Test zu Story of Seasons: Friends of Mineral Town

Lesezeit: 8 Minuten

Da kommen Erinnerungen hoch, nicht wahr? Vor etwas mehr als 15 Jahren erschien mit Harvest Moon: Friends of Mineral Town ein Kindheitstraum vieler angehender Bauern, nur wenig später konnten dann auch angehende Bäuerinnen in „More Friends of Mineral Town“ die Mistgabel schwingen. Doch ist Story of Seasons einfach nur ein Remake oder doch mehr. In unserem Test erfahrt Ihr es – also: Latzhosen anziehen und Mistgabeln bereithalten. Es geht ab auf die Farm!


Aber fangen wir dort an wo Harvest Moon für Marvelous endet, denn nach der großen Trennung von Marvelous und Natsume behielt Natsume bekannterweise die Namensrechte an Harvest Moon und führte die Marke nicht mit der Qualität fort, wie man es aus früheren Teilen gewohnt war. Marvelous veröffentlicht nun schon seit einigen Jahren die japanische Originalserie Bokujō Monogatari im Westen als „Story of Seasons“.

Story of Seasons: Friends of Mineral Town weist nicht nur Parallelen im Namen, sondern auch im Gameplay auf. Viele Charaktere aus dem damaligen Teil finden sich unter neuem Gewand in dem aktuellen Ableger für Nintendo Switch wieder.

Das Farmleben ruft nach euch

Der Beginn von Story of Seasons: Friends of Mineral Town dürfte wohl vielen bekannt vorkommen. Ihr erinnert euch an eine wunderschöne Kindheit, die ihr auf dem Bauernhof von eurem Opa verbringen durftet. Nach seinem tragischen Ableben kommt es, wie es kommen muss – ihr erbt den prächtigen Hof! Naja, von prächtig kann nicht ganz die Rede sein, denn die Farm ist über die Jahre leider heruntergekommen.

Ihr könnt es euch vielleicht denken wie es weitergeht. Es liegt an euch, dem Bauernhof wieder zu seinem alten schönen Glanz zu verhelfen. Ihr müsst das Feld zunächst von Unkraut, Steinen und Ästen befreien. Das ist allerdings keine Arbeit für einen Tag, denn auf dem Feld finden sich größere Stümpfe und Felsen, die ihr mit eurer momentanen Ausrüstung nicht zerkleinern könnt. Zudem macht euch die Ausdaueranzeige einen Strich durch die Rechnung, denn jedes Mal, wenn ihr ein Werkzeug nutzt, verliert ihr ein wenig eurer Ausdauer.

Da heisst es wohl Ärmel hoch und loslegen

Da heißt es wohl Ärmel hoch und loslegen,

Habt ihr eine passende Stelle für Pflanzen befreit, müsst ihr Saat aussäen, die Pflanzen täglich gießen und nach einigen Tagen eure ersten Erträge ernten. Da kommt dann schon ein bisschen Farmerfreude auf. Die Auswahl an Gemüse oder auch Blumen, die ihr anpflanzen könnt, ist zahlreich. Pro Jahreszeit steht euch eine unterschiedliche Auswahl zur Verfügung. Leider ist selbst das Anpflanzen sehr nervenaufreibend – im Sommer erwartet euch nämlich die Taifun-Saison, die eure Felder mit Steinen und Ästen bombardiert. So könnt ihr einige der ausgesäten Pflanzen verlieren. Das bedeutet gutes Management in der Ackerpflege damit eure Pflanzen nicht dem Bombardement zum Opfer fallen.

Falls Ihr wirklich absolute Laien im Farmergeschäft seit gibt es eine Bibliothek mit allen Infos zu Tierhaltung, Ackerbau und allem was das Farmleben so bereit hält.

Mehr Tiere als in der Ursprungsversion

Neben dem Anbau von Gemüse müsst ihr euch, sobald diese erworben wurden, um eine Vielzahl von Tieren kümmern. Ein Unterschied zur Ursprungsversion aus dem Jahr 2003 besteht hier in der Auswahl an Tieren. Während ihr früher lediglich weiße Hühner in eurem Hühnerstall hüten und pflegen konntet, ist es nun auch möglich, braune Hühner und sogar Angorakaninchen aufzuziehen.

Bei genug Liebe legen Hühner täglich ein Ei, Angorakaninchen liefern euch Wolle. Im großen Stall wiederum könnt ihr vier unterschiedliche Arten an Kühen aufziehen, die sogar unterschiedliche Milchsorten wie Kaffeemilch und Fruchtmilch geben können. Zu den Kühen gesellen sich ebenso Alpakas und Schafe, die im Wochenrhythmus immer wieder geschoren werden müssen.

Nach etwas Arbeit wächst auch endlich etwas

Nach etwas Arbeit wächst auch endlich etwas.

Ein Hauptbestandteil von Story of Seasons ist es, sich täglich um all eure Tiere zu kümmern. Sie wollen gebürstet, gefüttert und gemolken beziehungsweise geschoren werden. Je besser ihr euch um eure Tiere kümmert, desto lieber werden sie euch haben lieber und desto höher ist die Qualität der produzierten Güter. Habt ihr einmal keine Lust, euch um eure Tiere zu kümmern oder euch wird es zu stressig, könnt ihr die heimischen Erntewichtel bitten, euch bei eurer Arbeit zu unterstützen. So kümmern sie sich um die Tiere, können euch aber auch bei der Feldarbeit zur Hand gehen.

An sonnigen Tagen lohnt es sich, eure Tiere nach draußen zu schicken. Hierfür ist praktischerweise eine Glocke an den Ställen aufgebaut, mit der ihr die Tiere nach draußen locken könnt. So spart ihr euch nämlich das Futter für die Tiere des Stalls, wenn ihr genug Gras angepflanzt habt. Hühner und Kaninchen bedienen sich einfach an dem, was sie so in der Natur finden, hier müsst ihr nichts extra anpflanzen.

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Bauer sucht Frau – Die große Liebe wartet

Wie für die Story-of-Seasons-Reihe bekannt, könnt ihr auch in Friends of Mineral Town eure einzig wahre Liebe finden. Es lohnt sich aber, die Dorfbewohner täglich anzusprechen oder ihnen ein passendes Geschenk zu machen, um in der Gunst zu steigen.

Noch etwas leer, aber durch die neuen Tiere die es gibt wird hier bald volles Haus sein

Noch etwas leer, aber durch die neuen Tiere die es gibt wird hier bald volles Haus sein.

Kandidaten, die euch für eine Beziehung und sogar eine Hochzeit zur Verfügung stehen, sind mit einem Herzen markiert. Die Farbe des Herzens gibt die jeweilige Beziehungsstufe zum Kandidaten an. Neu im Remake sind zwei bisher noch nie dagewesene Kandidaten. Brandon ist ein Künstler, der bei Gotts untergekommen ist und sein täglich Brot mit seinen Werken verdient. Jennifer lebt dafür in einem Zelt in der Natur und fährt total auf Esoterik ab. Also falls im Original niemand für euch dabei gewesen ist, habt ihr gleich zwei neue Chancen auf die große Liebe!

Aber warte mal, gleich 2 neue? Selbst, wenn ihr euch zu Beginn des Spiels für ein Geschlecht entscheiden müsst? Richtig gehört! Denn im neuesten Ableger ist es glücklicherweise möglich, auch das eigene Geschlecht zu heiraten! So fällt die Wahl natürlich deutlich schwerer, mit wem ihr eure glückliche Zukunft verbringen wollt.

Täglich grüßt das Farmerleben

Was sich auf dem Blatt Papier eigentlich spannend anhört, wird auf Dauer leider zu einem etwas eintönigem Alltag. Zu Beginn erwarten euch zwar viele zufällig ausgelöste Events, doch mit der Zeit nehmen diese ab und es gibt nichts „Neues“ mehr zu entdecken, vor allem nicht nach dem ersten Jahr. Stellenweise steht ihr morgens auf, rennt zu euren Tieren und eurem Feld, seht in der Natur nach, was es Verkaufbares gibt, rennt zu allen Dorfbewohnern, um sie kurz anzusprechen und rennt dann wieder ins Bett.

Dabei müsst ihr euch teilweise wirklich abhetzen, denn der Tag vergeht in Friends of Mineral Town sehr schnell. Ein paar Sekunden sind im Spiel schon 10 bis 15 Minuten. Da manche Geschäfte nur zu bestimmten Zeiten geöffnet haben, wird es zu einem durchaus stressigen Tag, wenn ihr mal nicht exakt im Zeitplan seid, weil vielleicht doch ein Erntewichtel nicht mehr bei der Arbeit hilft oder ein zufälliges Event euch um einige Stunden nach hinten versetzt.

So schön das Farmleben auch ist, der Alltag wird mit der Zeit öde

So schön das Farmleben auch ist, der Alltag wird mit der Zeit öde,

So ist es ab und an ein ganz schön eintöniger Alltag, den es wochenweise bewältigen gilt bis endlich ein neues Event ansteht. Doch auch die Events sind nicht unbedingt das Gelbe vom Ei bei Friends of Mineral Town. Im Gegensatz zu beispielsweise Rune Factory 4, wo ihr immer aktiv etwas am Ausgang der wirklich abwechslungsreich gestalteten Events bewirken könnt, müsst ihr in Friends of Mineral Town manchmal nur ein Gemüse abgeben oder den Festplatz besuchen, damit euer Schaf bewertet wird. Noch schlimmer ist es, wenn ihr kein passendes Tier im Stall besitzt, dann besucht ihr wirklich nur kurz den Festplatz. So vergeht ein Tag, an dem ihr nicht wirklich etwas geleistet habt. Wenige Ausnahmen sind hier die Festivals, an denen ihr selbst kochen oder mit euren Haustieren teilnehmen dürft.

Das Endgame bietet weitere Aktivitäten

So öde der Alltag bei Friends of Mineral Town auch sein mag, für das Endgame erwarten euch einige Aktivitäten. Es ist beispielsweise möglich, die Erntegöttin oder den Kappa zu heiraten. Hierfür müsst ihr bestimmte Juwelen sammeln und andere Bedingungen erfüllen, die erst zu späteren Zeitpunkten im Spiel möglich sind. Sollte euer Ziel also die Hochzeit mit einem der außergewöhnlichen Kandidaten sein, so seid ihr weit bis über das erste und zweite Jahr hinaus beschäftigt! Lasst euch also nicht abschrecken, wenn euch nach der Hochzeit die Credits ereilen.

Ein weiterer Punkt, weshalb ihr die Konsole wahrscheinlich nicht aus euren Händen legen könnt, sind die vielen Neuerungen, die mit der Zeit stetig hinzukommen. Die sind auch echt gelungen. Hier mal eine neue Saatsorte, da eine neue Maschine oder sogar eine Neuerung für euer Haus, wie beispielsweise ein eigenes Bad, machen es schwer, zu entscheiden, wofür ihr euer Geld als Nächstes ausgeben wollt. So ist man doch irgendwie immer motiviert den eintönigen Alltag zu bestreiten.

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Story of Seasons: Super putzig, aber auch super tonlos

Der neue Chibi-Look macht es für Fans der Reihe leicht, das Spiel direkt sympathisch zu finden. Das Design passt zu dem Spiel eben wie die Faust aufs Auge, besonders die Tiere sind wirklich knuffig geworden! Die optischen Verbesserungen gegenüber dem Original sind Marvelous gut gelungen und der altbackene Stil wird auf eine neue Ebene gehoben. Optisch sehr gut gefallen hat mir ebenfalls der neu eingefügte Blur-Effekt, mit dem die Welt tatsächlich etwas realistischer als noch zu Game-Boy-Advance-Zeiten wirkt.

Enttäuscht hat mich dafür die Akustik. Positiv anzumerken ist jedoch, dass euch in jeder Jahreszeit ein passender Beat um die Ohren geschmettert wird, wenn ihr euch außerhalb der Stadt aufhaltet. Innerhalb der Stadt erwartet euch der immergleiche nostalgische Sound, den Spieler aus der ursprünglichen Fassung kennen dürften – kann man mögen, muss man aber nicht.

Der Chibi-Look ist wirklich gelungen und passt wie die Faust auf's Auge

Der Chibi-Look ist wirklich gelungen und passt wie die Faust auf’s Auge,

Wirklich enttäuschend ist hingegen die Tatsache, dass es bei Regen überhaupt keinen Sound gibt. Nicht einmal das Prasseln von Tropfen ist zu hören, lediglich eure Schritte hallen als Echo wider. Auch die Schritte selbst klingen immer gleich, Ihr hört lediglich einen Unterschied, wenn ihr euch im Gras, Sand oder Schnee befindet, ansonsten hören sich eure Schritte IMMER gleich an. Egal, ob ihr einen Trampelpfad, einen Steinweg oder aber die Natur selbst betretet – Weg ist Weg. Das mag jetzt meckern auf hohem Niveau sein, aber durch die sowieso spärliche Soundauswahl, stechen dieses Schritte leider sehr stark hervor. Dieses eingängige und leider auch sehr präsente Getrappel ging mir nach einer Weile mehr auf den Senkel als das immergleiche Gedudel aus der Stadt.

Allgemein ist die Technik nicht die beste, Dorfbewohner laufen gerne mal einfach nur Mauern oder verschwinden einfach plötzlich aus dem Bild, nichtsdestotrotz hat mir das Farmleben erneut sehr viel Freude bereitet obwohl man dem Spiel seine Jahre doch anmerkt.

Infobox

Spielerzahl: Solo
Alter: ab 0 Jahren
Schwierigkeit: Einfach bis Mittel
Langzeitmotivation: Mittel

Publisher: Marvelous Europe
Entwickler: Marvelous Europe
Erscheinungsjahr: 2020
Plattformen: Nintendo Switch
Sprache: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch
Kosten: 49,99 Euro

Fazit

Marvelous hat es geschafft, eine gute Balance aus altbekannten Features, die besonders den Nostalgikern und besonders mir am Herzen liegen, und einigen Neuerungen zu finden. Für meinen Geschmack hätten einige Dinge noch weiter modernisiert werden können, ohne zu sehr das alte Spielgefühl zu verpfuschen. Ich spiele hier vor allem auf einige technische Kleinigkeiten an, wie dem spärlich eingesetzten Sound und einigen Grafikfehlern. Die Leistungsfähigkeit moderner Systeme haben die Entwickler nicht ausgereizt, vermutlich ignoriert – die vorhandene Luft nach oben ist deutlich ersichtlich. Auch wenn die Optik samt niedlichem Stil durchaus stimmig ist: Es wäre einfach mehr drin gewesen.

Auffallend ist das vor allem im direkten Vergleich mit Genre-Konkurrenten, etwa Animal Crossing: New Horizons. Hinzu kommen kleine Ärgernisse, die vermeidbar sind: immer gleich klingende Laufgeräusche oder Angelköder, die selbst in Fließgewässern völlig starr bleiben. Sicherlich Details, aber welche, die dem Spielerlebnis ein wenig schaden.

Spaßige Momente gibt es dennoch und zwar reichlich, wenn man Genre-Fan ist oder derartige Spielideen mag. Hinzu kommen auch gelungene Verbesserungen, etwa eingefügte Abkürzungen, die es im Original noch nicht gab. Ebenfalls gut und modern statt nostalgisch: Gegenstände stapeln sich im Inventar. Auch hier wieder: Alles nur Details, diesmal allerdings mit positivem Einfluss auf das Spielerlebnis. 

Doch insgesamt ist Story of Seasons: Friends of Mineral Town für Fans von entsprechenden Simulationen bestens geeignet, denn dann kann das Spiel sein Suchtpotenzial entfalten. Dabei ist es egal, ob man die Ursprungsversion kennt oder nicht. Wer Farming-Simulationen generell nichts abgewinnen kann, den wird auch Friends of Mineral Town nicht eines Besseren belehren können. 


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Story of Seasons: Friends of Mineral Town

49,99
7

Spieldesign

7.5/10

Story/Setting

7.2/10

Präsentation/Technik

6.0/10

Umfang

7.0/10

Gameplay/Steuerung

7.5/10

Pro

  • Enorm nostalgisch
  • Blur-Effekt macht Welt etwas realistischer
  • Mehr Tiere als im Original
  • Zwei zusätzliche Heiratswillige
  • Cooler Chibi-Look

Con

  • Sound sparsam eingesetzt
  • Grafik-Glitches
  • Alltag etwas eintönig

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