Gemüse ist langweilig? Von wegen! Selbst Familienmitglieder die am liebsten einen großen Bogen um die bunten Vitaminbomben machen, holt man mit dem Kartenspiel Punkte Salat an den Küchentisch. Dann heißt es: Salatmischen und Punktejagen. Ob das ursprünglich im Verlag Alderac Entertainment Group als Point Salad erschienene Spiel, das als deutschsprachige Lokalisierung im Verlag Pegasus Spiele herauskam, auch den größten Gemüsemuffel überzeugen kann? Lest selbst.


Spiele sind nicht erst seit der Pandemie aus dem Alltag vieler Familien wegzudenken. Besonders beliebt sind dabei einfache Brett- und Kartenspiele mit kurzer Dauer und Gute-Laune-Design, deren Regeln jeder schnell verstehen kann und die, zu jeder Gelegenheit, spontan auf den Tisch gebracht werden können. Diese Voraussetzungen erfüllt Punktesalat ohne Zweifel.

Und irgendeine besondere Magie musste drin sein in der kleinen Schachtel, das war vor der ersten Spielrunde klar – immerhin stand der Titel bereits auf der Empfehlungsliste des Spiel des Jahres e.V., hatte somit bereits Kenner der Szene überzeugt. Neben Spielen wie Biss 20, Switch & Signal oder Chakra hatte man sich platzieren können. Das lässt Spielspaß zumindest vermuten – und man soll bei Punktesalat tatsächlich nicht enttäuscht werden. Das Kartenspiel ist zugänglich: Viel Vorbereitungszeit braucht es nicht, um loslegen zu können. Das ist ideal als Starter- oder Absacker-Titel, spricht zudem Einsteiger in besonderem Maße an, ohne Kenner jedoch zu unterfordern. 

Punktesalat: Kunterbuntes Salatmischen

Schaut man sich die 108 Spielkarten genauer an, sieht man ihre hochwertige Verarbeitung. Ihre Struktur ist rau, was verhindert, dass sie in der Hand verrutschen oder aneinanderkleben und ihre Stabilität sorgt in gewissem Maße für einen Schutz vor Eselsohren. Das ist besonders für junge und ältere Spieler von Vorteil. Bedruckt wurden die Karten beidseitig. Auf der einen Seite sieht man eine von sechs Gemüsesorten als Bild und als Schriftzug, Möhre, Paprika, Tomate, Salat, Zwiebel und Kohl, auf der anderen Seite die Wertungsbedingungen, die nötig sind, um Punkte zu sammeln. Doch Achtung! Manchmal führen Wertungskarten auch unter bestimmten Bedingungen zu Minuspunkten. Durch ihre Übersichtlichkeit und die sich selbst erklärende Bebilderung, können Kinder, die bereits geübte Spieler sind, vermutlich bereits vor dem empfohlenen Mindestalter von acht Jahren Spaß an Punktesalat finden.

Der Aufbau und Ablauf von Punktesalat ist so schnell verinnerlicht, wie gespielt: Je nach Anzahl von Mitspielern, wird eine bestimmte Menge von Karten gemischt. Teilnehmen können dabei zwei bis sechs gewitzte Salatmischer. Anschließend werden die Karten, nach Augenmaß, in drei gleichgroße Stapel aufgeteilt und mit der Wertungsseite nach oben, auf die Tischmitte gelegt. Von den Wertungskartenstapeln werden nun jeweils zwei Karten abgenommen, die, mit der Gemüseseite nach oben gerichtet ausgelegt, einen Markt bilden. Nun kann es auch schon losgehen!

Das Thema ist austauschbar, aber offensichtlich: Es geht um Gemüse. Foto: Volkmann

Das Thema ist austauschbar, aber offensichtlich: Es geht um Gemüse. Foto: Volkmann

Was auf dem Tisch passiert, bleibt stets nachvollziehbar, selbst für Einsteiger. Der Ablauf besteht, reihum, jeweils aus einem von zwei möglichen Schritten und einer zusätzlichen optionalen Aktion: (1) Den Markt besuchen und ein Gemüse entnehmen oder (2) eine Wertungskarte auswählen und optional (3) kann einmalig pro Zug eine Wertungskarte aus der eigenen Hand in ein Gemüse umgewandelt werden. Andersherum darf eine Gemüsekarte niemals umgewandelt werden. Ist die Wahl auf eine der Möglichen Kartentypen getroffen, legt der Spieler seine Karte vor sich ab. Dabei können die Gemüsesorten überlappend aufgereiht werden, die Wertungskarten sollten für alle Mitspieler offen einsehbar sein. Als Abschluss des Zuges, wird der Marktplatz wieder befüllt. Das Ende der Spielpartie wird bei Punktesalat eingeläutet, wenn alle der drei Kartenstapel und die des Marktes aufgebraucht wurden.

Besonders komplex sind die Spielhandlungen letztendlich nicht, Punktesalat zeigt jedoch Stärken, wenn es gelingt, jene Synergien zu nutzen, die dem Konzept des Titels innewohnen.  Es erinnert grob an Sushi Go, ist jedoch gleichzeitig deutlich besser. Das liegt vor allem an der strategischen Komponente um Boni und Strafen. “Easy to learn, hard to master” – diesen Grundsatz könnte man Punktesalat durchaus zusprechen. 

Der Glücksfaktor ist nicht zwingend als Schwäche zu sehen. Ob man Spiele mit einem überwiegend kontrollierbaren Umfeld mag oder Unwägbarkeiten als Spaßbringer versteht, ist Geschmackssache. In jedem Fall für Unterhaltung sorgt der Ärgerfaktor.

Die vielleicht größte Starke von Punktesalat ist die Variabilität des Spielablaufs. Fast könnte man das als Schutzmechanismus verstehen: Es gibt nicht die eine Gewinnstrategie, die Spieler verfolgen können, um einen sicheren Erfolg zu erzielen. Vielmehr muss man sich mit jeder neuen Partie auf die Situation einstellen. Das unterstützt die Wiederspielbarkeit enorm.

Gemüsejagd für Familien, aber auch Kenner

Spaß kommt also vor allem auf, wenn die Wertungsphase eingeläutet wird: Dabei kann jedes Gemüse mehrfach in den Salat gemischt werden. Das heißt, die Gemüsekarten dürfen mehrfach für die Wertungskarten kombiniert werden. Sind dabei genügend passende Karten vorhanden, um eine Bedingung der Wertungskarten mehrfach zu erfüllen, gelten die Punkte für jede der Kombinationen.

Punktesalat ist ein einsteigerfreundliches Kartenspiel, bietet aber auch Ansatzpunkte für ausgeklügelte Strategien. Foto: Volkmann

Punktesalat ist ein einsteigerfreundliches Kartenspiel, bietet aber auch Ansatzpunkte für ausgeklügelte Strategien. Foto: Volkmann

Eine Wertungskarte zeigt dabei stets deutlich an, was für Gemüsesorten benötigt werden, um Punkte zu machen. Beispielsweise kann eine Karte für eine Möhre drei Punkte einbringen, sollte der Spieler gleichzeitig jedoch auch eine Zwiebel auf der Hand haben, werden zwei der Punkte wieder abgezogen. Der Spieler, der die meisten Punkte einheimsen konnte, ist der beste Salatmischer und gewinnt die Runde Punktesalat. Klingt einfach? Ist es auch. Jedoch nur auf den ersten Blick. Spielt man das Spiel mit einer Runde erwachsener Spieler oder als Abschluss einer geübten Spielerrunde kann zum Teil taktisch vorausgeplant werden. Schaut man nicht nur auf seine Wertungskarten und plant deren Erfüllung, sondern auch auf diejenigen der Mitspieler, kann man durch das Abgreifen benötigter Karten verhindern, dass diese zum Ziel kommen.

Weil es derzeit ja durch ein Trendthema ist: Die Spielbox ist handlich, es gibt viel Spaß bei kleiner Packung. Sie passt in jeden Rucksack, das ist für eine schnelle Partie unterwegs ideal und das Wort schnell trifft hierbei wirklich zu, das spielerische Salatmischen nimmt nämlich höchstens eine halbe Stunde in Anspruch. Punktesalat passt ausgepackt in die Hand eines erwachsenen, in einer kleinen Handtasche unterbringen möchte, der nimmt es einfach aus seiner Umverpackung, gibt es in eine Kartenbox oder in eine wiederverwendbare Hülle und schon kann es losgehen. Das dass Artwork obendrein so kunterbunt wie das aufgedruckte Gemüse selbst ist, wird besonders Kinderaugen freuen.

Infobox

Spielerzahl: 2 bis 6
Alter: ab 8 Jahren
Spielzeit: 15 bis 30 Minuten
Schwierigkeit: einfach
Langzeitmotivation: hoch
Genre: Kartenspiel
Untergenre: Familien-Kartenspiel
Kernmechanismen: Card Drafting, Set Collection

Autoren: Molly Johnson, Robert Melvin, Shawn Stankewich
Illustrationen: Dylan Mangini
Verlag: AEG / Pegasus Spiele
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2019/2020
Sprache:  deutsch
Kosten: 13 Euro 


Fazit

Punktesalat könnte nicht nur den einen oder anderen Gemüsemuffel bekehren, es bringt auch eine Menge Spaß auf den Tisch. Viel spielerische Tiefe sollte hierbei von den Spielern nicht erwartet werden, aber das will das Familienspiel auch gar nicht bieten. Punkte Salat überzeugt mit seinem ausgesprochen leichtem Regelwerk, seiner quietschbunten Aufmachung, einer hochwertigen Verarbeitung und der handlichen Größe. Das Thema ist austauschbar.

Ob man nun niedliche Tiere oder Socken sammelt, ist für den Spielverlauf unwichtig, aber gerade für Kinder ist das Grundthema passend gewählt worden. So könnte der Spaß am Spieltisch schon bald auf den Küchentisch übertragen werden und plötzlich schmeckt der Salat doch! Und auch eingefleischte Expertenspieler können Spaß an dem zackigen Salatmischen finden. Nicht als Hauptspiel des Abends, aber zum lockeren Einstieg, als lustiger Absacker oder für Unterwegs. Denn wen macht das witzige Sticheln seiner Mitspieler, durch das Stibitzen benötigter Karten, schon keinen Spaß?

Der Titel kann zu zweit oder mit bis zu sechs Mitspielern gleichermaßen gut gespielt werden, da es nur zu geringer Downtime kommt. Lange gegrübelt werden muss bei Punktesalat nicht, denn die taktischen Möglichkeiten halten sich extrem in Grenzen. Das tut dem Spielspaß aber keinen Abbruch, wenn man das zügige Kartenspiel als das annimmt, was es ist: Ein einfaches Spiel für die ganze Familie. Vorerfahrungen werden hierfür nicht benötigt, lediglich ein paar Minuten des Regelstudium und Aufbaus. Zusammengefasst ist Punktesalat ohne viel Vorbereitung spielbar und bietet viel Spaß für verschiedene Gruppenkonstellationen – wenn man sich auf ein lustiges Salatmischen mit Drafting- und Set-Collection-Mechanismus einlässt, ohne zu hohe Ansprüche an ein Kartenspiel zu haben.


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