Bilder von der Neuheitenschau

Am Donnerstag fällt offiziell der Startschuss für die Internationalen Spieltage – vom 6. bis 9. Oktober wird Essen im Herzen des Ruhrgebiets zur Spielehauptstadt. Über 1.800 Neuheiten können Besucherinnen und Besucher entdecken, ausprobieren oder kaufen. 

Nach dem Re-Start im Vorjahr hat die Zahl an Ausstellern spürbar zugelegt. Dazu werden so viele Neuheiten wie noch nie auf der Messe präsentiert. Über 1.800 Titel warten an den vier Messetagen auf die Brettspiel-Community.

SPIEL in Essen: Besucher aus der ganzen Welt

Rund 980 Spieleverlage aus 56 Nationen versammeln sich in den Hallen, die Weltleitmesse ist so international wie nie zuvor. Mit einer Weltkartenansicht verblüfften die Organisatoren vor wenigen Wochen: aus nahezu allen Ländern dieser Erde kommen die Besucherinnen und Besucher nach Essen. Allein Afrika ist weitestgehend außen vor. Das liege daran, dass die Menschen dort deutlich schwieriger an Visa gelangen, wie SPIEL-Chefin Dominique Metzler erklärt.

Neben den Neuheiten selbst ist noch etwas neu in diesem Jahr – beziehungsweise anders als in 2021: Es braucht weder Impfnachweis noch Test, um Zugang zu erhalten. Die Maskenpflicht gilt jedoch auch dieses Mal.

Als “großes Neuheitenfest” kündigt der ausrichtende Friedhelm Merz Verlag die Internationalen Spieltage in Essen an. Und das ist nicht zu viel versprochen. Schon auf der Neuheitenschau, die sich traditionell an die Pressekonferenz der Internationalen Spieltage anschließt, wird das Ausmaß der diesjährigen Messe deutlich: unzählige Neuheiten haben Autoren und Verlage im Gepäck. Fans können die Titel vor Ort ausprobieren, Vorbestellungen abholen, Gesellschaftsspiele kaufen, mit Autoren ins Gespräch kommen – oder sich auch einfach treiben lassen.

Per SPIEL-Guide geht es mit System durch die Hallen, noch besser funktioniert das dieses Jahr mit einer App fürs Smartphone oder Tablet. Herunterzuladen ist das Programm für Android-Geräte und Apple iOS längst.

Buntes Rahmenprogramm

Die SPIEL ist ein Highlight im jährlichen Branchenkalender. Dank vieler neuer Themen, die ins Rahmenprogramm aufgenommen wurden, unterstreicht sie ihren Stellenwert als wichtigste Plattform des professionellen Austauschs. „Die Besucherinnen und Besucher sollen die Bedeutung von Spielen als Kulturgut bewusst sehen und verstehen. Dafür liefern wir den sprichwörtlichen Blick hinter die Kulissen und über den Tellerrand“, sagt Florian Hess, der seit diesem Jahr neben Dominique Metzler als Geschäftsführer agiert. Ein Highlight ist der EDUCATORS‘ DAY am Messefreitag.

Er richtet sich an Pädagoginnen, Pädagogen sowie alle Lehrenden und beschäftigt sich mit dem Einsatz von Brettspielen im Unterricht, in der Gemeinde- oder Seniorenarbeit. Darüber hinaus feiert am Samstag, den 8. Oktober, der Research Day Premiere. In Form mehrerer Podiumsdiskussionen bietet das Projekt Boardgame Historian gezielt einen Blick auf die Brettspielforschung in Deutschland.

Kein eindeutiger Trend in diesem Jahr

Neben den preisgekrönten Highlights auf der SPIEL ’22 gibt es viele weitere spannende Neuheiten unter den 1.800 ausgestellten Titeln. Für jede Altersklasse und jeden Spielertyp ist etwas vorhanden. Ein echter Hingucker unter den Kinderspielen ist beispielsweise „Hildes wilde Wäschespinne“ – eine lustige wie turbulente Herausforderung für 2 bis 4 Spieler ab 4 Jahren. Bei dem Spiel aus dem Hause Megableu werden Wäschestücke auf eine dreidimensionale Wäschespinne gehängt, solange bis jemand den Tornado auslöst. Der wirbelt die Wäschespinne samt Hilde ordentlich durch und im schlimmsten Fall sind alle Teile wieder von der Leine. Wer als Erstes alle Wäschestücke in seiner Farbe aufhängen kann, gewinnt das Spiel.

Unter den Neuheiten bei den Familienspielen finden sich diesmal einige Klassiker und Bestseller in neuem Gewand. „Das verrückte Labyrinth“, ein Evergreen aus dem Verlag Ravensburger, hat mit „Labyrinth Team Edition“ eine kooperative Variante bekommen. Die 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahren werden von Daedalus, dem Geist des Labyrinths, gefangen gehalten und müssen nun gemeinsam den Weg zum magischen Portal finden und freilegen. Das beliebte Familienspiel „Splendor“ von Space Cowboys/Asmodee bekommt im Herbst mit „Splendor Duel“ eine raffinierte Adaption
für 2 Spieler ab 10 Jahren. Der Ableger bietet neue Aktionen und strategische Möglichkeiten.

Bei Kosmos erscheint mit „Terra Nova“ ein Kennerspiel für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahren, dessen Spielprinzip auf dem weltweit erfolgreichen „Terra Mystica“ basiert. Im Spiel stehen sich bis zu vier Völker gegenüber und erkunden im friedlichen Wettstreit neue Gegenden, errichten Gebäude und finden die beste Strategie, um den größten Teil des Spielfeldes zu besitzen. Jedes der zehn zur Auswahl stehenden Völker hat besondere Fähigkeiten, die es clever einzusetzen gilt. Wer kann die Spielerunden am besten optimieren, die klügsten Aktionen ausspielen und Ressourcen am besten einsetzen? Besondere Mechanismen wie Machtschalen und die Umwandlung der Landschaften machen das
Kennerspiel zu einem einzigartigen Abenteuer.

Im Bereich Expertenspiel bringt Pegasus Spiele den Titel „Skymines“ von Alexander Pfister und Viktor Kobilke heraus. Das Eurogame für 1 bis 4 Spieler ab 14 Jahren spielt in einer nicht fernen Zukunft, in der die Menschheit erfolgreich Rohstoffabbau auf dem Mond betreibt. Unruhen brachten dieses Projekt jedoch zum Erliegen und die Spieler versuchen nun, das alte Bergbaunetzwerk wiederzubeleben. Spannend ist hier u. a. der Kartenmechanismus, denn mit Hilfe der Aktionskarten werden die Züge einer Runde von allen Spielern gleichzeitig geplant. Richtiges Timing, gute Vorausplanung und der clevere Einsatz von Ressourcen sind der Schlüssel zum Erfolg. Zusätzlich zur Grundvariante bietet das Spiel einen Kampagnen-Modus, bestehend aus vier Modulen, und eine zweite Spielbrettseite, mit der die
Partien noch herausfordernder werden.

“innoSPIEL” 2022: Hey Yo!

Für die ausstellenden Verlage ist ein anderer Programmpunkt von spezieller Bedeutung: die Verleihung des innoSPIEL. Der Preis, der in Zusammenarbeit mit der Stadt Essen vergeben wird, zeichnet sich durch seinen Schwerpunkt auf Qualität und Innovation aus. Eine Jury hat drei Spiele nominiert, die sich aus dem aktuellen Spielejahrgang durch innovative Konzepte hervorgehoben haben: Die Reihe „Echoes“ vom Ravensburger Verlag bietet neben schön gestalteten Karten eine hervorragend produzierte App. Innovativ ist, wie aus dem Spiel ein zusammenbaubares Hörspiel wird, das ein ganz eigenes Kopfkino entstehen lässt. Dem Spieler ist in der Audio-Mystery-Reihe die Fähigkeit gegeben, Klangfragmente der Vergangenheit aus Gegenständen herauszuhören. Aus diesen Schnipseln setzt sich Stück für Stück eine Geschichte zusammen. In den handlichen Schachteln sind großformatige Karten, die mittels einer eigens entwickelten App gescannt werden, um den Bildern Töne zu entlocken. Um den Fall zu entschlüsseln, müssen die Audiofragmente in die richtige Reihenfolge gebracht werden. Vier Spiele umfasst die nominierte Echoes-Reihe derzeit: Die Tänzerin, Der Cocktail, Der Mikrochip und Der Ring. Ein fünfter Teil wird im Herbst neu hinzukommen.

Bei „Hey Yo“ von Oink Games sind die Spieler Mitglieder einer Rap-Band, die vor allem eines will: Fame! Den erreichen sie, wenn sie mit ihren Reimen und Beats den Highscore knacken. Sobald die mitgelieferte Beatbox läuft, müssen die Spieler reihum ihre Karten im Rhythmus des Beats auslegen. Wichtig ist es, mit den Karten die Punchline aufzubauen, denn nur die gibt Punkte. Es werden so lange Karten nachgezogen und ausgespielt, bis der Beat verebbt. Wer dann die höchste Punktzahl gesammelt hat, wird zum größten Rap-Star. So kompakt und puristisch wie der Inhalt der Schachteln, so sind auch die Spiele von Oink Games. Manchmal braucht es nicht mehr als zwei Linien, vier verschiedene Symbole auf den Karten und eine kleine Rhythmusmaschine, die den Takt vorgibt. Zur stimmigen Ausstattung des Spiels gehört neben dem Lautsprecher auch ein klug gemachter Wertungsblock, der den Spieler bei der Punkteverteilung gut anleitet und viel Arbeit abnimmt.

Der dritte nominierte Titel entführt die Spieler nach Oniria, dem Land der Drachen. Das einstige Paradies ist bedroht. Um eine uralte Macht davon abzuhalten, Oniria zu zerstören, müssen die Spieler in die Vergangenheit reisen und die Drachen retten. Bei dem kooperativen „Wonder Book“ von Abacusspiele wird auf und in dem gleichnamigen Buch gespielt, aus dem ein markanter Pop-Up-Baum ragt. Weitere Pop-Up-Elemente kommen nach und nach ins Spiel und lassen Interaktion auf vielfältige Art und Weise zu. Über Kartensets wird die sechsteilige Geschichte vorangetrieben. Dank einfacher Regeln ist der Einstieg ins Spiel sehr niedrigschwellig. Ein absoluter Hingucker bei Wonder Book ist der Baum, dessen mächtige Pop-Up-Krone den Spieltisch überragt und doch kein optischer Selbstzweck ist, da er viele aktive Funktionen hat. Die sechs zu spielenden Kapitel bieten zudem einen abwechslungsreichen Spielverlauf, der von einer großen Entscheidungsvielfalt der Spielerinnen und Spieler lebt, die einen deutlichen Einfluss auf den Verlauf von Spiel und Geschichte haben.

Durchsetzen konnte sich am Ende Hey Yo! von Oink Games. Ein Spiel in der traditionellen Mini-Schachtel, das – wie der Autor Takashi Saito verriet – ohne Thema gestartet ist. Auf die Mechanik hat man dann “Hip-Hop” gepackt – einfach weil es gut passe, so Saito.

Deutscher Spiele-Preis: die Gewinner

Der Deutsche Spiele-Preis gilt als der bedeutendste Publikumspreis für Gesellschaftsspiele weltweit. Es ist daher ein besonderer Höhepunkt im Rahmen der SPIEL, wenn die beiden Preisträger gekürt werden. In der Kategorie „Bestes Familien- und Erwachsenenspiel“ geht dieses Jahr der 1. Platz an „Arche Nova“ von Mathias Wigge. In dem Spiel aus dem Verlag Feuerland plant und errichtet jeder der 1 bis 4 Spieler ab 14 Jahren einen modernen, wissenschaftlich geführten Zoo. Sie legen Gehege an, beheimaten Tiere und unterstützen weltweit Artenschutzprojekte, um den erfolgreichsten Zoo aufzubauen. „Arche Nova“ begeistert durch seine große Spieltiefe. Trotzdem sind die Spielzüge schnell erklärt. Wer Lust auf ein episches Spielerlebnis hat, der kommt bei „Arche Nova“ voll auf seine Kosten. Für Neueinsteiger empfiehlt der Verlag Feuerland auf seiner Homepage Startdecks mit Kartenauswahl und Tipps für die ersten Aktionen.

„Mit Quacks & Co. nach Quedlinburg“ gewinnt den Preis als „Bestes Kinderspiel“. Dem Autoren Wolfgang Warsch ist mit dem Titel eine wunderschöne kindgerechte Variante des Kennerspiels „Die Quacksalber von Quedlinburg“ gelungen. 2 bis 4 Spieler ab 6 Jahren veranstalten darin ein tierisches Wettrennen. Die Kinder versuchen ihr Tier (Kuh, Esel, Schwein oder Schaf) mit Hilfe von Futter-Chips zu bewegen. Unter den Chips, die man zufällig aus einem Beutel zieht, befinden sich aber auch Traumkräuter, die das Tier zum Schlafen bringen. Mit Belohnungen verbessert der Spieler die Ausgangslage. So nimmt das Wettrennen im Laufe der Partie immer mehr Fahrt auf. „Mit Quacks & Co. nach Quedlinburg“ bietet Spielelemente, die Kindern großen Spaß machen. Es ist zudem ein Kinderspiel, das „mitwächst“, denn es besitzt eine etwas leichtere Einsteiger-Variante und kann später im Schwierigkeitsgrad gesteigert werden.

Informationen und Hintergründe zur SPIEL’22 in Essen gibt es aktuell stets unter spielpunkt.net/spiel-in-essen oder auf der Webseite des Friedhelm-Merz-Verlags: www.spiel-messe.com.

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Letzte Aktualisierung am 1.12.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API