4.938 Unterstützende trugen im August 2021 insgesamt 293.542 Dollar bei, um die Produktion des Strategie-Brettspiels Oros von Indie Publisher Aesc Games zu ermöglichen. Knapp eineinhalb Jahre später kommt Oros langsam bei seinen Unterstützenden an. In Deutschland wird die Retail-Version des Spiels von Board Game Circus veröffentlicht. Wie gut das strategische Plättchen-Legespiel mit dem Vibe eines „Verrückten Labyrinth“ letztendlich ist, erfahrt ihr in dieser Rezension.

In Oros übernehmen 1 – 4 Spielende mächtige Halbgötter, die menschliche Ebenbilder der vier Elemente Wasser, Erde, Licht und Feuer sind. Die Aufgabe dieser Halbgötter ist es, ihre Erfahrung und ihr Wissen mit denjenigen zu teilen, den ihnen folgen. Dafür müssen sie ihren Gefolgsleuten Aufgaben geben. Sie sollen das Land formen, Berge erschaffen, Vulkane ausbrechen lassen, um neues Land zu erschließen und Tempel errichten, damit sie dort studieren können und ihnen die Erleuchtung der großen Weisen zu Teil wird.

Wir verändern die Welt

Oros ist ein strategisches Plättchen-Legespiel mit einem räumlichen Puzzleelement, denn der Spielplan stellt die ganze Erde dar. Diese ist bekanntlich eine Kugel, weshalb die Ränder des Spielplans alle miteinander verbunden sind. Bedeutet, die Ränder verbinden gegenüberliegende Seiten des Spielbretts miteinander. Wird ein Landplättchen beispielsweise verschoben, sodass es dabei die Spielfläche verlässt, wird dieses auf der gegenüberliegenden Seite wieder reingeschoben. Auch die Ecken des Spielplans sind verbunden. Der Weg der Landplättchen wird hier durch Verbindungspfeile dargestellt.

Startaufbau einer Partie für 2 Spielende. Siegpunkte, die wir während der Partie durch den Aufbau von Tempel sammeln, werden anhand der Pyramide (rechts) festgehalten.

Startaufbau einer Partie für 2 Spielende. Siegpunkte, die wir während der Partie durch den Aufbau von Tempel sammeln, werden anhand der Pyramide (rechts) festgehalten. Bild: Sven Karsten

Landplättchen besitzen je nach Anzahl ihrer Landkanten einen Wert von 1 – 4. Eine Ausnahme stellen die Inseln dar, die einen Wert von 1 besitzen, obwohl sie keine Landkanten aufweisen. Eine weitere besondere Form der Landplättchen stellen die Berge dar, da sie keinen Wert besitzen. Alle Landplättchen, mit Ausnahme der Berge, können in der Reihe verschoben, in Gruppen bewegt und durch Vulkanausbrüche erschaffen werden.

Der Berg ruft

Treffen zwei Landplättchen durch die Aktion Bewegen aufeinander, wird der Wert beider Plättchen addiert und ein neues Plättchen entsteht auf der Stelle an der beide Landplättchen aufeinandergetroffen sind. Stoßen beispielsweise Landplättchen mit dem Wert 1 und 3 aufeinander, entsteht ein 4er Landplättchen. Stoßen Plättchen aufeinander die einen höheren Wert als 4 ergeben, entsteht ein 4er Plättchen mit einem Vulkan.

Stoßen zwei 4er Plättchen aufeinander entsteht ein Berg (Mitte). Auf diesen können die Spielenden ihre Tempel errichten, die ihnen wertvolle Erfahrungs- wie auch Siegpunkte geben.

Stoßen zwei 4er Plättchen aufeinander entsteht ein Berg (Mitte). Auf diesen können die Spielenden ihre Tempel errichten, die ihnen wertvolle Erfahrungs- wie auch Siegpunkte geben. Bild: Sven Karsten

Berge entstehen indem zwei 4er Landplättchen aufeinandertreffen. Diese sind das Hauptziel des Verschiebens, Bewegens und Vulkane ausbrechen lassen in Oros, da nur hier Tempel gebaut werden können, die uns wertvolle Erfahrungspunkte, wie auch Siegpunkte auf der Pyramide einbringen, auf der sich unsere Halbgottheiten emporbewegen. Tempel sind in drei Stufen unterteilt. Je nachdem ob man als erstes, zweites oder drittes einen Tempel auf demselben Bergplättchen erbaut, erhält man mehr Erfahrungspunkte.

Im Tempel studieren

Erfahrungspunkte sind wichtig, um unsere Aktionen zu verbessern. Neben dem Bau von Tempeln erhalten wir diese, indem wir unsere Gefolgsleute in den Tempeln zum Studieren schicken. Holen wir diese mit einer weiteren Studieren-Aktion zurück, generieren sie für uns weitere Erfahrungspunkte.

Während wir zu Anfang beispielsweise nur eine Gruppe von drei aneinander liegenden Landschaftsplättchen horizontal oder vertikal bewegen können, können wir nach ein paar Verbesserungen unserer Bewegungsaktion ein einzelnes Landschaftsplättchen in alle Richtungen auf dem Spielbrett bewegen. Dadurch haben wir mehr Möglichkeiten neue Berge auf dem Spielplan zu erschaffen. Haben wir alle Verbesserungen einer Aktion freigeschaltet, warten zusätzliche Siegpunkte auf uns, die einmal am Ende des Spiels gewertet werden. Zusätzlich erhalten wir Siegpunkte zum Aufstieg auf der Pyramide, wenn immer wir diese Aktion durchführen.

Mit Hilfe von Erfahrungspunkten können wir unsere Aktionen verbessern. Alle Aktionen unter dem Holzbalken dürfen genutzt werden. Erreichen wir mit den ersten fünf Balken ein gewisses Level, schalten wir eine weitere Gefolgsperson frei.

Mit Hilfe von Erfahrungspunkten können wir unsere Aktionen verbessern. Alle Aktionen unter dem Holzbalken dürfen genutzt werden. Erreichen wir mit den ersten fünf Balken ein gewisses Level, schalten wir eine weitere Gefolgsperson frei. Bild: Sven Karsten

Zudem können wir durch das Studieren auch die Siegpunktzahl pro gebauten Tempel verbessern. Während diese zu Anfang noch keine Punkte einbringen, bringen sie ab der ersten Verbesserung schon 2 Siegpunkte pro Tempel der jeweiligen Stufe ein.

Ende des Spiels

Das Spiel endet, sobald der erste Halbgott die oberste Stufe der Pyramide erreicht. Alle Götter erhalten die Anzahl an Punkten, die sie auf der Pyramide erreicht haben und alle Punkte aus den Verbesserungen auf ihren Spielertableaus. Die Person, die die meisten Siegpunkte erringen konnte, gewinnt das Spiel und hat somit das meiste Wissen mit ihren Gefolgsleuten geteilt.

Die Dauer einer Partie kann je nach Belieben in die Länge gezogen werden, da die Pyramide zwei Seiten hat. Die eine Seite ermöglicht kurze Partien von etwa 45 – 60 Minuten, während die andere etwas längere Partien von etwa 60 – 90 Minuten ermöglicht. Die Länge einer Partie ist dabei auch abhängig davon, ob man die kleine oder die große Seite des Spielbretts nutzt. Wir persönlich präferierten die kleine Seite des Spielbretts, da es hier schneller zu spannenden Veränderungen kam.

Ein grandioser Automata

Solopartien müssen mit mindestens zwei Automatas bzw. Partien zu zweit mit mindestens einem Automata gespielt werden. Dies hört sich zuerst recht negativ an, besonders da viele Spiele einfach keine optimalen Lösungen für Partien bieten, in denen Automatas für geringere Spielerzahlen zwingend notwendig sind. In Oros erzeugen die Automatas jedoch eine hervorragende Abwechslung. Mit ihnen kommt viel Schwung in die Partien, da sie das Spielbrett Zug für Zug mal mehr, mal weniger verändern, sodass man immer wieder vor neuen Herausforderungen steht. So verschwinden mal leere Plättchen, die den Weg zu einem Berg ermöglicht hätten oder der Automata baut einen Tempel, bevor wir einen Tempel bauen können.

Der Automata ist schnell abgehandelt. Wir ziehen eine Karte und führen ihre Aktionen aus. Erfahrungspunkte werden gemäß der obersten Karte auf dem Nachziehstapel (links) auf dem Spielertableau des Automatas verteilt.

Der Automata ist schnell abgehandelt. Wir ziehen eine Karte und führen ihre Aktionen aus. Erfahrungspunkte werden gemäß der obersten Karte auf dem Nachziehstapel (links) auf dem Spielertableau des Automatas verteilt. Bild: Sven Karsten

Die Automatas bringen im Gegensatz zu einer Standardpartie zu dritt oder zu viert sogar so viel mehr Abwechslung ins Spiel, dass wir sie eigentlich nicht mehr missen möchten. Daher sehen wir die optimale Spieleranzahl für Oros auch bei 2 oder 3 Spielenden. Die fehlenden Personen für eine Viererpartie werden dann durch die Automatas ersetzt.

Wunderschöne Komponenten

Oros sieht jederzeit super auf dem Tisch aus und fühlt sich auch genauso an. Alle Figuren sind aus Holz oder Pappe und wurden wunderschön illustriert. Hier gibt es nur wenig zu meckern. Einzig und allein die Spielertableaus könnten etwas hochwertiger ausfallen, da diese ziemlich dünn sind.

Was etwas nervig sein kann ist das Bewegen oder Verschieben von Landschaftsplättchen. Besonders, wenn diese mit Tempeln und Gefolgsleuten bestückt sind. Mit voranschreitender Spieldauer wird dies immer umständlicher, da immer mehr Plättchen gut bestückt sind. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf unseren Spielspaß gehabt.

Infos zu Oros

Spielerzahl: 1 bis 4
Alter: ab 12 Jahren
Spielzeit: 30 – 120 Minuten / 30 Minuten pro Person
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: mittel
Klassifikation: KennerspielAutor: Brandt Brinkerhoff
Illustrationen: Brandt Brinkerhoff
Verlag: Board Game Circus, Aesc Games
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2022
Sprache: Deutsch
Kosten: 59 Euro

Fazit

Oros ist ein schnelles, taktisches Legespiel, dass trotz seiner ganzen Aktionen und Verbesserungen schnell erklärt ist und innerhalb einer Stunde gespielt werden kann. Das schöne ist, dass im es keinerlei Glückskomponenten im Spiel gibt und somit alles in der Hand der Spielenden liegt. Allerdings kann Oros mit der Zeit etwas ereignislos wirken, da in Partien ohne Automata nicht viel passiert.

Mit den Automatas kommt eine kleine Glückskomponente dazu, die das Spiel jedoch deutlich ereignisreicher macht. Die eigenen Züge bleiben dennoch schön taktisch und laden zum Puzzeln ein. Zudem erhöhen die Automatas den Wiederspielwert enorm, da diese in beliebigen Kombinationen verwendet werden können. Auch die fortgeschrittenen Varianten, die andere Startbedingungen bieten geben dem Spiel zusätzlichen Wiederspielwert. Allgemein ist zu sagen, dass Oros mit den Automatas sein volles Potenzial entfaltet und zu einem richtig spaßigen Spiel wird.

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