Am 20. August brachte das britische Entwicklerstudio Dovetail Games den Nachfolger zu Train Sim World mit Train Sim World 2. Wir haben uns als Lokführer versucht und ob wir genauso „pünktlich“ wie die Bahn sind, verraten wir euch in unserem Test.


Train Sim World 2 fällt in das Genre der Simulatoren ein. Davon gab es und gibt es einige: Farming Simulator, Flug Simulator oder gar Spiele wie Fishing Barents Sea lassen Fans in eine digitale Welt tauchen, die der Realwelt manchmal grob, manchmal detailliert nachempfunden ist. Bei Train Sim World schlüpfen wir in die Rolle eines Lokführers, der eiserne Kolosse über Schienen bewegen muss. In der Fortsetzung zu Train Sim World gibt es auch wieder eine Strecke durch die Bundesrepublik, die mit dem ICE 3 von Köln nach Aachen und zurück führt. Dann mal ab in die Lokführerkabine – und Abfahrt!

Abfahrt: So spielt sich Train Sim World 2

Der erste Schritt: Charakter erstellen, Uniform inklusive. Das ist kurzweilig, gleichzeitig aber auch unnötigt, denn man sieht seinen Charakter ohnehin nicht. Dann folgt ein Tutorial, das einem die ersten Schritte in der Welt der Züge näherbringt. Das klappt wunderbar und deshalb fällt der Einstieg leicht. Ärgerlich: Die Türen vom Führerstand können sich nicht öffnen lassen. Wie man also in das „Cockpit“ gelangt oder wieder heraus, das ist eher Magie.

Alles Einsteigen, gleich rollen wir los

Alles Einsteigen, gleich rollen wir los.

Hat man Platz genommen, können Fahrgäste einsteigen und der Zug kann losrollen – von Köln nach Aachen und wieder zurück. Wahrzeichen der Stadt sieht man des Öfteren und die sind sogar vergleichsweise hübsch, in jedem Fall stimmungsvoll. Auch der Kölner Hbf ist wiedererkennbar. Um Geschwindigkeit geht es übrigens nicht: Auch im Zugverkehr gelten Regeln, Geschwindigkeitsvorgaben und Signale. Kaum überraschend: Es handelt sich um einen Simulator. Genau dadurch kommen die spielerischen Herausforderungen zustande. Überfährt man ein rotes Signal, kann man die jeweilige Mission von vorne beginnen. Ein Highlight auf der Schnellfahrstrecke ist,  den ICE an seine Grenzen zu bringen. Ein Gefühl der Geschwindigkeit kommt gut rüber.

Während der Fahrt heißt es Geschwindigeit im Auge behalten

Während der Fahrt heißt es Geschwindigkeit im Auge behalten.

Train Sim World 2 ist ein Simulator, zweifellos. Man tut, was sonst „echte Lokführer“ tun, mit all den Vorteilen und Nachteilen, die technische Unterstützungen auf Zugfahrten so mit sich bringen. Das Spielprinzip hat dabei einige seichte Überarbeitungen erhalten. Anders sieht es bei den Bugs und Glitches aus: Da hätte Dovetail Games sich engagierter zeigen müssen. Hier und da funktionieren Schalten nicht oder die Dimensionen der Hitboxes sind nicht austariert.

Technik: Schön aber nicht makellos

Technisch ist es dem kleinen britischen Entwicklungsstudio Dovetail Games gelungen, ein sehr schönes Spiel zu kreieren, was uns mit großer Liebe zum Detail den individuellen Bewegungen näher bringt. Der ICE und die anderen Züge wirken sehr authentisch und fahren ab wie „in echt“ – man wird Teil der riesigen Eisenbahnmaschinerie. Die Töne sind etwas schwach auf der Brust, tragen aber trotzdem intensiv zu dieser Simulation bei. Grafisch gibt es nicht viel zu meckern, weil hier im Vergleich zum Vorgänger viele Details verbessert wurden.

Grafisch leister Train Sim World 2 doch einiges

Grafisch leistet Train Sim World 2 doch einiges.

Auf dem PC erhalten wir eine konstante Bildrate, die nur einen kurzen und gelegentlich einen kleinen Ruck zeigt. Manchmal bauen sich die Grafiken erst allmählich auf. Manchmal wäre mehr drin gewesen, weil die technischen Anforderungen an unseren PC nicht sehr anspruchsvoll sind. Alles in allem haben wir uns aber schnell an diese kleinen Flecken gewöhnt und reisen sehr leise und würdevoll durch die Landschaft, was alles andere als langweilig ist, da es neben der Strecke auch viel zu sehen gibt. Gleichzeitig gilt dies aber nicht für alle Strecken: Manche Fahrten sind daher so spannend wie eine Zugfahrt durch die Ödnis.

Auffällig sind jedoch insgesamt eher mäßig angepasste Geländegrafiken und die teilweise unverständlich verschraubte Belichtung. Die reale Welt ist nicht so hell wie in Train Sim World 2. Infolgedessen scheinen einige Teile des Spiels extrem künstlich zu sein. Schaden, denn grundsätzlich gilt: Wenn Sie sich dem Spiel ohne Ansprüche auf hochauflösende Grafiken nähern, sind Sie mit der Grafik insgesamt zufrieden.

Mit Train Sim World 2 werden uns 3 Bereiche oder auch Streckenbereiche angeboten, die auch mit verschiedenen Lokomotiven und Triebwagen genutzt werden können. Ob zwischen Köln und Aachen mit dem ICE oder einem Regionalzug oder durch die Londoner U-Bahn oder tonnenweise mit Gütern durch die Berge. Jeder ist für sich, aber ICE zu fahren macht hier am meisten Spaß. Eine solche Hin- und Rückfahrt nach Köln dauert ca. 30 Minuten und kann im Fahrplan von morgens bis abends auf und ab gefahren werden. Wer mag, kann dann die kleinen Aufgaben erledigen und Fahrpläne aufhängen, Erste-Hilfe-Boxen auffrischen und an den Stationen andere Kleinigkeiten erledigen.

Wenn es langweilig wird, kann die Lokomotive im Lackeditor lackiert werden. Das ist schön, aber es spielt hier eine untergeordnete Rolle. Es gibt andere DLCs im Laden, aber sie sind alle ungefähr so teuer wie das Spiel selbst. Darüber hinaus gibt es eine Art Mini-Editor als Weiterentwicklung des „schnellen Spiels“ vom Vorgänger, mit dem die Motivation erweitert werden kann.


Infobox

Spielerzahl: 1
Alter: ab 0 (USK)
Schwierigkeit: leicht
Langzeitmotivation: niedrig

Publisher: Dovetail Games
Entwickler: Dovetail Games
Erscheinungsjahr: 2020
Plattformen: PC, Playstation 4, Xbox One
Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch,
Kosten: 29,99 Euro

Fazit

Mit Train Sim World 2 wird Dovetail Games die Herzen der virtuellen Eisenbahner ein weiteres Mal zufrieden stellen, denn so schön und einfach war Zugfahren noch nie. Die Landschaften sind eine Augenweide und lassen mit dem Wechsel des Tages und zusätzlichen Wetterverhältnissen auch Abwechslung aufkommen.

Auch wenn hier nur wenige Strecken geboten werden und der Rest für teures Geld im Shop zu haben ist, wird einem die virtuelle Welt der Bahn auf wunderschöne Weise nähergebracht. Es könnte etwas mehr sein, aber nur könnte. Wer schon immer mal ICE fahren wollte, kann das hier ganz ohne Verspätung und Bahncard auf einfachste Weise tätigen. Sicherlich gibt es noch einige Makel, aber die Deutsche Bahn hat auch welche.

Eine Weiterentwicklung ist spürbar, wenn manchmal auch nur im Detail. Dass Dovetail Games also neue Ableger aus seinen Serien auf den Markt wirft, kommt Spielern zugute – nicht zuletzt, weil zumindest die Grundspiele preislich attraktiv sind. Vieles passt zusammen bei Train Sim World 2: Die Grafik mit Abstrichen, der Sound, das Spielerlebnis, der Simulationsaspekt. Auch an den Bedienelementen und der Übersicht hat DTG geschraubt. Es ist am Ende einer dieser typischen Titel für echte Fans des Genres: Man muss in gewisser Hinsicht leidensfähig sein und seine Ansprüche an den Rahmen herunterschrauben. Wer sich auf das Spielen an sich fokussiert, profitiert von Train Sim World 2 – erst recht, weil mangels Alternativen ohnehin kaum Auswahl im Genre besteht. Unverständlich bleibt – bei aller Liebe für das Genre – weshalb die Masse an Bugs und Glitches nicht vor dem Release behoben wurden. Nun gerät DTG im wahrsten Wortsinn in Zugzwang und muss nacharbeiten. 


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Train Sim World 2

29,99 Euro
6.5

Spieldesign

7.0/10

Story/Setting

7.0/10

Präsentation/Technik

5.0/10

Umfang

6.5/10

Gameplay/Steuerung

7.0/10

Stärken

  • Detaillierte Strecken und Züge
  • Einsteigerfreundlich
  • Züge lassen sich personalisieren
  • Viele Handlungsmöglichkeiten
  • Mini-Editor

Schwächen

  • Gelegentliche Framerate einbrüche
  • Wenig Langzeitmotivation
  • DLC's kosten soviel wie das Spiel selber
  • Bug, Glitches
  • Editor bleibt insgesamt hinter seinen Möglichkeiten