Lootoxen in Videospielen haben inzwischen viele Entwickler oder Publisher als lukrative Einnahmequelle ausgemacht. Immer wieder kommt es allerdings dazu, dass Kritik geübt wird. Ein Grund: Lootboxen und deren Zufallsprinzip rechnen einige Branchenkenner dem Glücksspiel zu. 

Einige Länder, darunter Belgien, gingen in der Vergangenheit gegen Spiele vor, in denen Lootboxen zum Kauf angeboten wurden. Eines der prominentesten Beispiele ist der Streit mit Electronic Arts um das Sportspiel FIFA gewesen. Am Ende knickte der Publisher ein: Lootboxen in FIFA gab es fortan nicht mehr. Auch in Deutschland wird immer wieder Kritik an Lootboxen laut.

Lootboxen: Abzocke oder Spaß?

Der Verkauf der “Beutekisten” ist für Spieleanbieter lukrativ: Kleinstbeträge in Höher weniger Euro lassen Fans sich leicht aus den Taschen entlocken, das große Geld machen Entwickler und Publisher langfristig. Lootboxen sind einerseits Massenprodukte und als virtuelle Güter wie geschaffen für den mehrmaligen Kauf. Der Grund: die nach Seltenheit unterteilten Inhalte werden nach dem Zufallsprinzip verteilt. Spieler wissen vorher nicht, was sie kaufen, wenn sie eine Lootbox kaufen. Zwar geben die Macher inzwischen an, wie große die Wahrscheinlichkeiten für einen wertvolleren “Gewinn” sind, beeinflussen kann man das bei den Beute-Boxen aber nicht. Gemeinhin würde man das als Glücksspiel bezeichnen, was viele Kritiker von Lootboxen auch tun. Paradoxerweise geht die Glücksspielindustrie selbst viel transparenter mit ihren Angeboten um: hier wird nicht verschleiert, was ein Glücksspiel ist – vielmehr geht es darum seriöse Glücksspielanbieter herauszufiltern – so etwa im Bereich der Live Casinos.

Bei den Lootboxen hingegen ist nicht immer klar, was Spieler erwartet – nicht nur inhaltlich, sondern auch bezüglich der Rechtslage. Kritiker sehen in den Beutekisten jedenfalls ein klassisches Glücksspielkonzept und fordern dessen Verankerung in einem Rechtsrahmen. Die ausgemachte Gefahr: vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene könnte durch das Spiel mit dem Zufall zu Käufen animiert oder gar in eine regelrechte Kaufspirale gesogen werden. Dahinter steckt argumentativ ein psychologischer Effekt: die Aussicht auf wertvolle Belohnungen.

Insbesondere Shooter bieten Lootboxen an, darunter

  • Apex Legends
  • Battlefield 1
  • Call of Duty (CoD)
  • Clash of Clans & Clash Royale
  • Counter Strike (CS:GO)
  • Destiny 2
  • FIFA
  • Heroes of the Storm
  • League of Legends (LoL)
  • NBA 2K21
  • Overwatch
  • Players Unknown’s Battleground (PUBG)

Für ihre “Investition” in eine Lootbox erhalten Spieler eine Kiste mit unbekanntem Inhalt. Landet man einen Treffer, ist die Chance groß, dass weiteres Geld in weitere Käufe gesteckt wird. Und Landet man keinen Treffen und zieht einen für sich unnützen Gegenstand aus der Kiste, so möchte man den “Fehler” durch weitere Zukäufe ausbügeln. Um die Lootboxen entspinnt sich im schlimmsten Fall eine Sucht. Das Belohnungszentrum im menschlichen Gehirn wird stimuliert, auch bezüglich biologischer Mechanismen sind Lootboxen also Thema.

Ebenfalls ein großer Streitpunkt bei der Debatte um Lootboxen in Deutschland ist die Verfügbarkeit: Die Beutekiste werden meist in ansonsten kostenlos spielbaren Videospielen eingesetzt, sogenannten Free-2-play-Games. Die Verlockung, letztendlich doch einige Euro auszugeben, weil man ja sonst nichts für das Spiel bezahlen muss, ist daher groß. Das gilt vor allem bei jüngeren Fans, die die Konsequenzen ihres Handelns nicht vollends einschätzen können. Eltern sind demnach automatisch involviert in den Streit um Lootboxen. Nicht selten wissen sie nicht, welche Titel ihre Kinder spielen – von Eingriffsmöglichkeiten ist dann keine Spur. Es gibt Fälle, in denen das unkontrollierte Kaufverhalten von Kindern erst auf dem Kontoauszug, der Kreditkartenabrechnung oder einer Telefonrechnung auffiel. Der Schaden war bei den öffentlich gemachten Fällen meist groß.

Für Eltern gibt es daher einige Tipps im Umgang mit Lootboxen:

  • Sich über das Thema informieren
  • Sich über die Spieler ihrer Kinder informieren
  • Gemeinsam mit ihren Kindern spielen
  • Spielinhalte erklären

Der Aufklärungsgedanke wird häufig genannt im Streit um Lootboxen. Kritiker wünschen sich, dass Spieleentwickler und Publisher offensiver mit dem Thema umgehen und auf mögliche Gefahren hinweisen. In Deutschland sind Lootboxen trotz aller Debatten und Restriktionen in anderen Ländern weder eingeschränkt nutzbar noch verboten. Immerhin gibt es im neuen Jugendschutzgesetz entsprechenden Schutz vor Kostenfallen. Aber: Im neuen Glücksspielstaatsvertrag, der unter anderem das Online-Glücksspiel unter Auflagen legalisiert, sind Lootboxen kein Thema. Die Einordnung als Glücksspiel gibt es für die Beutekisten also nicht. Nachbarländer sind diesbezüglich deutlich weiter – und deutlich strenger.

In Deutschland spielt ein juristischer Kniff den Publishern in die Hände: Weil die “Gewinne” aus den Lootboxen virtuell sind, sind sie keine geldwerten Vorteile. Kinder, Jugendlichen und deren Eltern wird das wenig helfen: für sie schwebt die Gefahr von Schäden durch Lootboxen wie ein Damoklesschwert über den Köpfen. Der Zufallsfaktor kann Fans teuer zu stehen kommen, denn wann man den erhofften Gegenstand aus einer Kiste zieht, ist ungewiss, weil zufällig. International, unter anderen eben auch Belgien oder Frankreich, gibt es Studien, die die Nähe von Lootboxen zum Glücksspiel bestätigen. Rein rechtlich ist man hierzulande noch nicht so weit. Weil entsprechende Regelungen also Mangelware sind, ist die Selbstkontrolle umso wichtiger.


Letzte Aktualisierung am 27.09.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API