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News und Tests zu Brettspielen, Games und Unterhaltung > Artikel > Brett- und Kartenspiele > Neues Crowdfunding in Sicht: Brettspiel zum „besten Videospiel des Jahres“
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Neues Crowdfunding in Sicht: Brettspiel zum „besten Videospiel des Jahres“

André Volkmann
Last updated: 23. Mai 2021 11:37
André Volkmann
13 Min Read
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Das Brettspiel Game of the Year thematisiert Videospiele. Bild: Nice Game Publishing
Das Brettspiel Game of the Year thematisiert Videospiele. Bild: Nice Game Publishing
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Game of the Year ist ein Brettspiel, bei dem es darum geht, ein Videospiel zu entwerfen. Mit dieser Idee will der Bonner Verlag Nice Game Publishing im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter bei den Spiele-Fans punkten. Zwei Welten spielerisch miteinander verbinden zu wollen, ist ambitioniert und gleichzeitig interessant. Zudem scheint man den nostalgischen Charme so mancher Games-Klassiker auf den heimischen Spieltisch bringen zu wollen. Die Finanzierungskampagne startet Ende Juni. 


Der Indie-Verlag Nice Game Publishing möchte ein Brettspiel auf den Markt bringen, das ausgerechnet auf die Videospielbranche als Setting setzt. Die simple Idee: Bis zu vier Spieler sollen das „Game of the Year“, das besten Videospiel des Jahres entwerfen. Wahlweise kann man den Titel übrigens auch im Solomodus spielen. Via Kickstarter will der Bonner Verlag das Projekt finanzieren. Los geht es mit der kickstarter-Kampagne zu Game of the Year am 28. Juni.

Brettspieler werden zu Videospieleentwicklern

Bei Game of the Year schlüpfen Brettspieler in die Rollen von Games-Developern, um ein Videospiel aus verschiedenen Elementen zu kreieren. Das zur grundlegenden Idee. Umgesetzt werden soll das auf dem Spieltisch, indem unterschiedliche Games-Faktoren, etwas Genres oder Features, zusammengesetzt werden, um darauf letztendlich ein Gesamtwerk zu erschaffen: das Spiel des Jahres. Gemeinsam mit Experten, die sich in der Geschichte der Videospiele auskennen, hat man das Brettspielkonzept erarbeitet – so soll es gelingen, den besonderen Charme so mancher Gaming-Titel einzufangen.

Ein Zwischenziel: Einen Hype aufbauen. Damit ist Game of the Year thematisch dicht dran an der Games-Branche, deren Akteure immer wieder aufs Neue genau das versuchen: Ein Videospiel so populär zu machen, dass die Marketingkampagne quasi ein Selbstläufer wird. Nicht selten gelingt das, nicht immer ist der Erfolg auf einen Hype allerdings auch nachhaltig. Mit Cyberpunk 2077 hatte CD Projekt Red jüngst bewiesen, wie zerbrechlich der Enthusiasmus der Fans für ein Spiel sein kann. Manchmal wird aus einem positiven Hype dann ein negativer. 

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Aus verschiedenen Elementen setzen Spieler schrittweise ihr "Videospiel des Jahres" zusammen. Bild: Nice Game
Aus verschiedenen Elementen setzen Spieler schrittweise ihr „Videospiel des Jahres“ zusammen. Bild: Nice Game

Bei Game of the Year sollten Spieler das vermeiden und im Rahmen von Solopartien oder kooperativen oder kompetitiven Abläufen möglich alles richtig machen, um letztendlich ein Meisterwerk zu erschaffen. Jeder Spieldurchgang soll nach Angaben der Autoren einzigartig sein, garantieren will man das durch eine breite Palette an verschiedenen Spielelementen, aus denen sich das beste Spiel des Jahres zusammensetzt. 

Nicht zuletzt lebt dieses Brettspiel von der Nostalgie und dem Aufstieg der Games-Branche. Das verrät der CEO von Nice Publishing, Simon Schwanhäußer: „Als Kinder der 80er und 90er ist da ganz viel Nostalgie für uns mit dabei.“ Hinzu komme, dass es sich um ein „frisches Thema“ handele – für die Szene insgesamt, aber auch für Nice Publishing selbst.

„Unsere letzten Spiele hatten ja Post-Apokalypse, klassische Fantasy mit Orks und Elfen, sowie Vampire als Thema – Terrible Monster, Fantasy Defense, Vampire: Heritage – diesmal wollten wir einfach was ganz anderes“ erklärt der Verlagschef zu der Spielidee von Game of the Year. „Und trotzdem sind wir irgendwie Geeks. Und sowas kommt dann halt dabei heraus.“ Doch da ist mehr und zwar auf der Meta-Ebene. Schwanhäußer: „Wir lieben auch das Kreative und den Meta-Charakter des ganzen. Also die Tatsache dass wir in Game of the Year jetzt doch wieder Spiele über Orks, Elfen und Vampire machen können.“

Game of the Year: Seit zwei Jahren in Entwicklung

Ein Brettspiel zu einem Videospiel zu entwickeln, dauert seine Zeit – allerdings längst nicht so lange, wie es Videospiel zu entwickeln. „Das Spiel ist jetzt an die zwei Jahre in Entwicklung und hat sich dabei sehr verändert“, erzählt uns der Nice-Publishing-Geschäftsführer. „Wir haben mit dem Thema angefangen und nach und nach Mechanismen und Systeme erarbeitet, die das thematische Spielgefühl dass wir vermitteln wollen tragen können. Wir haben da durchaus auch geschaut, welche vergleichbaren Spiele im Videospielbereich existieren – da gibt es ja auch ein paar – und geschaut, was da funktioniert und was nicht.“ 

Das Brettspiel game of the Year richtet sich laut Nice Publishing in erster Linie an Fans, die auch gern Videospiele spielen – zockende Brettspieler also oder aber Videospieler, die einen Ausflug in die analoge Welt des Spielens wagen wollen. „Leute die große Augen bekommen, wenn sie diese ikonischen Spielecover der 90er sehen“, erklärt Simon Schwanhäußer zu der Zielgruppe. „Und solche, die gerne selbst kreativ sind und Spaß daran haben sich alberne Spielideen auszudenken.“

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Verlagschef meint allerdings auch: „Das Spiel ist in erster Linie ein thematisches Spiel, wenn man jetzt ein reiner Eurogamer ist, der keinen Zufall und keine kreativen Elemente in seinen Spielen haben will, dann ist Game of the Year vielleicht nicht das Richtige.“   

Videospieler zu sein oder Videospiele mindestens zu mögen, ist eine gute Voraussetzung, um Spaß mit Game of the Year zu haben. Auch das Team hinter Nice Game spielt digital. „Christian, unser Art Director ist eher der Konsolenspieler“, meint Simon Schwanhäußer. „Als letztes hat er mir berichtet wie ihn Last of Us 2 geärgert hat.“

Aliens, Wikinger, Dinos und Co: Im Brettspiel findet sich vieles wieder, das man auch aus der digitalen Welt kennt. Bild: Nice Game
Aliens, Wikinger, Dinos und Co: Im Brettspiel findet sich vieles wieder, das man auch aus der digitalen Welt kennt. Bild: Nice Game

Simon selbst, ganz der knallharte, willensstarke Chef, hat den Absprung geschafft: „Ich habe früher auch Konsolen gehabt, aber ab Playstation 4 oder so bin ich ausgestiegen und spiele eigentlich nur noch am PC.“ In verlagsinternen Slack-Chat würden eigentlich regelmäßig die neuesten Spiele, die jemand gespielt hat, kurzrezensiert.

„Weil wir alle viel zu tun haben, sind das oft Spiele, die sich in kleinen Häppchen spielen lassen, also z.b. Roguelite-Kartenspiele wie Slay The Spire oder Monster Train. Oder halt Spiele die grade „im Gespräch“ sind, wie zeitweise Disco Elyisum oder – unvermeidlich – Cyberpunk 2077.“ Vor CD Projekts Reds Action-Rollenspiel wirft Schwanhäußer sich schützend: „Was ich übrigens – Achtung, kontroverse Meinung – trotz seiner Macken sehr gerne gespielt habe und woran ich die Kritik zumindest als PC-Spieler maßlos übertrieben finde.“

Simon Schwanhäußer selbst zockt natürlich auch analog: „Für mich sind Brettspiele als Ausgleich und als „Unplugged“-Erfahrung unglaublich wichtig, gerade in dieser immer digitaler werdenden Zeit.“ Selbst bei Solo-Spielen sei es etwas anderes, Würfel und Karten haptisch wahrzunehmen. „

Und mit Freunden wirklich physisch-nah zusammenzusitzen und sich über den Tisch auszutauschen ist einfach eine ganz andere Erfahrung als das Spielen übers Netz am Computer“. Wobei natürlich beides seine Daseinsberechtigung habe, so der Verlagschef.

„Aus der Sicht des Spiele-Machers gesprochen finde ich, Brettspiele haben auch noch andere spannende Eigenschaften, gerade im Vergleich zu Videospielen: Zum einen ist da die kreative Limitation durchs Material: Mechanismen müssen viel ausgefeilter sein, oft abstrakter, weil man einfach nicht die Möglichkeit hat 1000 Werte abzuspeichern oder als Variablen von einem Programm manipulieren zu lassen. Das führt im Allgemeinen zu besser herausgearbeiteten und eleganteren Spielideen und Konzepten.“

Vielleicht auch weil man ein Brettspiel nicht einfach so „patchen“ könne, wie es bei Videospielen ja gang und gäbe sei, so Schwanhäußer.

Nice Game Publishing?

Nice Publishing? Den Namen des Verlags könnte man gehört haben, vielleicht aber auch noch nicht. „Dragon Canyon“, „Fantasy Defense“ und zuletzt „Vampire the Masquerade- Heritage“ sind drei der Titel aus dem Portfolio der Bonner. Als in der Branche etabliert sehen sie sich noch nicht an, obwohl man bereits seit rund einem Jahrzehnt aktiv ist. Der Chef beschreibt es so: „Wir sind zwar inzwischen schon ein gutes Jahrzehnt in der Branche. Ich bin circa 2010 mit einem Praktikum beim taiwanesischen Brettspielverlag Swan Panasia eingestiegen“. Bei Nice Game Publishing sieht man sich als Indie-Verlag und nutzt damit jenen Begriff, der in der Games-Branche inzwischen immer häufiger für herausragende Spielequalität steht. 

„Ich sehe uns also irgendwie weiterhin als die liebenswerten Amateure die einfach mal schauen was geht“, so Schwanhäußer. „Aber natürlich sind inzwischen einige Mitarbeiter dazugekommen und wir mussten und müssen notgedrungen etwas professioneller werden und auch etwas mehr Augenmerk aufs Geldverdienen legen.“ Die Hauptmotivation des Verlags besteht dennoch darin, „die Freude daran, neue Dinge auszuprobieren und uns weiter zu entwickeln“. Begonnen habe das mit der Gründung des Onlineshops für Spiele aus Japan, Taiwan und Korea. Weiter ging es anschließend mit Spieleveröffentlichungen, „wo wir die verschiedensten Themen, Materialien und auch Vertriebswege ausprobiert haben“, so der Verlagschef. 

Vampire - The Masquerade: Heritage ist bis zum zwischenzeitlichen Ausverkauf über die Ladentheke gegangen. Bild: Nice Game
Vampire – The Masquerade: Heritage ist bis zum zwischenzeitlichen Ausverkauf über die Ladentheke gegangen. Bild: Nice Game

Zwei Bestseller hat Nice Publishing derzeit: „Da wir uns grade auch am Vertrieb versuchen, haben wir „Kluster“ ein Partyspiel mit Magneten von unseren französischen Partnern für den deutschen Vertrieb eingekauft. Das ist ein sehr simples Spiel, das auch für Nichtspieler interessant ist und es verkauft sich im Moment sehr gut. Was unsere eigenen Spiele angeht ist Vampire: The Masquerade – Heritage unser Bestseller“. Das Spiel seit sogar im Moment ausverkauft, fügt der Verlagschef hinzu. Es handelt sich bei dem Titel um ein Legacy-Spiel im Pen&Paper-Rollenspiel-Universum von Vampire: The Masquerade.

Crowdfunding?

Das Brettspiel Game of the Year soll nun via Kickstarter als Crowdfunding finanziert werden, für einen Indie-Verlag ist das ein guter Weg. Die Kritik an der Plattform wächst jedoch, weil mitunter große Verlage Kickstarter als eine Art verdeckten Online-Shop nutzen. Nicht so Nice Publishing, die das Thema Crowdfunding leben: „Für uns ist Crowdfunding ein integraler Bestandteil des Geschäftsmodells, insbesondere für ein Spiel wie Game of the Year. Wir können die Realisation des Projekts ohne diese Form der Finanzierung schlicht nicht stemmen.“

Das sei eine klare Stärke von Crowdfunding: Originelle Ideen und kleine Entwickler bekämen eine echte Chance, freut sich Simon Schwanhäußer. „Umso ärgerlicher ist es, wenn man dann auf Kickstarter mit Wettbewerbern konkurrieren muss, für die das sicherlich nicht der Fall ist und letztlich mit den selben Maßstäben gemessen wird.“

Viele beliebte Games-Genres stehen Brettspielern zur Verfügung, um aus ihrer Kreation ein Meisterwerk zu machen. Bild: Nice Game
Viele beliebte Games-Genres stehen Brettspielern zur Verfügung, um aus ihrer Kreation ein Meisterwerk zu machen. Bild: Nice Game

Als weiterer Schwachpunkt werde oft die Oberflächlichkeit genannt. „Visuelle Gestaltung, schöne Minis und so weiter scheinen mehr zu zählen als Inhalte“, erklärt der CEO. „Das stimmt sicherlich, irgendwo. Andererseits denke ich dann auch immer wieder: Es geht halt nicht anders. Woran sollen sich die Leute denn sonst orientieren? Daher ist es für uns schon auch sehr wichtig zu versuchen grafisch gut zu arbeiten und eine gute Präsentation zu haben, auch wenn wir selbst kein Interesse daran haben z.B. Spiele mit Minis zu machen.“

Die Finanzierungssumme ist noch nicht final, allerdings rechnet Simon Schwanhäußer derzeit mit einem Betrag irgendwo zwischen zehn- und zwanzigtausend Euro Die Kampagne zu Game of the Year startet voraussichtlich am 28. Juni.


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André Volkmann ist Journalist mit Schwerpunkten in den Bereichen Lokalnachrichten, Games und Entertainment.
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