„Houston, we have a Dolphin“ auf Kickstarter: Das steckt hinter dem neuen Hybrid-Kartenspiel

Lesezeit: 5 Minuten

Launch gelungen. Die Crowdfunding-Kampagne zu „Houston, we have a Dolphin“ von Hybr, den Machern von Soviet Kitchen, läuft noch bis zum 28. Juli, ist allerdings bereits erfolgreich finanziert. Pünktlich zu Weihnachten soll das Hybrid-Kartenspiel mit dem ungewöhnlichen Thema auch über deutsche Einzelhändler verfügbar sein. Bei Erfolg haben die Gründer allerdings möglicherweise mehr vor mit ihrem neuen Spiel.


Rund 14.000 Euro hat Hybr bereits über Kickstarter für „Houston, we have a Dolphin“ eingenommen, angepeilt hatte das junge Dresdner Start-up eine Summe von 9.500 Euro. Das hybride Kartenspiel, bei dem zwingend eine Smartphone-App zu nutzen ist, hat damit einen erfolgreichen Launch hingelegt. Zwar soll das Spiel auch im deutschen Einzelhandel erhältlich sein, Unterstützer der Crowdfunding-Kampagne dürfen jedoch bereits im November loslegen.

Delfine als Alternative zu Schweinen im Weltall

Das Setting: abgedreht. Die Technik: Innovativ. Die Aufmachung: Spacig. „Houston, we have a Dolphin“ scheint in mehrfacher Hinsicht ein ungewöhnliches Kartenspiel zu sein. Die Macher bleiben damit jener Linie treu, die sie mit dem Hybrid-Spiel Soviet Kitchen zu ziehen angefangen haben. „HwhaD!“, so die liebevolle Abkürzung des Kartenspieltitels, ist nicht weniger innovativ. Erneut kommt eine App zum Einsatz, dennoch gibt es im Vergleich zu Soviet Kitchen einige deutliche Unterschiede, wie die kreativen Köpfe von Hybr bestätigen: „Unser Ziel war es, ein Social-Deduction-Spiel zu kreieren, das schon bei 3-5 Spielern Spaß bringt. Dass hierzu eine App zur Unterstützung notwendig ist, war uns bereits früh klar. Dass wir in diesem Spiel bereits den Bilderkennungsalgorithmus so gut nutzen können, stellte sich erst später heraus“.

Ihr neues Projekt liegt ihnen „sehr am Herzen“, natürlich tut es das. Ein wenig stolz erklären sie, man habe sich bei Story, Thema und Illustrationen ausgetobt. Dem Kartenspiel merkt man das an: Alles ist bunt, schrägt, eigenwillig – am Ende so präsentiert, dass „Houston, we have a Dolphin“ ein Hingucker ist, der auffällt ohne das Spiel gespielt oder sich mit der dahinterliegenden Technologie beschäftigt zu haben. Man könnte sagen, der Hybrid hat die Grenzen zwischen Zeit und Raum gesprengt. Oder anders: Es ist ein Abenteuer in unbekannte Welten. Die Macher beschreiben das ganz nüchtern: „Mit HwhaD! wollten wir nun ein anspruchsvolleres Spiel schaffen und zeigen, dass HYBR nicht auf ein bestimmtes Spielgenre beschränkt ist“.

Es handelt sich bei "HwhaD!" um ein Kartenspiel, etwas mehr Drumherum gibt es dennoch. Foto: Hybr

Es handelt sich bei „HwhaD!“ um ein Kartenspiel, etwas mehr Drumherum gibt es dennoch. Foto: Hybr

Die Idee ist zunächst simpel: Drei bis fünf Spieler nehmen teil, jeder steuert ein Astronautenteam mit unterschiedlichen Fähigkeiten. Die sonst eher niedlichen Delfine sind die hinterlistigen, schadhaften Elemente in diesem Spiel. Während die Crew versucht, den schiffbrüchigen Raumflitzer zu reparieren, droht ihnen Sabotage – durch eben jene potenziell gefährlichen Space-Delfine.

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Zwar nutzt auch „Houston, we have a Dolphin“, ebenso wie das Premierenwerk Soviet Kitchen eine App, die Spielidee ist dennoch eine völlig andere, die Mechanik sowieso. „Soviet Kitchen ist ein kooperatives Kartenspiel, mit Farben Mischen als Haupt-Spielmechanik und Giftmanagement durch Kartenwerte als Nebenschauplatz. HwhaD dagegen ist ein Social-Deduction-Spiel, ein Spiel mit verdeckten Rollen und einem „Verräter“ in der Spielgruppe. Somit ist es nur semi-kooperativ. Hinzu kommt die Deduktion der Kartenkombination und analysieren der möglichen Geschehnisse.“, erläutern die jungen Gründer.

Hwhad! ist komplexer als Soviet Kitchen und erfordert einiges Grübeln und Mogeln.
Hybr

Eine Neuerung, die Spielern selbst vermutlich kaum auffallen wird, verbirgt sich auf der technologischen Ebene des Hybrid-Kartenspiel: „Im Gegensatz zu Soviet Kitchen nutzt die HwhaD-App keinerlei Codes zum Einscannen der Karten“, erklären die Dresdner. „Stattdessen nutzt sie einen in-House entwickelten Bild-Erkennungs-Algorithmus. Somit können die Karten nun auch ganz einfach verdeckt gescannt werden – ohne störende Codes auf der Karten-Vorderseite. In Houston nimmt die App die Rolle des Spielleiters in Form des Bord-Computers ein. Während die innovative Nutzung bei Soviet Kitchen zum Farben-Mischen bereits neue Spielmechaniken brachte, wird sie nun als allwissende Black-Box genutzt.“ Informationen gebe die App dabei dosiert, damit Spieler die Geschehnisse selbst rekonstruieren müssen. Das Konzept dahinter ist noch neu, vermutlich sogar genial. „Wir sind sehr froh, dass Entwickler Jonas Kopcsek den Algorithmus bereits so weit optimieren konnte, dass er wunderbar im Spiel nutzbar ist“, meinen die Macher hinter dem Kartenspiel über ihren Technologie-Fuchs.

Die App erweist sich bei diesem Hybrid-Kartenspiel als weitaus mehr als nur ein „Hub“, von dem aus eine Partie gestartet wird – sie ist ein omnipräsentes Mittel, um Wissen zu managen, ohne dieses direkt in vollem Umfang an die Spieler weiterzugeben.

Pizza-Mafia war nicht skurril genug

Ihr neues Werk sei atmosphärischer als Soviet Kitchen, meinen die jungen Gründer. Es gibt Videosequenzen, Hintergrundmusik und Soundeffekte sowie eine animierte Spielerklärung – die App bringt Spielern bei, wie der Titel funktioniert. Zur Atmosphäre trägt bei, dass Hybr diesmal auf eine enorm ungewöhnliches Setting setzt. Die Grundidee sah zunächst allerdings weitaus weniger kreativ aus:  Ein Mafia-Thema sollte es erst werden. „Die Mafia in Palermo versucht Pizzerien auszurauben“, fassen die Gründer zusammen. Die Idee war ihnen am Ende zu klassisch, stattdessen sollten es Delfine im Weltall richten. Das Space-Setting reizte sie, Douglas Adams „Per Anhalter durch die Galaxis“ sorgte für den Rest – zusätzlich mussten dann irgendwie auch Delfine mit an Bord.

Karten werden von der App nicht durch Barcodes eingelesen, sondern durch Bilderkennung. Foto: Hybr

Karten werden von der App nicht durch Barcodes eingelesen, sondern durch Bilderkennung. Foto: Hybr

Mit ihren neuen Kartenspiel will Hybr „Social Deduction“ neu denken. Früh war ihnen klar, dass ein derartiges Konzept mit wenigen Spielern funktionieren solle, ohne allerdings an Komplexität einbüßen zu müssen. „Im Designprozess heraus, dass dieses Spiel von einer gewissen Komplexität profitieren muss, damit es auch bei nur drei Spielern eine Vielschichtigkeit gibt. Andererseits wollten wir ein Spiel schaffen, dass dank App auch ohne Regelheft spielbar ist. Diese beiden Ansprüche sind nicht leicht vereinbar, und es hat uns viele Gehirnschmalz gekostet hier einen sinnvollen Mittelweg zu finden.“ Hinter dem Konzept mit App steckt also eine clevere Idee.

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Ein Schnäppchen ist „Houston, we have a Dolphin“ als Kartenspiel für rund 26 Euro nicht, überteuert allerdings auch nicht. Wer das Spiel unterstützt soll damit langfristig Freude haben, prophezeien die Macher: „Hwhad, beinhaltet mehr als nur Karten. Ein Spielbrett und Spielsteine werden ebenfalls zum Spielen gebraucht – das macht es zu einem Brettspiel. Hinzu kommt die App. Ein großer Part in der Produktentwicklung und natürlich auch ein Kostenfaktor. Doch sie ermöglicht auch eine unglaubliche Spielvarianz und somit einen hohen Wiederspielwert.“

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Zusatzinhalte zum Grundspiel gibt es bereits: „Die erste Erweiterung „Houston, we have a Dolphin! Cyborg Heroes“ wird gleichzeitig mit Veröffentlichung des Grundspiels im Laden erscheinen“, so Hybr. Durch eine Auskopplung individueller Heldenfähigkeiten sollen sowohl Gelegenheitsspieler als auch Vielspieler angesprochen werden, letztere sind beim Thema „Social Deduction“ nicht selten anspruchsvoll, wissen die Macher von „Houston, we have a Dolphin“.

Eine erste Mini-Expansion gibt es bereits im Rahmen der Crowdfunding-Kampagne. Foto: Hybr

Eine erste Mini-Expansion gibt es bereits im Rahmen der Crowdfunding-Kampagne. Foto: Hybr

Wer mit sozialen Deduktionsspielen gar nichts anfangen kann, allerdings dennoch von Spielen wie „Werwölfe vom Düsterwald“, hierzulande erschienen bei Asmodee, gehört hat, kann einen Vergleich ziehen. Wer das Werwölfe-Konzept mag, wird mit dem Dolphin-Grundspiel zufrieden sein, meint Hybr. „Wer schon Erfahrungen mit The Resistance: Avalon, Secret Hitler oder auch Human Punishment gemacht hat, der wird sich für die Variabilität durch unsere Mini-Expansion bedanken“, meinen die Macher.

Das Kartenspiel „Houston, we have a Dolphin“ könnte zukünftig allerdings noch um weitere Inhalte angereichert werden: „Abhängig von der Resonanz der Spieler werden wir gerne an Erweiterungen arbeiten“, bestätigen die Macher. Erste Ideen diesbezüglich gebe es bereits. Womöglich werde das Raumschiff also auch mal „einen Anhalter aufgabeln“. Nicht geben soll es allerdings In-App-Käufe, sprich Mikrotransaktionen. Erweiterung zu dem hybriden Kartenspiel würden daher überwiegend physischer Natur sein. Derzeit für Abwechslung sorgen schrittweise freischaltbare Gimmicks: etwa alternative Soundtracks oder auch neue Spielkarten, die automatisch dem Setup zugemischt werden.

Informationen zur Crowdfunding-Kampagne gibt es hier. Dort besteht auch die Möglichkeit, das Kartenspiel zu unterstützen.


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