Gestranded an einem verlassenen Ort, die Menschen sind größtenteils ausgestorben, nur noch eine kleine Gruppe an Leuten ist übrig. Wie sollen wir nur in dieser postapokalyptischen Welt überleben? Diese Frage stellt sich Tough Calls: Dystopia. Auf Deutsch erscheint das narrative Argumentationsspiel als Tough Calls: Nach dem Untergang bei Nice Game Publishing.

Roboter, die die Herrschaft über die Welt übernommen haben – superresistente Bakterien, die jegliche organische Materie verschlingen – das Erlöschen der Sonne… Tough Calls bietet verschiedene Szenarien an, die wir durchleben können. Wie wir mit dieser Situation umgehen, liegt dabei komplett in der Hand unserer eigenen Kreativität.

Harte Entscheidungen

In Tough Calls nehmen 3 – 6 Spielende jeweils die Rolle eines Fraktionsführers ein, die in einem von 10 dystopischen Szenarien ums Überleben kämpfen. Nachdem wir anfangs unsere Fraktion anhand einer szenario-spezifischen Eingangsfrage vorgestellt haben, ist es unser Ziel, die höchste Anzahl an Stimmen für sich zu gewinnen. Dafür müssen alle Spielenden jede Runde eine Frage beantworten und unsere Gegenakteure davon überzeugen, dass unsere Antwort die beste Lösung für das Überleben der gesamten Gruppe bietet. Nachdem alle die Frage der Runde beantwortet haben, kommt es zu einer geheimen Abstimmung. Jeder Anführer muss dabei eine Stimme dem Konkurrenten geben, der seiner Meinung nach die beste Antwort gegeben hat. Dies tut er, indem er einen der Wahlmarker in Form von Dosenlaschen in die Wahlurne wirft. Im Anschluss fängt eine neue Runde an; der nächste Spielende zieht drei Fragenkarten und sucht sich eine aus. Diese wird dann wieder von allen beantwortet.

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Die Zeit zerinnt… für Mitspielende die zu ausufernd werden. Denn optional kann man für Antwortrunden die beiliegende Sanduhr nutzen. Foto: Sven Karsten

Sobald alle Mitspielenden eine Fragenkarte gezogen haben, ist die Fragerunde vorbei und eine zufällige zum Szenario gehörende Ereigniskarte wird gezogen. Daraufhin müssen alle Fraktionen nochmal reagieren und ihre Lösung präsentieren. Haben alle auf das Ereignis reagiert, kommt es zur finalen verdeckten Abstimmung. Hier wird für die Fraktion, die das ganze Spiel lang am Überzeugendsten war, der eigene Fraktionsmarker in die Wahlurne geworfen. Am Ende werden die Stimmen ausgezählt. Dosenlaschen zählen als eine, Fraktionsmarker als zwei Stimmen. Der Anführer, der die meisten Stimmen gesammelt hat, gewinnt das Spiel.

Kreativität ist gefragt

Da das Spiel nur das Szenario vorgibt und einzelne Fragen stellt, kommt es beim Spielspaß besonders auf die Mitspielenden an. Alle müssen auf das Spiel eingehen, aus sich raus wachsen und kreative Lösungen finden. Dadurch hat Tough Calls einen gewissen Rollenspielflair. Pro Frage, die man beantworten muss, wächst man immer mehr in seinen gerade ausgedachten Charakter/seine ausgedachte Fraktion rein. Schade ist es nur, dass man durch die wenigen Fragen innerhalb einer Runde zu schnell wieder rausgerissen wird.

Das Spielmaterial fühlt sich bis auf die Karten zuweilen recht billig an.

Das Spielmaterial fühlt sich bis auf die Karten zuweilen recht billig an. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, dass man die Pappeplättchen leicht zerknicken könnte. Aber zum Glück braucht man diese nicht zu oft, da Tough Calls den Fokus auf die Gespräche setzt. Foto: Sven Karsten

Wichtig ist es zudem, dass man vor jeder Partie bespricht, wie ernst man an das Spiel ran geht. Nimmt man das Spiel komplett ernst oder sind spaßige Fraktionen (beispielsweise wie aus den Videospielen Fallout oder Borderlands) erlaubt? Gibt es hier gemischte Gruppen, wo eine Person eine Quatschfraktion spielt, während die anderen ernst spielen, kann es schnell dazu kommen, dass man hier den Spaß am Spiel verliert und nichts Ganzes dabei herumkommt.

Das Problem mit den Szenarien

Tough Calls hat sich aufgrund seiner 10 Szenarien innerhalb einer Gruppe leider schnell ausgespielt. Man hat meist keinen so großen Spielraum, da die Szenarien sich zwar in der Story stark unterscheiden, allerdings spielerisch kaum einen Unterschied geben. Alle Szenarien geben einen festen Rahmen, aus dem man schwer ausbrechen kann. Es geht immer um das Überleben unserer Kolonie und wie wir dies innerhalb unserer Möglichkeiten anstellen. Dabei sind wir oft räumlich sehr begrenzt, alles außerhalb unseres Aufenthaltsortes ist bedrohlich. Dadurch kommt es immer wieder zu denselben Ideen, die man in einem vorab gespielten Szenario schon erlebt hat. Spielt man es hin und wieder mal in verschiedenen Gruppen-Konstellationen, könnte es auch über mehrere Spiele hinweg überzeugen. Besonders, wenn man das Spiel in paar Partien nicht so ernst nimmt.

Infos zu Tough Calls – Nach dem Untergang

 Spielerzahl: 3 bis 5
Alter: ab 12 Jahren
Spielzeit: 45 Minuten
Schwierigkeit: leicht
Langzeitmotivation: niedrig
Klassifikation: Rollenspiel

Autor: Diego Burgos, Margarita Pino
Illustrationen: Dmitry Vishnevsky
Verlag: Nice Game Publishing, Fractal Juegos
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2022
Sprache: Deutsch
Kosten: 24,99 Euro

Fazit

Nice Game Publishing und Fractal Juegos bringen mit Tough Calls: Nach dem Untergang ein Spiel auf dem Markt, dass besonders für Fans von Rollenspielen á la DnD oder Shadowrun etwas sein könnte. Personen, die nicht auf kreative Spiele stehen, werden hiermit gar keinen Spaß haben, da Kreativität hier voll und ganz im Vordergrund stehen. Allerdings steht sich das Spiel durch die zu ähnlichen Szenarien in Sachen kreative Auslebung selbst im Weg. Auch die Tipps im Regelbuch schmälern das Spielerlebnis etwas. Beispielsweise der, dass man den Gegenspielenden nicht widersprechen soll, um den Spielfluss nicht zu unterbrechen. Gerade die Diskussionen, die bei Rollenspielen entstehen können, machen doch einen großen Spaßfaktor aus. Da es nur Vorschläge sind, die man nicht beachten muss, haben wir in unseren Partien fröhlich miteinander diskutiert oder den anderen zugestimmt, denn das macht gerade den Reiz eines solchen Spieles aus. Eine schöne Diskussion in einem dystopischen Setting.

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