Neben Brett- und Kartenspielen erleben auch Pen-and-Paper-Rollenspiele in der anhaltenden Corona-Krise einen Boom, insbesondere weil sich diese Art der Unterhaltung nahezu ohne Einschränkungen auch online erleben lässt. Was einst als nerdige Schauspielerei mit Würfeln verschrien gewesen ist, hat sich zu einem Trend entwickelt, auf den auch Einsteiger immer häufiger aufspringen. Erfolgsfaktoren gibt es mehrere für den Rollenspiel-Hype, nicht allein die pandemische Lage ausschlaggebend. Was Pen-and-Paper so spannend macht und weshalb Anfänger keine scheu vor dem Rollenspiel haben sollten, erklärt eine Gruppe von Experten: die Jungs von „Prepare to dice“, die dazu einen eigenen Youtube-Kanal gestartet haben. 


Hätte man vor der Corona-Pandemie herumgefragt, wie angesagt Pen-and-Paper-Rollenspiele beim Mainstream sind, so hätte man vermutlich nur Kopfschütteln geerntet. Die Mischung aus Tabletop-Erlebnis und Schauspiel war immer irgendwie da und auch ein Teil der Branche, fristete allerdings ein Dasein als Nerd-Veranstaltung. Gruppenweise treffen sich schräge Gestalten in staubigen Hinterzimmern, schlüpfen in die Rollen verschiedener selbst ausgedachter Charaktere und würfeln Kämpfe und Ereignisse aus – bestenfalls untermalt mit Zisch-, Klopf- und Klopp-Lauten aus den eigenen Mündern. Dann kam Corona. Und plötzlich ist Pen-and-Paper hipp.

Zugegeben, ganz so dramatisch ging es auch vor der Pandemie nicht zu in der Szene, die grob seit den Siebzigerjahren existiert. Mit Dungeons & Dragons wurde in den Vereinigten Staaten der Grundstein für ein neues Spiel-Genre gelegt, das nun bereits seit knapp 50 Jahren zum Inventar der Spielebranche gehört. Eines hat sich dabei in all den Jahrzehnten kaum verändert: der Fokus auf eine Gruppenzugehörigkeit.

Das Material: Pen, paper und gute Laune

Im Gegensatz zu Brettspielspielen braucht es nicht viel, um mit dem Roleplaying beginnen zu können. „Pen“ und „paper“, Stift und Papier also, eine Handvoll Würfel und einige Mitspieler – idealerweise bringt einer davon Erfahrungen im Anleitung von Rollenspielen mit – und schon kann die Gruppe sich ins Abenteuer stürzen. Was also kompliziert und wenig einsteigerfreundlich verschrien ist, benötigt oft weitaus weniger Vorbereitungszeit also so manches Brettspiel. Das zunächst zu erkennen, ist eine der Hürden, die Einsteiger nehmen müssen.

Schon mehrere Jahre aktiv in der Szene sind die inzwischen sieben Jungs hinter dem Youtube-Kanal „Prepare to dice“: „Felix (30) promoviert zurzeit in Norwegen und war sonst oft auf und hinter diversen Bühnen anzufinden. Steven (27), vom Beruf Verkäufer und im Pen-and-Paper derjenige, der so viel mit Leuten quatscht, dass er im jetzigen Superhelden-Abenteuer sich die Fähigkeit gegeben mit Gegenständen zu reden um noch mehr Informationen zu bekommen. Max (30), der Techniker der Gruppe, der leidenschaftlich bei jeder Diskussion mit dabei ist. Alex (30), gelernter Schmied und beim P&P mit dem Talent gesegnet jede noch so kleine Lücke im Regelwerk zu finden, auszureizen und den Spielleiter damit an den Rand der Verzweiflung zu bringen. Gerrit (26) mit dem Spitznamen Hide, welcher als Content-Moderator beschäftigt ist und quasi der Neuling in unserer Gruppe ist.“ Ganz grob ist das der Kern der Gruppe – etwa Hilfe kommt von außen: „Zudem haben wir für die zwei unterschiedlichen Geschichten, welche wir zurzeit auf unserem Kanal spielen noch zwei Spielleiter“, erklären Prepare to dice. Mit Niclas (30), einem  „ernährungsberatenden Buchbinderbäcker“ hat die Gruppe einen von zwei Spielleitern gefunden. Neben diesem „Captain Chaos“ unterstützt Erzieher und Nerd Erik (31) bei einer zweiten Geschichte. Heißt also: Hinter jeder Story steckt ein Spielleiter, der sich auskennt mit der Materie.

Stifte und Würfel sind die Mindestausrüstung für die Rollenspielrunde. Foto: Volkmann

Stifte und Würfel sind die Mindestausrüstung für die Rollenspielrunde. Foto: Volkmann

Vor rund zehn Jahren hatte die Gruppe erstmals die Idee, sich mit Pen-and-Paper-Rollenspielen zu beschäftigen – das war ungefähr die Zeit, als P&P unter anderem durch Sitcoms wie Big Bang Theory zumindest als Thema im Mainstream ankamen. Anderen beim Rollenspiel spielen zusehen, das war ein erster Auslöser, um tiefer in die Materie einzutauchen, bestätigen Prepare to dice: „Die ersten Berührungen mit Pen and Paper gab es bei den meisten von uns vermutlich durch Sitcoms und Serien in denen der P&P-Klassiker Dungeons and Dragons erwähnt wurde und wurde insbesondere durch andere YouTube-Kanäle vertieft. Anderen dabei zuzuschauen, wie sie in eine andere Welt eintauchen und unterschiedlichste Charaktere mimen, machte uns dabei so viel Spaß, dass auch wir vor rund zehn Jahren zum ersten Mal die Idee hatten, selbst Pen and Paper zu spielen.“

Der Einstieg ins Pen-and-paper-Rollenspiel war noch vor wenigen Jahren deutlich schwieriger als heute. Auch die Prepare-to-Dice-Gruppe hat sich mutig gegen jede mögliche Hürde gestemmt, nur um daran hängenzubleiben: Als blutige Anfänger in einer sehr großen Gruppe aus acht Leuten haben sie sich das Vorhaben mit einem von Erik und Steven eigens entworfenen Regelwerk erschwert – und „waren somit eigentlich zum Scheitern verurteilt“. Aber: Trotz der anfänglichen Schwierigkeiten war für alle von Anfang an klar, dass „wir enormen Spaß daran haben“. Also blieb man trotz einige Widrigkeiten am Würfel, hielt durch, manchmal viele Stunden am Stück. Es gab Wochenenden, da habe man regelmäßig zwölf Stunden und mehr Pen-and-Paper gespielt – manchmal sogar mit einer Art Schichtwechsel, bei dem die Gruppe sich aufteilte, um etappenweise schlafen und spielen zu können. Sicher ein extremes Ausmaß, vor allem für Anfänger, aber: „Es war eine sehr witzige Zeit für uns als Freunde, in der wir P&P zu lieben gelernt haben“, hießt es von der Rollengruppe.

"Oldschool" sind nur nur Ringelsocken, sondern auch Vor-Ort-Spielerunden - hier Felix und Niclas. Foto: privat

„Oldschool“ sind nur nur Ringelsocken, sondern auch Vor-Ort-Spielerunden – hier Felix und Niclas. Foto: privat

Dann kam, was kommen musste: Es wurde stetig schwieriger, die Gruppe zusammenzuhalten. Weggebrochene Kontakte, Umzüge – das Leben spielt auch Rollenspielern manchmal einen oder mehrere Streiche. „Teilweise ist das P&P spielen bei einigen von uns fast ganz zum Erliegen gekommen und wir haben in den letzten Jahren eher mit anderen Leuten und in anderen Konstellationen gespielt“.

Und dann kam Youtube und damit ein Revival. „Durch den YouTube-Kanal haben wir uns aber teilweise wieder neu gefunden und haben mit ‚Hide‘ – Content-Moderator  sogar einen neuen Mitstreiter und Freund gefunden. Doch auch, wenn er erst seit kurzem dabei ist, fühlt es sich so an, als wäre er schon seit Jahren ein Teil von uns, da er einfach perfekt zum Rest der Gruppe passt.“ Also steht die Gruppe wieder, ist bereit für neue Abenteuer – auf Distanz. Modernes Rollenspiel funktioniert heute nämlich auch über das Internet. Bevorzugt per Videochat, meint die Experten-Truppe.

„Ein reiner Voice-Chat wäre sicherlich möglich, aber dadurch würde auch viel des Reizes geopfert werden.“ Theoretisch möglich wäre sogar eine Telefonkonferenz, allerdings letztendlich nicht ganz einfach umsetzbar. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht den Eindruck danach macht: Sich beim Pen-and-Paper-Rollenspiel auch sehen zu können, hat Vorteile „Man sieht nicht, wer gerade etwas sagen möchte und würde sich vermutlich häufiger ins Wort fallen und ebenso würde mit der fehlenden visuellen Komponente auch sehr viel Feedback verloren gehen“, erklären die Youtuber. Auch ganz alltägliche Probleme werden dann beim Rollenspiel spürbar. Kommt die plötzliche Wendung, der Geschichte bei den Spielern an? Meint jemand Aussagen ironisch oder ernst? Ist jemand von einer Aktion begeistert oder irritiert? „Bei all diesen Fragen können Mimik und Gestik eine entscheidende Hilfe sein, was die rein akustische Version doch nochmal sehr erschweren würde“, so die Kenner. Ob und welche Kanäle man wählt, ist letztendlich Geschmackssache. Auch bei Prepare to Dice gehen die Meinung auseinander. Niclas sieht die Videokonferenz als „kleinsten gemeinsamen Nenner“, Max versucht es in anderen Gruppen auch schon mal per Voice-Chat. Vor allem Einsteiger sollten sich von einem Schnupperkurs nicht abhalten lassen und einfach ausprobieren, was ihrem Spielgeschmack am entspricht. Das Format geht bis hinunter zum reinen Textchat-Pen-and-Paper – dank der technologischen Möglichkeiten gibt es inzwischen sogar onlinebasierte Plattformen, die das Rollenspielen unterstützen.

Auch wenn viele Spieler sich auch vorher schon auf Distanz zum Spielen verabredet haben, hat die Corona-Pandemie auf das Online-Rollenspiel einen neuen Fokus gesetzt. „Einer der größten Vorteile nicht nur wegen Corona, sondern auch, weil wir an unterschiedlichen Orten leben, ist einfach schon die Tatsache, dass wir überhaupt in der Lage sind als Gruppe unserem Hobby nachzugehen“, sieht die Gruppe es ganz pragmatisch. Die Möglichkeit ist da, also kann man sie auch nutzen. „Während die meisten von uns zwar im Großraum Berlin leben, haben wir mit Hide jemanden in der Gruppe, der in Mülheim an der Ruhr wohnt, während Felix vor kurzem nach Norwegen gezogen ist. Dass wir also dank Online-Konferenzen überhaupt die Möglichkeit haben weiterzuspielen, ist Gold wert.“

Steven und Max vor Zetteln, Snacks und Faustkämpfen. Foto: privat

Steven und Max vor Zetteln, Snacks und Faustkämpfen. Foto: privat

Und noch einen Vorteil gibt es: „Zudem wir auch festgestellt, dass wir viel fokussierter spielen.“ Das kennt man ja: Der Magier muss eine Raucherpause einlegen, den Druiden zieht es ins Bad – und der sonst auf den Kampf konzentrierte Krieger hat nur noch die nächste Pizzabestellung im Kopf. Der Alltag in einer physischen Rollenspielrunde kann alles andere als immersiv sein. „Es war daher alles etwas diffuser und ungeordneter, während wir bei der Online-Variante nun jeweils eine Stunde spielen und dann ein paar Minuten Pause machen“, erklärt die Gruppe das planvollere Vorgehen.

Auch wenn die direkte Aufnahme für die Youtuber eine enorme Arbeitserleichterung ist, wissen alle: „Doch trotz all der Vorteile kann eine Onlinekonferenz niemals komplett den Spaß ersetzen, den man hat, wenn man mit sechs seiner Freunde zusammen an einem Tisch sitzen kann, vorher zusammen ein paar Snacks vorbereitet und quatscht, um sich dann gemeinsam ins Abenteuer zu stürzen.“ Auch im Spiel fehle zu gewissen Teilen die direkte Resonanz, wie sich beispielsweise bei einer besonders gelungenen Aktion abklatschen zu können, oder mal eben mit Hilfe der Snacks auf dem Tisch die entsprechende Situation im P&P nachbauen zu können.

Online geht also, ist aber zumindest für die Prepare-to-Dice-Truppe nicht die optimale Lösung: „Nichtsdestotrotz unterschreiben wir alle wohl die Aussage, dass wir uns darauf freuen, irgendwann das erste Mal alle sieben in einem Raum zu sitzen und Pen-and-Paper zu spielen.“ Zumal man sich bei einem realen Treffen maximal damit herumschlagen müsse, dass jemand seine Würfel vergessen hat. Bei einer Onlinekonferenz hingegen hat die Technik der Gruppe des Öfteren einen Strich durchs Charakterblatt gezogen. „Von Kameras, die nicht funktionieren, über fehlende Tonaufnahmen, bis ausfallendes Internet hatten wir da bereits alles dabei.“

Pen-and-Paper: Tipps für Einsteiger

Welten bedingen sich auch Gegenseitig, vor allem bei Pen-and-Paper konnte man das in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder nachvollziehen: Rollenspiele tauchen in Kinofilmen auf (E.T.) oder werden quasi selbst zum Film (Dungeons & Dragons); Pen-and-Paper wurde zur Vorlage für zahllose Videospiele und inzwischen sind jene an P&P angelehnt Videogames der Antrieb für Digital-Spieler, ihre Unterhaltung im analogen Segment zu suchen.

Nun fängt jeder Held irgendwann klein an. Abschrecken lassen sollte man sich nicht von möglicherweise komplexen Regelwerken, ausufernde Spielsessionen oder der Charakterplanung. Auch beim Pen-and-Paper lernt man schrittweise. Die Jungs von „Prepare to Dice“ geben Einsteigern fünf Tipps:

Habt Spaß – der wohl wichtigste Tipp, wenn man einem Hobby nachgehen möchte.

Erlaubt euch Fehler. – Gerade am Anfang, wenn viele der Gruppe noch unerfahren sind, wird es unweigerlich dazu kommen, dass man Dinge nicht bedenkt, eine Regel vergisst oder irgendwas nicht so rund läuft, wie man sich das gewünscht hat. Wichtig ist hierbei insbesondere Tipp Nummer 3.

Seid ehrlich zueinander. – Kommuniziert miteinander, stellt Fragen, redet über Dinge die unklar sind, die stören oder die den Spaß mindern. Was für die eine Gruppe funktioniert, muss für die andere noch längst nicht gut sein und hier gilt es sich als Gruppe das rauszusuchen, was für euch funktioniert und das beiseitezulegen, was euch keinen Spaß bereitet. Genau so gilt es auch für die vorhandenen Regelwerke.

Habt den Mut euch Spielregeln anzupassen. – Regelwerke für Pen and Paper existieren zahlreiche. Manche sind dabei sehr einfach, während andere schon die Tendenz zum Mikromanagement aufweisen. Wo das eine mehr Freiheiten bietet, kann das andere deutlich mehr Sicherheit aufweisen und nicht jede Regel, die in einem Regelwerk niedergeschrieben ist, erweist sich im Spiel dann auch als sinnvoll. Als wir unsere größere Kampagne mit dem Regelwerk von Supers angefangen haben, gab es auch einige Talente und Fähigkeiten, welche wir gelöscht haben, weil diese einfach viel zu stark gewesen wären.Wir haben uns ein Lebenspunktesystem eingeführt, weil wir die im Regelwerk vorhandene Lösung suboptimal fanden und sind auch jetzt immer wieder am Diskutieren, welche Regeln sind für uns unrund anfühlen und wie wir das beheben können. Hier ist dann insbesondere der Klassiker unter den Tipps für Pen and Paper entscheidend:

Der Spielleiter und die Spieler, spielen miteinander und nicht gegeneinander. Diesen Satz hört man definitiv früher oder später, wenn es um Pen and Paper geht, aber er könnte nicht weniger richtig sein. Denn auch, wenn der Spielleiter eine andere Rolle einnimmt, die Welt und die Geschehnisse darin beschreibt sowie in der Geschichte die Rolle der Gegenspieler einnimmt, so erlebt und gestaltet man die Geschichte doch stets zusammen. Daher sollte man auch zusammen darüber entscheiden, ob Dinge angepasst werden sollten, weil Charaktere beispielsweise zu stark oder zu schwach sind, Regeln keinen Spaß machen oder zu sehr ausgenutzt werden können.

Hilfreich, aber nicht zwingend notwendig ist ein erfahrener Spielleiter, das meinen auch die Youtuber, auch wenn gilt: Wenn jemand mit Know-how dabei ist, lernt es sich schneller. „Doch auch bei uns war das nicht der Fall. Wir haben alle unerfahren gestartet und da gilt sowohl beim Pen and Paper als auch als Freunde, dass man miteinander spielt und nicht gegeneinander.“

„Gerade für den Einstieg eignet sich dabei unserer Meinung nach ‚How to be a hero‘, weil es deutlich simpler aufgebaut ist.“
Prepare to Dice

Spieler sollten vor allem Rücksicht walten lassen, sich Zeit geben und vor allem Fragen stellen, wenn etwas unklar ist oder wenn sich irgendetwas nicht schlüssig anfühlt. Dazu gehört auch die Vorbereitung, „denn bereits vor dem ersten Einstieg in ein Abenteuer, sollte sich die Gruppe schon etwas mit der Thematik auseinandersetzen“. Dann geht es im Vorfeld unter anderem um Fragen nach dem Setting, das für das Abenteuer gewünscht ist. Hat die Gruppe eher Interesse an Mittelalter, Wilder Westen oder soll es doch eher in der Zukunft spielen? Soll es realistisch sein oder darf übernatürliches wie Magie drin vorkommen?

Danach richtet sich die Auswahl der Pen-and-Paper-Regelwerke, die „mal mehr und mal weniger komplex sind“, so die Youtuber. „Gerade für den Einstieg eignet sich dabei unserer Meinung nach „How to be a hero“, weil es deutlich simpler aufgebaut ist.“ Auch die Tatsache, dass sich jeder der Spieler mal mit dem Regelwerk auseinandergesetzt und es gelesen hat, könne sicherlich nicht schaden, um den Einstieg zu erleichtern.

Ein weiterer Tipp: Man soll ein Regelwerk wählen, bei dem die Charaktere nicht sofort sterben, wenn mal etwas schief geht. „Insbesondere Pen-and-Paper wie Cthulhu, die deutlich mehr darauf ausgelegt sind, dass Spieler den Charaktertod erleben, können da den Spielspaß beim ersten Eintauchen in das Rollenspiel drastisch reduzieren“. Zusätzlich biete es sich als Einsteiger an, Charaktere zu wählen, mit denen man sich wohl fühlt oder auf Geschichten zurückzugreifen, bei denen bereits Charaktere vorgegeben sind, so die P&P-Kenner. Zur Entwarnung: Alles in allem gelte aber, dass es hier kein richtig oder falsch gebe und „auch als Gruppe aus völlig Ahnungslosen, wie bei uns, kann und wird es funktionieren“. Das Fazit: Keine Angst vor Pen-and-Paper. Einfach machen.

Oldschool oder Rollenspiel 4.0?

Bildunterschrift unverändert übernommen: "Erik nach einer stundenlangen Runde." Foto: privat

Passende Bildunterschrift unverändert übernommen: „Erik nach einer stundenlangen Runde.“ Foto: privat

„Pen“ und „Paper“ bedeutet mindestens Papier und Stift. Heutzutage gibt es aber weitaus mehr an technischen Möglichkeiten: von der Smartphone-Würfel-App über 3D-Welten aus dem Drucker bis hin zu spezialisierten Online-Plattformen können Rollenspieler auf eine Vielzahl an Hilfsmitteln zurückgreifen. Aber muss Pen-and-Paper nicht zwingend „oldschool“ sein?

„Hier kommt es sicherlich ganz auf die persönlichen Präferenzen der Gruppe“, meinen die Youtuber. Prinzipiell könne es wohl nicht schaden, wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, sein Hobby ausleben zu können und hier gibt es online zahlreiche Möglichkeiten die Spielwelt noch besser und immersiver aufbauen zu können. „So existieren beispielsweise diverse Programme zum Erstellen von 3D-Spielewelten, man kann sich auf Plattformen zusammenfinden um als Gruppe online zu spielen und dabei jederzeit Zugriff auf Karten, Charakterbögen und vielem mehr zu haben und vieles davon kann auch die Organisation deutlich vereinfachen.“

Prepare to Dice erklärt: „Angefangen bei so einfachen Dingen, wie das fehlende Ausradieren von Werten oder Punkten, weil dies bei einem digitalen Charakterbogen deutlich einfacher umzusetzen ist, über die Tatsache, dass digital Werte und Fähigkeiten teilweise automatisch berechnet werden, bis hin zu der Erleichterung für Spielleiter, zwischen diversen Charakterbögen hin und her zu wechseln.“

Vergleichbar sei das wohl sehr gut mit der Diskussion, ob ein normales Buch oder E-Reader besser sind. Beides hat seine Vor- und Nachteile aber bei uns in der Gruppe geht die Präferenz klar in Richtung der analogen Variante mit Papier, Stift und Würfel.

Auch Brettspiele stehen manchmal auf dem Programm. Pen-and-Paper und andere Formate schließen sich an einem Abend nicht aus, im Gegenteil. Manchmal lässt sich das sogar verbinden. „Unsere Gruppenabende haben vor Pen-and-Paper sogar oft Brettspiele beinhaltet“, meinen die Youtuber. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns dabei die Abende, an denen wir stundenlang, bis mitten in die Nacht „Risiko“ gespielt haben. Aber auch andere Spiele wie „Die Siedler von Catan“ wurden des Öfteren gespielt. Mit der Idee Pen and Paper auszuprobieren, haben sich die Brettspielabende dann auch zeitlich bedingt irgendwann zu den P&P-Abenden weiterentwickelt, aber auch in den letzten Jahren spielen wir noch Brettspiele wie die „Dark Souls“ oder „Der eiserne Thron“.

Spielen macht immer Spaß, fühlt sich aber nicht immer auch gleich an: „Der größte Unterschied zwischen P&P und Brettspielen ist sicherlich der große Einfluss des Rollenspielens“, so die Jungs von Prepare to Dice. „Während sich bei einem Brettspiel Freunde zusammenfinden, um gegeneinander um den Sieg zu spielen, aber dabei immer sie selbst bleiben, finden sich beim P&P Freunde zusammen, die in andere Charaktere schlüpfen und miteinander Abenteuer erleben.“ Ja, es gibt auch haufenweise kooperative Brettspiele, aber: „Wir sprechen mit anderen Stimmen, spielen Menschen mit anderen Eigenschaften und im Gegensatz zu vielen Brettspielen, spielt man eben auch nicht gegeneinander. Es gibt am Ende vom Spiel nicht den einen Gewinner und gerade dieser Aspekt, dass man zusammen eine Geschichte erlebt und gestaltet, macht den Reiz aus.“ Hierbei habe auch insbesondere der große Anteil an Improvisation einen Anteil, der die bei Brettspielen eher festeren Spielabläufe aufbrechen könne.

„So können beim Pen-and-Paper zum Beispiel Spielorte erkundet werden, die vom Spielleiter beim Erstellen der Geschichte gar nicht bedacht wurden“, erklären die Rollenspiel-Kenner. „Diese Möglichkeit der freien Entfaltung und das Wissen, dass selbst die beste Idee immer noch durch den Zufall eines Würfelwurfs beeinflusst werden kann, geben einem beim Pen-and-Paper sehr viele Freiheiten und bereiten uns immer wieder viel Spaß und Freude.“

Prepare to Dice: Aus dem Hobby wurde ein Youtube-Kanal

Wer immer noch unentschlossen ist, ob er eine Partie Pen-and-Paper wagen sollte, kann auch einfach erstmal zuschauen, nicht nur, aber auch bei „Prepare to Dice“. Die Idee zum Videokanal ist – wie vermutlich bei so vielen Influencer-Anfängern – aus einem Jux heraus. „Zu oft gab es bei unseren Abenden die Momente, in denen man entweder sagte „Ich bin heilfroh, dass uns gerade niemand zuhören kann bei dem Mist, den wir hier fabrizieren“, oder, dass alle lachend am Boden lagen und man es schade fand, dass uns nicht auch andere zusehen können. Aus diesen losen Gedanken wurde dann aber insbesondere während Corona und der Überlegung Pen and Paper online zu spielen, ernsthaftere Überlegungen.“

Sieben Freunde, eine Mission: Spaß! Foto: privat

Sieben Freunde, eine Mission: Spaß! Foto: privat

Der Rahmen war mehr oder minder vorhanden: Erik betriebt bereits einen Videokanal, dann kam noch eine Portion Online-Freundschaft hinzu. „Irgendwann kam es dann zu einer Einladung und so besuchte Hide Berlin und lernte dort auch den Rest von uns kennen. Mit dem gemeinsamen Interesse an Pen-and-Paper und dem Vorteil, dass durch die Onlinevariante der räumliche Abstand egal ist, wurde auch Hide schließlich ein Teil unserer Gruppe, so dass das erste Video auf unserem Kanal auch tatsächlich das erste Mal ist, dass wir in dieser Konstellation Pen-and-Paper gespielt haben. Dass es dann auch noch so wunderbar harmoniert hat, konnte aber keiner ahnen.“

Ein Ziel hatte die Truppe sich nicht gesteckt. „Es gab nie die Absicht mindestens X Zuschauer oder Abonnenten zu haben und spätestens an dem Tag, an dem wir anfangen über so etwas nachzudenken, würde sich wahrscheinlich etwas verändern. Für uns ist P&P einfach etwas, was uns riesigen Spaß bereitet und wenn wir diesen Spaß eventuell noch mit anderen Leuten teilen können, dann um so besser. Genau mit dieser fehlenden Erwartung sind wir dann auch gestartet. Schaut uns niemand zu, haben wir trotzdem unserem Spaß am P&P und schaut uns nur einer zu, der sich dadurch unterhalten fühlt, dann um so besser.“

Fans und Feedback gibt es trotzdem, auch ohne Zielsetzung: „Wir haben Anfang des Jahres 2021 unser erstes Video auf dem Kanal hochgeladen und es fühlt sich immer noch surreal an, davon zu reden, dass wir so leidenschaftliche Zuschauer haben. Mindestens genauso surreal wie es sich anfühlt ein Interview mit euch zu führen. In diesen paar Monaten haben wir aber die wahrscheinlich liebsten und enthusiastischsten Zuschauer der Welt gefunden“.

Fast peinlich berührt freut „Prepare to Dice“ sich über kleine Anfangserfolge: „Dass sich Leute wegen uns in Chatgruppen zusammenfinden oder auf Social-Media-Plattformen Accounts mit den Namen unserer Charaktere erstellen, ist dabei mindestens genau so schön, wie hunderte Kommentare unter jedem Video oder für uns verfasste Gedichte. Wir wissen, dass Leute uns beim Einschlafen oder arbeiten zuhören, es gibt immer wieder zahlreiche kreative Ideen wie zum Beispiel die Hashtags unter unseren Videos oder die FAQ-Reihe, die nur wegen zahlreicher Fragen von unseren Zuschauern entstanden ist und allein schon die Tatsache, dass der Tag von ein paar Leuten dadurch etwas besser wird, dass sie uns 7 Leuten beim P&P spielen zuschauen können, ist etwas, was uns unfassbar mit Stolz erfüllt.“

Ach so: Wer selbst reinschauen möchte, hier geht es direkt zum Youtube-Kanal von Prepare to Dice.


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