Mindclash Games waren bisher ausschließlich für die richtigen Brecher bekannt. Alle Spiele des Verlags, die bisher erhältlich waren, sind auf BoardGameGeek mit einer Komplexität über vier bewertet und somit fraglos Expertenspiele. Das aktuelle Kickstarter-Projekt zu Septima schien schon einen Trend in “leichtere” Gefilde angedeutet zu haben. Mit der neuen Reihe Mindclash Play und dem ersten Titel Astra ging es nun erstmals klar in den Kennerspielbereich. Wie gut Mindclash “leicht” kann, zeigen wir in unserer Brettspiel-Rezension.

Auf der SPIEL hat Mindclash Games den ersten Titel der neuen “Mindclash Play” Reihe vorgestellt und veröffentlicht. Astra ist der erste Titel des Verlags, der ohne Zweifel kein Expertenspiel ist. Es gab in der Kickstarter-Kampagne zu Cerebria: The Inside World noch das Kartenspiel zu Cerebria. Da dieses jedoch nur als Stretchgoal enthalten war, nie wirklich eine eigenständige Veröffentlichung war und auch nicht für das neue Label Mindclash Play neu aufgelegt werden soll, ist Astra doch klar als etwas Neues im Hause Mindclash anzusehen. Wir haben es auf der SPIEL mitnehmen können. Wie gut Mindclash abseits der gewohnten Pfade funktioniert, zeigt sich im Test.

Minimalistisches Design

Wurden die Spiele bei Mindclash Games seit der Veröffentlichung des ersten Titels Trickerion eigentlich immer größer und arteten mit Perserverance oder Voidfall zu riesigen Materialschlachten aus, so ist Astra deutlich kompakter. Zwei doppelseitige Sphärentableaus und fünf Spielertableaus sind die “großen” Materialien. Dazu kommen noch 60 Karten, Stifte in fünf Farben, Sternenstaub- und Teleskop-Token und eine Startspielersternschnuppe.

Zu Beginn erhalten alle den Stift einer Farbe und ein persönliches Tableau sowie acht Sternenstaub. Je nach Personenzahl wird das entsprechende Sphärentableau ausgelegt. Der Aufbau des Nachziehstapels ist ebenfalls abhängig von der Personenzahl. Die Sternenbildkarten werden um die Sphäre platziert und wenn der Sphärenmarker platziert wurde, kann es auch schon los gehen.

Sternenstaub, Teleskope und die Startspielersternschnuppe: Optisch ist Astra durchaus ansprechend. Bild: Jonas Dahmen

Sternenstaub, Teleskope und die Startspielersternschnuppe: Optisch ist Astra durchaus ansprechend. Bild: Jonas Dahmen

Die Züge sind einfach strukturiert. Am Anfang kann man Fähigkeiten eigener Sternbilder aktivieren. Dies ist in den ersten Zügen noch nicht so relevant. Einmal aktiviert stehen die Fähigkeiten erst wieder zur Verfügung, wenn sie in der Aktionsphase aufgefrischt wurden.

Zweifarbig und zwei mögliche Aktionen

In der Aktionsphase kann man zwischen zwei Aktionen wählen. Beim “Betrachten” kann man beliebig viele Sterne eines der um die Sphäre ausliegenden Sternenbilder mit dem eigenen Stift markieren. Pro Stern muss man einen Sternenstaub bezahlen. Die erste Person, die einen Stern eines Sternbilds markiert, muss mit dem Startstern beginnen. Anschließend dürfen immer nur angrenzende Sterne markiert werden. Markiert man einen der großen Sterne erhält man sofort eine Weisheit. Diese erhöht das Limit der eigenen Kartenauslage. Pro Teleskop-Token darf man eine weitere Beobachtung ausführen.

Die persönlichen Tableaus mit Weisheit (unten) und dem Beutel für Sternenstaub. Bild: Jonas Dahmen

Die andere mögliche Aktionen ist das Pausieren. Hier füllt man seinen Beutel wieder bis zum Limit mit Sternenstaub auf. Dann darf man alle Sternenbilder auffrischen, die das Element zeigen, das aktuell der Position des Sphärenmarkers entspricht. Anschließend wandert dieser ein Feld weiter.

Wurden im Verlauf des Zuges ein oder mehrere Sternbilder vollendet, erhält die Person, die am Zug war, dieses Sternbild. Vorher dürfen alle Spielenden, die ebenfalls Sterne dieses Sternbilds markiert haben, einen Bonus wählen. Wer die meisten Sterne markiert hat, wählt zuerst. Der “Entdecker” der Karte wählt keinen Bonus, sondern erhält nur die Karte und später die Fähigkeit, die diese mitbringt. Die Bonusse erlauben etwa das Erzielen von Siegpunkten, Sammeln von Weisheit, Vergrößern des Beutels, Reaktivieren von Karten oder das Ziehen von Teleskop-Token oder Sternenstaub.

Auf den Sternbildern werden Sterne markiert. Bild: Jonas Dahmen

Auf den Sternbildern werden Sterne markiert. Bild: Jonas Dahmen

Auf diese Weise laufen die Züge ab, bis die Spielendekarte sichtbar wird. Sie löst das Ende des Spiels aus. Nach einer letzten Runde werden Punkte gezählt. Es gibt Punkte für die Größe des Beutels und die gesammelte Weisheit. Zusätzlich gibt es weitere Punkte für je drei Sternenstaub im Beutel und je zwei markierte Sterne auf unvollendeten Sternbildern. Am Anfang haben alle noch eine persönliche Wertungskarte erhalten. Alle haben dort bereits zwei Kreuze. Weitere Kreuze werden bei den Elementen gemacht, die man in seiner Auslage hat. Dies ist in der Endabrechnung die größte Punktequelle. Als letztes gibt es Punkte für die am Spielende aktiven Sternbildkarten. 

Wer nun die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

Infobox

Personenzahl: 2 bis 5
Alter: ab 10 Jahren
Spielzeit: 40 bis 100 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: mäßig
Genre: Kennerspiel
Kernmechanismen: Area Majority, Set collection

Autoren: Patrik Porkoláb, Frigyes Schöberl, Eszter Krisztina Sas
Gestaltung: Csilla Fekete
Offizielle Website: Astra
Erscheinungsjahr: 2022
Sprache: englisch
Kosten: 36 Euro

Fazit

Die Regeln des Spiels sind im Kern eigentlich relativ einfach. Es gibt jedoch ein paar Ergänzungen, die das Niveau des Spiels doch knapp in den Kennerspielbereich heben. 

Die Ausgangslage des Spiels ist auch wirklich gut. Die Idee ist spannend. Mit abwaschbaren Stiften Sterne zu markieren und so Sternbilder zu entdecken ist neu. Leider kann das Spiel die Idee nicht zufriedenstellend umsetzen. Das Thema kommt in der Spielmechanik nicht rüber. An sich wäre das nicht schlimm, wenn diese denn gut funktionieren würde.

Das Material ist ok. Bei einigen Karten unserer Ausgabe waren in den Ecken die Beschichtungen der Karten beschädigt. Dies kann aber auch ein Einzelfall sein. Sehr unnötig waren die vielen Plastikverpackungen für das Material. Die Folie um die Box ist ja leider immer noch Standard. Aber auch im Inneren war jede Komponente noch einmal extra eingeschweißt; selbst die Stifte oder die fünf Spielertableaus. Auch auf der SPIEL haben viele Neuheiten gezeigt, dass das besser geht.

Das Markieren der Sterne mit den abwaschbaren Stiften ist nett, aber leider sind die weißen Punkte der Sterne zu klein. So lassen sich die Farben nicht wirklich gut unterscheiden und die Übersichtlichkeit leidet. Der blaue Stift ließ sich (zumindest mit dem enthaltenen Aufsatz) nicht rückstandslos entfernen und verschmieret eher. Hier musste feucht nachgeholfen werden.

Immerhin die Regeln erinnern sowohl vom Layout als auch von der inhaltlichen Qualität an den gewohnt hohen Mindclash-Standard. Hier gibt es nicht wirklich etwas zu bemängeln.

Die einzelnen Züge laufen zügig ab. Eine wirkliche Entwicklung erlebt man in diesen aber nicht. Es ist nicht sicher, ob man seine einmal genutzten Fähigkeiten wieder aktivieren kann, wenn der Sphärenmarker ungünstig bewegt wird von den Mitspielenden. Dies ist nicht der einzige fehlende Anreiz, sich die Sternbilder für die eigene Auslage zu sichern.

Theoretisch soll eine “normale” Strategie, in der man wirklich Sternbilder vervollständigen möchte, besser sein. In der Praxis funktioniert das nicht wirklich. Der Siegpunktbonus auf vielen Sternbildern ist für die unterstützenden Spielenden eigentlich lukrativer als das Sammeln von Karten für die Effekte und die Siegpunkte über die Elemente. Auch die weiteren Bonusse fühlen sich zu Vergleich zu den Kartenfähigkeiten mindestens gleichwertig an.
Das Problem der zweiten Strategie wurde oben schon beschrieben und erstere ist je nach Personenzahl und Menge der zur Verfügung stehenden Karten stärker glücksabhängig, da die Elemente auch zur richtigen Zeit kommen müssen. Anfangs hat man nicht genug Weisheit und kann dementsprechend nur wenige Karten besitzen.

So entsteht kein Spielfluss. Häufig wird versucht, sich die Mehrheit auf den Sternenbildern zu sichern, ohne diese aber zu vervollständigen. Nicht nur deshalb zieht sich das Spiel auch noch länger, als es für den gebotenen Inhalt angebracht wäre. Einen wirklich spannenden Aufbau von Fähigkeiten oder gute Möglichkeiten zu befriedigenden Combos in Zügen gibt es viel zu selten.

Zu zweit funktioniert das Spiel leider gar nicht. Trotz Dummy-Player einer dritten Farbe ist das Spiel hier absolut nicht empfehlenswert. Da wollte man wohl eher unbedingt die “2” auf der Box haben, als dass das Spiel wirklich dafür ausgelegt ist.
Mit drei oder vier Personen ist die ideale Besetzung erreicht, auch wenn dann die Spieldauer eigentlich schon zu lang wird.

Das Spiel bewegt sich irgendwo im Niemandsland zwischen Familienspiel und Kennerspiel. Das grundlegende Konzept ist sehr simpel, wird aber gerade bei der Endwertung durch aufgesetzt wirkende Regeln eher sperriger als elegant komplexer. Das Cerebria Kartenspiel wirkte schon etwas “unfertig”. Dieses ist aber wenigstens in 20 bis 30 Minuten gespielt. Auch bei Astra kommt das Gefühl auf, als hätte etwas fertig werden sollen, was noch nicht fertig ist.

Insbesondere der hohe Glücksfaktor der theoretisch besseren Strategie über die eigene Punktetabelle mit den Elementen gegenüber der Sicherheit der Unterstützungsbonusse, schadet dem Spiel. Der Wiederspielreiz ist durch den immer gleichen Ablauf und einer geringen Entwicklung der Möglichkeiten über ein Spiel ebenfalls eher gering.

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