Tales of Glory hat sich im Test als unterhaltsames, einfach zu erlernendes, aber dennoch streckenweise tiefgründiges Lege-Brettspiel um Helden in einem Fantasy-Mittelalter erwiesen. Der Titel ist hierzulande in einer deutschsprachig lokalisierten Version über den schweizerischen Verlag Board Game Box erhältlich,


Es gibt sie: die unterschätzten Brettspiele, deren Unterhaltungswert sich als überraschend hoch entpuppt. Tales of Glory ist einer dieser Titel, die man lange nicht auf den Tisch gebracht hat, dann aber bereut, es nicht früher getan zu haben. Helden müssen ihren Wert einfach erst beweisen.

Wahrhaft heldenhaft: Tales of Glory

Tales of Glory ist ein wahrhaft heldenhaftes Spiel, in dem man nicht bloß in die Rollen der tapferen Recken schlüpft, sondern ihren Alltag nachspielt. Jeder Zug in dem vom Schweizer Verlag Boardgamebox für den deutschsprachigen Markt lokalisierten Brettspiel repräsentiert einen Tag im Leben eines Helden. Das Original ist bei Ankama erschienen. Der Autor Romain Chastan hatte die Idee, Miguel Coimbra hat dem Titel optisch seinen Stempel aufgedrückt.

Test Tales of Glory Brettspiel Rezension

Die zentrale Auslage ist der Dreh- und Angelpunkt für Helden und ihre Abenteuer. Foto: Volkmann

Abenteuer, Ruhm, Reichtum, Unbekanntes – das Leben eines Helden steckt voller Erlebnisse. Nachspielen können das in dem Fantasy-Mittelalter-Brettspiel zwei bis fünf Mutige, die dem Legeplättchen-Draft samt Ressourcen-Balancing nicht abgeneigt sind. Der Start in den Heldentag gelingt schneller als mag „Oger!“ schreien kann: Spielbrett hingelegt, die der Spielerzahl entsprechende Anzahl an Plättchen platziert, Restmaterial bereitgelegt, dann kann es auch schon losgehen. Die Grundregeln sind simpel, einfach ist das Tales of Glory deshalb aber noch lange nicht. Einige Handgriffe wollen mehrfach durchgeführt werden, bis die Ideen dahinter sitzen.

Einarbeitungszeit setzt das Fantasy-Mittelalter-Brettspiel also voraus, wenn auch keine ausufernd lange. Über die Siegbedingungen kann man indes ächzen: Es geht schlicht um Punkte. Bei Tales of Glory ist der Weg das Ziel, denn die Heldentage sind gefüllt mit Abenteuer, Gold, und der Chance, nach Erstpartien deutlich tiefer einzutauchen in das Spielgeschehen. Das Brettspiel glänzt mit seiner Lernkurve, die auch für Kenner spürbar ist. Mögen muss man die Prestigepunkte-Hatz allerdings, deren Thema zwar stimmig, aber austauschbar ist.

Zehn Runden sollt ihr spielen, keine mehr und keine weniger

Gespielt wird nicht bis zum ersten Heldentod, sondern eine festgelegte Rundenzahl: Nämlich zehn. Während dieser tun die Helden, was Heroen eben so tun. Monster verprügeln zum Beispiel, lieber aber Schätze sammeln oder allerlei Gebräu in sich hineinschütten. Welche Abenteuer die Spieler bestreiten wollen, wählen sie aus einer Auslage in der Tischmitte. Dann werden Plättchen platziert und Karten ausgewählt, um die dann zeitgleich aufzudecken. Ist das gewählte Abenteuer bereits besetzt, darf erneut in einer Nachholrunde ausgesucht werden. Irgendwann sind die Destinationen verteilt und es geht weiter. Das Anlegen an den Helden ist natürlich nicht kostenfrei. So gilt es im Verlauf des Spiels möglichst sinnvolle und seiner Erfahrungsstufe entsprechende Entscheidungen zu fällen. Am Ende gibt es Punkte für das Erlebte.

Spätestens jetzt sollte deutlich geworden sein, worum es in Tales of Glory tatsächlich geht: Punkte optimieren. Es gilt, möglichst kluge strategische Entscheidungen zu treffen, um das Maximum an Prestige aus der Auslage herauszuholen. Das ist gleichzeitig auch der größte Kritikpunkt an Tales of Glory, denn je ähnlicher die Fähigkeiten der Spieler sind, desto frustrierender kann es sein, wenn man mal wieder nicht das auserkorene Abenteuer erwischt. Längst nicht alle Taktiken führen nämlich zum Erfolg. Man muss sich daher auch mit der schlechteren Wahl begnügen können, sonst wird es schwerfallen, die Motivation aufrecht zu erhalten. Umso größer ist die Freude, wenn einen dann der Startspielmarker wieder erreicht: der ist im Gegensatz zu vielen anderen Brettspielen nämlich ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Tales of Glory Rezension Brettspiel

Der Look aus der Feder von Miguel Coimbra ist ein Highlight. Foto: Volkmann

Ein Ärgerfaktor kommt dadurch übrigens situationsbedingt auch auf. Man kann die Strategien anderer Spieler mit der Abenteuer-Auswahl natürlich auch blockieren. Punkte lassen sich auf direktem Weg durch Quests verdienen, etwas durch Monsterprügeleien, aber auch durch Handlungen, die die Aufgaben entsprechend den zukünftigen oder vergangenen Heldentaten beeinflussen. Stets gilt es, seine eigene Strategie zu verfolgen, dabei aber die der Gegner nicht außer Acht zu lassen. Die Übersicht zu behalten, ist nicht leicht, aber einer der Schlüssel zum Weg. Das gilt vor allem, weil zu Beginn zufällig verteilte Auftragsplättchen eine Partie sogar kippen können.

Insgesamt ist Tales of Glory ein solides Brettspiel ohne große Highlights. Im Gegenzug gibt es allerdings auch wenige zu kritisieren. Was funktionieren muss, funktioniert. Wer das Prinzip verstanden hat, mit dem Fantasy-Mittelalter-Thema etwas anfangen kann und eine Alternative zu Spielen wie beispielsweise 7 Wonders oder Carcassonne sucht, der wird Tales of Glory gar als kleines Juwel betrachten.

Infobox

Spielerzahl: 2 bis 5
Alter: ab 10 Jahren
Spielzeit: 30 bis 55 Minuten
Schwierigkeit: mittel
Langzeitmotivation: mittel
Genre: Strategisches Brettspiel
Untergenre: Lege-Brettspiel
Kernmechanismen: Plättchen legen und draften, Missionen, Ressourcen-Management

Autoren: Romain Chastan
Illustrationen: Miguel Coimbra
Verlag: Ankama / Board Game Box
Offizielle Website: Link
Erscheinungsjahr: 2018
Sprache:  deutsch
Kosten: 40 Euro 


Fazit

Die zehn Runden vergehen die im Flug. Mitunter kommt sogar das Gefühl auf, die Partie sei zu schnell vorbei. Geschuldet ist das insbesondere dem einfachen Grundregelwerk und dem schnörkellosen Spielablauf. Plättchen verwalten und viel Sammelei, das sind die beiden Kernkomponenten von Tales of Glory, das als Brettspiel ohne Extravaganzen voll auf Unterhaltung ausgelegt ist. Unterschätzen sollte man das Spielprinzip aber nicht, immerhin bietet es durchaus taktische Tiefe. Die strategischen Entscheidungen sind mannigfaltig, es gibt viele Wege, um Siegpunkt zu erlangen. Oft gehen die Partien knapp aus, weil das Balancing hervorragend gelungen ist.

Tales of Glory ist die Art Familienspiel, die sind in unterschiedlichen Spielertypenkombinationen auf den Tisch bringen lässt. Nach einigen Einführungsspielen kommt schnell der Punkt, an dem man sich dem Optimieren hingibt. Das Thema des Brettspiels ist grundsätzlich beliebig, passt jedoch zum Gebotenen. In jeder Runde gilt es aufs Neue, Entscheidung von Tragweite zu treffen. Weil viele Kombinationen sinnvoll, einige aber besonders effektiv sind, wirkt sich tatsächlich spürbar aus, was man zu welchem Zeitpunkt tut. Mit Nebensächlichkeiten hält man sich bei einer Partie Tales of Glory jedenfalls nicht auf – das kommt dem Spielfluss und der Spieldauer zugute.

Die Illustrationen und das Material sind gelungen, sodass Tales Of Glory als einer der hübscheren Vertreter unter den seichten Legespielen angesehen werden kann. Auf seine besondere Weise ist das Spiel ein kleiner Überraschungshit: Das Brettspiel bietet deutlich mehr als man ihm auf den ersten Blick zutrauen würde.


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