Die ersten warmen Sonnenstrahlen kitzeln die Haut. Eigentlich die perfekte Zeit für einen Besuch im Freizeitpark. Wäre da nicht die Pandemie. Zum Glück, gibt es Spiele wie Trool Park von dem Autoren-Duo Christian Martinez und Frédéric Vuagnat, das ursprünglich im Verlag Ankama und als deutschsprachige Lokalisierung im Schweizer Verlag Board Game Box erschienen ist. Es handelt sich im Grunde um ein Brettspiel für Familien, das seinen Spielern einen kuriosen Tag im Vergnügungspark bietet und das nicht nur als Besucher – hier tritt man nämlich in die Fußstapfen eines Parkleiters und versucht, den „Trool Park“ möglichst attraktiv zu gestalten, um Runde für Runde so viele Besucher wie möglich anzulocken. Ob das unterhaltsam ist? Lest selbst.


So ein Tag im Vergnügungspark ist vor allem eines: bunt. Als riesengroßer Farbklecks präsentiert sich das vom Verlag Board Game Box lokalisierte Brettspiel. Die Optik sollte allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass hinter dem Titel insgesamt mehr steckt als man ihm zunächst zutrauen würde. Trool Park ist für Familien ein durchaus ansprechendes Brettspiel, Vielspieler oder gar Experten werden angesichts des linearen Spielablaufs und der insgesamt wenigen Entscheidungsmöglichkeiten unterfordert sein.  

Trool Park: Der beste Parkmanager gewinnt

Das Spiel spiegelt das Grundthema wider, wurde entsprechend wuselig gestaltet – das kommt zunächst gut an. Das Regelwerk umfasst dabei 15 reichlich bebilderte Seiten und ist somit zügig durchgearbeitet, um schnell einen Einstieg in die Spielpartie zu finden. In der zwei bis vier Spieler ab zehn Jahren einen eigenen Vergnügungspark errichten, der die perfekte Mischung aus Attraktionen und Fressbuden bieten und damit reichlich Besucher anlocken soll. Doch ganz so einfach ist gestaltet sich diese Aufgabe nicht, denn neben den konkurrierenden Mitspielern, warten auch noch überraschende Kontrollen und Wetterumschwünge auf die Trool-Park-Manager. Dabei treten die Spieler in je acht Spielrunden, mit vier einfachen, sich wiederholenden Spielphasen gegeneinander an. Der Spieler, der am Spielende die meisten Besucher in der leichten Wirtschaftssimulation für sich gewinnen konnte, gewinnt die Partie Trool Park.

Spieler treten in die Fußstapfen von Freizeitpark-Managern und verantworten das Tagesgeschäft. Foto: Volkmann

Spieler treten in die Fußstapfen von Freizeitpark-Managern und verantworten das Tagesgeschäft. Foto: Volkmann

Grundsätzlich geht es um einen vierschrittigen Ablauf, der sich stetig wiederholt: (1) Eine Attraktion erwerben: In dieser Phase wählt jeder Spieler eine Attraktion aus, die im Anschluss einen Effekt auslöst. Zur Wahl stehen ihm dabei solche des Spaßes, der Leckereien und des Nervenkitzels. (2) Wetterereignis: In dieser Phase gibt eine Wettermarke die aktuelle Wetterlage an, welche zu Sonderpunkten führen kann. (3) Dann folgt die Inspektion ab der zweiten Spielrunde: In dieser Phase klopft der Inspektor an die Tür der Vergnügungsparks. Je nach Rang hagelt es hier Belohnungen. (4) Zuletzt geht es nur noch darum, die nächste Runde vorzubereiten: In der abschließenden Phase wird das allgemeine Attraktionsangebot aufgefüllt und eine neue Inspektionskarte gezogen.

Besonders kompliziert klingt das nicht. Und tatsächlich entpuppt sich Trool Park nach einer kurzen Einlesezeit als intuitiv. Ist das Spiel erst mal aufgebaut und die einfach gehaltene Anleitung gelesen, kann Trool Park ohne weiterer Erklärungen und Barrieren gespielt werden. Sollte es doch noch zu Unsicherheiten kommen, helfen die Spielerhilfen dabei, im Spielfluss zu bleiben. Gelegentliche Unklarheiten – sofern sie denn überhaupt auftreten – sind schnell beseitigt. Darin liegt eine große Stärke des Brettspiels: Man wird schnell warm mit dem Spielprinzip. Der Aufbau allerdings dauert einige Minuten, auf dem Tisch liegt reichlich Material – und genau das lässt keinen Zweifel daran, dass die Autoren nicht unbedingt vorrangig Familienspieler als Zielgruppe ins Auge gefasst hatten. Das passt letztendlich so gar nicht zu der überschaubaren, aber angenehm eng umgrenzten Spielzeit: Die Spieldauer von 40 Minuten pro Partie sind genau richtig um Kinder bei Laune zu halten oder als lustige Unterhaltung für Gelegenheitsspieler, gemeinsam mit Freunden und Familie, zu dienen.

Material ist bei Trool Park reichlich vorhanden. Auf dem Tisch sieht das Brettspiel wunderbar aus. Foto: Volkmann

Material ist bei Trool Park reichlich vorhanden. Auf dem Tisch sieht das Brettspiel wunderbar aus. Foto: Volkmann

Für das fröhlich wirkende Artwork von Trool Park sind die Designer Guillaume Pivaut und Guillaume Duchemin verantwortlich, die die Bereiche der Freizeitparks bis ins kleinste Detail mit lebendigen Zeichnungen gefüllt haben, die dabei an eine Mischung aus Kirmes- und Parkfeeling erinnern und jüngeren Spielern viel Raum zum Finden und Entdecken geben.

Das Spielmaterial von Trool Park ist ausnahmslos hochwertig gearbeitet und enthält: 1 Hauptspielbrett, 3 Nebenspielbretter, insgesamt 42 Attraktionskarten, 3 Attraktionen-geschlossen-Karten, drei Wettermarken, 27 Kioskkarten, 9 Inspektionskarten, 97 Besuchermarken, 1 Toboggan (Rutsche), 4 Spielzugkarten, 5 praktische Spielkarton-Trenner, 4 Spielbretter, 4 Auswahlräder sowie 4 Positionssteine und Punktezahl-Figuren aus Holz. Die Spielanleitung komplettiert das Material, welches gestalterisch keinen Zweifel an dem Spielthema eines Vergnügungsparks lässt. Die Spielbox ist quietschbunt und kommt hochwertig und im Kartenstil designt zu den Spielern nach Hause. Einziger Wermutstropfen: Die Rutsche und der Spielkartontrenner sind recht wackelig, was sich notfalls mit einem Tröpfchen Klebstoff leicht beheben lässt.

Artwork erweckt Park zum Leben

Nach dem Aufbau und dem schnellen Rrlernen Regeln, kann es mit der Partie der einfachen Wirtschaftssimulationen losgehen: Jeder Spieler erhält dazu jenes Material, dass er als Grundlage für seinen Vergnügungspark benötigt, wählt eine Spielerfarbe und den entsprechenden Meeple und den dazugehörigen Positionsstein aus. Nun müssen nur noch die Besucher- und Wettermarken sowie die Attraktions- und Kiosk- und Inspektionskarten vorbereitet werden. Danach wird noch schnell die Rutsche aufgestellt, mit den Positionssteinen bestückt und schon kann der Rummel beginnen. Dabei läuft jede der acht Spielrunden in den selben vier Schritten („Eine Attraktion erwerben“, „Wetterereignis“, „Inspektion“ und „Nächste Runde vorbereiten“) ab, nur in der ersten Runde wird die Inspektionsrunde übersprungen. Hat der Spieler in der ersten Phase eine Attraktion ausgewählt, und ist diese noch nicht von einem Mitspieler ausgewählt worden, so kommt es zu unterschiedlichen Effekten. Einerseits können dabei durch bestimmte Bedingungen Themenbereiche attraktiver werden, anderseits können die Spieler Besucher hinzugewinnen.

Gleichzeitig ist damit also die größte Stärke von Trool Park – nämlich die Einfachheit samt stets nachvollziehbarer Spielhandlungen – auch die größte Schwäche dieses Brettspiels: Es bietet nicht besonders viel Entscheidungsvielfalt, das Konzept nutzt sich mit der Zeit ab. Abgefedert wird das glücklicherweise durch die eng umgrenzte Rundenanzahl und damit Spielzeit. Die Autoren beugen damit einer Gefährdung des Spielspaßes durch allzu stark spürbare Eintönigkeit vor. 

Für einen kleinen Kniff sorgt, thematisch passend, das Wetter im Open-Air-Vergnügungspark. In jeder Wetterereignis-Phase warten Punkte für die Themenbereiche (Nervenkitzel, Leckereien und Spaß) auf die Themenparks der Spieler, jedoch nur, wenn diese in einem Bereich liegen, der der Wettermarke entspricht (Schnee, Regen und Sonne). In der Inspektionsphase werden die Spieler für die Rangführung in einem der Themenbereiche absteigend belohnt. Manchmal geht dabei der Spieler am Ende der Reihenfolge leer aus. Hier winken Themenpunkte und Besucher als Belohnung. Endet die letzte Runde, gewinnt der attraktivste Park und damit derjenige mit den meisten Besuchern. Gespielt wird parallel somit gibt es kaum Downtime, was dem Spielfluss zugute kommt.

Die Attraktionen samt Boni stellen eine der komplexeren Mechaniken dieses Brettspiels dar. Foto: Volkmann

Die Attraktionen samt Boni stellen eine der komplexeren Mechaniken dieses Brettspiels dar. Foto: Volkmann

Nicht ganz ins Konzept passen da die teilweise hakelige Synergien aus Attraktionsauswahl und Boni-Aktivierung, das wirkt in manchen Spielsituationen unübersichtlich – macht allerdings gleichzeitig auch einen Reiz des Spiels aus. Denn an dieser Stelle kommt jene Komplexität ins Spiel, die man ansonsten oft vermisst. Trotz der kunterbunten Optik gilt es also, stets aufmerksam zu sein. Auch, weil die Mechanismen insgesamt hervorragend ineinandergreifen und sich als Mix spielerisch erfrischend anfühlen. 

Wer eine komplexe Wirtschaftssimulation im Stil eines Theme Park erwartet, der wird mit Trool Park nicht das erwartete Brettspiel erhalten. Derjenige, der auf der Suche nach einem grundsätzlich einfachen, aber zumindest bezüglich einiger Elemente gehobenem Brettspiel mit leichten Einflüssen einer Wirtschaftssimulation, ist, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit Spaß an dem „Managen“ seines bunten Vergnügungsparks finden. Ob man nun Familien oder Vielspieler ansprechen wollte, ist letztendlich unerheblich. Beide Zielgruppen kommen zurecht, erstere benötigt allerdings etwas mehr Eingewöhnungszeit. Auch hier macht sich der lineare Ablauf wieder als guter Wegweiser bemerkbar: Weil in den acht Spielrunden der Partie sich die vier Spielphasen immer wiederholen, wird der Ablauf auch für ältere Kinder, nach einer Anlernphase, nachvollziehbar. Für einige Spieler könnte die fehlende Interaktion, die sich nur in der Phase des Auswählens der Attraktionen zeigt, jedoch ein Nachteil sein. Die Regeln sind dabei schnell verstanden und es spielt sich ebenso zügig flüssig. So kann Trool Park mit seiner relativ kurzen Spieldauer von 40 Minuten für kurzweiligen Spielspaß sorgen und gehört damit zu einem Spiel, dass auch ohne weitere Vorbereitungen zwischendurch gespielt werden kann. Auch ungeübten Spielern gelingt mit Hilfe der übersichtlichen Spielerhilfen der Einstieg binnen kurzer Zeit.

Infobox

Spielerzahl: 2 bis 4
Alter: ab 10 Jahren
Spielzeit: etwa 30 bis 50 Minuten
Schwierigkeit: einfach bis mittel
Langzeitmotivation: mittel
Genre: Familienspiele
Kernmechanismen: Set Collection, Action-Selection

Autoren: Christian Martinez und Frédéric Vuagnat
Illustrationen: Guillaume Pivaut und Guillaume Duchemin
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2018
Sprache:  deutsch
Kosten: 29,99 Euro

 

Fazit

Trool Park spricht in dem Zusammenspiel seiner Leichtigkeit und Thematik vor allem jüngere Spieler und Familien an. Dabei könnte dem Thema „Freizeitpark“ Auswechselbarkeit unterstellt werden, so könnte die Spielmechanik beispielsweise auch in einem Zoo-Aufbau-Setting gut funktionieren ohne an Unterhaltungspotential zu verlieren. Dennoch kann man Freude finden an dem  detailreich gestalteten, materialtechnisch fast schon überladenen Brettspiel mit Basis-Elementen einer Wirtschaftssimulation finden. Trool Park ist schnell erlernt und Mitspielern einfach erklärt., dafür darf man komplexe Spieltiefe hier nicht erwarten. So richtig einer roten Linie will das Spielkonzept allerdings trotz aller Linearität nicht. Zwar wird Trool Park als ein reines Unterhaltungsspiel präsentiert, wartet jedoch auch mit einigen durchaus tiefgreifenderen Einzelelementen auf, die so gar nicht zu der ansonsten deutlich spürbaren Simplizität passen wollen. Besonders deutlich wird das in Spielsituationen, in denen das Gefühl aufkommt, die Idee sei nicht ganz zu ende gedacht.

Zugute halten muss man Trool Park sein tolles Setting, das die eine oder anderen spielerische Unzulänglichkeit kaschieren kann. Wenn das Brettspiel erstmal aufgebaut auf dem Tisch liegt, möchte man es auch spielen – am besten sofort. Die Optik ist ein echter Motivator und einer der guten Gründe dafür, dieses Brettspiel zukünftig wieder aus dem Regel zu nehmen. 

Der Titel kann mit zwei bis vier Mitspielern gleichermaßen gut gespielt werden, da es kaum zu Interaktionen unter den Spielern kommt. Vorerfahrungen werden für das Brettspiel nicht benötigt, lediglich ein wenig Einarbeitung und zu Beginn die Nutzung der Spielerhilfen, um den Spielfluss zu gewähren.


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