Bereits 2017 in Japan erschienen, fand Clockworker dank Sylex und Asmodee den Weg nach Europa und nach Deutschland. Mit seiner tollen Optik bekam das Spiel während der SPIEL auch ein gutes Maß an Aufmerksamkeit. Eine gute Optik muss natürlich auch durch gute Mechanismen und ein langfristig fesselndes Spielerlebnis unterstützt werden. Wie gut das dem Spiel gelingt, zeigt sich in unserem Test.

In einem nicht genau benannten Jahr des 3. Jahrtausends wurde die Erde von der überentwickelten Technologie der Menschen unbewohnbar. Die Menschheit verließ die Erde und suchte sich einen neuen Planeten, den sie bewohnen konnte. Nur die Roboter blieben zurück. 

Einige Jahre später fanden autonome Roboter einen Weg, um auf dieser verwüsteten Erde zu überleben und die zurückgelassenen Maschinen und Fabriken der Menschen zu bedienen. 
Die Spielenden senden ihre Bots aus, um Ressourcen zu sammeln, mit denen Artefakte und Aufnahmen der Menschen beansprucht werden können. Auf diese Weise sammeln alle Antriebspunkte. Wer am Spielende die meisten Punkte gesammelt hat, wird Anführer der neuen Roboterära.

Wie sieht eine verwüstete Erde aus?

Das Spiel ist schnell aufgebaut. Die 16 unterschiedlichen Artefakte, die bei drei oder vier Mitspielenden zum Teil doppelt vorhanden sind, werden offen platziert. Darunter werden fünf offene Aufnahmen und der Stapel mit den restlichen Aufnahmen platziert. Gleiches gilt für die Orte.  Durch die Orte erhält man Ressourcen und die Artefakte bringen Vorteile in unterschiedlichen Situationen.

Die Auslage in der Tischmitte sieht immer sehr ähnlich aus. Bild: Jonas Dahmen

Alle starten mit einem Startort, auf dem sie vier der sechs anfangs verfügbaren eigenen Bots platzieren. Je nach Personenzahl und Position in der Runde erhalten alle zum Start zwischen drei und fünf Zahnräder, die die Währung im Spiel darstellen. 

Die blauen, grünen, roten und gelben Ressourcenwürfel werden zusammen mit den Antriebspunktmarkern und den übrigen Zahnrädern und Bots neben dem Spielbereich als Vorrat bereitgelegt.

Was machen Roboter, wenn keiner guckt?

Jeder Zug setzt sich aus zwei Phasen zusammen. In der Bergungsphase kehrt der oberste Bot jedes eigenen Ortes zurück. So erhält man Zahnräder und Ressourcenwürfel. In der Aktionsphase darf man eine beliebige von sechs möglichen Aktionen ausführen. So kann man einen weiteren Bot von einem Ort zurücknehmen und erhält weitere Ressourcen. Ebenso kann man neue Bots auf einem Ort platzieren. Die Plätze werden dabei immer von oben nach unten aufgefüllt. Hat man mindestens sechs Karten (Orte oder Artefakte) in der eigenen Auslage, darf man auf zwei Orten Bots platzieren. 

Am Anfang haben alle den gleichen Startort. Bild: Jonas Dahmen

Mit je einer der drei weiteren Aktionsmöglichkeiten kann man für Zahnräder einen neuen Ort kaufen und diesen direkt befüllen, Artefakte reparieren oder Aufnahmen erhalten. Ist unter den bisher genannten fünf Aktionsmöglichkeiten keine passende dabei, kann man sich mit der letzten Möglichkeit zwei Zahnräder nehmen.

Wie wird man das Roboteroberhaupt?

Das Spiel endet, wenn eine Person zwölf Karten in ihrer Auslage liegen hat oder wenn vom Aufnahmenstapel das Endeplättchen aufgedeckt wird. Dieses wird beim Aufbau in Abhängigkeit der Personenzahl an einer bestimmten Position im Aufnahmenstapel platziert.

Nun zählen alle ihre im Spielverlauf gesammelten Antriebspunkte und addieren die Punkte durch Artefakte und Aufnahmen. Wer die meisten Punkte gesammelt, gewinnt das Spiel.

Infobox

Personenzahl: 2 bis 4 
Alter: ab 12 Jahren
Spielzeit: 45 bis 60 Minuten 
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: mäßig
Genre: Kennerspiel
Kernmechanismen: Worker Placement, Engine Building

Autor: Rikkati
Gestaltung: Yustas S
Offizielle Website: Clockworker
Erscheinungsjahr: 2022
Sprache: deutsch
Kosten: 32 Euro

Fazit

Hinter der interessanten Spielidee und der tollen Optik steckt hier leider nicht viel Gutes. Das Thema hätte besser umgesetzt werden können. Alleine das Benennen der einzelnen Ressourcen hätte hier schon geholfen. Trotzdem ist es einer der positivsten Aspekte des Spiels. Die Illustrationen und die Botminiaturen sind wunderschön und werten das Spiel sehr gut auf. Nur die Qualität der Miniaturen könnte besser sein, da sie doch sehr anfällig sind im Bereich der „Roboterbeine“ zu knicken.

So könnte es während des Spiels vor einer Person aussehen. Bild: Jonas Dahmen

Betrachtet man alle weiteren Komponenten, ist die Qualität des Spielmaterials insgesamt durchschnittlich. Der Startspielermarker ist so wie er geliefert wird unbrauchbar. Selbst wenn man ihn klebt ist er nicht wirklich stabil. Auch bei weiteren Standfiguren, die zwar auf dem Stanzbogen sind. aber nicht im Spiel vorkommen, gibt es die gleichen Probleme. Die Karten sind ebenso wie die weiteren Ressourcen und Papptoken von guter Qualität.

Das Regelheft wirkt irgendwie unfertig und hätte deutlich mehr Sorgfalt bei der Erstellung gebraucht. Bei der Übersicht der Artefakt werden zwei unterschiedliche Artefakte mit dem gleichen Text beschrieben, bei der Endwertung werden „Stromplättchen“ genannt, die nicht im Spiel enthalten sind und insgesamt ist das Regelheft vom Schriftbild einfach nicht schön und wirkt wie ein Prototyp vor dem finalen Design. Schriftgröße und Fett-/Kursivschreibung sind zum Teil uneinheitlich.

Die Icons auf den Artefakten sind zum Teil nur mit der Übersicht zu verstehen. Gerade da das Spiel sich von der Komplexität zwischen Familienspiel und Kennerspiel bewegt, wäre hier eine klarere Ikonographie oder, noch besser, Texte die verständlichere Wahl gewesen. Es ist merkwürdig, dass die Kosten auf den Aufnahmen und Artefakten jeweils unterschiedlich designt wurden.

Was trotz alledem wirklich gut ist, ist der Mechanismus. Das Einsetzen und verzögerte Zurücknehmen der Bots ist ein wirklicher schöner Mechanismus. Das Engine Building mit den Orten und Artefaktkarten ist ebenfalls elegant gelöst und erlaubt unterschiedliche Strategien. Durch die kurze Spielzeit muss man auch von Anfang an die Antriebspunkte im Blick behalten. Die einzelnen Züge laufen flüssig nacheinander ab.

Zumindest mit dem süßen Artwork kann das Spiel überzeugen. Bild: Jonas Dahmen

Während einer einzelnen Partie kann das Spiel wirklich gut unterhalten. Da jedoch in jeder Partie die gleichen Artefakte ausliegen und auch die Aufnahmen und Orte kaum grundlegende Unterschiede aufweisen, nutzt sich der gute Mechanismus durch die fehlende Abwechslung sehr schnell ab.

Für gelegentliche Partien, gerade als Einstieg in den Kennerspielbereich, ist dieses Spiel geeignet. Leider stößt es durch die genannten Probleme sehr schnell an seine Grenzen und ist auf lange Sicht kein wirklich reizvolles Spiel. 

In zwei Foren auf der BoardGameGeek-Seite des Spiels wurde von Sylex im Hinblick auf die nicht vorhandene Abwechslung bei den Artefakten auf eine sich anscheinend in Arbeit befindliche Erweiterung hingewiesen. Auch ein Solomodus wurde nicht ausgeschlossen.


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