Roll-and-write, kostenlos, fette Beute: drei Stichworte, die in Corona-Zeiten für etwas Abwechslung im ansonsten vermutlich eintönigen Alltag sorgen können. Der Kleinverlag Boardgame Racoon hat ein Würfelspiel veröffentlicht, das als Print-and-play-Variante kostenlos heruntergeladen, ausgedruckt und dann gespielt werden kann. Hinter der Aktion steckt allerdings noch mehr: Sie soll auf die derzeit angespannte Lage bei Verlegern und lokalen Einzelhändlern aufmerksam machen.


„Kostenlos“, das ist eines jener Stichworte, die man in Zeiten der Corona-Krise immer öfter zu hören und lesen bekommt. Überall wachsen Gratisaktionen aus der Erde, die als Zeichen der Solidarität verstanden werden wollen. Auch der Mikro-Verlag Boardgame Racoon hat eine entsprechende Online-Aktion ins Netz gebracht.

Kostenlos ist King in Corona-Zeiten

„Kostenlos“, das ist eines jener Stichworte, die man in Zeiten der Corona-Krise immer öfter zu hören und lesen bekommt. Überall wachsen Gratisaktionen aus der Erde, die als Zeichen der Solidarität verstanden werden wollen. Auch der Mikro-Verlag Boardgame Racoon hat eine entsprechende Online-Aktion ins Netz gebracht.

Unter boardgame-racoon.de/pages/spiele/stayathome gibt es daher nicht nur ein kostenloses Würfelspiel, sondern auch einen Appell an alle Brettspiel-Fans: „Support your locals“ lautet das Motto. Gemeint sind die vielen kleinen Brettspiele-Läden, die aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Pandemie starke Umsatzeinbrüche erlitten haben. Nahezu jeder Influencer ruft in Videos oder Podcasts seine Follower zu fast schon panikartigen Käufen auf – ausnahmsweise zurecht, denn die lokalen Händler kämpfen um ihre wirtschaftliche Existenz.

Dass Konsumenten ihr Geld in Krisenzeiten zusammenhalten, stimmt nur zum Teil: Es wird fröhlich weiter gekauft, allerdings online und nicht im stationären Handel. Logistik-Gigant DHL verkündete jüngst, die Zusteller hätten so viel zu tun wie sonst über Weihnachten. Vermutlich wird es nicht jeder Brettspiel-Händler durch die Krise schaffen. Der Appell, seine Kaufkraft statt für Desinfektionsmittel und Toilettenpapier-Reserven zu nutzen, im Freizeitbereich einzusetzen, scheint gerechtfertigt. Am Ende entscheiden die Kunden – in diesem Fall Brettspieler – wohin ihre Gelder fließen. Der Aufruf lautet nicht „kauft nicht mehr online“, sondern: Denkt nach, bevor ihr etwas kauft.

Roll-and-heist: Einmaleins des Einbruchs

Zurück zum kostenlosen Würfelspiel. Nach Wochen der Vorbereitung ist es in einer mondlosen Nacht soweit: Stille liegt über der alten Villa, nur gelegentlich unterbrochen vom leisen Klicken, das Matts Dietrich im Schloss der Hintertür verursacht. Was nach einem verdammt miesen Einbruch klingt, ist genau das. Im Roll-and-Heist, quasi der kriminellen Version des Roll-and-write, lädt Autor Benjamin Schultz 1 bis 3 Spieler dazu ein, das Einmaleins des Einbrechens zu lernen.

Im London der 60er-Jahre fängt alles an. Eine Einbrecherbande reibt ihr Unwesen in der Stadt an der Themse. Viel benötigt wird nicht: neben den Print-and-play Dateien samt anschließendem Ausdruck, brauchen Spieler drei handelsübliche, sechsseitige Würfel. Dann kann es losgehen.

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Rundenweise führen Spieler vier Aktionen aus, von denen die letzte stets lautet: Wollt ihr abhauen? Dann gibt es nichts mehr zu holen, das Spiel endet und Spieler bekommen Punkte. Zwei weitere Bedingungen beenden die Partie ebenfall: Wer zu viele Spuren legt, verliert. Wer den Alarm auslöst hat noch die Chance zur Flucht, misslingt diese, ist das Spiel verloren. Durchschnittliche Einbrecher erreichen am Ende mehr als zehn Punkte, ein legendärer Raubzug gelingt bei 14 und mehr Punkten.

Unter anderem mit Janet und Matt können Brettspieler die kriminelle Karriereleiter erklimmen. Bild: Boardgame Racoon

Profi-Einbrecher: Unter anderem mit Janet und Matt können Brettspieler die kriminelle Karriereleiter erklimmen. Bild: Boardgame Racoon

Das Roll-and-write hat Benjamin Schultz kurzerhand für die #stayathome-Aktion entworfen. Das Setting hat er geklaut – bei sich selbst: „Ich habe ein Spiel mit dem Thema in der Schublade, aber das dauert momentan fünf Stunden“. Zu lang für Familienspieler, die derzeit aufgrund der Kita- und Schulschließungen besonders massiv von den Einschränkungen betroffen sind. Also hat der Autor das Thema recycelt und für ein kurzweiliges Würfelspiel mit einfachem Regelwerk verwendet. Das Konzept „print-and-play“ ist ohnehin ideal für die einkaufsreduzierte Corona-Zeit. Das Spiel ist auch ist einer Tinte-sparenden Version als Download verfügbar.

Drei neue Fälle kommen noch hinzu, dann geht es um die „extragroßen Brüche“. Und um den Kreis der Unterstützungsaktion zu schließen, gibt es mit dem großen Postzug-Raub eine zusätzlich Kampagne für all jene, die ihren lokalen Spieleladen unterstützen.

Derzeit aufgeführt sind 14 kleine Spiele-Shops:

Von Trier bis Berlin bitten lokale Händler um den Support der Brettspiel-Community. Die 14 Geschäfte stehen dabei stellvertretend für alle Spiele-Shops, die derzeit unter der Corona-Krise leiden. Abschließend ist die Liste auf der Aktions-Webseite von Boardgame Racoon übrigens nicht: „Es können sich gerne noch andere Läden melden“, meint Benjamin Schultz. „Ich hoffe, die Leute haben ein wenig Spaß damit und es kommt auch etwas bei den Läden an – die können es gerade echt gut gebrauchen“, so der Spieleautor.

Weitere Informationen und das kostenlose Würfelspiel gibt es unter: boardgame-racoon.de/pages/spiele/stayathome.


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