Uprising: Curse of the Last Emperor ist ein Brettspiel, das man durchaus als „made in germany“ bezeichnen kann. Hinzu kommt: Der Titel von Nemesis Games läuft äußerst erfolgreich im Crowdfunding auf Kickstarter. Kooperativ, 4X, Solo-Modus, gut ausgestattet, optisch eindrucksvoll: Gründe gibt es viele für den Erfolg des Brettspiels. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass hinter Uprising mehr stecken muss.


Eine alte Kickstarter: Weisheit besagt: Wenn es läuft, dann läuft es. Bei Uprising – Curse of the Emperor ist das derzeit gut zu erkennen. Weit über 2.000 Unterstützer haben Geld in das Crowdfunding jenes 4X-Brettspiels gesteckt, das seine Wurzeln unter anderem in Berlin hat. Die Macher sagen von sich selbst, sie seien „Dungeon Master“, Experten im Rollenspiel also, Kenner der Szene und mit Leidenschaft dabei. Der gesamten Kampagne merkt man das an – die Spieler scheinen angezogen zu werden von der Leidenschaft für ein Brettspiel, dessen grobe Mechaniken gar nicht mal so einzigartig sind. Warum Uprising dennoch als Projekt hervorsticht? Es liegt an dem, was man nicht sofort sieht.

Uprising: Einer dieser „Ein-Prozenter“

Rund 79 oder gar 129 US-Dollar müssen Fans auf den Tisch legen, um sich ihr Exemplar des Brettspiels Uprising: Curse of the Emperor zu sichern. Keine kleinen Beträge, Spieler scheuen sich dennoch nicht, in das Crowdfunding-Projekt zu investieren. Die Hoffnungen auf ein grandioses Spielerlebnis sind vorhanden, angefeuert durch How-to-Videos und Previews, in denen Szenegrößen von dem 4X-Brettspiel schwärmen.

Es war einmal auf den Inseln von Azuhl. Spieler lenken die Geschicke ihrer gewählten Fraktion – insgesamt stehen acht zur Auswahl, an deren Spitze jeweils ein Anführer mit individuellen Fertigkeiten und einem eigenen Kartendeck. Das sorgt für Varianz, ein kleiner Kniff mit großer Wirkung. Ebenfalls clever: Verschiedene Schwierigkeitsgrade bestimmen, wie herausfordernd eine kooperative Partie Uprising ist.

Kooperativ und 4X ist selten - wer möchte, kann Uprising auch alleine spielen und dann mindestens zwei Fraktionen steuern. Bildrechte: Nemesis Games
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Kooperativ und 4X ist selten – wer möchte, kann Uprising auch alleine spielen und dann mindestens zwei Fraktionen steuern. Bildrechte: Nemesis Games

Unterteilt in Kapitel, erneut unterteilt in Phasen, machen sich die Helden auf den Weg über die Hexfelder des Spielbretts. Ihr Ziel: Punkte sammeln – und zwar mehr als die gegnerischen Fraktionen. Darüber könnte man nun stöhnen, doch bei Uprising scheint der Weg zum Ziel der wesentliche Part zu sein. An Punkt gelangt man auf verschiedenen Wegen: Ganz plump durch Kämpfe, aber auch durch das Erledigen von Quests oder indem man Flüchtigen auf den Inseln von Azuhl eine neue Heimat bietet. Ob man am Ende gewinnt oder verliert ist bei kooperativen Spielen ohnehin meist eher ein Bonus. Zusammen Spaß haben, gut unterhalten werden und dabei in das Spiel eintauchen zu können, das sind Faktoren, mit denen man Spieler begeistern kann. Den Machern von Uprising scheint mit ihrer Idee genau das zu gelingen.

Der Erfolg auf Kickstarter ist beachtlich für ein Erstlingswerk. Nemesis Games feiert mit Uprising: Curse of the Emperor ein Debüt in doppelter Hinsicht: Es ist das erste Kickstarter-Projekt der Spieleschmiede und überhaupt ihr erstes Spiel. Angeboten wird der Titel für das internationale Publikum, in englischer Sprache. Das haben die drei kreativen Köpfe so festgelegt, auch um den Aufwand zunächst zu verringern. Ein Brettspiel direkt zweisprachig anzubieten war kein Ding der Unmöglichkeit, hätte aber ein Mehr an Arbeit bedeutet, das derzeit nicht leistbar gewesen wäre- Und so müssen deutsche Fans sich mit englischen Texten begnügen, noch zumindest – immerhin wird es ein lokalisiertes Regelwerk werden.

Die Karten sind textlastig, die Sprache ist Englisch - allerdings ist eine deutsche Anleitung in der Mache. Bildrechte: Nemesis Games
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Die Karten sind textlastig, die Sprache ist Englisch – allerdings ist eine deutsche Anleitung in der Mache. Bildrechte: Nemesis Games

Und eine vollständig lokalisierte Version, also Uprising komplett auf Deutsch? Die Macher hoffen darauf, dass das zukünftig umgesetzt werden kann. „Wir hoffen, dass es Uprising einmal auch auf Deutsch gibt und werden alles in unserer Macht stehende dafür tun, gerade nachdem wir gesehen haben, wie überwältigend die Unterstützung aus Deutschland ist“, meint Dirk Sommer von Nemesis Games, der unter anderem für die Übersetzung des Regelwerks zuständig ist. Für die laufende Crowdfunding-Kampagne ist man eher auf Nummer sicher gegangen. Auch, um das Spiel wie geplant ausliefern zu können. „Für diesen Kickstarter haben wir uns auf Englisch festgelegt, weil wir auch einfach noch viel lernen müssen und bei Freunden gesehen haben, wie ein Kickstarter durch Mehrsprachigkeit über Jahre verzögert werden kann“.

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Früh in den Erfolg investiert

Nemesis Games hatte einen Plan: Rund 33.000 Euro einsammeln und damit Uprising: Curse of the Emperor realisieren. Wie gut das funktioniert, verdeutlichen die nackten Zahlen. Noch bis zum 10. September läuft die Crowdfunding-Kampagne, das Finanzierungsziel ist längst meilenweit übertroffen.

Dass ihr Kickstarter so erfolgreich verlaufen wird, war alles andere als sicher. Nicht einmal, dass Uprising überhaupt durch die Finanzierung kommt, galt als gesetzt. „Natürlich hofft man auf einen Erfolg“, verrät uns Dirk, der mit seinen Teamkollegen rund vier Jahre an dem Projekt gearbeitet hat. Die Erkenntnis: „Ein Prozent aller Kickstarter schaffen es nach meinem Wissen über die 100.000er-Marke“, so Dirk Sommer. Ein paar mehr sind es am Ende schon, dennoch bewegen sich diese „magischen Projekte“ im niedrigen, einstelligen Prozentbereich. Die Sektkorken durfte man bei Nemesis Games also knallen lassen: „Ja, wir sind überrascht, mit einem solchen Erfolg kann man einfach nicht rechnen. Das motiviert uns natürlich, noch mehr Gas zu geben.“ Gesagt, getan. Um die 100.000er-Marke muss man sich nicht mehr sorgen, nun gilt es zu verdoppeln. Nemesis Games kämpft um das Erreichen von 200.000 Euro. Die Grenze wird vermutlich fallen bei verbleibenden zwei Wochen bis zum Schlussgong.

„Wir sind stolz und überglücklich, dass unser Baby einen solchen Anklang findet“, freut sich Dirk Sommer und wenn man sich die Kampagne, den Auftritt und das Spiel anschaut, nimmt man den Machern ihre Freude ab. Uprising ist kein anonymes Großprojekt, sondern entspricht der Idee von Kickstarter. Dieses kooperative Brettspiel ist ein Prototyp jenes Gedankens, der tatsächlich hinter „Crowdfunding“ zu stecken scheint.

Kiloweise unbemaltes, graues Plastik? Gibt es bei Uprising nicht - stattdessen liegen bunte Acryl-Standees bei. Bildrechte: Nemesis Games
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Kiloweise unbemaltes, graues Plastik? Gibt es bei Uprising nicht – stattdessen liegen bunte Acryl-Standees bei. Bildrechte: Nemesis Games

Eine derart erfolgreiche Finanzierung hinzulegen, ist auch Arbeit. Früh haben die Macher Zeit investiert, in ihr Spiel und das Drumherum. „Wir haben sehr sehr früh angefangen in Berlin öffentlich zu playtesten“, verrät Dirk. In der Hauptstadt gebe es „glücklicherweise eine schier endlose Anzahl an Brettspielbegeisterten“. Und dann kam der Umstand hinzu, dass auch Leuten auf Youtube oder Instagram das Projekt gefallen hat. „Wir haben eine unglaubliche Unterstützung bekommen“.

Was hinzu kommt, sind einige wohlwollende Entscheidungen zu ihrem Kickstarter. Statt grauer Miniaturen, die vermutlich nur ein Bruchteil der Spiele tatsächlich bemalt, gibt es bei Uprising Standees aus Acryl: bunt, direkt einsatzbereit und von Beginn an hübsch anzusehen. Es scheint, als sprächen die kreativen Köpfe hinter Nemesis Games aus Erfahrung: „Wir jedenfalls haben genügend unbemaltes graues Plastik zu Hause“, meint Dirk.

„Wir haben es riskiert, keine herkömmlichen Stretch Goals anzubieten, sondern einfach gesagt: ‚Hey – unser Baby kommt in der höchsten Qualität zur Welt und zwar von Beginn an‘.“, erklärt Dirk zu offensichtlichen Besonderheiten der Kickstarter-Kampagne. Ein „Linen Finish“ als Unlock bei 15.000 Euro? Fehlanzeige, das gibt es standardmäßig. Auch ein achtteiliges modulares Inlay sucht man als Zwischenziel vergeblich, denn das ist ebenfalls als Service direkt dabei. Spieler wissen somit von Anfang an, was sie für ihren Pledge bekommen. Clever. Die Entscheidungen kommen an, verrät Dirk Sommer: „Wir bekommen sehr viel positives Feedback dafür.“

Auf der Zählleiste sehen Spieler ihre gemeinsamen Erfolge - Punkte gibt es allerdings für verschiedene Handlungen. Bildrechte: Nemesis Games
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Auf der Zählleiste sehen Spieler ihre gemeinsamen Erfolge – Punkte gibt es allerdings für verschiedene Handlungen. Bildrechte: Nemesis Games

Leidenschaft allein reicht dennoch nicht, wenn es darum geht, ein Spiel vom Reißbrett in die Regale zu bringen. Das Spielerische muss stimmen, das Konzept auch. Bei beidem scheint Uprising: Curse of the Emperor zu punkten. „Ich persönlich kenne kein kooperatives 4X Spiel“, überlegt Dirk. „Es gibt bestimmt eins, aber ich glaube, dieser Aspekt trägt zu unserem Erfolg bei.“ Und dann: „Ich denke, zudem erkennen die Leute, wieviel Arbeit wir uns gemacht haben.“ Der Faktor Zeit wieder, allerdings zurecht. „Welcher Verlag hat heute schon Zeit ein Spiel vier Jahre lang zu testen und zu entwickeln?“, stellt Dirk als Frage in den Raum.

Wer jetzt neugierig geworden ist: Die Kampagne zum kooperativen 4X-Brettspiel Uprising: Curse of the Emperor läuft noch bis zum 10. September auf Kickstarter. In den Händen halten werden Backer das Spiel voraussichtlich im August 2021, das ist der Plan von Nemesis Games – und bisher waren die drei „Dungeon Master“ sehr erfolgreich darin, ihre Pläne auch umzusetzen.


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