Vor drei Jahren erschien mit Lux Aeterna bereits ein Solospiel von Tony Boydell und Illustrationen von Alex Lee bei Frosted Games. Dieses “Trio” hat zur SPIEL ein weiteres Spiel herausgebracht. Wieder mit einfachen Regeln, kurzer Spielzeit und exklusiv solo spielbar beschwört man in der Neuheit Aleph Null den Dämon Baphomet und versucht dieses Vorhaben nach Möglichkeit zu überleben. Wie viel teuflischer Spaß in der Dämonenbeschwörung steckt, zeigt sich im Test.

Frosted Games haben insbesondere bei “kleinen” Solospielen eine sehr gute Auswahl. Viele Titel von Button Shy, die auf Deutsch bei Frosted erscheinen, richten sich an Solospielende und auch das bereits oben genannte Lux Aeterna erfüllt die Kriterien “klein und schnell” problemlos. Mit Aleph Null ist vom gleichen Autoren-Künstler-Duo nun ein weiteres Spiel bei Frosted erschienen, das ebenfalls in die Kategorie “Klein und Schnell” gehört. Ein paar Sachen erinnern an den “Vorgänger”, doch es gibt viel mehr Neues zu entdecken, als Bekanntes wiederzuentdecken. Wie viel Gutes das teuflische Beschwören des Dämons Baphomet bietet, haben wir in unseren Testritualen (über-)leben können.

Dämonen und wie sie zu beschwören sind

Viel braucht es nicht, um einen Dämon zu beschwören. 69 Karten, je drei Schadens- und Magische Kraft Marker und eine massive Holzablage für das Grimoire Verum finden sich in der handlichen Box. 28 dieser Karten bilden das Hauptdeck. Zwölf weitere Karten sind Beeinträchtigungen. Diese gibt es in drei unterschiedlichen Stufen. Das Grimoire besteht aus neun Karten und führt durch das Spiel. Eine Übersicht über alle Karten und ihre Effekt findet sich auf den FAQ-Karten. Zuletzt gibt es noch einige Blanko-Beeinträchtigungskarten, Promos für Aleph Null und Lux Aeterna und eine textlose Baphometkarte für Spieler mit Stil.

Das Ritual der Vorbereitung 

Auch hier sind die benötigten Schritte sehr übersichtlich. Der Grimoirestapel wird auf der Holzablage platziert und “aufgeschlagen”. Auf den ersten beiden Seiten sind die fünf Schwierigkeitsstufen abgebildet. In Abhängigkeit von der gewählten Stufe, legt man drei bis fünf Beeinträchtigungen bereit. Nun muss man nur noch das Hauptdeck mischen und bereitlegen. Mit dem “Sonnenuntergang” beginnt das Ritual.

Das Grimoire Verum führt durch das Ritual. Bild: Jonas Dahmen

Das Ritual durchführen

Das Ziel des Spiels ist es, den Dämon Baphomet zu beschwören. Um dies tun zu können, muss man vorher die drei Schlüssel beschworen haben. Hat man Baphomet beschworen, endet das Spiel sofort. Sollten sich dann noch Karten auf der Hand, im Nachzieh- oder im Ablagestapel befinden, hat man das Spiel trotz des erfolgreichen Rituals verloren. Wenn man den dritten Schaden erleidet, eine Schlüsselkarte oder Baphomet opfert oder mehr als sechs Stunden (Spielrunden) benötigt, hat man ebenfalls verloren.

In jeder Stunde führt man eine unbestimmte Anzahl an Zügen aus. Hierfür zieht man fünf Karten auf die Hand. Diese darf man dann beschwören. Um eine Karte beschwören zu können, müssen ihre Kosten in Form von magischer Kraft bezahlt werden. Einige Karten lassen sich auch gratis beschwören oder haben spezielle Kosten.
Karten, die sich im Spiel befinden, bieten verschiedene Aktionen und Fähigkeiten, die durch Ablegen oder Opfern genutzt werden könne. Einige Effekte treten auch nur in bestimmten Situationen ein. 

Die magische Kraft, die man erhält, ist (fast) immer “virtuell”. Nutzt man sie nicht vollständig in einem Zug auf, erleidet man einen Schaden pro nicht genutzter magischer Kraft. Ein Zug endet, wenn man keine weiteren Handkarten beschwören möchte oder kann. Alle auf der Hand verbliebenen Karten werden abgeworfen und es werden fünf neue gezogen. Zieht man eine Beeinträchtigungskarte, muss man diese sofort beschwören. 

Finden sich im Nachziehstapel nicht mehr genug Karten, um die Hand zu füllen, wird der Ablagestapel neu gemischt. Dies rückt die Stunde vor. Je nach Stunde und gewählter Schwierigkeit kommt eine neue Beeinträchtigungskarte ins Deck. 

Die Beeinträchtigungen machen das Ritual schwieriger und zum Teil unberechenbar. Bild: Jonas Dahmen

Das Spiel endet, wenn eine der oben beschriebenen Niederlagebedingungen eingetreten ist oder wenn man Baphomet erfolgreich beschwören konnte. Um zu ermitteln, ob man wirklich gewonnen hat, folgt nun eine Auswertung. Je früher man die erfolgreiche Beschwörung durchführen konnte, desto mehr Punkte gibt es. Zusätzlich gibt es Punkte für jeden nicht genommenen Schadensmarker. Für jede Karte, die sich neben den Schlüsseln im Spiel befand, als Baphomet beschworen wurde, verliert man einen Punkt. Ist die Summe der Punkte null oder größer, hat man gewonnen. Je nach Punktzahl erreicht man einen bestimmten Rang.  

Infobox

Spielerzahl: 1 
Alter: ab 12 Jahren
Spielzeit: 20 Minuten
Schwierigkeit: mäßig
Langzeitmotivation: mäßig
Genre: Kennerspiel
Kernmechanismen: Deck deconstruction, Hand Management

Autor: Tony Boydell
Illustrationen: Alex Lee
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2022
Sprache: deutsch
Kosten: 20 Euro 

Das Ritual des Fazit-Ziehens

Wie schon Lux Aeterna ist Aleph Null schnell gespielt und benötigt nicht zu viel Platz. Das Thema ist gut gewählt und wird mit dem wieder sehr gelungenen Artwork schön umgesetzt. Dieses Mal hat man auch im Spiel genug Zeit, sich mit den Illustrationen auseinanderzusetzen. Auch das übrige Spielmaterial ist wirklich herausragend. Allen voran die Holzablage für das Grimoire wertet das Spiel extrem auf. Die Karten haben wieder “Übergröße”, sind aber auch noch klein genug, um gut händelbar zu sein. Die Gestaltung ist sehr schön und übersichtlich. Die verwendeten Symbole wurden auf ein Mindestmaß begrenzt und alles wichtige steht als Text auf den Karten. 
Der auf der Frosted Website angebotene Soundtrack rundet das Spielerlebnis stimmig ab.

An den Regeln findet man eigentlich keine wirklichen negativen Punkte. Trotzdem schaffen sie es nicht wirklich zu zeigen, wie exakt das Spiel abläuft und was man für ein erfolgreiches Ritual machen muss. Im ersten Spiel beschwört man noch eher ziellos und lernt erstmal alle Karteneffekte kennen. Ist man nach ein paar Runden mit allen Karten vertraut klickt es aber recht schnell und das Spiel läuft sehr flüssig.

Alle Karten, die beschworen wurden, können genutzt werden. Bild: Jonas Dahmen

Gerade in den ersten paar Zügen kann es passieren, dass sich das Spiel wie von selbst spielt. Manchmal kann man von den fünf Handkarten keine beschwören. Gratis Karten beschwört man eigentlich immer.
Mit der Zeit wird das Deck kleiner und der Entscheidungsspielraum größer. Man muss für alle Karten die richtigen Zeitpunkte finden, um sie zu opfern. Opfert man sie zu früh, fehlt wertvolle magische Kraft und behält man sie zu lange, wird man sie nicht mehr rechtzeitig los. Kommt das Spiel spätestens ab Runde zwei in einen Fluss, ist der Ablauf wirklich schön und bietet immer wieder spannende Entscheidungsmöglichkeiten. 

Trotz des kleinen und immer gleich zusammengesetzten Decks nutzen sich die möglichen Entscheidungen nicht so schnell ab. Ähnlich wie Lux Aeterna kommt aber auch Aleph Null irgendwann an die Grenze im Hinblick auf den Wiederspielreiz. Hier ist Aleph Null aber leicht im Vorteil. 

Der Glücksfaktor ist im Spiel natürlich präsent. Schutzlos ausgeliefert ist man diesem aber eigentlich selten. Trotzdem gibt es Beeinträchtigungen, deren Effekte in bestimmten Situationen deutlich schwerwiegender sind als andere Beeinträchtigungen. Durch die kurze Spielzeit lässt sich hiermit aber gut leben. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen erhöhen die Schwierigkeit, auch wenn hier die Abstufung etwas ungenau ist. So kann das zweite Level (3 zufällige Beeinträchtigungen) sowohl ein sehr leichtes Level eins Niveau (3 zufällige Beeinträchtigungen der Stufen 1 und 2) oder ein schwieriges Level drei Niveau (3 zufällige Beeinträchtigungen der Stufen 2 und 3) besitzen. Hier wäre je eine Karte jeder Beeinträchtigungsschwere eine etwas klarere Abstufung für Schwierigkeit zwei gewesen.

Die Endauswertung fühlt sich etwas befriedigender an als in Lux Aeterna. Auch wenn beide neben einer Siegbedingung “nur” eine Punktejagd bieten, ist dies bei Aleph Null deutlich zufriedenstellender. Dies liegt vor allem an der deutlich höheren Hürde, die das Spiel zum Erreichen der Punktewertung bietet. Selbst auf der einfachsten Stufe ist ein Sieg in Aleph Null nicht garantiert. Gelingt die Beschwörung, ist die Punktwertung ähnlich wie bei Friedemann Frieses Freitag eigentlich gar nicht so wichtig. Man ist froh, dass man gewonnen hat. Das “Wie” ist nicht so wichtig.

Insgesamt ist Aleph Null ein weiteres gelungenes Solospiel im Programm von Frosted Games. Es ist eine Spur schöner zu spielen und bietet gerade langfristig etwas “mehr” als Lux Aeterna. Das wieder einmal hervorragende Artwork macht das Thema recht präsent und dank des schnellen und flüssigen Spielablaufs, ist für dieses Spiel eigentlich immer Zeit.

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Letzte Aktualisierung am 1.12.2022 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API