Seit 2010 ist das Brettspiel 7 Wonders von Antoine Bauza, das bei Repos Productions veröffentlicht und von Miguel Coimbra illustriert wurde, auf dem Markt erhältlich. Die Resonanz auf den strategischen Titel war positiv. Das Aufbauspiel wurde bereits mit 30 internationalen Auszeichnungen geehrt, darunter auch die zum Kennerspiel des Jahres 2011. Zur Feier des zehnten Jubiläums von 7 Wonders wurde in diesem Jahr eine überarbeitete Neuauflage herausgebracht, die auf dem deutschen Spielmarkt von Asmodee vertrieben wird. Lest nachfolgend unsere Rezension zum neu aufgelegten Weltwunder-Brettspiel.


Zur Feier des Jubiläums von 7 Wonders erhielt das Aufbau- und Kartenspiel einen modernen Anstrich. So wurde das Design der Box und des Spielmaterials verändert und gleichzeitig für Menschen die mit einer Farbsehschwäche leben angepasst, außerdem wurden die Regeln, Spielhilfen und Kartentexte überarbeitet, platzsparend gestaltet und zugänglicher gemacht.

Insgesamt macht das übersichtlicher gestaltete Material einen aufgeräumten Eindruck. Das erkennt man schon an der weniger bunten, dafür aber goldglänzenden Spielbox. Auch die Bebilderung des Spielmaterials wurde ansprechend reduziert, so dass Informationen nun deutlicher erkennbar sind. Viele Verbesserungen der Neuauflage von 7 Wonders fallen in die Kategorie „Quality of life“, nicht ist grundsätzlich zwingend notwendig, in der Masse beeinträchtigen die Detailverbesserungen das Spielerlebnis jedoch spürbar.

Optische Überarbeitung: Schön und praktisch

Die leicht vergrößerte Spielbox enthält neben sieben Weltwunder-Tableaus, 49 Zeitalter-I-Karten, 49 Zeitalter-II-Karten, 50 Zeitalter-III-Karten, 48 Konfliktmarken: 24 Niederlagenmarker und 24 Siegmarker, 78 Münzen: 54 Münzen mit Wert 1 und 24 Münzen mit Wert 3, 1 Wertungsblock, 1 Kartenübersicht, 1 achtseitige Spielanleitung und 3 Spielhilfen.

Im Vergleich zur Erstausgabe sind die Weltwunder-Tableaus, die ab jetzt eine Tag und eine Nachtseite besitzen, sowie die Spielanleitung leicht vergrößert worden, was der Übersichtlichkeit dienen soll. Die Zeitalterkarten wurden ebenfalls überarbeitet. Sie erstrahlen auf ihrer Rückseite, je nach Zeitalter, nicht nur in Bronze, Silber oder Gold, sondern bieten auch eine leichter verständliche Symbolik.

Die neue Optik der Zeitalterkarten ist hervorragend: Bronze, Silber und Gold hat man immer schon gewollt. Foto: Volkmann

Die neue Optik der Zeitalterkarten ist hervorragend: Bronze, Silber und Gold hat man immer schon gewollt. Foto: Volkmann

Die Geschichte von 7 Wonders dreht sich um die Herrschaft der Spieler über eines von sieben Weltwundern in Form von Städten der Antike. Zur Wahl stehen dabei Babylon, Olympia, Gizah, Rhodos, Ephesos und Alexandria. Ganz wie von anspruchsvolleren Aufbauspielen gewohnt, ist das Ziel des Brettspiels, die zufällig gezogene Stadt auszubauen, die Wissenschaft zu fördern, das Militär zu entwickeln, Handelsabkommen abzuschließen und Gebäude und Objekte zu erbauen. Gelingen dem Spieler diese Schritte, führt er seine Zivilisation in eine ruhmreiche Zukunft.

Durch Detailanpassungen zum besseren Spiel

Eine Spielpartie umfasst drei Zeitalter, mit denen bei 7 Wonders Spielrunden beschrieben werden. In jedem Zeitalter werden von allen Mitspielern zugleich Karten ausgespielt, um die eigene Stadt durch Gebäude, wie Rohstoffproduktionen, Zivilbauten, Handelsgebäude, Militärgebäude, Wissenschaftsgebäude und Gilden, zu erweitern. Zum Abschluss des jeweiligen Zeitalters tragen die Spieler militärische Konflikte gegen die Nachbarn aus. Nach der dritten, spiel-abschließenden Runde, siegt der Spieler mit den meisten Siegpunkten.

Die Optik ist frischer und moderner: 7 Wonders ist mehr Spiel fürs Auge als vor rund neun Jahren. Foto: Volkmann

Die Optik ist frischer und moderner: 7 Wonders ist mehr Spiel fürs Auge als vor rund zehn Jahren. Foto: Volkmann

Spielerisch hat sich nicht viel verändert. Dennoch darf man der Neuauflage zugestehen, aus einem guten Spiel ein noch besseres Spiel gemacht zu haben: Optik, Fertigung, Spielübersicht – es gibt verschiedene Bereiche, in denen Hand angelegt wurde, um 7 Wonders tatsächlich neu aufzulegen und nicht nur neu zu drucken.

Das Grundkonzept bleibt sich reut: Zu Beginn der Partie ziehen die Spieler zufällig ein Wunder: Die hängenden Gärten von Babylon, den Leuchtturm von Alexandria, das Mausoleum von Halikarnassos, den Koloss von Rhodos, den Zeustempel von Olympia, den Tempel der Artemis Ephesos oder die Pyramiden von Gizah. Nun entscheiden sie  sich noch für eine Tageszeit, Tag oder Nacht, die verschiedene Bauabschnitte enthalten. Werden die Bauabschnitte mit den benötigten Ressourcen ausgeführt, winken Siegpunkte, Ressourcen oder Militärstärke. Die Wunder produzieren daneben eine bestimmte Ressource. Das Spiel verläuft anschließend in drei Zeitalterphasen. Jede Phase entspricht dabei einem Kartenstapel. Die Runden der Zeitalter spielen sich gleichbleibend.

Die Wendekarten haben jeweils eine Tagesseite und eine, die die Wunder in der Nacht abbildet. Fotos: Volkmann

Die Wendekarten haben jeweils eine Tagesseite und eine, die die Wunder in der Nacht abbildet. Fotos: Volkmann

Zunächst werden Handkarten aufgenommen, von denen es sieben verschiedene Arten gibt: Rohstoffe (braun) und Manufakturprodukte (grau) dienen dem Bau von Gebäuden, Zivilbauten (blau) und Wissenschaftsgebäude (grün) sind richtig kombiniert wertvolle Siegpunkte wert, Handelsgebäude (gelb) ermöglichen das Verhandeln mit Mitspielern und das Gewinnen von Währung oder Ressourcen, Militärgebäude (rot) ermöglichen siegreiche Feldzüge am Ende eines Zeitalters und Gilden (violette), die erst im dritten Zeitalter erscheinen und durch die richtigen Strategien zu Siegpunkten führen.

Anschließend können in jeder Runde drei Aktionen ausgeführt werden: Die Spieler können eine Handkarte ausspielen, wenn sie die dazu notwendigen Ressourcen auszahlen können. Dabei können entweder Gebäude gebaut, ein Bauabschnitt eines Weltwunders vollendet oder eine Karte gegen Währung verkauft werden. Am Ende der Runde wird eine Militärphase eingeläutet. Dabei treten die Spieler gegen ihre zwei Nachbarn links und rechts von ihnen an. Derjenige mit dem stärksten Militär gewinnt das Kräftemessen und damit den Siegmarker des Zeitalters, der zum Spielende zusätzliche Siegpunkte wert ist.

Mindestens zwei Gegenspieler braucht es, um 7 Wonders gemäß der Spielidee angehen zu können. Foto: Volkmann

Mindestens zwei Gegenspieler braucht es, um 7 Wonders gemäß der Spielidee angehen zu können. Foto: Volkmann

Das alles klingt wenig komplex, fast simpel. Man muss 7 Wonders selbst gespielt haben, um erkennen zu können, wie verzahnt die Spielelemente sind. Daraus und aus der daraus resultierenden Komplexität zieht dieses strategische Brettspiel seinen Reiz. Spielern wird förmlich aufgedrängt, ihre Züge zu optimieren, die Aktionen der Gegenspieler genau zu verfolgen und darauf zu reagieren. Genau das macht die Neuauflage einem deutlich leichter: Dank der optischen und designtechnischen Detailanpassungen kann man das Spielgeschehen besser im Blick behalten und daraus seine Schlüsse ziehen. Das fällt insbesondere bei einer größeren Mitspielerrunde auf, bei der es in der Ursprungsversion schnell unübersichtlich wurde. Ein fast schon simples System räumt mit dem Chaos auf und stellt dadurch gleichzeitig wieder den Spielablauf selbst in den Mittelpunkt. Was sich mit der Version von einst mitunter anstrengend anfühlte, zu einem Krampf werden konnte, ist nun einfach „nur“ unterhaltsam.

Anders als zuvor, ist die Neuauflage erst ab drei Mitspielern spielbar und höchstens mit sieben. Zuvor konnten zwei bis sieben Spieler an einer Partie 7 Wonders teilnehmen. Damit orientiert man sich an jener ungeschriebenen Vorgabe, die unter Maßnahme des Spaßfaktors genau die richtige ist: Statt sich im Duell durch 7 Wonders quälen zu müssen, soll man das Brettspiel nun empfohlenermaßen so genießen, wie es eigentlich gedacht war: Mit mindestens drei Spielern, damit sich die komplexen Mechanismen aus tatsächlich entfalten können. Wer 7 Wonders zu zweit spielen möchte, greift zur spezieller Duell-Variante „Duels“.

Die Illustrationen der Wunder-Karten sind grandios. Foto: Volkmann

Die Illustrationen der Wunder-Karten sind grandios. Foto: Volkmann

Das empfohlene Spielalter liegt bei mindestens zehn Jahren und richtet sich in dieser Altersklasse eher an clevere Kids. Hinter 7 Wonders stecken clevere Kniffe und Verkettungen, denen man sich von Partie zu Partie bewusster wird. Als Faustregel gilt daher: Auch die Neuauflage macht mit jedem neuen Durchgang mehr Spaß, der Lehr- und Lerneffekt ist spürbar, überfordert aber nicht. 

Eine Partie des simultan gespielten Brett- und Kartenspiel mit Sammel- und Aufbaumechanik liegt bei ungefähr 30 Minuten Spielzeit. Zu der Neuauflage der Grundversion von 7 Wonders sind ebenfalls überarbeitete Erweiterungen auf dem Markt erschienen. So sind drei von insgesamt sieben der Add-Ons überarbeitet worden: Leaders, Armada und Cities.

Infobox

Spielerzahl: 3 bis 7 Spieler
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: hoch

Verlag: Repos Productions/Asmodee
Webseite: Link
Erscheinungsjahr: 2020 
Autor: Antoine Bauza
Illustrationen: Miguel Coimbra
Sprache: deutsch
Kosten: 33 Euro

Fazit

Auch wenn es sich bei 7 Wonders nicht um ein hochkomplexes Aufbauspiel handelt, bringt es Familien- und Vielspieler an einen Spieltisch. Die kurzgehaltene und verständliche Spielanleitung, die übersichtlichen Spielhilfen und Spielkarten machen einen schnellen Einstieg in das Spielgeschehen dabei möglich. Im Spielverlauf bietet das Spiel seinen Spielern viele Möglichkeiten für Strategien, die durch das parallele Spielen nicht so schnell von den Mitspielern durchschaut werden können. Dennoch bietet das Spiel zum Ende jeder der drei Runden einen kompetitiven Anteil. Besonders diese Mischung bietet viel Potential für spannende Partien auf dem Spielbrett. Das dabei nun drei bis sieben und nicht mehr zwei bis sieben Spieler am Spieltisch Platz nehmen dürfen ist ein Vorteil den Spieler zu schätzen wissen, die 7 Wonders in der Vergangenheit zu zweit, in einer sich nicht ausgehenden Partie, gespielt haben. Was weiterhin gilt: Kaum Wartezeit.

Die Neugestaltung im Vergleich zu der Erstauflage aus dem Jahr 2010 bietet einige grafische Verbesserungen, die das Spiel übersichtlicher und damit leichter verständlich machen. So wurden die Symbole der Ressourcen, der Militärkarten sowie der Wunder deutlich überarbeitet, wie die Tag- und Nacht-Seite der Wunder-Tableaus. Die Spielbox und die Rückseiten der Karten erscheinen nun klassisch und einheitlich durch ihr vergoldetes und reduziertes Design.

Gleichzeitig wurden die Spielkarten unter Balancing-Gesichtspunkten ausgeglichen sowie kontrastreicher und lesbarer gestaltet. Menschen mit einer Sehschwäche können nun durch ein neuartiges Symbolsystem unproblematisch mitspielen. Positiv fallen hierbei auch die Möglichkeiten auf, die Spielkarten untereinandergelegt an die, in der Neuauflage deutlich vergrößerten, Wunder zu platzieren, das spart viel Platz auf dem Spieltisch, und auch die verkürzten und verständlicher beschriebenen Spielregeln bieten Grund zur Freude. Diese ermöglichen es nun auch Gelegenheitsspielern ohne stundenlanges Regelstudium in den Spielgenuss von 7 Wonders zu kommen. Zusammengefasst wirkt das Aufbauspiel in seiner Neuauflage modern und aufgeräumt. Einziger Wermutstropfen, das neue 7 Wonders ist mit den alten Erweiterungen nicht kompatibel. Ob neben Leaders, Armada und Cities noch weitere überarbeitete Add-Ons erscheinen werden ist bisher noch nicht bekannt geworden. DIe strategische Tiefe entfaltet sich grundsätzlich auch ohne Erweiterungs-Feuerwerk, allerdings dürfte der sukzessive Neuaufbau der Marke sich positiv auf die Langzeitmotivation auswirken – auch wenn der Wiederspielwert bereits beim Grundspiel hoch genug ist.

Nach unseren Partien mit der Neuauflage von 7 Wonders sind wir von der güldenen Version des Spiels angetan. Zunächst spricht uns das aufgeräumte Design an. Auch die verschiedenartig gestalteten Tag- und Nachtseiten der Wunder können sich sehen lassen. Insgesamt empfinden wir das Aufbauspiel genau so unterhaltsam wie schon die Erstauflage, jedoch übersichtlicher und das kommt dem Spielfluss zugute. Ob sich mit der Neuauflage von 7 Wonders auch gleichzeitig eine Neuanschaffung lohnt? Das hängt maßgeblich davon ab, wie sehr man den Klassiker mag. Wer 7 Wonders regelmäßig und in größeren Mitspielerrunden auf den Tisch bringt, profitiert von den Anpassungen, dem Mehr an Überblick und der runderneuerten, frischen Optik. Wer 7 Wonders bislang eher solide fand, wird seine Meinung trotz Neuauflage kaum ändern. Spieler, die in die Idee einsteigen, greifen idealerweise zu 7 Wonders (2020) und lernen das durchaus komplexe strategische Aufbauspiel mit all seinen neuen Vorteilen kennen.


Letzte Aktualisierung am 18.09.2021 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API. * = Affiliate Links. Bilder von Amazon PA-API