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News und Tests zu Brettspielen, Games und Unterhaltung > Artikel > Videospiele > Spieletests > Test zu Mafia – Definitive Edition: Gelungenes Remake des Klassikers
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Test zu Mafia – Definitive Edition: Gelungenes Remake des Klassikers

André Volkmann
Last updated: 27. September 2020 14:57
André Volkmann
14 Min Read
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Die Mafia: Definitive Edition ist ein hervorragendes Remake. Bildquelle: Spielpunkt
Die Mafia: Definitive Edition ist ein hervorragendes Remake. Bildquelle: Spielpunkt
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Als Publisher 2K Games angekündigt hat, ein Remake zu Mafia zu veröffentlichen, war die Begeisterung groß – vor allem unter den Fans, die schon mit dem Klassiker vor rund 18 Jahren viele tolle Stunden verbracht haben. In der Neuauflage kann man erneut den Aufstieg und Fall von Tommy Angelo erleben und das ist Fluch und Segen. Fluch, weil der Titel spielerisch auf den Fundamenten aus 2020 ruht. Segen, weil die neue Optik von Mafia die alte Story noch besser trägt. Wir uns Mafia: Definitive Edition gefallen hat? Es ist – so abgedroschen es auch klingen mag – ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. 


Mafia, der Klassiker, der im erstmals im Jahr 2002 erschienen ist, ist zurückgekehrt – schöner, aufgebohrter, aber immer noch wieder erkennbar. An der Präsentation haben die Entwickler deutlich sichtbar und hörbar geschraubt. Spielerisch ist die Mafia: Definitive Edition allerdings immer noch jenes Mafia, das inzwischen 18 Jahre auf dem Buckel hat – und genau das merkt man dem Spiel streckenweise auch an. Aber der Reihe nach: Beginnen wir im Jahr 1930 in Lost Heaven. Die Stadt ist ein schmutziger Moloch, die Wirtschaft zusammengebrochen, die Nahrungsmittel sind knapp – und zu allem Überfluss ist Alkohol für illegal erklärt worden. Besonders himmlisch klingt das nicht, außer man ist Mafiosi, dann wird Lost Heaven nämlich zum perfekten Spielplatz.

American Nightmare: Vom Taxifahrer zum Gangster

Wer den Klassiker aus dem Jahr 2002 bereits gespielt hat, weiß, worum es geht: Spieler schlüpfen in die Rolle von Tommy Angelo, einem Taxifahrer, der mit den Verbrechern der Stadt nicht zu tun haben will. Ein ehrbarer Vorsatz, der in Lost Heaven zum Scheitern verurteilt ist. Zufällig kommt der Protagonist mit den Handlangern von Don Salieri in Berührung. Ab dann beginnen Aufstieg und Fall von Tommy Angelo – und damit der Spaß für die Fans.

Etwas aufgesetzt wirkend, fährt man zunächst einige wenige Fahrgäste durch die Stadt, lernt nebenher die elementaren Handgriffe am Steuer der Autos und wird ohne lange Vorgeschichte selbst zu jenem Verbrecher, der man eigentlich gar nicht sein wollte. Schnell schließt man sich der „Family“ von Gangsterboss Salieri an, erfüllt erste Aufträge und macht sich einen Namen in der Organisation. Die Aufträge sind zunächst noch simpel: Schutzgelder eintreiben, ein paar noch bösere Junge durch Lost Heaven treiben, dann kommt der Punkt, an dem die Story an Fahrt aufnimmt und die Aufgaben actionreicher werden: Verfolgungsjagden, wilde Schießereien, Überfälle, man lebt schnell das Leben eines Mafiosi.

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Als Taxifahrer starten Spieler mit Tommy Angelo, das bleibt allerdings nicht lange so. Bildquelle: Spielpunkt
Als Taxifahrer starten Spieler mit Tommy Angelo, das bleibt allerdings nicht lange so. Bildquelle: Spielpunkt

Oft ist man unterwegs durch die Stadt, die durchaus groß ist, allerdings keine offene Spielwelt bietet, wie man sie aus modernen Spielen kennt. Die Mafia: Definitive Edition hält sich an das Original. Man erkundet, ohne wirklich frei zu sein, folgt einem linearen Aufgabenstrang, der in einzelne Kapitel unterteilt ist. Wer eine Erfahrung à la GTA 5 oder Red Dead Redemption 2 erwartet, sollte sich verdeutlichen, dass das Remake zu Mafia sich in erster Linie auf der Ebene der Präsentation abspielt.

Zwar wurde auch das Gameplay im Detail überarbeitet, insgesamt ist das Mafia von heute jedoch das Mafia von damals – mit allen Vor- und Nachteilen. Dennoch: Mafia wird durch die grandiose Story – die vermutlich zu den besten in der Videospielgeschichte zählt – gnadenlos spannend vorangetrieben. Für langatmige Erkundungsfahrten bleibt kaum Zeit, wer Lust hat, kann dennoch etwas durch die Stadt cruisen und während der Fahrt die alten Songs anhören.

Schön langsam, Tommy

Auch das Spieltempo ist vergleichsweise gemächlich. Mafia: Definitive Edition ist kein rasanter Shooter wie Call of Duty, sondern eher eine Slow-Motion-Erfahrung, die am The Division erinnert. Spieler suchen Deckung auf, warten ab, schießen kurz, warten ab – und haben dabei viel Zeit, um die Atmosphäre zu genießen, die bei der Einleitung Missionen beginnt und stetig auf einen Höhepunkt zusteuert. Dass alles wie auf Schienen läuft, ist auch heute noch ein großer Vorteil: Mafia gewinnt dadurch enorm an erzählerischer Dichte. Ballereien gehören zum Setting, Mafia ist aber nicht darauf reduziert.

Rein optisch ist die Mafia: Definitive Edition gelungen. Bildquelle: Spielpunkt
Rein optisch ist die Mafia: Definitive Edition gelungen. Bildquelle: Spielpunkt

Alles hält sich die Waage. Auf actionreiche Sequenzen folgen ruhigere, manchmal streift man umher, führt Gespräche, nutzt die Zeit, um Sammelobjekte zu finden. Fast schon scheint es, als seien die Schießereien spielerisch der negative Part von Mafia. Ballereien sind simpel, langsam, manchmal sperrig. Die teilweise unbeholfenen Bewegungen der Charaktere wirken dabei nicht besonders förderlich, sind in engen Passagen sogar hinderlich. Hier hätte etwas mehr Feintuning dem Spiel gut getan.

Würde man Mafia: Definitive Edition auf die Baller-Sequenzen reduzieren, wäre das Spiel allenfalls solide. Weil das aber nicht passiert, sorgt der Rahmen – also die Spielwelt mit all ihren liebevollen Details samt des Storytelling – für den großen Spaß. Nicht selten wird man in Missionen verwickelt, die grandios präsentiert und brillant erzählt sind. Früher wie heute: Der äußere Schein ist der Star bei Mafia, nicht der spielerische Kern. 

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Skript-Ereignisse en masse… zum Glück

Man muss sich auf geskriptete Ereignisse einlassen können, darf keine Vorbehalte gegenüber streng linearen Spielen haben und muss auch das eine oder andere Mafia-Klischee abkönnen, um mit Mafia: Definitive Edition die großartigen Momente erleben zu können, für die das Spiel steht. An vielen Stellen haben die Entwickler Hand angelegt und Spiel gerafft oder neue Checkpoints angefügt, dem Spannungsbogen kommt das zugute. Ohne ist die Mafia: Definitive Edition, die auf der Engine von Mafia 3 basiert, optisch in der Moderne angekommen, wenn auch längst kein Hochglanz-Titel.

Lost Heaven ist ein lebendiger Spielplatz mit vielen Details. Bildquelle: Spielpunkt
Lost Heaven ist ein lebendiger Spielplatz mit vielen Details. Bildquelle: Spielpunkt

Die beste Stimmung kommt auf, wenn es Nacht ist in Lost Heaven oder der Regen einsetzt. Das Setting der 1930er mit all seinen guten und schlechten Seiten, in jenen damals guten und schlechten Zeiten, ist den Machern hervorragend gelungen. Noch mehr Atmosphäre, ein wenig mehr Leben, coole Songs und viele kleine Momente, die einen innehalten lassen – das sind die Stärken von Mafia, die der Klassiker im neuen Gewand noch besser auszuspielen weiß. Die Spielwelt wird dadurch zu einem Ort, an dem man sich – trotz eingeschränkter Räume – gern und lange aufhält. Mitunter kommt ein wenig Simulations-Feeling auf, wenn man mit seinem Wagen durch die Straßen fährt, rote Ampeln missachtet und sich selbst die Polizei auf den Hals hetzt, nur um die freundlichen Helfer dann wieder in Mafia-Manier abzuhängen. 

Rein technisch bewegt die Mafia: Definitive Edition sich auf einem hohen Niveau. Gelegentliche Einbrüche bei den Frameraten treten dennoch auf, wenn auch insgesamt eher selten. Mitunter hakt der Ton oder kleinere Bugs erschweren das Vorankommen, sodass man zu einem vorherigen Checkpoint springen und sich nochmal am Missionsverlauf probieren muss. Wirklich kritische Fehler haben wir aber nicht feststellen können. Aufgetreten ist nichts, was sich zukünftig nicht durch Patches beheben ließe. Und im direkten Vergleich zum Release des bis dahin modernsten Ablegers der Serie, Mafia 3, wirkt die Mafia: Definitive Edition fast schon fehlertechnisch glattgebügelt.

Tipp für noch mehr Spaß: Ab hinters Steuer!

Das Remake des Klassikers vermittelt ohnehin einen Eindruck, der sich spielerisch eher an Mafia 3 als am Original-Mafia zu orientieren scheint. Das gilt auch für die Steuerung, die zwar gelungen, nicht aber perfekt ist. Es gibt durchaus Moment, da Flucht man über die Bewegungskrücke Tommy Angelo. Sitzt der Protagonist allerdings am Steuer eines Wagens, fühlt sich das auch wie eine andere Welt: Fahren ist eines der Highlights des Spiels. Butterweich lassen sich die Oldtimer über die nun breiteren Straßen lenken, hier und da kann man Abkürzungen nehmen. Ansonsten sollte man ruhig so viel Zeit hinter dem Lenkrad verbringen wie möglich.

Die Stimmung der 1930er-Jahre fangen die Macher gut ein. Überall verteilte Info-Objekte erzählen mehr über die Zeit. Bildquelle: Spielpunkt
Die Stimmung der 1930er-Jahre fangen die Macher gut ein. Überall verteilte Info-Objekte erzählen mehr über die Zeit. Bildquelle: Spielpunkt 

Wie sehr Mafia: Definitive Edition sich an Mafia 3 orientiert, zeigt auch das Health-Management. Tommy Angelo ist kein unbesiegbarer Super-Gangster, sondern verletzlich. Seinen Gesundheitsbalken sollte man daher im Auge behalten und – wie bei Mafia 3 – immer nach Erste-Hilfe-Kästen Ausschau halten. Sich in einer Ballerei schnellstmöglich eine gute Deckung zu suchen, ist wesentlich. Ansonsten frisst man zu schnell zu viel Blei – und dann meistens auch mehr als gut für Tommy ist. Auch Munition ist nicht unendlich, allerdings auch nicht unbedingt rar gesät. Dennoch: Auf den Kugelvorrat gilt es zu achten. Weil man immer aufmerksam sein muss, ist der eher träge Spielablauf nicht unbedingt ein Manko. 

Publisher 2K Games und Hangar 13 haben an den richtigen Stellen für Verbesserungen gesorgt und die Mafia: Definitive Edition damit zu einem würdigen Remake gemacht, mit dem Fans des Originals mindestens so viel – wenn nicht sogar mehr – Spaß haben als noch vor rund 18 Jahren. Wer die Mafia-Trilogie noch gar nicht kennt, bekommt nun die Chance, eine der vielleicht besten Spielereihen aller Zeiten zu genießen. Und als Remake an sich, muss es sich nicht hinter ähnlichen Projekten, etwa die Neuauflage von Resident Evil 2, verstecken.

Bilder zu Mafia: Definitive Edition

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Infobox

Spielerzahl: 1
Alter: ab 18 (USK)
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: niedrig

Publisher: 2K Games
Entwickler: Hangar 13
Erscheinungsjahr: 2020
Plattformen: PC, Playstation 4, Xbox One, 
Sprachen: Deutsche
Kosten: 30,99 Euro

Fazit

Die wichtigste Info zu Beginn: Die Mafia-Trilogie muss man gespielt haben, wenn man sich auch nur annähernd Gaming-Enthusiast nennt. Was Publisher 2K und Entwickler Hangar 13 mit der Mafia: Definitive Edition abliefern, ist der Reihe mehr als würdig. Das Gangster-Epos ist damit so gut wie niemals zuvor: An den richtigen Schrauben gedreht, fühlt sich die Story um Tommy Angelo noch besser inszeniert an als vor 18 Jahren – und die Geschichte war damals schon grandios. Auch wenn sie nicht an die von Mafia 2 herankommt, das immer noch der beste Teil der Reihe ist.

Reduziert auf das Gameplay merkt man Mafia: Definitive Edition das Alter an. Der Shooter-Part ist träge, selbst für Baller-Orgien mit ausgeprägtem Cover-System. Trotzdem macht es Spaß, mit dem Waffenarsenal – vom Baseballschläger bis hin zur „Tommy Gun“ – gegen die Opponenten vorzugehen, auch wenn die Vielfalt an wählbaren Schießprügeln insgesamt zu wünschen übrig lässt. So simpel die Kämpfe meistens auch sein mögen, sie sind durchaus herausfordernd. Langeweile kommt niemals auf, spielerisch nicht und bezüglich der Story ohnehin nicht. 

Ohnehin gilt es bei Mafia: Definitive Edition, sich zurückzulehnen, und den Plot zu genießen. Der ganze Gameplay-Kram ist fast schon das notwendige Übel, um die Mafia-Story erleben zu können. Rein optisch und musikalisch könnte man nicht tiefer eintauchen in die 1930er-Jahre. Der tolle Sound und die gute Synchronisation tragen ebenso zur Atmosphäre bei. Mafia: Definitive Edition ist ein perfekter Mix aus guter Geschichte und grandios geschriebenen Charaktere – alles garniert mit der richtigen Portion Drama und Witz zur richtigen Zeit. Die Skriptereignisse sind kein Manko: Sie setzen spielerische Grenzen, treiben die Hintergrundgeschichte jedoch auf einem derart hohen Niveau voran, dass man sich vorkommt, als würde man einen Gangsterfilm gucken und nicht ein Videospiel spielen. 


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André Volkmann ist Journalist mit Schwerpunkten in den Bereichen Lokalnachrichten, Games und Entertainment.
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