Seit Freitag ist der neuste Film von Zack Snyder auf Netflix verfügbar. Wir haben uns das Zombie-Action-Spektakel mit Dave Bautista und Matthias Schweighöfer angeschaut. Ob sich „Army of the Dead“ lohnt könnt ihr im Folgenden nachlesen. 


Zombiespektakel mit Startschwierigkeiten

„Army of the Dead“ hat eine sehr holprige Entstehungsgeschichte. Bereits seit 2004, nachdem Snyder sein „Dawn of the Dead“ Remake unter Dach und Fach gebracht hatte. Befindet sich der Film mal mehr, mal weniger aktiv in der Produktion. Damals schon wurde ihm die Regie für einen „Army of the Dead“ Film bereits angeboten, welche er allerdings aufgrund anderer Projekte zunächst ausgeschlagen hatte.  Einige Jahre später wurde die Idee wieder ausgegrabenen und man präsentierte 2010 mit „The Thing“-Macher Matthijs van Heijningen Jr. sogar bereits einen Mann auf dem Regiestuhl.

Nachdem daraus wieder nichts wurde, hörte man zunächst nicht mehr viel von „Army of the Dead“. Doch 2019 sicherte sich letztendlich Netflix die Rechte, welche bisher bei Warner lagen und verpflichteten Zack Snyder für Regie, Drehbuch und Kameraarbeit. Doch damit waren die Probleme für den Film noch nicht pase. Nach Abschluss der Dreharbeiten wurde Chris D’Elia, welcher ursprünglich Teil des Casts war, mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert. Weshalb seine Figur durch Schauspielerin Tig Natora ersetzt wurde und seine Szenen mithilfe von Body Doubles und Green Screens neu gedreht wurden.

Wenn ein Film unter solchen Bedingungen entsteht, ist das in der Regel kein besonders gutes Vorzeichen. Doch um einen Teil des Fazits vorwegzunehmen. Man merkt Army of the Dead die komplizierte Entstehung nicht an. Selbst die mit Tig Natory nachgedrehten Szenen fügen sich nahezu nahtlos in das Gesamtbild ein und Snyder hat es trotz der Widrigkeiten geschafft, ein ansehnliches Action-Spektakel auf die Beine zu stellen. Beeindruckend ist insbesondere die visuelle Umsetzung. Hier erkennt man eindeutig Snyders Handschrift. Welcher einfach ein Händchen für bildgewaltige Action-Szenen hat. Insbesondere wenn man bedenkt das Army of the Dead ein für Blockbuster verhältnismäßig geringes Budget von 90 Millionen Dollar hatte. Das von Snyder ins Leben gerufene zombieverseuchte Las Vegas gibt immer ein gutes Bild ab.

Zombie Film meets Heist Movie

Nachdem zu Beginn des Films Las Vegas durch „Patient-Zero“ verseucht und mit Zombies überrannt wird. Gelingt es der US-Armee, die Stadt durch eine Container Barrikade abzuriegeln und die Zombie Epidemie somit einzudämmen. Dies wird in einer gelungenen Montage dargestellt, in welcher sich die Zombies zunächst unaufhaltsam in der Stadt ausbreiten. Während einige wenige Bewohner der Stadt sich verzweifelt zur Wehr setzen, um der Armee genug Zeit zur Abriegelung zu erkaufen. Die Szenen triefen von wunderbar viel Phatos und werden von einem „Viva Las Vegas“ Remix von Richard Cheese und Allison Crowe begleitet.

Einige Zeit später setzt dann die eigentliche Handlung des Films ein. Als die US-Regierung beschließt, das Zombie Problem durch einen nuklearen Sprengkopf zu beseitigen. Beauftragt Casino-Besitzer Bly Tanaka (Hiroyuki Sanada) eine Söldnertruppe, angeführt von Scott Ward (Dave Bautista) damit 200-Millionen Dollar aus dem Tresor seines Casinos zu bergen bevor es zu spät ist. Neben dem Zeitdruck besteht natürlich noch das kleine Problem, dass sich eine Armee von Untoten zwischen Scott und dem Geld befindet. Um diesem Herr zu werden, rekrutiert er eine bunte Truppe, bestehend aus verschiedenen Experten.

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Flache Charaktere mit viel Chemie

Neben seinen alten Weggefährten Maria Cruz (Ana de la Reguera) und Vanderhohe (Omari Hardwick) engagiert er noch die dauerfluchende Helikopterpilotin Marianne Peters (Tig Notaro) sowie den deutschen Tressor-Knacker Dieter (Matthias Schweighöfer). Abgerundet wird die Truppe durch weitere mehr oder wenige verrückte Charaktere, die sich vor allem auf  das Töten von Zombies verstehen sowie Tanakas Sicherheitsexperte Martin (Garret Dillahunt). Zuletzt stößt gegen Scotts Willen noch seine Tochter Kate (Ella Purnell) zu der Bande hinzu.

Mehr muss man zu den einzelnen Charakteren auch nicht sagen. Denn die Figuren sind 1 zu 1 aus dem Actionbaukasten entnommen. Doch dies ist nicht schlimm, da der Film weder realistische noch tiefgründige Figuren zeichnen möchte. Schweighöfers Figur Dieter fungiert als nerdiger Comic Relief mit dem Herz am rechten Fleck. Welcher immer wieder beweist das er wie ein Mädchen schreien kann. Der kampferprobte Vanderhohe zeichnet sich dadurch aus das er gerne mit philosophischen Zitaten und Theorien um sich wirft. Und zwischen Scott und Kate wird eine scheinbar komplizierte Vater-Tochter Beziehung etabliert, welche mit 3-4 Dialogen abgefrühstückt ist.

Doch all dies fällt nicht weiter schwer ins Gewicht. Da man den Schauspielern anmerkt, dass sie Spaß am Set hatten. Die Chemie zwischen allen Beteiligten ist hervorragend und dies überträgt sich auch auf den Zuschauer. Insbesondere Dave Bautista beweist mal wieder sein Können und glänz in den wenigen emotionalen Momenten des Films. Genauso wie während den unzähligen Action-Szenen.

Manchmal ist weniger mehr

Neben vielen positiven Aspekten muss sich „Army of the Dead“ allerdings auch einige Kritikpunkte gefallen lassen. So werden einige interessante Aspekte aufgegriffen nur um sie dann komplett fallen zu lassen, oder ihr Potenzial nicht auszuschöpfen. Beispielsweise werden die Zombies, ähnlich wie in I´m Legend mit Will Smith als wesentlich intelligentere Wesen mit Gefühlen dargestellt. Dass diese Prämisse nicht voll ausgeschöpft wird, kann ich vor dem Hintergrund einer möglichen Vortsetzung und da sie ein wesentliches Element des Plots ist, noch verzeihen. Doch für andere interessante Ideen gilt dies nicht.

So wird angedeutet, dass die Möglichkeit einer Zombieinfektion als Instrument benutzt wird um Personen politisch Gefangenzusetzen. Doch warum dies so ist, wie es umgesetzt wird und wer davon betroffen wird. Wird im weiteren Verlauf des Films nicht mehr näher thematisieren. Stattdessen konzentrieren sich einige Szenen des Films auf einen völlig unnötigen Sub-Plot, bei welchem Kate eine Freundin aus Las Vegas befreien will. Die von den Zombies eingekesselte Freundin fungiert zwar als ihre Motivation. Doch diese hätte man auch anders etablieren können, ohne Screentime auf diesen Sub-Plot zu investieren.

Kurzum diese unnötigen Ideen und Szenen hätte sich der Film sparen können. Entweder um die doch etwas lange Laufzeit zu straffen. Oder um den Charakteren doch noch etwas mehr Tiefe und Hintergrund zu verleihen.

Fazit

„Army of the Dead“ ist ein Actionspektakel, das mit gut inszenierter und bildgewaltiger Action überzeugen kann. Weder will der Film zwischenmenschliche Konflikte wie „The Walking Dead“ forcieren. Noch will er eine dramatische Handlung wie in „Dawn of the Dead“ etablieren. Der Film schafft es den Zuschauern in leicht verdaulichen Häppchen genau das hinzuwerfen was man als Action-Fan erwartet. Ohne dabei zu einer Satire alá „Zombieland“ zu werden. Das Ganze ist gespickt mit Zombie-Typischem Splatter und einigen wenigen wirklich expliziten Szenen. Action- und Zombie Fans können ohne Probleme zugreifen. Alle anderen merken nach den ersten 15 Minuten, ob der Film etwas für sie ist oder nicht.