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News und Tests zu Brettspielen, Games und Unterhaltung > Artikel > Videospiele > Spieletests > Test zu Observer: System Redux – Auf Gedankenreise mit der Digi-Police
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Test zu Observer: System Redux – Auf Gedankenreise mit der Digi-Police

André Volkmann
Last updated: 12. November 2024 16:40
André Volkmann
11 Min Read
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Observer System Redux Test
Observer: System Redux ist die Next-Gen-Version des Spiels von 2017. Quelle: Spielpunkt
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Mit Observer hat das Bloober Team im Jahr 2017 einen dystopischen Horror-Cyberpunk-Spiel auf den Markt gebracht, das über weite Strecken überzeugte, insgesamt aber alles andere als perfekt gewesen ist. Nun dürfen Fans erneut in die Rolle von Daniel Lazarski schlüpfen, jenem Zukunftsdetektiv, dem Schauspieler Rutger Hauer Gesicht und Stimme lieh. Das Spiel schafft den Sprung in die nächste Generation und ist mit dem Untertitel „System Redux“ unter anderem für Playstation 5 und Xbox Series X|S verfügbar. Das verspricht nicht nur eine weitaus bessere Optik, sondern damit einhergehend eine vielfach dichtere Atmosphäre – denn genau damit konnte die Ursprungsversion bereits punkten.


Mit den Visualisierungen konnte bereits die 2017er-Version von Observer punkten. Spiele sahen sich mit Inszenierungen konfrontiert, die bis zu diesem Zeitpunkt einzigartig waren. Das Bloober Team hat seine Stärken ausgespielt und aus dem Cyberpunk-Spiel einen intensiven, wenn auch spielerisch seichten, Psycho-Horror gemacht. Grundlegendes hat sich nicht verändert bei Observer: System Redux, hier und da hat man ein wenig geschraubt, es gibt ein wenig mehr Inhalt – der größte Coup ist den Entwicklern allerdings bei der grafischen Präsentation gelungen, die einige bereits intensive Szenen von damals nun noch intensiver macht. Getestet haben wir Observer: System Redux übrigens auf der Xbox Series X.

2084: Hundert Jahre nach „Big Brother“

Vorab: Oberserver: Redux sieht grandios aus und vermittelt ein Cyberpunk-Feeling, wie man es sich auch von Cyberpunk 2077 erhofft. Die Umgebungen sind schmuddelig, düster, unangenehm, verströmen diese merkwürdige Atmosphäre mit einem Gemisch aus Hightech-Glanz und Gosse. Das kennt man aus Filmsettings, hier darf man selbst Hand anlegen.

Im Spiel schreiben wir das Jahr 2084, was ziemlich genau 100 Jahre nach den Ereignissen aus George Orwells Roman 1984 spielt. Wohl kaum ein Zufall, zumal das literarische Werk dem Spieler frühzeitig in der Cyberpunk-Welt, hier in der futuristischen Version der polnischen Stadt Krakau, begegnet.  Die Story entspinnt sich langsam: Daniel Lazarski sitzt in seinem Auto, wirft sich eine Pille ein, dann klingelt das Telefon…

Morgens, 10 Uhr in Krakau: Zeit für eine Pause? Quelle: Spielpunkt
Morgens, 10 Uhr in Krakau: Zeit für eine Pause? Quelle: Spielpunkt

Observer: System Redux kann man als durchaus klassisches Psycho-Horror-Spiel klassifizieren, auch wenn man im Verlauf des Spiels mit lediglich einer Handvoll Jumpscares konfrontiert wird. Die sitzen dann allerdings auch treffsicher. Ansonsten ist es eher der subtile Thrill und die Mischung aus den futuristisch-sauberen Schauplätzen und beschmutzenden Gore-Elementen, allerdings in einer „Light“-Variante. Was an diesem Werk besonders positiv auffällt, ist die Progression bei den Entwicklern selbst: War etwa Layers of Fear ein gutes, aber klassisches und damit thematisch etwa mutloses Horror-Spiel, fühlt sich Observer: System an wie ein Experiment.

Das Bloober Team wollte anscheinend bereits im Jahr 2017 mit dem Cyberpunk-Spiel frischen Wind ins Horror-Genre bringen – und genau dieser Eindruck hat sich nun noch verstärkt. Im Grund hätte keine Notwendigkeit bestanden, das Spiel für Next-Gen-Konsolen zu überarbeiten, außer man hat als Entwickler versuchen wollen, durch eine optische Aufwertung noch mehr aus der Idee herauszuholen. Den Machern ist genau das gelungen: alles wirkt hochaufgelöst und mit HDR eine Spur bedrohlicher. Die Gefahr der Nanophage, eine digitale Seuche, ist spürbarer die technologischen Settings und Spielereien bei Observer: System Redux einfach noch besser, noch fortschrittlicher aussehen und damit dem Grundthema viel mehr entsprechen.

Auf den neuen Konsolen - hier auf der Xbox Series X - sieht die neue Fassung von Observer ziemlich eindrucksvoll aus. Quelle: Spielpunkt
Auf den neuen Konsolen – hier auf der Xbox Series X – sieht die neue Fassung von Observer ziemlich eindrucksvoll aus. Quelle: Spielpunkt

 Die Observer als Synonym für den modernen Big Brother, vor dem du nichts verstecken kannst, nicht einmal deine Gedanken, ist beängstigend. Seinen psychologischen Horror zieht das Spiel also viel mehr aus dem Setting als auch dem Gameplay, letzteres ist nämlich vergleichsweise seicht. In der Ego-Perspektive streift man umher, erkundet Schauplätze, löst Rätsel, führt Gespräche und erfährt so schrittweise, worum es geht bei Observer.

Am ehesten vergleichbar ist der Titel mit einem klassischen Detektivspiel, bei dem das Suchen und Finden von Hinweisen Story und Charakterentwicklung vorantreibt. Action gibt es nicht, Waffen auch nicht – im Mittelpunkt steht ein gemächlicher Ablauf mit vielen repetitiven Elementen. Das kann auf Dauer störend wirken, sollte man aber akzeptieren, dann hat man Spaß mit Observer, dessen grundlegender Handlungsstrang sich um das Auffinden des Sohnes von Daniel Lazarski dreht. Weil die Bewohner der Slums Observern gegenüber nicht besonders auskunftsfreudig sind, wird man vielfach auch in die Gedanken anderer eintauchen. Ansonsten wird man allein gelassen, in zweifacher Hinsicht: Einerseits, weil man als Observer auf sich allein gestellt ist, wenig gemocht wird und mit der ständigen Isolation anderer Charaktere konfrontiert wird; andererseits, weil das Spiel einen wenig an die Hand nimmt. Vor allem zu Beginn muss man sich zurechtfinden, irrt umher, versenkt dadurch Zeit mit sinnlosen Handlungen, die man sich ersparen könnte, wenn man über die spielerischen Grundlagen besser informiert worden wäre.

Schnell kommt der Moment, an dem das Spiel so richtig Fahrt aufnimmt... Quelle: Spielpunkt
Schnell kommt der Moment, an dem das Spiel so richtig Fahrt aufnimmt… Quelle: Spielpunkt

Was Observer: System Redux Spielern also unter anderem abverlangt, ist Geduld. Der Weg führt manchmal von A nach B, zurück zu A, wieder zu B – wenig hilfreich ist dann der bezüglich des Settings nachvollziehbare, allerdings eben gleichförmige Aufbau der Locations. Was meist entschädigt in derartigen Situationen ist das beengende Gefühl, das den Spieler beschleicht, wenn man von Tür zu Tür geht, niemand öffnet, man allenfalls über ein Kommunikationsterminal neben den Türen Kontakt zu den Bewohnern aufnehmen kann. Die Angst vor dem Observer ist stets spürbar, das lässt einen mächtig fühlen obwohl die Handlungsalternativen über weite Strecken beschränkt sind.

Im Grunde ist das Gameplay zweigeteilt: Man läuft umher, scannt Objekte, sammelte Hinweise. Das funktioniert, ist aber wenig aufregend. Dann allerdings kommen die Momente, in denen man sich in die Köpfe anderer Figuren hackt: Dann fühlt sich das Spiel völlig anders an, schon aufgrund der fremdartigen Atmosphäre. Das fühlt sich in der neuen Version noch besser, weil noch immersiver an – die optimierte Grafik erzeugt Stimmung, macht den psychologischen Horror noch deutlicher fühlbar und lässt vor allem die Ausflüge in die Gedankenwelten anderer Figuren noch eigenartiger, abgedrehter und beängstigender wirken. 

Bilder zu Observer: System Redux

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Infobox

Spielerzahl: 1
Alter: USK 18
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: niedrig
Genre: Horror-Spiel
Untergenre: Cyberpunk-Detektivspiel

Entwickler: The Bloober Team
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2020
Plattformen: Xbox Series X, PC (Steam, Epic, GOG, GMG), Playstation 5 
Sprache:  Englische Sprachausgabe, deutsche Untertitel
Kosten: 29,99 Euro

Fazit

Mit Observer: System Redux ist das so eine Sache. Ist man erstmal so richtig im Spiel angekommen, naht bereits das Ende: Mit einer Spielzeit von etwas über acht Stunden dauert der Psycho-Trip nicht besonders lange, daran ändern auch die drei neuen Missionen nicht viel, die nun mit der angepassten Fassung den Weg ins Spiel gefunden haben. Auf der anderen Seite gibt das Gameplay auch nicht mehr her: Jede weitere Stunde würde sich vermutlich unpassend anfühlen, aufgesetzt, überflüssig. Gut, dass die Entwickler daher ein vergleichsweise kurzes, aber intensives Erlebnis kreiert haben. 4K, HDR und Raytracing tun dem Spiel dabei überaus gut.

Der Story folgt man gern: Zu Beginn tappt man völlig im Dunkeln, muss sich in seine Rolle als Digi-Detective erst hineinfinden, dann aber wird es schrittweise spannender. Man stößt auf verschiedene Tatorte, stellt Untersuchungen an, wandert umher in dem mehrstöckigen Komplex, löst mitunter auch einige Nebenaufgaben; sogar ein Mini-Spiel im Retro-Look kann man entdecken. Das alles ist solide, unterhält mal mehr, mal weniger. nicht zuletzt liegt das an dem stets gleichförmigen Gameplay: Man setzt seine verschiedenen Scan-Methoden ein, um Hinweise zu entdecken – das ist am Anfang sperrig, funktioniert nach einer Eingewöhnung aber gut – und treibt so die Story voran. 

Highlights hat Observer: System Redux immer dann, wenn es darum geht, in die Gedankenwelten anderer Charaktere einzutauchen. Das ist stets mit einem subtilen Grusel behaftet, fühlt sich herrlich merkwürdig an und führt dem Spieler Bilder vor Augen, die man vor allem am Abend lieber nicht gesehen hätte. Dass insbesondere dieses Spielelement so gut funktioniert, ist kein Zufall: Es handelt sich quasi um die Hauptkomponenten und die zentrale Fertigkeit der Observer. Dem Bloober Team gelingt es auf grandiose Weise, die Psycho-Trips audiovisuell beeindruckend zu transportieren. Manche Bilder sind verstörend, scheinen ohne Sinn zu sein, dann fügt sich plötzlich alles zusammen. 

Observer: System Redux profitiert von dem Generationen-Sprung: Die Welt wirkt noch glatt polierter. Dadurch wird das in typischer Cyberpunk-Manier gehaltene Setting noch glaubwürdiger. So herrlich schmuddelig sind Spiele selten. Der größte Vorteil der Next-Gen-Versionen sind nun allerdings die Performance-Steigerungen. Hatte Observer im Jahr 2017 noch mit sich selbst und seiner Technik zu kämpfen, läuft nun alles butterweich: Man wechselt zwischen den Scan-Modi, klinkt sich fast nahtlos in die Erinnerungen anderer ein. Dass das eher solide Gameplay – mit einigen durchaus öden Passagen – mit der Präsentation und dem Setting nicht mithalten kann, ist angesichts der guten Story zu vernachlässigen. Bei Observer: System Redux ist im Grunde nicht das Spiel der Star – das Highlight ist, was dieser Titel mit dem Spieler anzustellen weiß. Oft ist man aufgrund des Dargebotenen mit sich selbst beschäftigt, rätselt, fragt sich, was man denn überhaupt auf dem Bildschirm sieht. Observer: System Redux ist mehr Psycho als Horror und mehr Erfahrung als Spiel, aber seine wenigen Stärken rückt dieses Projekt konsequent in den Vordergrund. 


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