Test zu Warhammer 40.000: Mechanicus für Playstation 4

Lesezeit: 6 Minuten

Im Warhammer-40.000-Universum gibt es eine Vielzahl an Fraktionen, die bei Spiele-Umsetzungen nicht berücksichtig werden. Oftmals kommen nur die hinlänglich bekannten Space Marines, Eldar, Orks oder seltener die Tyraniden zum Zug. Eine der vernachlässigten Fraktionen marschiert nun in Warhammer 40.000: Mechanicus auf die PS4: Adeptus Mechanicus. Für den Test bin ich in ein rundenbasiertes Taktik-Abenteuer mit Dungeon-Crawler-Passagen eingetaucht.


Im Universum von Warhammer 40.000 gehört das Adeptus Mechanicus zum Imperium. Sie forschen, entwickeln und liefern Waffen- sowie Hochtechnologie und verehren den Maschinengott. Die Anhänger des Kults ersetzen Teile ihrer Körper durch maschinelle Komponenten und manche sprechen gar eine Pseudo-effiziente Maschinensprache mit Vorliebe für Gleichungen. Es ist eine ungewöhnliche und kreative Fusion aus Technologie, Religion, Tradition und Glaube mit einem gewissen Hang zur Gotik.

In Warhammer 40.000: Mechanicus führt Magos Dominus Faustinius eine Expedition auf den bis dato neu entdeckten Planeten Silva Tenebris. Dabei stoßen seine Tech-Priests („Helden-Einheiten“) auf eine Grabanlage der Necrons und erwecken die uralte Roboterrasse voller grün-schwarzer Roboter der Marke Terminator, deren Ziel es ist, das Leben im Universum auszulöschen. Nun beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und gegen die Necrons, um Informationen zu sammeln, bevor die Bedrohung überhand nimmt.

Warhammer mit voller Leidenschaft

Das Spiel von den Bulwark Studios (Crowntakers) und Kasedo Games (Kalypso Media) ist ein futuristischer Dungeon-Crawler mit klassisch rundenbasierten Gefechten in einem gelungenem und hochgradig atmosphärisch umgesetzten Warhammer-40K-Universum. Ein Makel schon am Anfang, eine Vollvertonung der Sprecherrollen hätte dem ganzen sehr gut getan – in dieser Disziplin ist und bleibt Battlefleet Gothic: Armada bislang unerreicht. Sämtliche Tech-Priests sprechen nicht direkt, sie geben nur metallische Geräusche von sich, während man ihre Texte liest. Die Texte bzw. Untertitel liegen bis auf wenige Ausnahmen in deutscher Sprache vor.

Im X-Com Stil bestreiten wir die Gefechte

Im X-COM-Stil bestreiten wir die Gefechte.

Gerade die Dialoge zwischen den Tech-Priest-Charakteren vor, während und nach den Einsätzen auf Silva Tenebris hätten enorm von Sprachausgabe profitiert, denn die Figuren sind eigentlich gut ausgearbeitet, egal ob sie in Gleichungen sprechen, das glorreiche Dogma des Imperiums verbreiten, sich gegenseitig zanken oder gezielt ihre Emotionen unterdrücken. Obwohl hier sehr nah an der Vorlage gearbeitet wird und viel Warhammer-40k-Herzblut fließt, könnten Inszenierung und Story-Präsentation mehr als nur minimalistisch animierte Porträts und Texte vertragen.

Taktik und Strategie haben Priorität

Die Gruppe bzw. Kohorte bestehend aus Tech-Priests und dem obligatorischen Kanonenfutter führt man in die sogenannten Necron-Gruften, um mehr Informationen über die Bedrohung zu sammeln. Auf einer blauschimmernden holographischen Karte schickt man seine Kohorte von Raum zu Raum. In jedem Raum werden Ereignisse ausgelöst.

In der Regel erscheint ein Bild zur Veranschaulichung der aktuellen Situation und darunter werden drei Schaltflächen mit Entscheidungsmöglichkeiten angezeigt. Findet man zum Beispiel eine mysteriöse Maschine, die sich in Gang gesetzt hat, kann man sie ignorieren, studieren oder zerstören. Je nach Entscheidung gibt es Boni (Ingame-Währung, Kognition für die taktische Gefechte etc.) oder ein böses Erwachen (Trefferpunkte werden reduziert, Necron-Erweckungsgrad steigt). Das alles ist etwas karg und steril in Szene gesetzt. Außerdem wirken die Resultate der Entscheidungen etwas willkürlich, vor allem bei den benutzbaren Runen, bei denen man eine 50:50-Chance ohne Anhaltspunkte hat.

Durch das erkunden der Necron-Gruften werden zufällige Ereignisse ausgelöst

Durch das erkunden der Necron-Gruften werden zufällige Ereignisse ausgelöst.

Je länger sich die Kohorte in dem Grab aufhält, also je mehr Räume erforscht werden, desto stärker steigt der Erweckungsgrad der Necrons und mit ihm die Herausforderung in den späteren Gefechten (besonders zu Beginn des Spiels). Man muss also genau nachdenken und sich entscheiden, ob man es vermeiden möchte, dass zusätzliche Necrons auf den Schlachtfeldern auftauchen oder ob man die Gruft ausführlicher erkunden mag, um mehr Ressourcen zu finden. Neben diesem Erweckungsgrad pro Grab gibt es noch einen globalen Erweckungsgrad, der letztendlich das Finale aktiviert. Es herrscht also immer eine gewisse Form des Zeitdrucks, den man selbst abwägen muss. Ansonsten fungiert der Dungeon-Crawler als Bindeglied zwischen den taktischen Gefechten.

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Schnelle und gut durchdachte Gefechte

Wesentlich interessanter wird es im Kampf. Im Gegensatz zu XCOM, Mutant Year Zero oder Jagged Alliance: Rage! spielen Deckung und Stealth keine Rolle. Tech-Priests und das Kanonenfutter (nur einfache Attacken) können sich auf dem Taktikraster bis zu einem bestimmten Punkt bewegen und Nah-/Fernkampf-Waffen gegen die Necrons einsetzen. Sind diese Grundmöglichkeiten erschöpft, kommen die Kognitionspunkte ins Spiel, die den Gefechten eine überraschend starke taktische Würze geben. Kognitionspunkte sind nötig, um bestimmte Waffen oder das Kanonenfutter überhaupt einzusetzen zu können oder sich weiter zu bewegen, als es zunächst möglich war.

Diese Kognitionspunkte kann man entweder aus der Dungeon-Crawler-Passage mitbringen oder man sammelt sie im Kampf ein, in dem man gewisse Orte auf dem Schlachtfeld besucht oder scannt. Da die Kognitionspunkte für die gesamte Gruppe gelten, kann zum Beispiel ein Tech-Priest das Maximum ansammeln und der nächste Charakter alle Attacken in einer Runde einsetzen – oder man kann quer über eine Karte spurten, um einen Roboter im Nahkampf zu malträtieren.

Im Taktikmodus kann man seine nächsten Schritte planen

Im Taktikmodus kann man seine nächsten Schritte planen

Sehr clever und erfrischend ist die Idee, dass man die Werte der Gegner gar nicht kennt und erst durch Scans (oder andere Verbesserungen) in Erfahrung bringen muss. Auch die Zug-Reihenfolge der Kämpfer ist mithilfe einer Initiative-Leiste am oberen Bildschirmrand gut visualisiert worden. Kleine Icons helfen zu erkennen, wann man Nah- und Fernkampfwaffen einsetzen und wann es zu einem Gegenangriff kommen kann. Einmalig pro Mission lassen sich noch drei Lobeshymnen als globalen Buff bzw. Spezialfähigkeit einsetzen. Das alles wirkt gut durchdacht und führt zusammen mit dem tickenden „Erweckungstimer“ zu schnellen Gefechten mit einem guten taktischen Unterbau.

Nur fehlt es ein bisschen an Abwechslung bei den Missionszielen, da meist nur Gegner zerstört oder Objekte gescannt werden müssen. Manchmal muss man auch lediglich X Runden überleben. Im Kampf hinterließ die Computerintelligenz nicht immer den besten Eindruck, sondern griff auch mehrfach ein Kohortenmitglied an, das volle Lebensenergie hatte, anstatt einem angeschlagenen Tech-Priest den Rest zu geben.

Verbessern der Einheiten extrem wichtig

Zwischen den Missionen kann man seine Kohorte ausführlich verbessern, vorrangig die Tech-Priests. Abgesehen von Nah- und Fernkampfwaffen können sie mit zusätzlichen Roboterarmen und anderen Ausrüstungsgegenständen mit Augmentationen versehen werden, die Angriffskraft, Bewegungsreichweite, Panzerung und Co. im Kampf modifizieren. Zudem können die Tech-Priests im Level aufsteigen, wodurch gezielte Spezialisierungen möglich werden.

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Es stehen sechs verschiedene Fertigkeitsbäume zur Verfügung, welche die Entwicklung in eine bestimmte Richtung führen. Soll es lieber eine Kampfmaschine (Nahkampf: Explorator; Fernkampf: Dominus), ein Supporter, ein Heiler oder eine Mischung sein? Die Möglichkeiten zur Spezialisierung werden dadurch erweitert, dass man Bonuseffekte mit den unterschiedlichen Typen von Kanonenfutter-Truppen erzielen kann.

Das verbessern der Einheiten im Kohort ist unumgänglich um siegreich zu sein

Das Verbessern der Einheiten im Kohort ist unumgänglich um siegreich zu sein

Das umfangreiche Anpassungssystem und die verbesserbaren Tech-Priests führen – auch nach ersten Balance-Patches – dazu, dass die Kämpfe mit zunehmender Stärke der Tech-Priests gleichzeitig leichter werden, wobei es natürlich auch darauf ankommt, für welche Verbesserungen und Waffen man sich letztendlich entscheidet. Gestört hat mich diese schrittweise wachsende Überlegenheit nicht zu sehr, aber es hätte ruhig etwas „langsamer“ vonstattengehen können.

Infobox

Spielerzahl: Solo
Alter: ab 12 Jahren
Schwierigkeit: mittel bis schwer
Langzeitmotivation: mittel

Publisher: Kasedo Games / Kalypso
Entwickler: Bulwark Studios
Erscheinungsjahr: 2018 (PC) / 2020 (Kosolen)
Plattformen: PC, Playstation 4, Nintendo Switch, Xbox One
Sprache: Deutsch, Englisch
Kosten: 39,99 Euro

Fazit

Warhammer 40.000: Mechanicus gehört sicherlich zu den besseren Spielen im futuristischen Warhammer-Universum. Das Taktikspiel mit den Adeptus Mechanicus punktet mit überraschend vielfältigen Anpassungs- und Verbesserungsoptionen für die Tech-Priests und einer stimmig eingefangenen Warhammer-Atmosphäre mit eigenwilligen Charakteren, die eine bessere Story-Präsentation als minimalistisch animierte Porträts und eine Vertonung verdient gehabt hätten.

Ähnlich auf das Nötigste reduziert sind die kurzen Dungeon-Crawler-Passagen, bei denen immer wieder (teils belanglose) Entscheidungen vor minimaler Kulisse gefragt sind, während man sein Handeln unter Zeitdruck schnell abwägen muss. Die taktischen Runden-Kämpfe wiederum profitieren von einem gut durchdachten Kognitionspunktesystem und schnörkelloser Rasanz, nur leider werden die eigenen Tech-Priests etwas zu schnell zu stark.

Insgesamt ist Warhammer 40.000: Mechanicus ein solides bis gutes Strategiespiel. Fans greifen ohnehin zu, alle anderen bekommen aufgrund insgesamt eher weniger Alternativen die Chance, ein taktisch forderndes Strategiespiel auf der Playstation 4 spielen zu können. Erhältlich ist das Spiel im Konsolenbereich zudem für Xbox One und Nintendo Switch.


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Warhammer 40.000 Mechanicus

39,99
7.4

Spieldesign

7.5/10

Story/Setting

8.0/10

Präsentation/Technik

7.0/10

Umfang

7.5/10

Gameplay/Steuerung

7.0/10

Pro

  • Intelligente und schnelle Gefechte
  • Viele Verbesserungsmöglichkeiten bei den Einheiten
  • Interessante Charaktere
  • Viel Warhammer Charme
  • Mehrere Enden

Con

  • Schnell wiederholende Missionen
  • Wenig Sprachausgabe
  • KI mit Luft nach oben
  • Etwas spärliche Präsentation

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