Um das Kino ist es derzeit aufgrund der Corona-Lage nicht gut bestellt: Die Lichtspielhäuser haben geschlossen, Filmstarts wurden vielfach verschoben, ebenso die Produktionen. Hinzu kommt die starke Konkurrenz durch Streaming-Anbieter, die der pandemischen Lage nicht nur trotzen, sondern Rekordzahlen melden.


Zu allem Übel hat sich nun der Leiter der renommierten Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen, Lars Henrik Gass,  zu Wort gemeldet und vor der Zerstörung des Kinos gewarnt: „Wenn wir jetzt nicht zügig handeln, bleibt nichts mehr vom Kino übrig, was es zu bewahren gäbe“, sagte Gass gegenüber der in Berlin erscheinenden Tageszeitung „nd.Der Tag“.

Kino: Zuschauerzahlen über Jahre dramatisch eingebrochen

Lars Henrik Gass kommentiert: „Schon vor Corona versuchte man, die Geschäftsmodelle des Films zu Lasten der Kinos zu retten.“ Die Zuschauerzahlen seien über die vergangenen Jahre dramatisch eingebrochen.

Dürften Kinos im Frühjahr öffnen, hätte der neue Ableger von James Bond Besucher in die Kino locken sollen. Der Filmstart wurde allerdings erneut verschoben.

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Kinobesuche hätten in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich abgenommen. Nach Zahlen von Statista strömten zur Jahrtausendwende noch rund 180 Millionen Besucher pro Jahr in die deutschen Kinos, 2019 waren es nur noch 113 Millionen und damit deutlich weniger.

Auch auch die Verleiher tragen ihren Teil zum Untergang des Kinos bei: Die großen Filmstudios wie Disney und Warner erhöhen seit Jahren die Verleih-Gebühr für ihre Filme, was zur Folge hat das gerade bei den großen Blockbustern welche die meisten Besucher in die Kinos locken der Gewinn pro Ticket am geringsten ist. Nach weiteren Abzügen wie die FFA-Abgabe, Gema-Gebühren sowie den anfallenden Betriebs- und Verwaltungskosten, bleibt dem Kinobetreiber unterm Strich ein Gewinn von etwa 1,72 Euro. Das geht aus einem Handelsblatt-Interview mit Marketing- und Medienprofessor Detlef Bell hervor. Hinzu kommen sinkende Werbeeinnahmen und die immer größer werdende Konkurrenz durch Netflix und Co.

Die Kinos haben also seit Jahren mit rückläufigen Besucherzahlen bei immer kleiner werdenden Gewinnspannen zu kämpfen. Während Kino-Ketten sich oft retten können, trifft es die unabhängigen Filmtempel hart: Insbesondere kleinere Programm- und Arthouse Kinos fürchten in der Corona-Krise um ihre Existenz.

Gass plädiert für eine „Musealisierung“ des Kinos, die Überführung in öffentliche Hand. Man müsse Wirtschafts- und Kulturförderungen trennen, also das Kino vom Filmmarkt entkoppeln und zu einem Gut der öffentlichen Kultur machen. Scharf kritisierte Gass auch die deutsche Filmförderung, die dringend reformiert gehöre. In der jetzigen Form bringe sie weder wirtschaftlich noch künstlerisch befriedigende Ergebnisse, sondern nur Mittelmaß hervor.