spiel des Lebens“ erfahren habe. Lange Zeit habe ich diese Spiele gar nicht selbst mitgespielt, aber allein schon diese Namen haben mich tief beeindruckt und sind zu einer Art Mysterium geworden. Irgendwann sie dann vermutlich wirklich auch gespielt, aber daran kann ich mich gar nicht erinnern.
Das nächste beeindruckende Erlebnis war dann Monopoly. Die Faszination für dicke Batzen Papiergeld ist geblieben.“

Spielpunkt: Können Sie sich an Ihr allererstes Brettspielerlebnis erinnern?

Johannes  Sich: „Das ist eine lange Geschichte. Ich versuche es kurz zu machen.
Es gab eine Zeit, in der ich mit meinem Kollegen Daniel an einem Projekt gearbeitet habe. Es lief sehr gut, und nach Feierabend haben wir oft Spiele gespielt oder die Mafia-Serie „Die Sopranos“ geguckt. Wir waren in einer sehr kreativen Stimmung und es entstand die Idee, ein Spiel zu machen, das diese spezielle Stimmung des Mafia-Genres einfängt. Dieses düstere, das Gefühl der Macht und der lauernden Gefahr… Damals gab es noch fast keine Spiele zu diesem Thema. Ich bin dran geblieben, auch wenn ich nach und nach lernen musste, dass es nicht so einfach ist wie man denkt, aus einer guten Idee auch ein gutes Spiel zu machen. Es hat einige Jahre gedauert. Währenddessen sind am laufenden Band andere Mafia-Spiele erschienen.“

Spielpunkt: Wann und wie ist die Idee entstanden ein eigenes Spiel zu erfinden?

Johannes Sich: „Bis auf eine Affinität zum Genre, ausgelöst vor allem durch die o.g. Serie, gibt es keinen persönlichen Bezug. Natürlich habe ich im Zuge der Diplomarbeit eine Menge Recherche gemacht und auch viel über die reale Mafia gelesen. Tatsächlich sind mir während dieser Recherche ernste Zweifel gekommen, ob es moralisch vertretbar ist, das Thema „Organisiertes Verbrechen“ durch glorifizierende Genre-Darstellung noch weiter zu verharmlosen. Denn die Realität sieht ganz anders aus, und echte Mafiosi gehören neben Diktatoren, Waffenhändlern und Abmahn-Anwälten zu den verabscheuungswürdigsten Dingen dieser Welt.

Letztendlich habe ich die Gewissensbisse mit dem Argument beruhigt, dass sich das Genre bereits weit genug von der Realität gelöst hat.
Aus diesen Gründen war es mir auch wichtig, in der gestalterischen Umsetzung ähnliche Stilmittel zu verwenden, wie es die Genre-Vorbilder aus anderen Medienformen tun. Die ins Extreme übertriebene Genre-Glorifizierung der Tarantino-Filme beispielsweise 

Spielpunkt: Worin besteht Ihr Bezug zur Mafia?

Johannes Sich: „Die Entwicklung des Spiels hat sich in der Tat parallel zur Entwicklung des Crowdfundings vollzogen. Als ich die ersten Konzepte für La Cosa Nostra entwickelte, gab es noch gar keine Crowdfunding-Plattformen. Erst später, als wir schon erste ernsthafte Überlegungen zur Veröffentlichung begannen, hörten wir zu ersten mal von Kickstarter, und dann auch von Startnext und anderen Plattformen. Damals gab es schon sehr erfolgreiche Brettspiel-Projekte in den USA, im deutschsprachigen Raum jedoch schien das Interesse noch sehr verhalten. Daher erschien mir dieser Weg zuerst nicht besonders erfolgsversprechend. Erst als auf Startnext das Kartenspiel „Steam Noir Revolution“ das Eis brach und extrem erfolgreich abschloss, war ich überzeugt davon.
Zu jener Zeit waren wir eigentlich gerade auf der Suche nach einem Verlag, der La Cosa Nostra veröffentlichen wollte. Die Crowdfunding-Idee begeisterte uns jedoch plötzlich so sehr, dass wir fast schon erleichtert waren, als die Absage des Verlags eintraf. Wir versuchten es nicht weiter mit der sehr langwierigen Verlagssuche, sondern begannen mit den Vorbereitungen der Kampagne.“

Spielpunkt: Welchen Einfluss hatten Crowdfunding-Plattformen für die Entwicklung von La Cosa Nostra?

Johannes Sich: „Von einer ganzen Menge an Schwierigkeiten. Zunächst mal bei der eigentlichen Entwicklung des Spiels. Es war mein erstes Spiel und ich hatte dementsprechend keine Erfahrung damit. Trotzdem war ich überzeugt davon, dass das ja ganz einfach sei, wenn man es sich nur gut genug überlegt und kreativ genug ist. Doch weit gefehlt – erst in jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema merkte ich, dass da weit mehr dazu gehört, und dass man immer wieder seine Überzeugungen und seine eigene Arroganz überwinden muss. Wiederholt kam es zu Punkten, an denen ich merken musste, dass das Spiel noch lange nicht so gut ist, wie ich gedacht hatte.
Die Planung und Organisation der Crowdfunding-Kampagne, das Marketing und die Produktionsplanung, all das war ebenfalls Neuland für mich.
Bei der Realisierung eines solchen Riesenprojekts lauern an jeder Ecke Schwierigkeiten, mit denen man niemals gerechnet hätte. Derzeit haben wir ein Problem mit der Versandverpackung für die Poster. Für die will das Versandunternehmen jetzt einen Sperrgut-Zuschlag von irrsinnigen 20,- pro Stück erheben, weil die Kartons nicht quaderförmig sind. Mit so einem Blödsinn muss man sich dann plötzlich rumschlagen.
Außerdem waren da noch die vielen Illustrationen, die mir zwar großen Spaß gemacht haben, aber bei denen ich mir auch ein bisschen viel vorgenommen hatte. Die Vervollständigung des Artworks hat über fast fünf Jahre verteilt stattgefunden, parallel zur Entwicklung der Regeln. Alles in allem war die größte Schwierigkeit, über so lange Zeit die Motivation aufrecht zu erhalten.“

Spielpunkt: Von welchen Schwierigkeiten wurden Sie während der Entwicklung überrascht?

Johannes Sich: „Na klar. In Halle 2 auf Stand F-114. Kommt vorbei!“

Spielpunkt: Die Spiel 2014 in Essen naht. Wird man Sie dort antreffen?

Johannes Sich: „Sehr schwierige Frage. Es gibt einfach so unfassbar viele Spiele, und auch so viele unterschiedliche, dass man gar nicht von einem einzigen Lieblingsspiel sprechen kann. Generell spiele ich gern Spiele, bei denen verhandelt, verbündet und verraten wird. Dabei bin ich selbst eigentlich nicht mal besonders gut im Verhandeln, Schauspielern etc.
Diese ganzen Eurogames-Optimierungsspiele, die aktuell und gerade in Deutschland sehr populär sind, sagen mir nicht ganz so zu. Nicht dass ich sie schlecht fände, meist finde ich sie während des Spielens sogar ziemlich spannend – doch hinterher verspür ich selten den Drang, sie noch mal zu spielen. Für mich ist der Reiz des Brettspielens das Mit- und Gegeneinander mit den direkten Tischnachbarn. Wenn ich während der Spieldauer mehr aufs Brett gucke und vor mich hin grüble als mit den Mitspielern zu kommunizieren, dann ist das nicht so mein Ding.
Oh, einen Geheimtipp muss ich aber definitiv nennen, den ich seit Jahren immer wieder gern spiele. Es ist „Escape from the aliens in outer space“. Das Spiel basiert im Prinzip auf Schiffe-versenken und diesem „Ich denke dass er denkt dass ich denke…“. Und tatsächlich wird dabei auch nicht viel geredet. Es ist aber, unheimlich spannend, stimmungsvoll und schön gestaltet. Und dabei extrem einfach zu lernen.“

Spielpunkt: Sind Sie selbst aktiver Brettspieler? Welches ist Ihr Lieblingsspiel?

Johannes Sich: „Vielen Dank euch allen. Ohne euch würde es dieses Spiel nicht geben. Es hat großen Spaß gemacht und euer Feedback hat uns immer sehr motiviert. Kommt vorbei auf der Messe, wir freuen uns euch zu sehen.“

Spielpunkt: Ein Gruß an die Fans von La Cosa Nostra?
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André Volkmann ist Journalist mit Schwerpunkten in den Bereichen Lokalnachrichten, Games und Entertainment.
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