Test zu Rocket Arena (PS4): Kunterbunte Raketen-Action mit knallhartem Matchmaking

Lesezeit: 6 Minuten

Knallbunt, laut, frech und ein bisschen verrückt: Schnappt euch die Bazooka und kickt Piraten, Unterwassernymphen und Abenteurer aus der „Rocket Arena“. Das ist das Grundkonzept – und gleichzeitig der Aufruf an die Spieler – von Electronic Arts neuem Arena-Shooter. Im Test verraten wir, was genau hinter dem Helden-Ballerspiel steckt, ob es langfristig motivieren kann und wieso das Spiel also echter Geheimtipp anzusehen ist.


Raketen! Das ist der Grundkern von „Rocket Arena“. Die fliegenden Sprengsätze geben dem von dem berühmten Final Strike Games entwickelten Helden-Shooter nicht nur den Namen, sie prägen auch das Gameplay. Raketenwerfer sind euer Hauptwerkzeug in dem Third-Person-Actionspiel: Mit ihnen kickt ihr in knackigen 3-vs.-3-Duellen andere Spieler aus der Arena, katapultiert euch selbst aber auch mit Raketensprüngen über Plattformen. Klingt auf dem Papier doch ganz Spaßig ob die Rakete auch wirklich zündet erfahrt ihr jetzt.

Solo-Gamer sind hier eher fehl am Platz

Wir sagen es gleich als erstes: Wer gerne ein Solo-Abenteuer bestreiten möchte, ist bei Rocket Arena leider falsch. Gleiches gilt für Freunde zünftiger PvE-Gefechte. Die „RocketBot Attack“, in der ihr Horden von Robotern bekämpft, ist lediglich ein Pausenfüller und auf Dauer monoton und stumpf. In diesem Multiplayer-Bereich bieten Titel wie „Gears 5“ etwa bedeutend mehr und eine höhere Motivation. Seid euch also darüber im Klaren, dass „Rocket Arena“ auf kompetitive Mehrspielerschlachten im 3-vs.-3-Modus ausgelegt ist. Das muss aber ja nichts schlechtes sein.

Was natürlich auch nicht fehlen darf sind kosmetische Ingame-Käufe, wie wir sie heutzutage gewohnt sind. Nicht notwendig, aber eben eine Möglichkeit der Monetarisierung in Spielen. Dass es nur kosmetische Items gibt ist grundsätzlich und unter Gameplay-Aspekten gut, die Preise sind allerdings gefühlt ein wenig zu hoch.

Die meiste Zeit der Schlacht verbringt Ihr in der Luft.

Die meiste Zeit der Schlacht verbringt Ihr in der Luft.

Das Grundgefühl kommt einem zunächst bekannt vor: Man erarbeitet sich durch den Abschluss der Matches Erfahrungspunkte, erreicht so neue Ränge – und kann damit einen enorm zügigen Progress hinlegen, wenn man sich auf einen oder wenige Helden konzentriert. Durch das Aufleveln gelangt man ebenfalls an kosmetische Goodies für die Charaktere, erhält aber auch neue Banner oder Muster für jenes Totem, das man nur nach oder vor einem Match hinter dem eigenen Charakter sehen kann. Das Konzept kennt man bereits. 

Spannender als all die „Cosmetics“ sind die Artefakte: Diese können den Helden im Hauptmenü zugeteilt werden und wirken sich direkt auf die Performance aus, beispielsweise, weil der Schaden erhöht wird. Ziemlich cool: Die Items leveln mit und werden somit stärker. In Kombination mit dem Matchmaking-System hakt es dann allerdings etwas: Wer als Newbie mit einem erfahrenen Recken in die Arena geworfen wird, hat vermutlich eher wenig Spaß. Es gibt sie also, die Frustmomente bei Rocket Arena. In ausbalancierten Partien ist davon aber nichts zu spüren. Geht es fair zu auf dem Schlachtfeld, wächst der Spaßfaktor exponentiell. 

Wer sich neue Skins holen will wird auch bei Rocket Arena fündig

Wer sich neue Skins holen will wird auch bei Rocket Arena fündig

Ebenfalls ein Faktor, der einigen Spielern nicht gefallen könnte, ist der Look bzw. die gesamte Aufmachung des Spiels. „Rocket Arena“ setzt auf bunte Cartoon-Optik und wirkt damit alles andere als innovativ oder extravagant. Es erinnert stark an Fortnite – und auch die zehn Charaktere könnten klischeebeladener kaum ausfallen. Auf den ersten Blick wirkt Rocket Arena daher eher wie Kaugummi-Gaming: etwas platt und wenig anspruchsvoll. Wer aber damit kein Problem hat sollte dem Shooter eine Chance geben, denn glücklicherweise präsentiert sich das Gameplay als stark genug, um den möglichen Makel des bunten Looks abzufedern. 

Wir schubsen uns zum Sieg

Das Spiel entführt euch in die Fantasy-Welt Krater. Hier droht zur Abwechslung weder der Weltuntergang oder tobt ein ewiger Krieg. Vielmehr wetteifern die Völker friedlich bei den Raketenmeisterschaften. Das ist jetzt auch keine Story-Innovation aber bei solch einem Titel brauch man diese auch nicht. Bei diesen sportlichen Wettkämpfen kommt natürlich auch niemand ums Leben. Anstatt eure Kontrahenten abzuballern, schiebt ihr sie mithilfe eurer Bazooka freundlich, aber mit Nachdruck aus der Arena.

Mit jedem Treffer füllt ihr eine Anzeige, und mit dem letzten schickt ihr eure Kontrahenten schließlich in die Umlaufbahn. Richtig gehört: Pausen gibt es in „Rocket Arena“ nicht. Aus luftiger Höhe wählt ihr nämlich den Wiedereintrittsort und fallt zurück auf die Karte. Uns hat das sehr oft an die Super Smash Bros. Reihe erinnert – das gefällt. Einen enormen Vorteil hat Rocket Arena gegenüber der Konkurrenz: Die Spielidee ist erfrischend und nicht so abgedroschen wie bei anderem Team-Shootern, die mit immer gleichen Konzepten auf den Markt drängen. 

Dann lassen wir den Kampf mal beginnen

Dann lassen wir den Kampf mal beginnen

Die insgesamt zehn zum Start veröffentlichten Karten führen euch beispielsweise in eisige Winterschlösser oder auch in ein Wildwest-Setting inklusive eines vorbeifahrenden Zugs. Das Map-Design ist erstklassig und sehr gut auf die vielen Bewegungsmöglichkeiten, die dank Raketensprüngen möglich sind, abgestimmt. Auch wenn ihr in den ersten Runden ordentlich auf die Socken bekommen werdet, besitzt „Rocket Arena“ zweifellos eine steile Lernkurve. Spielt ihr den Helden-Shooter anfangs noch wie ein „normales“ Action-Game, hüpft ihr nach einigen Runden munter über Plattformen, nutzt Mehrfachsprünge und schießt eure Gegner in der Luft ab.

Das Wichtigste dabei: Da ihr ausnahmslos mit Raketenwerfern zu Werke geht, teilt ihr ausschließlich Flächenschaden aus. Unser Favorit Blastbeard etwa feuert gewaltige Kanonenkugeln ab, die im Umkreis schweren Schaden anrichten. Der kleine Plink dagegen ist mit seiner Schnellfeuer-Bazooka vor allem auf kurze Distanz effektiv. Zusätzlich zum primären Feuermodus bietet jede Figur einen sekundären und einen Spezialangriff: Topnotch etwa plättet seine Gegner mit dem Zephyr-Schlag oder einer Artilleriesalve, Amphora verteilt Hüpfminen oder verwandelt sich in einen Rochen und gleitet blitzschnell über das Schlachtfeld.

Die verschiedenen Fähigkeiten müssen taktisch eingesetzt werden um einen Vorteil zu erzielen

Die verschiedenen Fähigkeiten müssen taktisch eingesetzt werden, um einen Vorteil zu erzielen.

Die Auswahl der Spielmodi passt ebenfalls zum schnellen 3-vs.-3-Gameplay. In „Schatzsuche“ balgt ihr euch erst um eine Truhe, dann um Goldmünzen. In „Mega-Rakete“ müsst ihr Zonen erobern und verteidigen, und „Raketenball“ ist quasi Fußball mit Raketenwerfern. Im Test funktionierte das Matchmaking auf der PS4 solide. Die Ladezeiten waren kurz. Lediglich die Zusammenstellung der Teilnehmer war noch problematisch. Wenn Stufe-1-Einsteiger mit Stufe-79-Profis agieren, dann kommt mitunter auch Frust auf. In der Langzeitmotivation fehlte uns außerdem noch ein wenig Tiefe. Das Freischalten von „Perks“ ist uns ein bisschen zu wenig und nicht auf lange Sicht motivierend. Ein Manko ist dieses Details allerdings nur bedingt, denn der Fokus liegt eindeutig auf dem Gameplay selbst. Das ist launig, sogar familienfreundlich und für Genre-Neulinge wie gemacht. 

Als Spiel für die Zukunft gedacht

Für Electronic Arts und Final Strike Games ist „Rocket Arena“ kein Schnellschuss oder gar ein Free-2-Play-Game, um dem Kunden das Geld aus der Tasche zu ziehen. Deshalb kostet das Spiel 29,99 Euro und kommt dafür mit komplettem Umfang daher. Wer möchte, kauft den Boost-Pass oder ersteht weiteren Raketentreibstoff zum schnellen Freischalten von Individualisierungsobjekten.

Der Look kommt direkt aus Kunterbunten Farbentopf

Shop und Battle-Pass bedeuten: Hier sollen auch zukünftig noch neue Inhalte Einzug in das Spiel finden.

Die erste Online-Saison startete am 28. Juli 2020 und rückte dabei die Helden der Raketenmeisterschaft in den Fokus. Zudem kommt mit Flux die nunmehr elfte Spielfigur im Ensemble dazu. Darüber hinaus erweitert die neue Saison den Titel um erste Ingame-Events, zehn zusätzliche Playlists, neue Maps und weitere Ergänzungen. In Zukunft läutet „Rocket Arena“ alle drei Monate eine frische Saison ein und wartet dann mit zusätzlichen Inhalten auf. Die zwei Wochen nach dem Release sind also eher zum Warmwerden. Danach gehts erst so richtig los. 

Infobox

Spielerzahl: Team-Shooter
Alter: ab 12 Jahren
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: mittel

Publisher: EA Games
Entwickler: Final Strike Games
Erscheinungsjahr: 2020
Plattformen: PC, PS4, Xbox One
Sprachen: Deutsch, Russisch, Koreanisch, Chinesisch, Japanisch, Englisch, Italienisch, Portugiesisch, Französisch, Polnisch, Spanisch
Kosten: 29,99 Euro

Fazit

Mal Hand aufs Herz: Auf den ersten Blick ist „Rocket Arena“ bestimmt erstmal für die meisten abschreckend. Der Look des Spiels erscheint kunterbunt und geizt nicht gerade mit Klischees. Da wurde bestimmt viel von Fortnite und Co. abgeschaut. Aber unter dieser fast schon kitschigen Fassade verbirgt sich ein launiger und vor allem innovativer Helden-Shooter. Mit ein bisschen Eingewöhnung macht „Rocket Arena“ sehr viel Spaß und bietet mit Rocket-Jumping und Special-Moves reichlich Spieltiefe.

Für Solo-Spieler ist Rocket Arena eher weniger geeignet aber Teamplayer sind allerdings klar im Vorteil, denn wer zusammenarbeitet, hat es in den kompetitiven Online-Modi leichter. Für den Augenblick ist „Rocket Arena“ in Sachen Abwechslung und Umfang noch etwas schwach auf der Brust, doch das dürfte sich in den kommenden Monaten ebenfalls ändern. Wenn ihr also einen etwas anderen Helden-Shooter sucht, könnte „Rocket Arena“ genau das Richtige sein. Denn unter alldem Knallbunten Herumgehopse verbirgt sich ein kompetitiver Helden-Shooter mit starkem Fokus auf Teamplay. Und auch wer einfach nur untereinander mit Freunden einen Ritt auf der Rakete wagen will, ist bei Rocket Arena genau richtig.

Fast schon paradox ist, dass auch gerechnet der Umstand, dass man das Spiel kaufen soll, sich als Schwäche entpuppen könnte. Sich zumindest bezüglich der spielerischen Ausrichtung im Genre der Free-2-play-Shooter zu tummeln ohne ein kostenloser Shooter zu sein, ist eine mutige Entscheidung. Weil Rocket Arena Geld kostet, müssen die Entwickler zunächst einiges an Überzeugungsarbeit leisten, damit Fans überhaupt erst zu dem Spiel greifen. Am Unterhaltungswert gibt es kaum etwas auszusetzen: die schnellen Partien machen Spaß und motivieren. Nun will Rocket Arena langfristig mit Inhalten gestützt werden, um sich etablieren zu können. Der Shooter hat Potenzial, im positiven Sinne.


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Rocket Arena

29,99
7

Spieldesign

8.0/10

Story/Setting

6.5/10

Präsentation/Technik

7.0/10

Umfang

6.5/10

Gameplay/Steuerung

7.0/10

Pro

  • Auswahl an Charakteren, Maps und Spielmodi
  • Schnell und actionreich
  • Einsteigerfreundlich
  • Helden-Gameplay spürbar unterschiedlich
  • Nur kosmetische Items im Store

Con

  • Comic-Look könnte abschrecken
  • Nichts für Solisten
  • PVE-Horde-Modus eher eintönig
  • Meta-Game könnte problematisch werden
  • Matchmaking

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